Rechtsprechung / BPatG / 27. Senat / 2014

BPatG Beschluss vom 28.02.2014 – 27 W (pat) 554/13

27. Senat

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Leitsatz

DSA/BSA Eine für sich kennzeichnungskräftige Buchstabenkette behält auch neben der diese als Abkürzung (Akronym) erläuternden Wortfolge im Widerspruchsverfahren seine prägende Stellung.

Tenor§

In der Beschwerdesache

…

betreffend die Marke Nr. 30 2011 047 087

hat der 27. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 28. Februar 2014 durch Vorsitzenden Richter Dr. Albrecht, Richter Hermann und Richter k.A. Schmid

beschlossen:

1. Der Beschluss der Markenstelle für Klasse 41 vom 30. Juli 2013 wird aufgehoben, soweit der Widerspruch aus der Marke Nr. 30 2008 041 940 bezogen auf die für die angegriffene Marke registrierten Waren und Dienstleistungen

Kl. 16:

Briefpapier; Holzpappe [Papier- und Schreibwaren]; Hüllen [Papier- und Schreibwaren], Papier- und Schreibwaren; Papier, Pappe (Karton) und Waren aus diesen Materialien, soweit sie nicht in anderen Klassen enthalten sind; Plakate aus Papier und Pappe; Schülerbedarf [Papier- und Schreibwaren]; Verpackungspapier; Schachteln aus Pappe oder aus Papier

Kl. 35:

Marketing, Werbung, Organisation von Ausstellungen für wirtschaftliche und Werbezwecke

Kl. 38:

Telekommunikation mittels Plattformen und Portalen im Internet; Bereitstellung des Zugriffs auf Informationen im Internet; Bereitstellung von Internet-Chatrooms; elektronischer Austausch von Nachrichten mittels Chatlines, Chatrooms und Internetforen

Kl. 41:

Aus- und FortbiIdungs- sowie Erziehungsberatung; Fernunterricht; Personalentwicklung durch Aus- und Fortbildung; Coaching; Veranstaltung und Durchführung von Seminaren; Training; Veranstaltung von Ausstellungen für Unterrichtszwecke; Durchführung von Live-Veranstaltungen; Demonstrationsunterricht in praktischen Übungen; pädagogische Beratung

zurückgewiesen worden ist.

2. Im Umfang der in Ziffer 1. angegebenen Dienstleistungen wird die Marke Nr. 30 2011 047 087 gelöscht.

3. Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.

4. Die Rechtsbeschwerde wird zugelassen.

Gründe§

I.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_1

Gegen die am 25. November 2011 eingetragene Wort-/Bildmarke Nr. 30 2011 047 087

Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_2

ist in vollem Umfang aus der eingetragenen Wortmarke Nr. 30 2008 041 940

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_4

die für die Waren und Dienstleistungen

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_6

Magnetische, optische und digitale Aufzeichnungsträger wie Disketten, Magnetbänder, optische Platten, CD-ROMs, CD-I und DVD; Taschenrechner; Computermäuse

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_8

Papier, Pappe (Karton) und Waren aus diesen Materialien (soweit in Klasse 16 enthalten); Druckereierzeugnisse, Bücher, Lehr- und Unterrichtsmittel (ausgenommen Apparate), Druckschriften; Schreibwaren; Schreibgeräte, Bleistifte, Farbstifte, Radiergummis, Bleistiftspitzer, Kugelschreiber, Lineale, Schreibzeugkocher, Schreibmappen, Schreibhefte, Schreibetuis, Schreibunterlagen; Papiertaschentücher, Wimpel, Fahnen aus Papier

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_10

Veranstaltung von Messen

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_12

Online-Dienstleistungen, nämlich Übermittlung von Inhalten aus Büchern, Druckereierzeugnissen und Druckschriften auf Abruf; Online-Dienste, nämlich Übermittlung von Nachrichten, Informationen, Texten, Zeichnungen und Bildern; Informationsdienste über Internet, nämlich Übermittlung von Nachrichten, Berichten, Daten, Bildern und Dokumenten, Bereitstellen von Internetzugängen, Übertragung von Bildschirmpräsentationen mittels Computer und Fernsehen; Ausstrahlung von Fernsehbeitragen, sowohl analog als auch digital; Ausstrahlung von Fernseh-, Kabel- und Rundfunksendungen, insbesondere Hörspiele

