Monatsbericht · Juli 2026 · Verwaltungsrecht
OVG NRW versagt Vertrauensschutz bei ungenehmigter Nutzung und klärt Maßeigenart von Doppelhaushälften
19 Entscheidungen · 2 Gesetzesänderungen · keine Meldungen im Berichtszeitraum
Baurecht
Ungenehmigte Nutzung begründet auch nach längerer Zeit keinen Vertrauensschutz
Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 30.07.2026, 10 B 734/26 [1]
Streitig war, ob die jahrelang unbeanstandete Nutzung eines Bauwerks ohne Baugenehmigung Vertrauensschutz gegen ein sofort vollziehbares Nutzungsverbot begründet. Wer eine Nutzung ohne die erforderliche Baugenehmigung aufnimmt, kann nicht darauf vertrauen, diese bis zu einer gerichtlichen Klärung fortsetzen zu dürfen [1]. Die Behörde kann grundsätzlich jederzeit ein sofort vollziehbares Nutzungsverbot erlassen [1].
Doppelhaushälften sind bei der Prüfung der Grundfläche grundstücksbezogen isoliert zu betrachten
Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 30.07.2026, 10 A 3082/25 [2]
Streitig war, ob ein Doppelhaus bei der Beurteilung des Einfügens nach dem Maß der baulichen Nutzung unabhängig von Grundstücksgrenzen als eine Einheit gilt. Bei der Prüfung des Einfügens nach dem Maß der baulichen Nutzung ist der Faktor der Grundflächengröße grundsätzlich grundstücksbezogen zu bewerten [2]. Eine geplante Doppelhaushälfte ist daher als Einzelvorhaben auf ihrem jeweiligen Grundstück isoliert zu betrachten [2].
Asyl- und Ausländerrecht
Anerkannten Asylberechtigten droht in Irland keine unmenschliche Behandlung
Verwaltungsgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.07.2026, 29 K 6645/25.A [3]
Streitig war, ob anerkannten Asylberechtigten bei einer Überstellung nach Irland eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung droht. Anerkannten Asylberechtigten droht in Irland keine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung [3].
Antrag auf Recht auf Verbleib erfordert fehlende Aufenthaltsgestattung
Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 03.07.2026, 10 B 717/26.A [4]
Streitig waren die gerichtliche Zuständigkeit sowie das Rechtsschutzbedürfnis für einen Antrag auf das Recht auf Verbleib. Ein Antrag auf das Recht auf Verbleib gemäß § 78 Abs. 9 AsylG in Verbindung mit Art. 68 Abs. 7 Asylverfahrensverordnung ist bei dem Verwaltungsgericht zu stellen, bei dem der Antrag auf Zulassung der Berufung einzureichen ist [4]. Das Rechtsschutzbedürfnis fehlt, wenn der Antragsteller bereits über eine Aufenthaltsgestattung nach § 55 Abs. 1 AsylG a. F. verfügt [4].
Beamtenrecht
Keine Freigabe zur länderübergreifenden Versetzung im Eilverfahren für Lehrerin
Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 29.07.2026, 6 B 854/26 [5]
Streitig war, ob eine Lehrerin ihren Dienstherrn im Wege des Eilrechtsschutzes zur Erteilung einer Freigabe für eine länderübergreifende Versetzung verpflichten kann. Die Beschwerde einer Lehrerin auf Verpflichtung des Dienstherrn zur Erteilung einer Freigabe für eine länderübergreifende Versetzung blieb ohne Erfolg [5].
Vergleich über höhere Einzelmerkmale begründet keinen Anspruch auf geänderten Beurteilungstext
Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 20.07.2026, 6 A 288/24 [6]
Streitig war, ob ein Feuerwehrbeamter auf Grundlage eines gerichtlichen Vergleichs eine Textanpassung seiner dienstlichen Beurteilung verlangen kann. Ein gerichtlicher Vergleich, in dem lediglich höhere Einzelmerkmalsbewertungen vereinbart wurden, gibt keinen Anspruch auf eine Anpassung des Begründungstextes der dienstlichen Beurteilung [6].
Gesetzgebung
Mit Wirkung zum 11.07.2026 wurden zwei Vorschriften des Bundesgebührengesetzes (BGebG) geändert [7].
Ebenfalls zum 11.07.2026 traten Änderungen an zwei Vorschriften des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG 2005) in Kraft [8].
Weitere Entscheidungen im Bestand: Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 31.07.2026, 1 A 688/26.A; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 30.07.2026, 1 A 122/26.A; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 29.07.2026, 10 A 1892/26.A; Verwaltungsgericht Köln, Beschluss vom 29.07.2026, 23 L 1567/26.A; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 28.07.2026, 4 A 2504/25.A; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 27.07.2026, 2 B 280/26; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 21.07.2026, 13 E 285/23; Verwaltungsgericht Köln, Beschluss vom 21.07.2026, 22 L 1767/26.A; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 20.07.2026, 4 A 2349/24; Verwaltungsgericht Köln, Beschluss vom 20.07.2026, 22 L 1663/26.A; Verwaltungsgericht Cottbus, Entscheidung vom 17.07.2026, VG 9 l 194/26; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 06.07.2026, 4 B 1018/25; Oberverwaltungsgericht NRW, Beschluss vom 06.07.2026, 5 A 1837/26.A.
Datenlage
Im Berichtszeitraum sind 19 Entscheidungen, 2 Gesetzesänderungen und keine Meldungen im Datenbestand erfasst. Gerichte veröffentlichen Entscheidungen mit Verzug; weitere Dokumente aus dem Zeitraum können später in den Bestand nachrücken.
Feste Adresse dieses Berichts: recht.nulegal.eu/themen/verwaltungsrecht/berichte/2026-07. Zitierfähig, dauerhaft.