Rechtsprechung / OVG Niedersachsen / 2022

OVG Niedersachsen Beschluss vom 01.09.2022 – 13 OB 222/22

VerwaltungsrechtNiedersachsenVerwaltungsrecht NiedersachsenVolltext

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Tenor§

Die Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Oldenburg - 11. Kammer - vom 31. August 2022 wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Die weitere Beschwerde zum Bundesverwaltungsgericht wird zugelassen.

Gründe§

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_1

1. Die Rechtswegbeschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Oldenburg - 11. Kammer - vom 31. August 2022 bleibt ohne Erfolg.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_2

Das Verwaltungsgericht hat zu Recht festgestellt, dass für den Antrag des Antragstellers vom 30. August 2022 auf richterliche Anordnung der Durchsuchung der Wohnung des abzuschiebenden pakistanischen Staatsangehörigen B. in B-Stadt zum Zwecke dessen Ergreifung nach § 56 Abs. 6 und Abs. 8 Satz 1 AufenthG der Verwaltungsrechtsweg unzulässig ist und das Verfahren an das sachlich und örtlich zuständige Amtsgericht C. verwiesen.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_3

Nach der Rechtsprechung des Senats ist für den Erlass einer richterlichen Durchsuchungsanordnung nach § 58 Abs. 6 bis 9 AufenthG gemäß §§ 3 Abs. 1 Satz 3, 25 Abs. 1 Satz 2 NPOG das Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirk die zu durchsuchende Wohnung liegt. Zur Begründung hat der Senat in seinem Beschluss vom 10. März 2021 (- 13 OB 102/21 -, Nds. Rpfl. 2022, 30 - juris Rn. 5 ff.) ausgeführt:

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_4

"a. Der Verwaltungsrechtsweg ist in diesen Fällen nicht nach § 40 Abs. 1 Satz 1 VwGO eröffnet. Rechtsgrundlage und damit streitentscheidende Norm für den Erlass der begehrten Durchsuchungsanordnung ist allerdings § 58 Abs. 6 und 8 AufenthG, so dass eine öffentlich-rechtliche Streitigkeit nichtverfassungsrechtlicher Art vorliegt.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_5

Die Streitigkeit ist auch nicht durch Bundesgesetz einem anderen Gericht nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 VwGO ausdrücklich zugewiesen. Eine abdrängende Sonderzuweisung besteht insbesondere nicht in § 106 Abs. 2 Satz 1 AufenthG i.V.m. mit den Vorschriften in Buch 7 des FamFG, weil eine Durchsuchungsanordnung keine Freiheitsentziehung im Sinne dieser Vorschrift zur Folge hat (vgl. im Einzelnen zum fehlenden freiheitsentziehenden Charakter einer Durchsuchung: VG Arnsberg, Beschl. v. 11.11.2019 - 3 I 24/19 -, juris Rn 20 ff. m.w.N.).

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_6

Auch enthält § 58 Abs. 10 AufenthG keine abdrängende Sonderzuweisung im Sinne des § 40 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 VwGO. Nach dieser Vorschrift bleiben weitergehende Regelungen der Länder, die den Regelungsgehalt der § 58 Abs. 5 bis 9 AufenthG betreffen, unberührt. § 58 Abs. 10 AufenthG selbst weist Anträge nach § 58 Abs. 8 AufenthG mithin nicht ausdrücklich einer anderen Gerichtsbarkeit zu.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_7

Eine abdrängende Sonderzuweisung ergibt sich auch nicht aus § 40 Abs. 1 Satz 2 VwGO, wonach öffentlich-rechtliche Streitigkeiten auf dem Gebiet des Landesrechts einem anderen Gericht auch durch Landesgesetz zugewiesen werden können. Um eine Streitigkeit nach Landesrecht handelt es sich bei einer Durchsuchung nach der bundesgesetzlichen Rechtsgrundlage des § 58 Abs. 6 und 8 AufenthG nicht (a.A. OVG Schleswig-Holstein, Beschl. v. 22.7.2020 - 4 O 25/20 -, juris Rn. 5 unter Hinweis auf die Befugnis der Länder zur Regelung des Verwaltungsverfahrens nach Art. 84 Abs. 1 Satz 1 GG). Der Richtervorbehalt als solcher ist bereits durch Art. 13 Abs. 2 GG vorgegeben und bedarf keiner Regelung durch den Landesgesetzgeber, die noch dem Verwaltungsverfahren zugerechnet werden könnte. Die Regelungen der Zuständigkeit des zum Erlass einer Durchsuchungsanordnung berufenen Gerichtszweigs und auch des anzuwendenden gerichtlichen Verfahrensrechts gehen hingegen über die Regelung des Verwaltungsverfahrens hinaus und berühren die Gerichtsverfassung und das gerichtliche Verfahren.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_8