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_14

Erziehung, Ausbildung, Fortbildung, Unterricht, Fahrunterricht, Verkehrsunterricht, Seminare, Verkehrserziehung; Unterhaltung; sportliche und kulturelle Aktivitäten; Veranstaltung von Wettbewerben (Erziehung und Unterhaltung), auch sportlicher Art; Veranstaltung von Ausstellungen für kulturelle und Unterrichtszwecke; Film-, Ton-, Video-Film- und Fernsehproduktion; Musikdarbietungen, Veröffentlichung und Herausgabe von Druckereierzeugnissen (ausgenommen zu Werbewecken), Büchern, Zeitungen und Zeit-schriften Schutz genießt, Widerspruch erhoben worden. Die angegriffene Marke ist registriert für

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_16

Briefpapier; Holzpappe [Papier- und Schreibwaren]; Hüllen [Papier- und Schreibwaren], Papier- und Schreibwaren; Papier, Pappe (Karton) und Waren aus diesen Materialien, soweit sie nicht in anderen Klassen enthalten sind; Plakate aus Papier und Pappe; Schülerbedarf [Papier- und Schreibwaren]; Verpackungspapier; Schachteln aus Pappe oder aus Papier

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_18

Marketing, Werbung, Geschäftsführung; Geschäftsführung von Hotels im Auftrag Dritter; Organisation von Ausstellungen für wirtschaftliche und Werbezwecke; Beratung bei der Organisation und Führung von Unternehmen; Beratung in Fragen der Geschäftsführung; betriebswirtschaftliche Beratung; Organisationsberatung in Geschäftsangelegenheiten; Personalmanagementberatung; Unternehmensberatung; Online-Werbung in einem Computernetzwerk; organisatorische Beratung, Präsentation von Firmen im Internet und anderen Medien; Sponsoring in Form von Werbung; Vermietung von Werbeflächen im Internet

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_20

Telekommunikation mittels Plattformen und Portalen im Internet; Bereitstellung des Zugriffs auf Informationen im Internet; Bereitstellung von Internet-Chatrooms; elektronischer Austausch von Nachrichten mittels Chatlines, Chatrooms und Internetforen

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_22

Aus- und FortbiIdungs- sowie Erziehungsberatung; Fernunterricht; Personalentwicklung durch Aus- und Fortbildung; Coaching; Veranstaltung und Durchführung von Seminaren; Training; Veranstaltung von Ausstellungen für Unterrichtszwecke; Durchführung von Live-Veranstaltungen; Demonstrationsunterricht in praktischen Übungen; pädagogische Beratung.

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_23

Die Markenstelle für Klasse 41 des DPMA, besetzt in Person einer Beamtin des gehobenen Dienstes, hat den Widerspruch durch Beschluss vom 30. Juli 2013 zu-rückgewiesen.

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_24

In den Beschlussgründen hat die Markenstelle ausgeführt, dass angesichts des deutlichen Abstands der Marken Verwechslungen zwischen der angegriffenen und der durchschnittlich kennzeichnungskräftigen Widerspruchsmarke ungeachtet identischer Waren und Dienstleistungen nicht zu besorgen seien.

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_25

Die angegriffene Marke als Ganzes unterscheide sich durch die Komponente "DEUTSCHE SPORTMANAGEMENTAKADEMIE" hinreichend von der Wider-spruchsmarke. Die Buchstabenfolge "DSA" präge unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Beschl. vom 13.12.2007, I ZB 39/05, GRUR 2008, 719 – iwd Informationsdienst Wissenschaft) den Gesamteindruck der angegriffenen Marke nicht, da der unverkürzte Wortbestandteil aufgrund seines die Abkürzung erläuternden Charakters insofern nicht in den Hintergrund trete. Auch seien keine Anhaltspunkte für das Bestehen mittelbarer Verwechslungsgefahr gegeben.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_26

In seiner gegen den Beschluss der Markenstelle gerichteten Beschwerde wendet der Widersprechende ein, der Bestandteil "DEUTSCHE SPORTMANAGEMENT-AKADEMIE" sei für sich betrachtet nicht schutzfähig und trete im Gesamteindruck hinter dem kennzeichnungskräftigen Element "DSA" zurück. Insofern sei eine Differenzierung gegenüber der Ausgangslage der Entscheidung BGH, a.a.O. – idw Informationsdienst Wissenschaft geboten, da der Begriff "Informationsdienst Wissenschaft" lediglich über beschreibenden Anklang verfüge und daher nicht ohne Weiteres im Gesamteindruck zurücktrete. Ferner sei der Bestandteil "DSA" der angegriffenen Marke durch Verwendung von Großbuchstaben durch die Schriftgröße grafisch herausgestellt. Im Übrigen benutze die Markeninhaberin die Buchstabenfolge "DSA" im Geschäftsverkehr auch in Alleinstellung.

