Rechtsprechung / BPatG / 24. Senat / 2014

BPatG Beschluss vom 28.01.2014 – 24 W (pat) 50/12

24. Senat

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Tenor§

In der Beschwerdesache

betreffend die international registrierte Marke IR 933 505 / 03

hat der 24. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der Sitzung vom 28. Januar 2014 unter Mitwirkung der Vorsitzenden Richterin Werner sowie der Richterin Dr. Schnurr und des Richters Heimen

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe§

I.

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Der Inhaber der international registrierten Wortmarke Nr. IR 933 505

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_3

begehrt beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) die Schutzerstreckung für die Bundesrepublik Deutschland für die folgenden Waren und Dienstleistungen:

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_4

„Klasse 3: Cosmetics, skin care products, lotions for cosmetic purposes, oils for toilet purposes;

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_5

Klasse 5: Hygienic bandages, wraps for health purposes, pharmaceutical lotions, pharmaceutical preparations, body-wrap foils for health purposes;

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_6

Klasse 25: Clothing, athletic trousers, compression trousers;

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_7

Klasse 41: Sporting activities, operation of fitness studios, rental of sports equipment, training consultancy;

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_8

Klasse 44: Operation of beauty parlours, hygienic and beauty care for human beings, physio-therapeutical treatments.“

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_9

Die Markenstelle für Klasse 3 IR hat mit zwei Beschlüssen vom 30. März 2010 und vom 26. Juni 2012 der IR Marke „WRAP N’GO“ nach vorheriger Beanstandung und vorläufiger Schutzverweigerung gemäß Art. 5 PMMA i. V. m. Art 6quinquies B Nr. 2 PVÜ i. V. m. §§ 119, 124, 113, 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG den Schutz für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland versagt. Zur Begründung hat die Markenstelle ausgeführt, die sloganartige Wortfolge „WRAP`N GO“ sei sprachüblich gebildet und setze sich aus jedermann verständlichen englischsprachigen Begriffen zusammen. Das Wort „wrap“ bedeute soviel wie „wickeln“ oder „Wickel“. Das Wort „go“ gehöre zum englischen Grundwortschatz und sei gleichbedeutend mit deutschen Verb „gehen". Der Buchstabe „N“ mit dem vor und/oder nachgestellten Apostroph (,N=, ,*N, bzw. N' oder ,n”, ,”n, n') sei hier die Entsprechung für das umgangssprachlich verstümmelte englische „and“ mit der deutschen Bedeutung „und“. Für die Wortfolge „WRAP N'GO“ dränge sich der Sinngehalt „[Zuerst] (ein)wickeln und [dann] (los)gehen“ bzw. „(Ein)Wickeln und [gleich wieder] (los)gehen“ auf, nämlich als Hinweis auf die besonders leichte und schnelle Handhabung der Produkte bzw. die Effektivität (und damit gleichzeitige) Zeitersparnis bei der Inanspruchnahme der jeweiligen Dienstleistungen. Das sog. „Bodywrapping“ mit „Body wraps" habe sich zu einem Fachterminus im Bereich der Schönheits- und Gesundheitspflege entwickelt. In ihrer Gesamtheit werde der Verkehr die Wortfolge daher als rein sachbezogene, werbliche Aussage i. S. v. Wickeln und los(-gehen) verstehen. Von dieser werblichen Aussage seien einerseits die beanspruchten Waren, allesamt Produkte, die man zum Anlegen von Wickeln (bodywraps) benötigte, als auch die entsprechenden, damit zusammenhängenden Dienstleistungen umfasst. Die Bedeutung der Marke erschöpfe sich in dieser Sachaussage und beschreibe in anpreisender Form lediglich die Bestimmung der beanspruchten Waren und Dienstleistungen, ohne einen Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen zu implizieren.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_10

Hiergegen hat der Inhaber der international registrierten Marke am 26. Juli 2012 Beschwerde eingelegt.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_11

Zur Begründung der Beschwerde führt er aus, das DPMA habe bei der Prüfung fehlerhaft an sloganartige Wortfolgen strengere Maßstäbe als an sonstige Zeichen angelegt. Die Wortfolge „WRAP`N GO“ stelle auch keine ohne weiteres für die inländischen Verkehrskreise verständliche Sachangabe dar, die Markenstelle komme nur aufgrund einer analysierenden Betrachtungsweise zu einer anderen Bewertung.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_12

