Rechtsprechung / OLG Hamm / 2022

OLG Hamm Beschluss vom 20.12.2022 – 5 Ws 299/22

ECLI:DE:OLGHAM:2022:1220.5WS299.22.00

StrafrechtNordrhein-WestfalenStrafrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Der Beschluss des Landgerichts Essen vom 20.04.2022 wird aufgehoben, soweit der Antrag, die Kosten des Drittbeteiligten für die Rechtsverfolgung im Zusammenhang mit dem Antrag vom 17.02.2022 der Staatskasse aufzuerlegen, abgelehnt wurde.

Der angefochtene Beschluss wird dahingehend ergänzt, dass die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Drittbeteiligten der Staatskasse auferlegt werden.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sowie die dem Drittbeteiligten im Beschwerdeverfahren entstandenen notwendigen Auslagen trägt die Staatskasse (§ 467 Abs. 1 StPO analog)

Gründe§

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I.

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Das Landgericht hat eine Kostengrundentscheidung in dem angefochtenen Beschluss zu Unrecht abgelehnt.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-hamm/2022-12-20/5-ws-299-22#rd_1

Wie sich aus § 464 Abs. 1 und Abs.  2 StPO ergibt, hat das Gericht in dem Beschluss, der das Verfahren abschließt, eine Entscheidung darüber zu treffen, wer die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen trägt. Hieraus folgt zugleich, dass eine Kostengrundentscheidung obligatorisch ist. In einem strafprozessualen Nebenverfahren ist jedenfalls dann ein Kostenausspruch zu treffen, wenn die Entscheidung ein vom Ausgang des Hauptverfahrens unabhängiges Zwischenverfahren abschließt (vgl. BVerfG NJW 2010, 360). Bei einem Verfahren, welches auf einen Antrag auf gerichtliche Entscheidung nach § 111k Abs. 3 StPO wegen Einwendungen gegen staatsanwaltschaftliche Vollziehungsmaßnahmen betreffend eine Beschlagnahme oder einen Vermögensarrest durchgeführt wird, handelt es sich um ein solches vom Ausgang des Hauptverfahrens unabhängiges Nebenverfahren.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-hamm/2022-12-20/5-ws-299-22#rd_2

Entgegen der Auffassung der Strafkammer ist es insoweit unerheblich, ob in dem zugrundeliegenden Verfahren tatsächlich entsprechende Kosten bzw.  Auslagen angefallen sind oder nicht bzw. ob diese im konkreten Fall erstattungsfähig sind. Insoweit wird auf die zutreffenden Ausführungen in der Antragsschrift der Generalstaatsanwaltschaft Bezug genommen.

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II.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-hamm/2022-12-20/5-ws-299-22#rd_3

Soweit der Drittbeteiligte konkret beantragt hatte, die Kosten der Rechtsverfolgung im Zusammenhang mit seinem Antrag vom 17.02.2022 der Staatskasse aufzuerlegen, hat er mit Schriftsatz vom 12.12.2022 klargestellt, dass der Antrag als Antrag auf Erlass einer Kostengrundentscheidung auszulegen sei. Eine Entscheidung des Senats ist angesichts oben I.) insoweit nicht mehr veranlasst.