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_27

Der Widersprechende beantragt sinngemäß,

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_28

den angefochtenen Beschluss der Markenstelle aufzuheben und die angegriffene Marke zu löschen.

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_29

Die Markeninhaberin beantragt sinngemäß,

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_30

die Beschwerde zurückzuweisen.

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_31

Nach Auffassung der Markeninhaberin besteht auch deswegen keine Verwechs-lungsgefahr zwischen den Zeichen, weil das Publikum den Bestandteil "DSA" und die Marke "BSA" sicher unterscheiden könne. Auch die durch das angegriffene Zeichen erläuterte Bedeutung der bloßen Buchstabenfolge unterstütze die Wahr-nehmung des bestehenden Unterschieds.

II.

32Permalink zu Rn. 32recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_32

Nachdem die Beteiligten davon abgesehen haben, eine mündliche Verhandlung zu beantragen, und auch der Senat eine solche nicht für erforderlich erachtet, kann über die Beschwerde im schriftlichen Verfahren entschieden werden (§ 69 MarkenG).

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_33

Die zulässige Beschwerde hat teilweise Erfolg. Im Umfang gemäß Tenor Ziffer 1. besteht zwischen den streitbefangenen Marken Verwechslungsgefahr nach § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG i.V.m. § 42 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_34

Dem Begriff der Verwechslungsgefahr liegt eine Wechselwirkung zwischen allen im Einzelfall erheblichen Faktoren zugrunde, insbesondere dem Grad der Kenn-zeichnungskraft der Widerspruchsmarke sowie dem Grad der Ähnlichkeit zwi-schen den Streitmarken und zwischen den damit gekennzeichneten Waren und Dienstleistungen (vgl. EuGH GRUR 1998, 387, 389 – Sabèl/Puma; BGH GRUR 2006, 859, 860 – Malteserkreuz).

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_35

1. Die Widerspruchsmarke verfügt mangels Anhaltspunkten für einen sachbe-zogenen oder sonst konkret kennzeichnungsschwächenden Bedeutungsgehalt über durchschnittliche originäre Kennzeichnungskraft und dadurch über durch-schnittlichen Schutzumfang (vgl. BGH GRUR 2000, 1028, 1029 – Ballermann). Die im Bereich des Bildungswesens feststellbare Gewöhnung des Publikums an nicht als Wort aussprechbare Unternehmensabkürzungen, die auf weithin übliche (vgl. LG Düsseldorf NJW-RR 1999, 629 Rn. 25) und durch verstärkte Markenpfle-ge im Bildungsbereich auch branchenbezogene Bezeichnungsgepflogenheiten zu-rückgeht, schwächt die Eignung des Zeichens, als Herkunftshinweis verstanden zu werden, nicht (vgl. BGH GRUR 2002, 1067 Rn. 23 – DKV/OKV).

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_36

2. Da Benutzungsfragen nicht aufgeworfen sind (§§ 43, 26 MarkenG), ist für die Bestimmung der Ähnlichkeit der Waren und Dienstleistungen auch bezogen auf die Widerspruchsmarke die Registerlage maßgebend.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_37

Zwischen den für die Vergleichsmarken eingetragenen Waren der Klasse 16 besteht angesichts überwiegend deckungsgleicher Begriffe in vollem Umfang der Eintragung der jüngeren Marke zumindest hochgradige Ähnlichkeit.

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_38

Im Bereich der Registrierung der angegriffenen Marke für Klasse Kl. 35 über-schneidet sich die Eintragung der älteren Marke für "Veranstaltung von Messen" jedenfalls teilweise mit den für die angegriffene Marke registrierten Dienstleistungen "Organisation von Ausstellungen für wirtschaftliche und Werbezwecke, Werbung, Marketing". Hinsichtlich der weiteren Dienstleistungen der jüngeren Marke dieser Klasse ist allenfalls unterdurchschnittliche Ähnlichkeit anzusetzen.