Der englische Begriff „wrap“ sei dem deutschen Verkehr nur als Bezeichnung für eine Speise, nämlich eine gefüllte Teigrolle bekannt und werde auch so verstanden; „wrap“ mit dieser Bedeutung auch lexikalisch nachweisbar. Demnach sei anzunehmen, dass in Deutschland das Wort „WRAP“ nur in dieser Bedeutung, nämlich als Name für eine Speise, verstanden werde, in der es auch in die deutsche Sprache eingegangen sei. Daher werde die Angabe „WRAP`N GO“ eher im Zusammenhang mit einer Fast-Food-Kette gesehen. Anhaltspunkte, dass der inländische Verkehr das Wort „wrap“ in der Bedeutung „Wickel, wickeln“ verstehe, lägen dagegen nicht vor.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_13

Die von der Markenstelle angenommene Bedeutung „[Zuerst] (ein)wickeln, und [dann] (los)gehen“ sei auch keine reine sachbezogene Aussage, die geeignet sei, die beanspruchten Waren und Dienstleistungen zu beschreiben, dies gelte insbesondere für die in Klasse 41 „Sporting activities, operation of fitness studios, rental of sports equipment, training consultancy“ und in Klasse 44 „Operation of beauty parlours, hygienic and beauty care for human beings, physio-therapeutical treatments“ enthaltenen Dienstleistungen. Jegliches Herstellen eines sachlichen Zusammenhanges zwischen diesen Dienstleistungen und der Angabe, für die Schutz begehrt werde, erfordere mehrere Gedankenschritte.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_14

Die Waren der Klasse 3 seien zudem dazu bestimmt auf die Haut aufgetragen zu werden und nicht für das Einwickeln u. ä. bestimmt oder geeignet. Die in Klasse 25 genannten Bekleidungsstücke würden ebenfalls nicht gewickelt. Der Umstand, dass in Asien bestimmte Hosen gewickelt würden, stehe dem nicht entgegen. Vielmehr werde die Angabe bei den in das Verfahren eingeführten Belegstellen nicht beschreibend verwendet, sondern – jedenfalls vom Markeninhaber und Beschwerdeführer - markenmäßig benutzt. Allenfalls sei ein beschreibender Anklang in Bezug auf einzelne Waren in Klasse 5 erkennbar.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_15

Dass es sich bei dem angemeldeten Zeichen aber nicht um eine rein sachbeschreibende Angabe handele, zeige auch der Umstand, dass die IR-Marke sogar in englischsprachigen Ländern Schutz genieße. Dies zeige wiederum, dass die Markenstelle ein falsches Verkehrsverständnis zugrunde gelegt habe, denn wenn englische Begriffe in englischsprachigen Ländern Unterscheidungskraft hätten, müsse dies erst recht für den deutschen Verkehr gelten.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_16

Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäß,

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_17

die Beschlüsse der Markenstelle für Klasse 3 IR des Deutschen Patent- und Markenamtes vom 30. März 2010 und vom 26. Juni 2012 aufzuheben.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_18

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Akten verwiesen.

II.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_19

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_20

Einem Schutz der IR-Marke „WRAP`N GO“ auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland stehen absolute Schutzhindernisse entgegen, §§ 119, 124, 113, 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG i. V. m. Art. 5 PMMA und Art 6quinquies B Nr. 2 PVÜ.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_21

Unterscheidungskraft i. S. v. § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG bedeutet die Eignung einer Marke, die mit ihr beanspruchten Waren oder Dienstleistungen als von einem bestimmten Unternehmen stammend zu kennzeichnen und sie dadurch für den Verkehr von denen anderer Anbieter unterscheidbar zu machen (vgl. EuGH GRUR 2006, 233, 235, Rn. 45 - Standbeutel; EuGH GRUR 2003, 604, 608, Rn. 62 - Libertel). Die Eintragung als Marke kommt nur in Betracht, wenn ein Zeichen diese Herkunftsfunktion erfüllen kann (vgl. EuGH GRUR 2003, 55, 57 f., Rn. 51 - Arsenal Football Club; BGH MarkenR 2006, 395, 397, Rdn. 18 - FUSSBALL WM 2006, m. w. N.). Ist dies nicht der Fall, widerspricht es dem Allgemeininteresse, das fragliche Zeichen durch seine Eintragung ins Register zugunsten eines Anmelders zu monopolisieren und der Nutzung durch die Allgemeinheit dauerhaft zu entziehen (vgl. EuGH GRUR 2008, 608, 610, Rn. 59 - EUROHYPO; EuGH GRUR 2004, 943, 944, Rn. 26 - SAT.2; EuGH GRUR 2003, 604, 608, Rn. 60 - Libertel).