b. Der Bundesgesetzgeber hat aber mit § 58 Abs. 10 AufenthG eine neben der allgemeinen Regelung des § 40 Abs. 1 VwGO gleichrangige eigenständige Zuständigkeitsregelung geschaffen, mit der es im Sinne einer Öffnungsklausel den Ländern jedenfalls ermöglicht wird, bereits bestehende Rechtswegregelungen für Wohnungsdurchsuchungen auf die Durchsuchung nach § 58 Abs. 6 bis 9 AufenthG zu erstrecken.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_9

Diese Auslegung ist mit dem Wortlaut des § 58 Abs. 10 AufenthG vereinbar. Dort heißt es: "Weitergehende Regelungen der Länder, die den Regelungsgehalt der Absätze 5 bis 9 betreffen, bleiben unberührt." Diese Formulierung setzt nicht voraus, dass es sich bei den in Bezug genommenen landesrechtlichen Regelungen um weitergehende materiellrechtliche Befugnisse handelt. Denn die angesprochenen Absätze 5 bis 9 des § 58 AufenthG enthalten nicht nur materiellrechtliche Befugnisse, sondern - neben dem Richtervorbehalt in § 58 Abs. 8 Satz 1 AufenthG - auch weitere Regelungen zu dem bei der Durchsuchung einzuhaltenden Verfahren (vgl. Abs. 7, Abs. 9). Das lässt es zu, § 58 Abs. 10 AufenthG auch auf die landesrechtlichen Regelungen der gerichtlichen Zuständigkeit zu beziehen.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_10

Bestätigt wird dieses Verständnis durch die Entstehungsgeschichte der Norm. In der Begründung der insoweit Gesetz gewordenen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Inneres und Heimat (BT-Drs. 19/10706, S. 14) heißt es:

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_11

"In der Praxis einiger Länder besteht das Problem, dass keine eindeutige Rechtsgrundlage für das Betreten und Durchsuchen von Wohnungen zum Zwecke des Auffindens des Abzuschiebenden besteht.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_12

Die Abschiebung ist eine Maßnahme der Verwaltungsvollstreckung. Mit der Einfügung wird eine spezialgesetzliche Ermächtigungsgrundlage im Aufenthaltsgesetz geschaffen.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_13

Durch den Satz "Weitergehende Regelungen der Länder, die den Regelungsgehalt der Absätze 5 bis 9 betreffen, bleiben unberührt" wird geregelt, dass durch die Absätze 5 bis 9 bundeseinheitlich ein Mindestmaß für Betretensrechte bei Abschiebungen vorgegeben wird. Bestehende Regelungen der Länder, die weitergehende Befugnisse geben, gelten fort, ohne dass hierzu ein Rechtsakt der Länder notwendig wäre."