39Permalink zu Rn. 39recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_39

Im Bereich der Klassen 38 und 41 sind die Dienstleistungen, für die die jüngere Marke Schutz genießt, in identischer oder ausgeprägt ähnlicher Form auch für die Widerspruchsmarke registriert.

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_40

Der Schutz der Widerspruchsmarke in Klasse 38 umfasst entsprechend der Kern-ausrichtung dieser Klasse auf die Vorhaltung technischer Infrastruktur zu Kommu-nikationszwecken nämlich jedenfalls teilweise die technische Bereitstellung von Zugangsvoraussetzungen zum Internet und die technische Vorhaltung und Übermittlung von Inhalten (vgl. insbesondere "Bereitstellen von Internetzugängen und Online-Dienste, nämlich Übermittlung von Informationen"). Sie weist damit jedenfalls klare Berührungspunkte zu den Dienstleistungen der jüngeren Marke auf, die verwandte Angebote umfassen.

41Permalink zu Rn. 41recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_41

Im Bereich der Registrierung der angegriffenen Marke für Klasse 41 besteht im Hinblick auf die im Verzeichnis der älteren Marke enthaltenen Oberbegriffe "Er-ziehung; Ausbildung" starke Annäherung der Dienstleistungen beider Marken. Ausbildungsleistungen können individuell auf Nutzerbedürfnisse zugeschnitten sein und unterscheiden sich daher auch nicht grundsätzlich von den für die ange-griffene Marke eingetragenen Beratungsleistungen.

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_42

3. Zwischen den Vergleichszeichen besteht gehobene klangliche Ähnlichkeit. Unter Abwägung der relevanten Faktoren besteht daher Verwechslungsgefahr nach § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG ausgenommen für nur entfernt ähnliche Dienstleistungen der Klasse 35.

43Permalink zu Rn. 43recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_43

a) Gegenstand des Zeichenvergleichs ist die angegriffene Marke in der konkret eingetragenen Form (vgl. BGH GRUR 2000, 506 Rn. 59 – ATTACHE/TISSE-RAND). Nach diesem Zeicheninhalt bemisst sich der durch die Eintragung in das Register begründete Schutz, s. § 4 Nr. 1 MarkenG und § 26 Abs. 3 MarkenG. Nur die Löschung dieses Zeichens ist Gegenstand des Widerspruchsverfahrens, s. § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG (s. BGH GRUR 2005, 326, 327 – il Padrone/Il Portone). Die vorgetragene Benutzung allein der Buchstabensequenz "DSA" auf der Homepage der Markeninhaberin, die ggf. eine selbständige Verletzung des Markenrechts des Widersprechenden darstellt, muss im Widerspruchsverfahren daher außer Be-tracht bleiben.

44Permalink zu Rn. 44recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_44

b) In Zusammenhang der Bewertung der Zeichenähnlichkeit sind die einander gegenüberstehenden Kennzeichen jeweils als Ganzes zu betrachten und in ihrem Gesamteindruck miteinander zu vergleichen. Denn es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass eine Marke von den Verkehrskreisen in der Erscheinungs-form wahrgenommen wird, in der sie ihnen entgegentritt, ohne dass eine ana-lysierende Betrachtung einzelner Komponenten Platz greift (s. BGH GRUR 2000, 233, 235 – RAUSCH/ELFI RAUCH).

45Permalink zu Rn. 45recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_45

Als Ganzes unterscheiden die Zeichen sich durch den Bestandteil "DEUTSCHE SPORTMANAGEMENTAKADEMIE" der angegriffenen Marke in jeder Hinsicht ausreichend.

46Permalink zu Rn. 46recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_46

c) Allerdings können Zeichenbestandteile unterschiedlichen Einfluss auf die Wahrnehmung einer komplexen Marke ausüben. So kann einem Bestandteil im Einzelfall eine besondere, den Gesamteindruck des gesamten Zeichens prägende Kennzeichnungskraft zukommen (vgl. EuGH GRUR 2005, 1042 Rn. 28 f. – THOMSON LIFE; BGH GRUR 2006, 60 Rn. 19 – coccodrillo). Die Gefahr einer Verwechslung der beiden Gesamtbezeichnungen beruht in diesem Fall auf der Übereinstimmung der Zeichen in ihren sie jeweils prägenden Bestandteilen.