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_22

Werbeslogans und sonstige spruchartige Wortfolgen sind bei der Beurteilung der Unterscheidungskraft wie andere Wortmarken zu behandeln. Sie unterliegen keinen strengeren Schutzvoraussetzungen und müssen insbesondere keine zusätzliche Originalität aufweisen. Allein die Tatsache, dass ein Zeichen von den angesprochenen Verkehrskreisen als Werbeslogan verstanden wird, reicht - für sich gesehen - nicht aus, um die für die Schutzfähigkeit erforderliche Unterscheidungskraft zu verneinen (vgl. EuGH GRUR 2010, 228 (Rn. 44) - VORSPRUNG DURCH TECHNIK). Entscheidend ist, ob die Marke zugleich auch als Hinweis auf die betriebliche Herkunft der beanspruchten Waren und Dienstleistungen wahrgenommen wird (EuGH GRUR 2010, 228 (Rn. 45) - VORSPRUNG DURCH TECHNIK, GRUR Int. 2011, 255, 257 (Rn. 52) - BEST BUY, GRUR Int. 2012, 914, 916 (Rn. 29) – Wir machen das Besondere einfach).

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_23

Wie bei anderen Markenkategorien auch, ist bei Slogans die für die Schutzfähigkeit erforderliche Unterscheidungskraft allerdings zu verneinen, sofern der Verkehr einer Bezeichnung im Zusammenhang mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen lediglich einen im Vordergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnet (BGH 2006, 850, 854, Rn. 19 - FUSSBALL WM 2006; EuGH GRUR 2004, 674, 678, Rn. 86 - Postkantoor). Darüber hinaus fehlt die Unterscheidungskraft auch solchen Angaben, die sich auf Umstände beziehen, welche die beanspruchten Waren oder Dienstleistungen zwar nicht unmittelbar betreffen, mit denen aber ein enger beschreibender Bezug zu dem betreffenden Produkt hergestellt wird (BGH GRUR 2012, 1143, 1144 (Rn. 9) – Starsat; GRUR 2006, 850, 854, Rn. 17 - FUSSBALL WM 2006).

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_24

Hiernach fehlt "WRAP N´GO" für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen das notwendige Mindestmaß an Unterscheidungskraft, § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG.

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_25

Das Gesamtzeichen „WRAP N´GO“ wird vom maßgeblichen inländischen Verkehr ohne Weiteres als „(ein)wickeln und (weiter)gehen“ verstanden, mithin als Hinweis, dass der Vorgang des Einwickelns mit den Waren und/ oder den Dienstleister, die derart gekennzeichnet sind, schnell und umgehend, gewissermaßen „im Vorbeigehen“ bewerkstelligt wird.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_26

Das englische Wort „wrap“ ist sowohl Nomen als auch Verb („to wrap“) und bedeutet übersetzt u. a. „Umhang, Stola, Verpackung“ bzw. als Verb „[etwas] einpacken, einwickeln, [jmd.] umarmen“ (vgl. PONS Großwörterbuch Englisch-Deutsch, 2008, S. 1135). Der Beschwerdeführer weist zutreffend darauf hin, dass das Wort „Wrap“ zudem in deutscher und englischer Sprache die Bezeichnung für einen Teigfladen in Form einer Rolle ist (vgl. Duden, Deutsches Universalwörterbuch 7. Aufl. 2011, S. 2030), der dadurch gekennzeichnet ist, dass die jeweilige Füllung in den Teig eingewickelt bzw. eingerollt wird. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann dem maßgeblichen inländischen Verkehrsverständnis aber hier nicht in erster Linie die letztgenannte Bedeutungsvariante zugrunde gelegt werden, da Marken dem Verkehr nicht isoliert begegnen, sondern das Verständnis des Verkehrs, dem die Marke gegenübertritt, stets im Zusammenhang mit den gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen gebildet wird. Ob das Wort „Wrap“ demnach in der deutschen Sprache (auch) als Name für eine gefüllte Teigrolle verwendet wird, ist für das Verkehrsverständnis im Bereich der Waren und Dienstleistungen aus den Klassen 3, 5, 25, 41 und 44, die mit dem genannten Lebensmittel keine Verbindung aufweisen, von untergeordneter Bedeutung. Dennoch deutet auch der Name der als „Wrap“ bezeichneten Teigrollen zwanglos auch auf eine Zubereitungsart hin, die als Wickeln bezeichnet werden kann und weist den inländischen Verkehr selbst aus dieser Richtung auf eine spezielle (Wickel-)Technik hin.

