Rechtsprechung / ArbG Oberhausen / 2024

ArbG Oberhausen Urteil vom 06.03.2024 – 3 Ca 1310/23

ECLI:DE:ARBGOB:2024:0306.3CA1310.23.00

ArbeitsrechtNordrhein-WestfalenArbeitsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

1.

Die Klage wird abgewiesen.

2.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger.

3.

Der Streitwert beträgt 3.000,00 €.

1

T a t b e s t a n d

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_1

Die Parteien streiten darüber, ob dem Kläger Ansprüche nach dem Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 zustehen.

3

Der Kläger ist bei der Beklagten bzw. deren Rechtsvorgängerin seit dem 22.12.2001 als Pflegehilfskraft tätig.

4

Im Arbeitsvertrag vom 10.01.2002 ist unter § 2 Vergütung Folgendes geregelt:

5

„Der Mitarbeiter erhält eine monatliche Vergütung der Gruppe BAT KR 1, Stufe 8 = 1.957,87 €.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_2

Mit dieser Vergütung sind alle weitergehenden Ansprüche aus der vereinbarten Tätigkeit abgegolten. Des weiteren gelten die im September 1995 in Kraft getretenen Zusätze der Betriebsvereinbarung.“

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_3

Am 11.07.2019 haben die Parteien vor dem hiesigen Arbeitsgericht (Az. 2 Ca 653/19) einen Vergleich geschlossen, nachdem die Parteien sich einig waren, dass dem Kläger ab 01.05.2019 eine Vergütung nach der Entgeltgruppe P 5 der Entgeltordnung TVöD/VKA in einer individuellen Endstufe zusteht.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_4

Mit seiner am 14.11.2023 beim Arbeitsgericht eingegangenen und der Beklagten am 16.11.2023 zugestellten Klage macht der Kläger Ansprüche nach dem Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 geltend.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_5

Er vertritt die Auffassung, zwar sei zwischen den Parteien lediglich vereinbart, dass die Eingruppierungs- und Vergütungsbestimmungen zunächst des BAT und – im Wege ergänzender Vertragsauslegung – sodann des TVöD/VKA gelten sollen, nicht hingegen das gesamte Tarifwerk des öffentlichen Dienstes in seiner jeweiligen Fassung. Die Vereinbarung der Parteien sei – jedenfalls im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung – allerdings so zu verstehen, dass sie auch andere finanzielle tarifliche Leistungen erfasse, die Ergebnis von Entgelttarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes seien, insbesondere die Inflationsausgleichsprämie, die ein Ersatz für Erhöhungen des Tabellenentgelts in dem betreffenden Zeitraum sei. Die Parteien hätten bei Vertragsabschluss nicht absehen können, dass der Gesetzgeber viele Jahre später – aus gesamtwirtschaftlichen Gründen zur Verhinderung einer als ungünstig angesehenen Lohnentwicklung – die Gestaltungsmöglichkeit schafft, eine steuer- und sozialabgabenfreie Sonderprämie zu nutzen.

10

De Kläger, beantragt zuletzt,

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_6

die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger eine steuer- und sozialversicherungsfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000,00 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 01.11.2023 aus 2.120,00 € und seit dem 01.03.2024 aus weiteren 880,00 € zu zahlen und beantragt den Erlass eines entsprechenden Versäumnisurteils.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_7

Der Prozessbevollmächtigte der Beklagten ist im Kammertermin nicht erschienen. Sodann hat die Klägerseite den Erlass eines Versäumnisurteils beantragt.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_8

Wegen der Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen und das Ergebnis der mündlichen Verhandlung Bezug genommen.

14

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

15

I.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_9

1.              Die Klage ist zulässig, aber unbegründet, so dass im Wege des „unechten Versäumnisurteils“ zu entscheiden war. Gemäß § 331 Abs. 1, Abs. 2 Alt. 2 ZPO ist die Klage abzuweisen, soweit der Tatsachenvortrag der Klägerseite nicht den Antrag rechtfertigt, und die klagende Partei gegen die im Termin nicht erschiene Beklagte ein Versäumnisurteil beantragt.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_10

2.              Der Tatsachenvortrag des Klägers rechtfertigt nicht den von ihm geltend gemachten Anspruch. Der Klageantrag zu 1. ist zulässig, aber unbegründet. Dem Kläger steht kein Anspruch gegen die Beklagte auf Zahlungen für die Monate Juni 2023 bis einschließlich Februar 2024 nach dem Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 zu.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_11

Die Parteien unterliegen keiner zwingenden Tarifbindung, so dass lediglich ein arbeitsvertraglicher Anspruch aufgrund der Auslegung der Bezugnahmeklausel im Arbeitsvertrag vom 10.01.2002 in Betracht kommt.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_12

Der Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 ist arbeitsvertraglich nicht in Bezug genommen worden.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_13

Die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Essen führt für ein Schwesterunternehmen der Beklagten in identischer Vertragskonstellation in ihrem Urteil vom 06.02.2024 – 3 Ca 1957/23 wie folgt aus:

21

„3.