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_14

Daraus wird ersichtlich, dass der Gesetzgeber nicht in bestehende landesrechtliche Regelungen eingreifen wollte, die auch vor der bundesgesetzlichen Änderung Wohnungsdurchsuchungen zum Zwecke der Durchführung einer Abschiebung erlaubten (so etwa in Niedersachsen die §§ 24, 25 NPOG). In diesen Ländern wird die bereits bestehende landesrechtliche Rechtslage gegebenenfalls durch die nunmehrigen bundesrechtlichen Befugnisse materiellrechtlich angereichert. Sofern landesrechtliche Vorschriften eine weitergehende Eingriffsbefugnis zugestehen, bleiben diese bestehen (vgl. VG Karlsruhe, Beschl. v. 10.12.2019 - 3 K 7772/19 -, juris Rn. 23). Der Gesetzgeber wollte ersichtlich ausschließlich materiellrechtliche Mindeststandards einführen. Eine Zuständigkeitsverlagerung war hingegen nicht beabsichtigt (vgl. VG Arnsberg, Beschl. v. 11.11.2019 - 3 I 24/19 -, juris Rn. 43 ff.; a.A. OLG Köln, Beschl. v. 7.8.2020 - I-2 Wx 178/20, 2 Wx 178/20 -, juris Rn. 14; VG Braunschweig, Beschl. v. 22.1.2021 - 5 E 21/21 -, juris Rn. 3 ff.; VG Düsseldorf, Beschl. v. 6.10.2020 - 22 I 28/20 -, juris Rn. 5 ff.; jew. m.w.N.). Der Senat versteht § 58 Abs. 10 AufenthG - der eine auf gleichem Rang in der Normenpyramide wie § 40 Abs. 1 VwGO stehende bundesgesetzliche Regelung darstellt - daher als eine spezielle punktuelle Ermächtigung des Bundesgesetzgebers an die Länder, auf in Absätzen 5 bis 9 des § 58 AufenthG geregelte Materien und damit auch auf den Richtervorbehalt in § 58 Abs. 8 Satz 1, Abs. 6 AufenthG bezogene eigene landesrechtliche Normen beizubehalten, die materiell-rechtlich strengere Befugnisse zum Durchsuchen von Wohnungen als § 58 Abs. 6, Abs. 7 AufenthG gewähren oder die die bundesgesetzliche "Mindestbefugnis" in § 58 Abs. 6, Abs. 7 AufenthG - wie §§ 25 Abs. 1 Sätze 2 und 3, 19 Abs. 4 NPOG - vor allem hinsichtlich des zuständigen Gerichts(zweiges) und des anzuwendenden gerichtlichen Verfahrens ausführen oder ausfüllen. Damit hat der Bundesgesetzgeber die Länder punktuell in teilweiser Zurücknahme der Wahrnehmung seiner konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz aus Art. 72 Abs. 1 und 2, Art. 74 Abs. 1 Nr. 4 (Aufenthaltsrecht) und Nr. 1 (Gerichtsverfassung, gerichtliches Verfahren) GG in vergleichbarer Weise wie für die ausschließliche Bundesgesetzgebungskompetenz in Art. 71 GG vorgesehen ermächtigt, eine von der bereits existierenden Bundesnorm (§ 40 Abs. 1 VwGO) abweichende Rechtswegzuweisung beizubehalten.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_15

Für diese Auslegung spricht zudem, dass der Gesetzgeber - anders als etwa in § 56a Abs. 9 AufenthG - in Kenntnis der unterschiedlichen Landesregelungen nicht nur von der ausdrücklichen Bestimmung des Rechtswegs, sondern zugleich von der Regelung des anzuwendenden Verfahrensrechts abgesehen hat. Das unterscheidet § 58 AufenthG auch von der Regelung des § 4 VereinsG, der die Zuständigkeit für die dort geregelten Anordnungen und Maßnahmen dem Verwaltungsgericht zuweist, gleichzeitig aber das anwendbare Verfahrensrecht regelt. Hätte der Bundesgesetzgeber eine Änderung der bisher landesrechtlich bestimmten Zuständigkeit bewirken wollen, so wäre es erforderlich gewesen, diese Änderung sowie das anwendbare Verfahrensrecht ausdrücklich zu regeln. Das ist jedoch nicht geschehen. Die materiellrechtliche Neuregelung des § 58 Abs. 5 bis 9 AufenthG ist daher, da § 58 Abs. 10 AufenthG als speziellere Regelung gegenüber dem allgemeinen § 40 Abs. 1 VwGO vorrangig anzuwenden ist, durch die bestehenden landesrechtlichen Zuständigkeitsregelungen zu ergänzen.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_16

In Niedersachsen war und ist nun gemäß § 3 Abs. 1 Satz 3 NPOG auch bei Anwendung des § 58 Abs. 6 bis 9 AufenthG für den Erlass einer Durchsuchungsanordnung damit weiterhin das Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirk die Wohnung liegt (§ 25 Abs. 1 Satz 2 NPOG). Die anzuwendenden Verfahrensvorschriften bestimmen sich nach § 25 Abs. 1 Satz 3 in Verbindung mit § 19 Abs. 4 NPOG.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_17