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_27

Zutreffend weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass die korrekte Übersetzung für Wickel i. S. v. eines oder mehrerer zirkulär um den Körper (Ganzkörperwickel) oder einen Körperteil (Teilwickel) angelegter Tücher in englischer Sprache „compress“ lautet. Die deutsche Verkehrsauffassung hinsichtlich englischsprachiger Begriffe ist allerdings erfahrungsgemäß davon beeinflusst, dass aufgrund der starken Verwendung der englischen Sprache in Fachsprachen, insbesondere aber in der Werbesprache und bei englisch anmutenden Neologismen - und der im Vergleich zu anderen Fremdsprachen zumindest subjektiv empfundener Ähnlichkeit beider Sprachen – die englische Sprache in Deutschland nicht nur stark vertreten, sondern auch in besonderer Weise verstanden wird. Die Verkehrsauffassung wird von oftmals fehlerhafter Orthografie und Grammatik sowie schlichten Fehldeutungen oder Scheinanglizismen mindestens ebenso geprägt wie vom korrekten Gebrauch der englischen Sprache als Fremdsprache. Das Verständnis der angemeldeten Angabe wird daher nicht notwendig von der korrekten Übersetzung (hier: compress) oder der grammatikalisch richtigen Form bestimmt, sondern hängt u. a von der Deutung des Fremdwortes auf der Grundlage der durchschnittlichen Sprachkenntnisse der angesprochenen Verkehrskreise sowie dem Vergleich mit tatsächlich oder scheinbar ähnlichen Begriffen in der (deutschen) Erstsprache ab.

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_28

Für den maßgeblichen inländischen Verkehr, für den Englisch Fremdsprache ist, liegt daher aufgrund der Verwandtschaft zum deutschen Begriff und der nahezu identischen Wortbedeutung des englischen Nomens „wrap“ ein Verständnis i. S. v. „wrap“ = (Körper-)Wickel nahe. Gerade auf dieser Grundlage hat sich auch im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Body-Wrap“, „Body-Wrapping“, abgekürzt auch „Wrap“, für Körperwickel eingebürgert (vgl. z. B. Internetseite des Beschwerdeführers ((http://at.wrapngo.net); s. auch weitere dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 23. Januar 2013 übersandte Belege), ohne dass dies zwingend mit der korrekten englischen Übersetzung im Zusammenhang stehen muss, wenngleich der Senat festgestellt hat, dass auch im englischen Sprachraum der Begriff „Body Wrap“ für Körperwickel belegt werden kann (vgl. z. B. http://iwbodywraps.com/).

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_29

Die weitere Angabe „N´GO“ besteht, wie bereits die Markenstelle belegt hat, einerseits aus der Zeichenfolge „n´“, die eine außerhalb förmlicher Schriftsprache gebräuchliche Abkürzung für „and“ (= und) ist und dem englischen Wort „go“, welches neben vielfältigen anderen Bedeutungen, in der Grundform des Verbes („to go“) auf der Hand liegend als „gehen, anfangen“ übersetzt wird. Auch im Inland ist es üblich, den Buchstaben „N“ zur Verbindung zweier englischsprachiger Begriffe zu verwenden. Einen entsprechenden lexikalischen Nachweis enthält beispielsweise eine ältere Auflage der deutschen Brockhaus-Enzyklopädie (17. Aufl. 1973, Bd. 16, S. 29) für die Wortkombination „Rock’n’Roll“: „Rock’n’Roll, [engl. „wiegen und rollen], Rock and Roll (…)“.

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_30

Das inländische Publikum ist weiter, wie ebenfalls bereits die Markenstelle umfänglich nachgewiesen hat, an die Verwendung des Ausdruckes „go“ insbesondere in der Werbesprache in vielfältigen Zusammenhängen gewöhnt und versteht dies als Hinweis, dass etwas leicht, unkompliziert und/ oder rasch erhältlich ist, abgewickelt wird oder erledigt ist.

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_31

Die hier in Rede stehenden Waren und Dienstleistungen richten sich hauptsächlich an Verkehrskreise, die als Endverbraucher oder Fachkreise in der Kosmetikbranche oder Medizin, die mit der Technik des Körperwickels vertraut oder daran interessiert sind.

