Rechtsprechung / LG Düsseldorf / 2009

LG Düsseldorf Beschluss vom 12.01.2009 – 011 Qs - 90 Js 6448/07 - 2/09

ECLI:DE:LGD:2009:0112.011QS90JS6448.07.00

StrafrechtNordrhein-WestfalenStrafrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Auf die sofortige Beschwerde des Angeklagten wird der Beschluss des Amtsgerichts Düsseldorf betreffend die Zurückweisung des Antrags auf Beiordnung eines Pflichtverteidigers vom 11.12.2008 aufgehoben.

Dem Angeklagten wird Rechtsanwalt X als Pflichtverteidiger beigeordnet.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sowie die insofern entstandenen notwendigen Auslagen des Angeklagten werden der Staatskasse auferlegt.

Gründe§

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3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_1

Gegen den der deutschen Sprache nicht mächtigen Angeklagten wurde am 15.01.2008 durch das Amtsgericht Düsseldorf wegen Diebstahl ein Strafbefehl erlassen, gegen den form – und fristgerecht Einspruch eingelegt wurde.

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Strafrechtlich war der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt bereits wie folgt in Erscheinung getreten:

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_2

Am 20.08.2007 verurteilte ihn das Amtsgericht München wegen Diebstahl im besonders schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von 3 Monaten, deren Vollstreckung bis zum 19.08.2009 zur Bewährung ausgesetzt wurde. Am 15.04.2008 verurteilte ihn das Amtsgericht Iserlohn wegen räuberischem Diebstahl u.a. zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 8 Monaten. Im Hinblick auf diese Entscheidung wurde das vorliegende Verfahren gemäß Beschluss vom 11.12.2008 gemäß § 154 StPO eingestellt.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_3

Der Verteidiger hatte bereits am 12.11.2008 einen Antrag auf Beiordnung als Pflichtverteidiger gestellt, der gemäß dem angefochtenen Beschluss zurückgewiesen wurde.

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2.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_4

Hiergegen richtet sich die form- und fristgerecht eingelegte Beschwerde, die begründet ist. Die Beiordnung kommt einer nachträglichen Bestellung gleich, da mit der Einstellung nach § 154 StPO das Verfahren faktisch beendet war. Die

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_5

Zulässigkeit der nachträglichen Bestellung eines Pflichtverteidigers ist in der Rechtsprechung umstritten (vgl. Nachweise bei Meyer-Goßner, StPO, 51.A., §141 RNr 8).

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_6

Die Kammer vertritt die Meinung, dass jedenfalls in den Fällen, in denen - wie hier – der Anwalt bereits vor Bescheidung des Antrags auf Beiordnung als Pflichtverteidiger Tätigkeiten in der Sache entfaltet hat (vgl. Bl. 34 d.A.), die Frage der Bestellung nicht davon abhängig sein kann, zu welchem Zeitpunkt der Antrag beschieden wird.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_7

Bezogen auf den Zeitpunkt der Antragstellung lagen die Voraussetzungen des § 140 Abs. 2 StPO vor, da zu diesem Zeitpunkt wegen der Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage die Mitwirkung eines Verteidigers geboten erschien und offensichtlich war, dass sich der Angeklagte nicht selbst verteidigen konnte.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_8

Der Angeklagte ist der deutschen Sprache nicht mächtig. Die Nachteile, die dem Angeklagten durch diesen Umstand hätten entstehen können, hätten sich nicht durch die Hinzuziehung eines Dolmetschers ausgleichen lassen.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/2009-01-12/011-qs-90-js-6448-07-2-09#rd_9

Dem Angeklagten drohte wegen der erneuten Straffälligkeit der Widerruf der Bewährung aus der Verurteilung des Amtsgerichts München. Letztlich ließ sich auch nicht ausschließen, dass dem Angeklagten ausländerrechtliche Konsequenzen drohten.

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Die Kostenentscheidung folgt aus § 467 StPO (analog).