Rechtsprechung / LG Dortmund / 2009

LG Dortmund Urteil vom 15.05.2009 – 8 O 319/08

ECLI:DE:LGDO:2009:0515.8O319.08.00

Gewerblicher RechtsschutzNordrhein-WestfalenGewerblicher Rechtsschutz Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Kläger auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in der genannten Höhe leistet.

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T a t b e s t a n d

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_2

Bei dem Kläger handelt es sich um eine Verbraucherorganisation in der Rechtsform des Vereins, der in die Liste der qualifizierten Einrichtungen nach § 4Abs 2 UKlaG eingetragen ist.

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Er beanstandet die folgenden zwei Regelungen, die die Beklagte in ihren allgemeinen Bausparbedingungen (ABB) verwendet:

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"Abschlussgebühr

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_3

Mit Abschluss des Bausparvertrages wird eine Abschlussgebühr von 1 v. H. der Bausparsumme fällig. Eingehende Zahlungen werden zunächst auf die Abschlussgebühr angerechnet. Die Abschlussgebühr wird nicht – auch nicht anteilig – zurückgezahlt oder herabgesetzt. Dies gilt auch, wenn der Bausparvertrag gekündigt, die Bausparsumme durch Bildung eines Teilbausparvertrages ermäßigt oder nicht voll in Anspruch genommen wird.

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Agio

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_4

Bei Beginn der Darlehensauszahlung wird ein Agio in Höhe von 2 v. H. (im Tarif Vario U/R: 1 v H.) des Bauspardarlehens fällig. Das Agio wird dem Bauspardarlehen zugeschlagen und erhöht damit die Darlehensschuld."

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_5

Der Kläger hat die Beklagte vergeblich aufgefordert, die Verwendung dieser Klauseln zu unterlassen und eine entsprechende strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_6

Er ist der Ansicht, die vorgenannten Regelungen verstießen gegen § 307 BGB. Es handele sich um ein unzulässiges Entgeltverlangen für Leistungen (Akquisition), die die Beklagte nicht im Interesse der Kunden, sondern allein in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse erbringe.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_7

Darüber hinaus handele es sich bei der "Agio-Regelung" nicht um eine Zinsvorauszahlung, die bei vorzeitiger Rückzahlung des Bauspardarlehens ganz oder teilweise erstattet werde.

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Der Kläger beantragt, die Beklagte zu verurteilen,

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1.) es bei Meidung der für jeden Fall der Zuwiderhandlung

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_8

festzusetzenden gesetzlich vorgesehenen Ordnungsmittel, zu verhängen gegen den Vorstand der Beklagten, zu unterlassen, die o.g. und/oder inhaltsgleiche Klauseln in Bezug auf Bausparverträge zu verwenden und sich darauf zu berufen, sofern nicht der Vertrag mit einer Person abgeschlossen wird, die in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt.

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2.) an den Kläger Aufwendungsersatz von 200,00 € nebst

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Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 19. Juni 2008 zu zahlen.

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Die Beklagte beantragt,

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die Klage abzuweisen.

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Sie ist der Ansicht, beide Regelungen seien einer gerichtlichen Inhaltskontrolle nicht zugänglich.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_9

Selbst wenn man insoweit einen abweichenden Standpunkt verträte, wichen sie weder von gesetzlichen Vorschriften im Sinne § 307 BGB ab, noch benachteiligten sie den Verbraucher.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_10

Die Beklagte bezieht sich zur Begründung ihrer Ansichten auf ein Urteil des Landgerichts Heilbronn vom 12.03.2009 (6 O 341/08), das sich in Kopie als lose Anlage B 1 zur Klageerwiderung bei den Akten befindet.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_11

Wegen der weiteren Einzelheiten des Vorbringens der Parteien wird auf den vorgetragenen Inhalt der wechselseitig eingereichten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

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Die zulässige Klage ist nicht begründet.

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Die Aktivlegitimation des Klägers steht mit Recht nicht im Streit.

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Die vom Kläger beanstandeten Klauseln sind jedoch wirksam.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_12

Zwar ist entgegen der Auffassung der Beklagten davon auszugehen, dass beide Klauseln allgemeine Geschäftsbedingungen der Beklagten darstellen, die diese im geschäftlichen Verkehr mit Verbrauchern verwendet und die auch nicht etwa individuell ausgehandelt sind.

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_13

Auch sind durch die behördliche Genehmigung des die Abschlussgebühr und das Agio enthaltenden Tarifwerks der Beklagten durch die BaFin die Klauseln nicht generell einer AGB-rechtlichen-Kontrolle entzogen.

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_14

Die Abschlussgebühr und das Agio sind indessen als Preisabrede und nicht als bloße Preisnebenabrede zu qualifizieren und damit der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB entzogen.

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_15

Selbst wenn man in beiden Regelungen eine bloße Preisnebenabrede sehen würde mit der Folge der Eröffnung der AGB-rechtlichen-Kontrollfähigkeit, läge eine Unwirksamkeit nach § 7 BGB nicht vor: Die beanstandeten Klauseln verstoßen weder gegen das – im Übrigen auch für eine Preisabrede geltende – Transparenzgebot (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB); noch sind sie mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der abgewichen werden soll, unvereinbar. Sie benachteiligen den Verbraucher der Beklagten auch nicht entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB).

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_16

Da somit die Abmahnung der Klägerin gegenüber der Beklagten unberechtigt war, steht ihr auch kein Aufwendungsersatzanspruch nach den §§ 5 UKlaG in Verbindung mit § 12 UWG zu.

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Das Landgericht Heilbronn hat in seiner Entscheidung vom 12.03.2009

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(6 0 341/08) eine praktisch inhaltsgleiche Klausel bzgl. der Abschlussgebühr einer anderen Bausparkasse geprüft und die Klage des Klägers abgewiesen.

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_17

Das Landgericht Heilbronn hat die Klausel unter allen erdenklichen rechtlichen Gesichtspunkten überprüft und seine Entscheidung sorgfältig und überzeugend sowie unter Berücksichtigung der einschlägigen höchstrichterlichen Rechtssprechung begründet.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_18

Die Kammer schließt sich der Ansicht des Landgerichts Heilbronn im vollen Umfange an. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen wird auf den Inhalt der Kopie dieser Entscheidung, Anlage B 1 zur Klageerwiderung, Bezug genommen.

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_19

Die vorstehenden Ausführungen gelten entsprechend auch für die vom Kläger beanstandete "Agio-Regelung". Es kommt insoweit nicht darauf an, ob es sich dabei um echtes "Zins-Agio" oder um eine (abgespaltene) weitere Gebührenregelung handelt, wie bei der Abschlussgebühr.

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Die Kammer hat davon abgesehen, eine Auskunft der BaFin (§ 8 Abs. 2 Nr. 2 UKlaG) einzuholen.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2009-05-15/8-o-319-08#rd_20

Die BaFin hat in dem Rechtsstreit vor dem Landgericht Heilbronn unter dem 28.01.2009 eine derartige Auskunft erteilt. Insoweit wird Bezug genommen auf den Inhalt der Anlage B 5 zur Klageerwiderung. Da diese Auskunft zeitnah zu dem vorliegenden Rechtsstreit erteilt wurde, hält die Kammer eine erneute Auskunft nicht für erforderlich.

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Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

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Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf den §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.