32Permalink zu Rn. 32recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_32

Entgegen der Auffassung des Anmelders ist es nicht erforderlich, dass die angemeldete Bezeichnung für jeden verständlich ist, sondern es ist genügend, wenn ein nicht unerheblicher Teil der betroffenen Verkehrskreise sofort und ohne weiteres Nachdenken einen konkreten und direkten Bezug zwischen dem fraglichen Zeichen und den von der Anmeldung erfassten Waren und Dienstleistungen herstellen können, insbesondere dann, wenn die Waren oder die Dienstleistungen einen sehr spezifischen thematischen Inhalt haben. Insoweit kann auch ein Spezialpublikum mit guten Kenntnissen hinsichtlich der beanspruchten Waren und Dienstleistungen, welches Teil des allgemeinen Verkehrs ist, für die Frage der Unterscheidungskraft beachtlich sein (vgl. EuG, T-0226/07, U.v. 17.09.2008, GRUR Int. 2008,1040, bestätigt durch EuGH C-494/08, U.v. 09.12.2009, GRUR Int. 2010, 500 – PRANAHAUS).

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_33

Das Gesamtzeichen „WRAP N´GO“ wird vom Verkehr ohne Weiteres als „(ein)wickeln und (weiter)gehen“ verstanden, mithin als Hinweis, dass der Vorgang des Einwickelns mit den Waren und/oder den Dienstleister schnell und umgehend, gewissermaßen „im Vorbeigehen“ bewerkstelligt wird.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_34

Des Weiteren wird im Englischen der Begriff „Wrap“ im Zusammenhang mit dem Begriff „Groin“ (= Leiste, Leistengegend, vgl. PONS a. a. O., S. 419) als Groin wrap verwendet, übersetzt Leistenbinde, Leistenbandage.

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_35

In den aufgeführten Bedeutungen ist die Angabe nicht unterscheidungskräftig i. S. d. § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG für sämtliche Waren und Dienstleistungen, für die Schutz begehrt wird.

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_36

Hinsichtlich der in Klasse 5 („Hygienic bandages, wraps for health purposes, body-wrap foils for health purposes“) und Klasse 25 („Clothing, athletic trousers, compression trousers“) genannten Waren weist die Angabe „WRAP N´GO“ lediglich in sachlich beschreibender Weise nach Art einer Gebrauchsanweisung auf eine bestimmte Verwendungsart z. B. eines Verbandes, Manschette oder Bekleidungsstückes hin. Gleiches gilt für die mit Klasse 41 („Sporting activities, operation of fitness studios, training consultancy“) und Klasse 44 („Operation of beauty parlours, hygienic and beauty care for human beings, physio-therapeutical treatments“) beanspruchten Dienstleistungen, da die Angabe insoweit einen Hinweis auf eine bestimmte im Rahmen der jeweiligen Behandlung angewandte Technik enthält. Dabei ist es für das Vorliegen einer schutzunfähigen beschreibenden Merkmalsangabe i. S. d. § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG nicht erforderlich, dass der Verkehr im Einzelnen eine genaue Vorstellung hat, was die mit „WRAP N´GO“ bezeichnete Methode exakt beinhaltet. Wie die dem Beschwerdeführer vom Senat übersandten Belege zeigen, ist die Technik des sog. Body Wrappings regelmäßig dadurch gekennzeichnet, dass im Alltag, beim Sport bestimmte Lagen z. B. aus Stoff oder Folien um den Körper gewickelt werden, damit auch ohne besondere sportlichen Betätigung gesundheitlich vorteilhafte Prozesse in Gang gesetzt werden oder unterstützt werden (vgl. z. B. www.vitaldreyer.de; www.paradisi.de, dem Anmelder übersandt). Dies gilt, soweit es um das Verabreichen von Waren aus den Klassen 3 und 5, geht nicht nur für die bereits aufgeführten Materialien, die zum Wickeln selbst genutzt werden (Kl. 5: Hygienic bandages, wraps for health purposes; body-wrap foils for health purposes), sondern auch für solche Waren, die Wirkstoffe enthalten können. Derartige Körperwickel können beispielsweise auch benutzt werden, um – im Rahmen von Dienstleistungen der Klasse 41 oder 44 - bestimmte pflegende und/oder heilende Mittel zu applizieren, das gilt insbesondere für Mittel aus der Klasse 3 „Cosmetics, skin care products, lotions for cosmetic purposes, oils for toilet purposes“ und aus der Klasse 5 „Pharmaceutical lotions, pharmaceutical preparations“.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_37

Das Schutzhindernis des engen sachlich beschreibenden Zusammenhanges besteht demnach auch hinsichtlich der beanspruchten Dienstleistungen, in deren Rahmen die vorstehend genannten Waren verwendet werden können (Kl. 44: Operation of beauty parlours, hygienic and beauty care for human beings, physio-therapeutical treatments).