47Permalink zu Rn. 47recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_47

Ein Bestandteil prägt den Gesamteindruck, wenn die übrigen Elemente in der Wahrnehmung oder der Erinnerung der Durchschnittsverbraucher betreffender Wa-ren und Dienstleistungen für den Gesamteindruck weitgehend in den Hintergrund treten und deshalb den Gesamteindruck der Marke nicht mitbestimmen (vgl. BGH GRUR 2008, 258 Rn. 25 – INTERCONNECT/T-InterConnect; GRUR 2008, 903 Rn. 18 – Sierra Antiguo).

48Permalink zu Rn. 48recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_48

Der Gesamteindruck, den das Publikum in Ansehung einer Marke Im Erinnerungsbild behält, richtet sich nach allen Umständen des konkreten Einzelfalls (s. BGH GRUR 2002, 342, 343 – ASTRA/ESTRA-PUREN).

49Permalink zu Rn. 49recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_49

aa) Die unverkürzte Komponente "Deutsche Sportmanagementakademie" er-schöpft sich in Bezug auf die eingetragenen Dienstleistungen der Klasse 38 und 41 in einem dienstleistungsbeschreibenden und nicht unterscheidungskräftigen Hinweis auf eine deutsche akademische Einrichtung mit Bildungsangeboten in der Fachrichtung Sportmanagement (vgl. BGH GRUR 2012, 276 – Institut der nord-deutschen Wirtschaft e.V.; BPatG, Beschlüsse v. 19.03.1999, 33 W (pat) 263/97 – Deutsche Junioren-Akademie, und 33 W (pat) 61/98 – Deutsche Mittelstands-Aka-demie; ferner vom 22.02.2005, 33 W (pat) 172/02 – Deutsche Unternehmer Akademie). Der den Ausbildungsinhalt anzeigende Ausdruck "Sportmanagement" ist ein etablierter Fachbegriff, der in diesem Sinn zur Bezeichnung des Gegen-stands eines Studien- oder Ausbildungsgangs verwendet wird (vgl. z.B. www.sport-management-studieren.de). Diese Bewertung gilt auch hinsichtlich der für die an-gegriffene Marke registrierten Dienstleistungen der Klasse 38, die zum Leistungs-umfang des Angebots einer Fernuniversität rechnen können.

50Permalink zu Rn. 50recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_50

Die Buchstabensequenz "DSA" ist demgegenüber – jedenfalls für sich betrachtet – uneingeschränkt geeignet, als Herkunftshinweis verstanden zu werden, da sie ab-gesehen von der konkreten Verwendung innerhalb des Gesamtzeichens nicht mit einem bestimmten Bedeutungsgehalt belegt ist.

51Permalink zu Rn. 51recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_51

Neben einem originär kennzeichnungsgeeigneten Bestandteil kommt einem schutzunfähigen Bestandteil – hier also "DEUTSCHE SPORTMANAGEMENT-AKADEMIE" – im Allgemeinen keine für den Gesamteindruck beachtliche Bedeu-tung zu (vgl. BGH GRUR 1998, 925, 926 – Bisotherm-Stein).

52Permalink zu Rn. 52recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_52

bb) Eine andere Bewertung der Kennzeichnungskraft des Bestandteils "DSA" als Begriff kann sich unter dem Eindruck der Vorabentscheidung EuGH v. 15. März 2012, C-90/11, C-91/11, GRUR 2012, 616 – Strigl u.a. ergeben. Danach nehme eine für sich kennzeichnungskräftige Buchstabenkette durch die Kombination mit der ihr zugrunde liegenden vollständigen Wortfolge beschreibenden Charakter an. Eine in dieser Weise gebildete Marke sei deswegen als Ganzes schutzunfähig im Sinn von Art. 3 Abs. 1 Buchst. b und c der Markenrechtsrichtlinie.

53Permalink zu Rn. 53recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_53

Im Ergebnis führt diese Rechtsprechung hier jedoch nicht von Verwechslungsgefahr weg. Die Markeninhaberin würde sich nämlich dem Vorwurf widersprüchlichen Verhaltens aussetzen, wenn sie sich nunmehr auf die markenrechtliche Schutzunfähigkeit des Akronyms beziehen würde, das auf der Grundlage der früheren Sichtweise zum Eintragungszeitpunkt als schutzfähig erachtet worden ist und damit den Schutz des Gesamtzeichens getragen hat.