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_14

Der Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 findet auch nicht kraft arbeitsvertraglicher Bezugnahme auf das Arbeitsverhältnis Anwendung.

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a)

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_15

Die Leistungen nach dem Tarifvertrag über Sonderzahlungen zur Abmilderung der gestiegenen Verbraucherpreise vom 22.04.2023 stellen keine Vergütung für erbrachte Arbeitsleistung dar. Nach dem klaren Wortlaut handelt es sich um Sonderzahlungen, deren Höhe nicht von der jeweiligen Entgeltgruppe abhängt und für die nicht die Erbringung von Arbeitsleistung im Bezugszeitraum Voraussetzung ist, sondern der Anspruch auf Entgelt an mindestens 1 Tag im Bezugszeitraum (§ 3 Abs. 1), wobei als Entgelt unter anderem auch der Krankengeldzuschuss nach § 22 Abs. 2 und 3 TVöD zählt, auch wenn dieser wegen der Höhe der Barleistungen des Sozialversicherungsträgers nicht gezahlt wird (§ 4 Abs. 2 S. 1). Ebenso anspruchsberechtigt ist ein Arbeitnehmer, wenn er an mindestens 1 Tag im Bezugszeitraum Krankengeld bei Erkrankung des Kindes nach § 45 SGB V bezieht (§ 4 Abs. 2 S. 3), im gesamten Bezugszeitraum jedoch keinen Anspruch auf Entgelt gegen den Arbeitgeber hat.

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_16

Dass die Tarifvertragsparteien diese Sonderzahlungen anstelle einer entsprechend früheren Anhebung der Tabellenvergütung vereinbart haben, um die Möglichkeit einer steuer- und sozialabgabenfreien Sonderprämie zu nutzen, die der Gesetzgeber aus gesamtwirtschaftlichen Gründen zur Verhinderung einer als ungünstig angesehenen Lohnentwicklung geschaffen hat, mag zutreffen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Tarifvertragsparteien sich darauf verständigt haben, die Tabellenentgelte erst später zu erhöhen, und sie stattdessen Sonderzahlungen beschlossen haben, die gerade keinen Vergütungscharakter aufweisen.

26

b)

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_17

Die arbeitsvertraglichen Vereinbarungen lassen sich nicht dahingehend auslegen, dass ein Anspruch auf tarifliche Sonderzahlungen ohne Vergütungscharakter eingeräumt wird.

28

aa)

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_18

Nach §§ 133, 157 BGB sind Willenserklärungen und Verträge so auszulegen, wie die Parteien sie nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte verstehen mussten, wobei vom Wortlaut auszugehen ist. Zur Ermittlung des wirklichen Willens der Parteien sind auch die außerhalb der Vereinbarung liegenden Umstände einzubeziehen, soweit sie einen Schluss auf den Sinngehalt der Erklärung zulassen. Vor allem sind die bestehende Interessenlage und der mit dem Rechtsgeschäft verfolgte Zweck zu berücksichtigen (vgl. BAG vom 03.07.2019 – 4 AZR 312/18, juris Rdn. 21).

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_19

Handelt es sich um allgemeine Geschäftsbedingungen, so sind diese nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so auszulegen, wie sie von verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise verstanden werden, wobei die Verständnismöglichkeiten des durchschnittlichen Vertragspartners des Verwenders zugrunde zu legen sind (vgl. LAG Düsseldorf vom 24.04.2017 – 9 Sa 905/16, juris Rdn. 63).

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_20

Gemäß § 305c Abs. 2 BGB gehen Zweifel bei der Auslegung allgemeiner Geschäftsbedingungen zu Lasten des Verwenders. Die Bestimmung ist auch auf die Inhaltskontrolle von arbeitsvertraglichen Bezugnahmeklauseln uneingeschränkt anwendbar. Dass damit auch der Inhalt der Hauptleistungspflicht der Arbeitgeberin festgelegt wird, spielt keine Rolle. § 307 Abs. 3 BGB schließt lediglich eine materielle Inhaltskontrolle vertraglicher Hauptleistungspflichten anhand der §§ 307 Abs. 1, 2, 308, 309 BGB aus (vgl. LAG Düsseldorf vom 24.04.2017 – 9 Sa 905/16, a.a.O. Rdn. 74).

