Rechtsprechung / OLG Düsseldorf / 2013

OLG Düsseldorf Beschluss vom 25.10.2013 – I-3 Wx 151/13

ECLI:DE:OLGD:2013:1025.I3WX151.13.00

ErbrechtNordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Das Rechtsmittel wird als unzulässig verworfen.

Geschäftswert: 3.000 Euro.

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G r ü n d e :

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I.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_1

Mit Beschluss des Nachlassgerichts vom 29. November 2012 wurde für den Nachlass der Erblasserin gemäß § 1960 BGB Nachlasspflegschaft mit den Wirkungskreisen der Sicherung und Verwaltung des Nachlasses sowie ggf. der Ermittlung der unbekannten Erben angeordnet und die Beteiligte zu 1 zur Nachlasspflegerin bestellt.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_2

Hiergegen wendet sich der Beteiligte zu 2 als Vermächtnisnehmer mit seinem bei Gericht am 06. Januar 2013 eingegangenen Rechtsmittel, das er bislang - trotz mehrfach gewährter Fristverlängerungen, zuletzt bis zum 04. Oktober 2013 - nicht begründet hat.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_3

Mit weiterem Beschluss vom 20. August 2013 hat das Nachlassgericht dem Rechtsmittel nicht abgeholfen, weil dem Beteiligten zu 2 als Vermächtnisnehmer eine Beschwerdeberechtigung zur Errichtung der Nachlasspflegschaft nicht zustehe und die Vorlage an das Rechtsmittelgericht verfügt.

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Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Nachlassakte Bezug genommen.

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II.

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Die gemäß § 58 FamFG statthafte Beschwerde ist unzulässig.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_4

Zwar könnte der Beteiligte zu 2 als Sohn der Erblasserin nach Ausschlagung des testamentarischen Erben grundsätzlich Erbe sein, jedoch ist er durch Testament zu UR-Nr. 559/2012 des Notars Dr. O. in Geldern vom 16. März 2012 ausdrücklich ausgeschlossen, das heißt enterbt, § 1938 BGB.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_5

Als Vermächtnisnehmer ist der Beteiligte zu 2 dagegen – worauf er bereits verschiedentlich hingewiesen worden ist -  nicht beschwerdebefugt (§ 59 FamFG).

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_6

Für die Beschwerdeberechtigung im Sinne des § 59 FamFG ist ein unmittelbarer, nachteiliger Eingriff in ein dem Beschwerdeführer zustehendes subjektives Recht erforderlich. Die angefochtene Entscheidung muss daher ein bestehendes Recht des Beschwerdeführers aufheben, beschränken, mindern ungünstig beeinflussen oder gefährden, die Ausübung dieses Rechts stören oder dem Beschwerdeführer die mögliche Verbesserung seiner Rechtsstellung vorenthalten oder erschweren; nicht ausreichend sind demgegenüber lediglich wirtschaftliche, rechtliche oder sonstige berechtigte Interessen (BGH, ZEV 2013, 440).

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_7

Die Nachlasspflegschaft (§ 1960 BGB) dient der Wahrung der Interessen der noch nicht oder nicht sicher bekannten Erben (OLG München NJW 2010, 2364; Palandt/Weidlich, BGB, 71. Auflage 2012, § 1960 Rdz. 11). Gesicherter Erkenntnis entspricht es, dass Durchführung und Überwachung der Erbauseinandersetzung nicht zu den Aufgaben eines Nachlasspflegers gehören (Leipold, Münchener Kommentar zum BGB, 6. Auflage 2013, § 1960 Rdn. 59; Staudinger-Marotzke, BGB, Neubearbeitung 2008, § 1960 Rn. 51; Palandt-Weidlich, BGB, 71. Aufl. 2012, § 1960 Rdnr. 11; jeweils mit Nachw.), ebenso nicht  zu klären, wer von mehreren in Betracht kommenden Erbanwärtern der wirkliche Erbe ist (Leipold, a.a.O. Rdn. 46).

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_8

Demnach ist weder der Vermächtnisnehmer im Allgemeinen noch - konkret vorgetragen oder sonst ersichtlich - der Beteiligte zu 2 durch die Anordnung der Nachlasspflegschaft einem unmittelbaren, nachteiligen Eingriff in ein ihm zustehendes subjektives Recht  ausgesetzt, weshalb ihm als Vermächtnisnehmer gegen die Anordnung der Nachlasspflegschaft bzw. die Ablehnung ihrer Aufhebung ein Beschwerderecht nicht zukommt (vgl. Leipold, a.a.O. Rdz. 97; Keidel/Meyer-Holz, FamFG 17. Auflage 2011 § 59 Rdn. 84).

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_9

Der Schriftsatz des Beteiligten zu 2 vom 04.Oktober 2012 enthält weder einen weiteren Antrag auf Verlängerung der Beschwerdebegründungsfrist noch gibt er aufgrund vorgetragener konkreter  Fakten Anlass, die Frist  abermals „angemessen“ zu verlängern.

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III.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-duesseldorf/2013-10-25/i-3-wx-151-13#rd_10

Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst. Die Tragung der Gerichtskosten ergibt sich unmittelbar aus den Vorschriften der Kostenordnung. Eine Anordnung der Erstattung außergerichtlicher Kosten scheidet bereits deshalb aus, weil die Beteiligten zu 1 und 3 im Beschwerdeverfahren nicht hervorgetreten sind.

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Ebenso wenig besteht ein Anlass, gemäß § 70 Abs. 2 Satz 1 FamFG die Rechtsbeschwerde zuzulassen.