54Permalink zu Rn. 54recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_54

Selbst wenn der Bestandteil "DSA" seinem Bedeutungsinhalt nach als nicht schutzfähig zu bewerten wäre, wäre ihm gleichwohl in der konkreten Ausführung die Eignung zur Prägung des Gesamteindrucks nicht abzusprechen, weil dieses Element jedenfalls durch seine Exponierung, seine Größe und Schriftgestaltung dem Publikum als das dominierende Element nahegebracht wird (vgl. BPatG GRUR 2010, 441 – pn printnet / PRINECT). Eine ggf. bestehende inhaltliche Akzessorietät im Sinn der genannten Rechtsprechung des EuGH (GRUR 2012, 616 Rn. 38 – Strigl u.a) wird hier durch die grafische Gewichtung der Elemente aufgehoben.

55Permalink zu Rn. 55recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_55

cc) Die hier aufgrund des Kennzeichnungsgehalts der Einzelelemente oder jedenfalls aufgrund der grafischen Ausführung nahe liegende Wahrnehmung des Kürzels "DSA" als prägendes Element kann im Einzelfall durch den zwischen den Einzelkomponenten bestehenden inneren Zusammenhang überlagert sein. Denn die Buchstabenkette "DSA" und der weitere Bestandteil "DEUTSCHE SPORTMA-NAGEMENTAKADEMIE", der erst das Verständnis des Begriffsinhalts der Abkürzung zulässt und dadurch über die Geschäftstätigkeit des Unternehmens Auskunft gibt, sind inhaltlich aufeinander bezogen (vgl. BGH GRUR 1982, 420, 423 – BBC/DDC; GRUR 2008, 719 Rn. 37 – idw Informationsdienst Wissenschaft; Urteil vom 2. April 2009– I ZR 79/06, juris – EP EUROPOST/DP). Deswegen wird das angesprochene Publikum im Bereich des Bildungssektors, in dem häufig Abkürzungen von Einrichtungsbezeichnungen verwendet werden und der Sinngehalt einer Abkürzung den Inhalt und den Wert einer Dienstleistung berühren kann, eine in dieser Weise verschränkte Zeichenbildung regelmäßig vollständig in Erinnerung behalten.

56Permalink zu Rn. 56recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_56

Dennoch sind unter den konkreten Ausgangsvoraussetzungen überwiegende An-haltspunkte dafür gegeben, dass das Publikum im Rahmen mündlicher Wiederga-be der angegriffenen Marke von einer vollständigen Benennung der Wortelemente absieht und im Kontext des klanglichen Gesamteindrucks die vereinfachende Benennungsform "DSA" nutzt. Grundlage dafür ist der – nicht schlechthin bindende, sondern vorliegend als Ausdruck der konkreten Verkehrsauffassung gültige – Erfahrungssatz, dass das Publikum dazu neigt, Bezeichnungen in einer die Merkbarkeit und Aussprechbarkeit erleichternden Weise zu verkürzen. Dieser einzelfallbezogene Ansatz entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH GRUR 2008, 719 Rn. 37 – idw Informationsdienst Wissenschaft; GRUR 2002, 626 Rn. 38 – IMS; GRUR 2002, 1067 Rn. 28 – DKV/OKV).

57Permalink zu Rn. 57recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_57

Die Funktion einer derartigen Abkürzung besteht gerade darin, eine verkehrsfähige Benennungsform vorzusehen. Ihre Verwendung verändert anders als im Fall komplexer Zeichen, deren Bestandteile eine gesamtbegriffliche Einheit bilden (vgl. BGH GRUR 2004, 598 – Kleiner Feigling), die inhaltliche Identität einer Marke nicht. Daher kann regelmäßig angenommen werden, dass die Abkürzung eine auch in bedeutenden Geschäftsangelegenheiten zuverlässige Identifizierung des Angebots gewährleistet. Zur mündlichen Wiedergabe des vollständigen Begriffs besteht unter diesen Umständen in der Sicht des Erklärenden in der Regel kein Anlass, solange keine Anhaltspunkte bestehen, die dessen Erläuterung erfordern.

58Permalink zu Rn. 58recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_58

Jedenfalls unter den gegebenen Umständen des Einzelfalls ist von einer aus-geprägten Verkürzungsneigung auszugehen, weil sich die vierteilige Wortfolge "DEUTSCHE SPORTMANAGEMENTAKADEMIE" flüssiger mündlicher Wiedergabe entzieht. Ferner wirkt die Buchstabenabkürzung in der visuellen Zuordnung angesichts verschiedener Schriftart, -größe und -stärke als eigenständig kennzeichnender und gegenüber der eher vollständigen Wortfolge erheblicher Bestandteil.