32Permalink zu Rn. 32recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_21

Ist eine Vertragsregelung lückenhaft, kann eine ergänzende Vertragsauslegung geboten sein. Voraussetzung für eine ergänzende Vertragsauslegung ist das Bestehen einer Regelungslücke. Diese ist gegeben, wenn ein Vertrag eine planwidrige Unvollständigkeit aufweist. Das ist dann der Fall, wenn die Parteien einen Punkt übersehen oder ihn bewusst offengelassen haben, weil sie ihn im Zeitpunkt des Vertragsschlusses für nicht regelungsbedürftig gehalten haben, und sich diese Annahme nachträglich als unzutreffend herausstellt. Dabei kann von einer planwidrigen Regelungslücke nur gesprochen werden, wenn der Vertrag eine Bestimmung vermissen lässt, die erforderlich ist, um den ihm zugrundeliegenden Regelungsplan der Parteien zu verwirklichen, mithin ohne Vervollständigung des Vertrags eine angemessene, interessengerechte Lösung nicht zu erzielen ist. Ist eine vertragliche Regelung planwidrig unvollständig, tritt an die Stelle der lückenhaften Vertragsbestimmung diejenige Gestaltung, die die Parteien bei einer angemessenen Abwägung der beiderseitigen Interessen nach Treu und Glauben als redliche Vertragsparteien vereinbart hätten, wenn diesen die Lückenhaftigkeit des Vertrags bekannt gewesen wäre. Hierfür ist zunächst an den Vertrag selbst anzuknüpfen, denn die in ihm enthaltenen Regelungen und Wertungen und ihr Sinn und Zweck sind Ausgangspunkt der Vertragsergänzung. Soweit irgend möglich sind danach die Lücken im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung in der Weise auszufüllen, dass die Grundzüge des konkreten Vertrags „zu Ende gedacht“ werden. Bei allgemeinen Geschäftsbedingungen orientiert sich die ergänzende Vertragsauslegung an einem objektiv generalisierenden, am Willen und Interesse der typischerweise an Geschäften dieser Art beteiligten Verkehrskreise ausgerichteten Maßstab. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Feststellung und Bewertung des mutmaßlichen Parteiwillens und der Interessenlage ist der Zeitpunkt des Vertragsschlusses, denn die ergänzende Vertragsauslegung schließt eine anfängliche Regelungslücke rückwirkend (vgl. BAG vom 24.05.2023 – 7 AZR 169/22, juris Rdn. 27).

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bb)

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_22

Im vorliegenden Fall sind die arbeitsvertraglichen Regelungen – auch aus Sicht eines durchschnittlichen Arbeitnehmers – nicht dahingehend zu verstehen, dass tarifliche Regelungen über Sonderzahlungen, die keinen Vergütungscharakter haben, Anwendung finden. Es fehlt insoweit auch an einer planwidrigen Regelungslücke, die Voraussetzung für eine ergänzende Vertragsauslegung ist.

35

(1)

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_23

In § 2 des Arbeitsvertrags in der Fassung vom 14.11.1998 haben die Parteien geregelt, dass sich die Grundvergütung nach einer bestimmten tariflichen Entgeltgruppe bemisst.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_24

Der durchschnittliche Arbeitnehmer darf bei einer derartigen Verknüpfung von einem festen Entgeltbetrag und dessen Zuordnung zu einer tariflichen Vergütungsgruppe redlicherweise davon ausgehen, der in der Klausel festgehaltene Betrag solle sich entsprechend den tariflichen Entwicklungen des genannten Gehaltstarifvertrags entwickeln (vgl. BAG vom 11.04.2018 – 4 AZR 265/17, juris Rdn. 17).

38

Sonderzahlungen, die keinen Vergütungscharakter haben, betrifft diese Klausel allerdings nicht.

39

(…)

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/arbg-oberhausen/2024-03-06/3-ca-1310-23#rd_25

Zwar haben die Parteien damals nicht bedacht, dass eine Tarifsukzession im öffentlichen Dienst stattfinden wird und die Vergütungstarifverträge zum BAT nicht mehr weiterentwickelt werden. Ebenso wenig haben die Parteien damals vorhergesehen, dass sich die Tarifpartner des öffentlichen Dienstes im Jahr 2023 darauf verständigen, für einen bestimmten Zeitraum die Entgelte nicht zu erhöhen, und zur Kompensation – in Ausnutzung der Regelung des § 3 Nr. 11c EStG – in einem gesonderten Tarifvertrag als Sonderzahlung ohne Vergütungscharakter eine Inflationsausgleichsprämie vorsehen. Sehr wohl war aber auch schon damals absehbar, dass es Situationen geben kann, in denen eine Gewerkschaft von ihrem Bestreben, möglichst früh eine möglichst starke Erhöhung der Entgelte für alle Entgeltgruppen umzusetzen, abrückt, um im Gegenzug andere Vorteile für die Arbeitnehmerschaft zu erzielen, wie etwa eine Erhöhung der Urlaubstage, eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit oder Sonderzahlungen zur ausschließlichen Belohnung der Betriebstreue. Eine planwidrige Regelungs-lücke ist daher nicht gegeben.“

41

Diesen Rechtsausführungen schließt sich die erkennende Kammer vollumfänglich an. Der Klageantrag unterlag daher der Abweisung.

42

3.              Mangels Hauptforderung besteht auch kein Zinsanspruch.

43

II.

44

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO. Der Kläger hat als unterlegene Partei die Kosten zu tragen.

45

Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 3 ZPO. Hierbei wurde der Nennbetrag des Zahlungsantrags berücksichtigt.