Ob für eine Zuständigkeit der Amtsgerichte auch praktische Erwägungen sprechen (vgl. einerseits VG Braunschweig, a.a.O., Rn. 13; andererseits VG Arnsberg, a.a.O., Rn. 45 ff., und den Vorschlag des Bundesrats in der Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Verschiebung des Zensus in das Jahr 2022 und zur Änderung des Aufenthaltsgesetzes, BR-Drs. 504/20 (B), S. 2 f., und hierzu die Gegenäußerung der Bundesregierung, BT-Drs. 19/23566, S. 4), bedarf zur Beantwortung der Frage der allein nach rechtlichen Kriterien zu entscheidenden Zuständigkeit keiner Würdigung."

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_18

An dieser Auffassung hält der Senat auch unter Berücksichtigung der Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 12. Juli 2022 (- 3 ZB 6/21 -, juris) und dem vorausgehend des OLG Oldenburg vom 4. November 2021 (- 12 W 124/21 -, juris) nach erneuter Prüfung fest. Er teilt insbesondere die Annahme nicht, dass § 58 Abs. 10 AufenthG einen Rückgriff auf bereits bestehende landesrechtliche Rechtswegregelungen für Wohnungsdurchsuchungen nur dann eröffnet, wenn bestehende landesrechtliche Regelungen zugleich materielle Eingriffsbefugnisse gewähren, die weitergehen als die Mindestbefugnisse nach § 58 Abs. 6 bis 9 AufenthG (vgl. BGH, Beschl. v. 12.7.2022

- 3 ZB 6/21 -, juris Rn. 20 ff.). Der Wortlaut des § 58 Abs. 10 AufenthG trägt diese Auslegung ersichtlich nicht. Denn der Gesetz gewordene Wortlaut stellt nicht auf "weitergehende Befugnisse" (so aber BGH, Beschl. v. 12.7.2022 - 3 ZB 6/21 -, juris Rn. 24) ab, sondern auf "weitergehende Regelungen der Länder, die den Regelungsgehalt der Absätze 5 bis 9 betreffen". Da der Regelungsgehalt der Absätze 5 bis 9 des § 58 AufenthG sich offensichtlich nicht in materiellrechtlichen Eingriffsbefugnissen erschöpft, können folglich "weitergehende Regelungen der Länder" auch bereits bestehende landesrechtliche Rechtswegregelungen für Wohnungsdurchsuchungen sein, wie sie in Niedersachsen in §§ 3 Abs. 1 Satz 3, 25 Abs. 1 Satz 2 NPOG bereits vor Einführung der Absätze 4 bis 10 des § 58 AufenthG durch Art. 1 Nr. 15 des Zweiten Gesetzes zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht vom 15. August 2019 (BGBl. I S. 1294) mit Wirkung vom 21. August 2019 getroffen und seitdem beibehalten worden sind. Dieses Auslegungsergebnis findet, wie ausgeführt, Bestätigung in der Entstehungsgeschichte der aufenthaltsrechtlichen Regelungen und letztlich auch in praktischen Erwägungen, insbesondere bisher mangelnden verwaltungsprozessualen Regelungen für das nicht kontradiktorische Verfahren der Durchsuchungsanordnung und der gegebenen Zuständigkeit der Amtsgerichte für andere Anordnungen mit Bezug zum Abschiebungsvollzug (bspw. Vorbereitungshaft und Sicherungshaft nach § 62 AufenthG, §§ 415 ff. FamFG, § 23a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 6 GVG).

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_20

2. Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens, die von § 17b Abs. 2 Satz 1 GVG nicht erfasst werden (vgl. BVerwG, Beschl. v. 15.10.1993 - BVerwG 1 DB 34.92 -, juris Rn. 18), folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Ein Streitwert ist nicht festzusetzen. Für die Höhe der Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens gilt der streitwertunabhängige Kostentatbestand in Nr. 5502 der Anlage 1 (Kostenverzeichnis) zum Gerichtskostengesetz.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-niedersachsen/2022-09-01/13-ob-222-22#rd_21

3. Die weitere Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht ist gemäß § 17a Abs. 4 Satz 5 Alt. 2 GVG zuzulassen, da der Senat von der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 12. Juli 2022 (- 3 ZB 6/21 -, juris) abweicht.

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