59Permalink zu Rn. 59recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_59

d) Auch bezogen auf die Klassen 16 und 35 prägt die Buchstabenfolge "DSA" den Gesamteindruck der angegriffenen Marke. Zwar verfügt auch das unverkürzte Wortelement insoweit über Kennzeichnungskraft. Allerdings tritt es grafisch erkennbar in den Hintergrund (s.o.). Da sie ohne beschreibenden Bezug keine unmittelbare Bedeutung für die Erfassung des Inhalts der registrierten Dienstleistungen hat, tritt die Bedeutung der Wortfolge als Erläuterung der Buchstabenkette in diesem Zusammenhang zurück. Deswegen wird das Publikum im Kontext mündlicher Benennung vorrangig den ihm als Kurzform nahe gebrachten Zeichenbestandteil "DSA" verwenden.

60Permalink zu Rn. 60recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_60

e) Zwischen den Marken besteht unter Berücksichtigung der Prägung der angegriffenen Marke durch das Zeichenelement "DSA" gehobene klangliche Ähnlichkeit.

61Permalink zu Rn. 61recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_61

Die abweichenden Konsonanten "D" bzw. "B" werden in unmittelbarer Verbindung mit dem Konsonanten "S" jeweils unter Ergänzung des Vokals "e" gesprochen. Dem nachfolgenden identischen Konsonanten "S" wird zudem phonetisch ein "e" vorangestellt. Dadurch verschmelzen die beiden Vokale sogar und bestimmen in Verbindung mit den nachfolgenden klangstarken Lauten "SA" das hinsichtlich der phonetischen Silbengliederung und im Sprechrhythmus übereinstimmende Klangbild. Es stehen einander somit vom Klang her de-es-a und be-es-a gegenüber.

62Permalink zu Rn. 62recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_62

Als verwechslungsbegünstigender Faktor ist einzubeziehen, dass die hier vom Klangbild eher schwächeren und überdies als Dental- und Labiallaut nicht leicht unterscheidbaren Anlaute sind. Dass "D" bzw. "B" aufgrund ihrer Stellung am Wortanfang vergleichsweise klar gesprochen zu werden pflegen und durch die Exponierung gewisse Bedeutung im Gesamteindruck der überschaubaren Begriffe ausüben, kann demgegenüber eine Verwechslungsgefahr nicht verhindern.

63Permalink zu Rn. 63recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_63

Der Bedeutungsgehalt der jüngeren Marke verhindert nur eingeschränkt Verwechslungen, weil der Begriffsgehalt dem Publikum regelmäßig nicht oder allenfalls nach zusätzlichen Überlegungen gegenwärtig sein wird. Im Übrigen unterstützt der Begriffsgehalt die Abgrenzung der Zeichen nicht, wenn das Publikum die klanglichen Unterschiede nicht oder falsch versteht.

64Permalink zu Rn. 64recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_64

Da das Publikum die Bedeutung der Widerspruchsmarke nicht kennt, kann der Buchstabe "A" dieser Marke nicht als Abkürzung des beschreibenden Begriffs "Akademie" begriffen werden. Die Bedeutung dieser Übereinstimmung wird daher nicht unter diesem Gesichtspunkt relativiert.

65Permalink zu Rn. 65recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-02-28/27-w-pat-554-13#rd_65

4. Die Rechtsbeschwerde war zuzulassen (§ 83 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG). Die Einzelfallkriterien, die in Zusammenhang der Ermittlung des klanglichen Gesamt-eindrucks einer Buchstabenkette und zugehöriger beschreibender Erläuterung ein-zubeziehen und zu gewichten sind, bedürfen im Anschluss an die Entscheidung (vgl. BGH GRUR 2008, 719 – idw Informationsdienst Wissenschaft) weiterer Differenzierung. Ferner können die der Entscheidung des EuGH GRUR 2012, 616 Rn. 38 – Strigl u.a. zugrunde liegenden Überlegungen zur Akzessorietät der Abkürzung sogar eine Neubewertung derartiger Fallkonstellationen rechtfertigen (vgl. auch BPatG, Beschl. v. 16.12.2013 – 30 W (pat) 12/12 – BGW Bundesverband der deutschen Gesundheitswirtschaft/BGW).