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_38

Die Technik des Körperwickels bzw. des Bandagierens von Körperteilen wird auch im Rahmen sportlicher Betätigung angewandt, so dass die international registrierte Marke ein sachlicher Hinweis auf einen bestimmten Inhalt der angebotenen Dienstleistung in Klasse 41 „Sporting activities, operation of fitness studios, training consultancy“ sein kann.

39Permalink zu Rn. 39recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_39

Die angemeldete Angabe ist auch beschreibend für die übrigen beanspruchten Waren der Klasse 25 und die Dienstleistung in Klasse 41 „rental of sports equipment“. Abgesehen von der Möglichkeit, das der Verkehr die Angabe „WRAP N´GO“ schlicht als „Bandagieren und weitermachen“ versteht, ist bei Bekleidung, insbesondere Sportbekleidung („athletic trousers, compression trousers“), hauptsächlich solcher asiatischen Ursprungs (z. B. Wickelhosen aus Thailand, vgl. www.fair-global.com) auch eine Wickeltechnik gebräuchlich. Die Angabe „WRAP N´GO“ kann in den angesprochenen Verkehrskreisen, die sich z. B. im Rahmen von Sport und/ oder Meditationstechniken (z. B. Yoga) mit solcher Bekleidung befassen, beschreibend sein für eine spezielle Form der Bekleidung, die auf einer leicht anwendbaren Wickeltechnik beruht.

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_40

Unabhängig davon kann mit der Angabe „Wrap“ bei verschiedenen Sportarten (z. B. Boxen, Kung Fu) die Trageweise oder Art der Befestigung entweder bei der Bekleidung oder bei der sonstigen üblichen (Schutz-) Ausrüstung (z. B. Boxbandagen, Leistenschutz) bezeichnet werden.

41Permalink zu Rn. 41recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_41

Die Einwände des Anmelders ändern an diesen Ergebnissen nichts. Es mag zutreffen, dass der Anmelder die angemeldete Bezeichnung durchgehend markenmäßig verwendet, dies hebt die sachlich beschreibende Bedeutung aber nicht auf. Ebenso wenig ändert es etwas an der dargelegten beschreibenden Bedeutung, dass vielfach die Anwendung von Körperwickeln in einer Ruhephase erfolgt, zwingend ist dies nicht. Wie die Belege für mittels Wickeltechnik angelegter Bekleidung und Ausrüstung bei unterschiedlichen Sportarten zeigt, kann die Angabe auch im Sportbereich im oben dargelegten Sinne beschreibend sein. Wie sich ferner aus den dem Anmelder übersandten Unterlagen ergibt, können und werden Körperwickel auch im Alltag und nicht nur in Ruhepausen angewendet. Schließlich spricht es nicht gegen, sondern für eine ausschließlich beschreibende Bedeutung der Angabe „WRAP N´GO“, dass es auch Körperwickeltechniken gibt, die gerade nicht schnell und einfach angewendet werden können. Entgegen der Auffassung des Anmelders dienen Körperwickel, dazu können auch Verbände etc. gerechnet werden, wie bereits dargelegt, nicht zuletzt dem Zweck, Stoffe auf die Haut zu applizieren, um z. B. die Wirkung dieser Mittel zu intensivieren oder zu verlängern oder schlicht die darüber liegende Bekleidung zu schützen. Schließlich umfasst die Dienstleistung in Klasse 41 „rental of sports equipment“ jegliche Sportart, also auch spezielle Kampfsportarten, in denen entweder traditionelle, gewickelte Beinkleider (z. B. Wickelhosen) getragen werden oder Bandagen aller Art durch einwickeln, umwickeln etc. angelegt werden oder deren Verwendung vermittelt wird.

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-01-28/24-w-pat-50-12#rd_42

Aus diesen Gründen war der international registrierten Marke IR 933 505/ 03 „Wrap N‘GO“ gemäß §§ 119, 124, 113, 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 und 2 MarkenG in Verbindung mit Art. 5 PMMA, Art. 6 quinquies B Nr. 2 PVÜ der Schutz für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland zu verweigern.