Rechtsprechung / OVG NRW / 2020

OVG NRW Beschluss vom 05.08.2020 – 4 A 3099/19.A

ECLI:DE:OVGNRW:2020:0805.4A3099.19A.00

VerwaltungsrechtNordrhein-WestfalenVerwaltungsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Der Antrag des Klägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das zweitinstanzliche Verfahren unter Beiordnung von Rechtsanwalt G. . D.        aus L.    wird abgelehnt.

Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das auf die mündliche Verhandlung vom 14.6.2019 ergangene Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf wird abgelehnt.

Der Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden.

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G r ü n d e :

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_3

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist abzulehnen, weil die Rechtsverfolgung des Klägers aus den nachfolgenden Gründen keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 166 Abs. 1 Satz 1 VwGO in Verbindung mit § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

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Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung hat keinen Erfolg.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_4

1. Die Berufung ist nicht wegen der geltend gemachten grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache zuzulassen (§ 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG). Grundsätzliche Bedeutung im Sinne des § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG hat eine Rechtssache nur dann, wenn sie eine bisher höchstrichterlich oder obergerichtlich nicht beantwortete Rechtsfrage oder eine im Bereich der Tatsachenfeststellung bisher obergerichtlich nicht geklärte Frage von allgemeiner Bedeutung aufwirft, die sich in dem angestrebten Berufungsverfahren stellen würde und die im Interesse der Einheitlichkeit der Rechtsprechung oder der Fortentwicklung des Rechts berufungsgerichtlicher Klärung bedarf. Für die Darlegung dieser Voraussetzungen ist neben der Formulierung einer Rechts- oder Tatsachenfrage erforderlich, dass der Zulassungsantrag konkret auf die Klärungsbedürftigkeit und -fähigkeit der Rechts- bzw. Tatsachenfrage sowie ihre über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung eingeht.

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Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 18.7.2019 – 4 A 4243/19.A –, juris, Rn. 7 G. ., m. w. N.

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Diesen Darlegungsanforderungen genügt die Antragsbegründung nicht. Die vom Kläger aufgeworfene Frage,

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ob das Gericht bei „Ahmadi“-Verfahren unterschiedliche Maßstäbe bei der Beurteilung anstellen kann,

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_5

würde sich in dem angestrebten Berufungsverfahren nicht entscheidungserheblich stellen. Unabhängig von der Frage, ob beim Verwaltungsgericht Düsseldorf die vom Kläger behauptete Praxis bei Vorliegen einer Bescheinigung, die die Zugehörigkeit zur Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft bestätigt, besteht, ist höchstrichterlich geklärt, dass die Verwaltungsgerichte bei der Prüfung der Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäß § 3 Abs. 1 und 4 AsylG nicht an die Beurteilung der jeweiligen Religionsgemeinschaft gebunden sind.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_6

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.8.2015 – 1 B 40.15 –, NVwZ 2015, 1678 = juris, Rn. 9 ff., und Urteil vom 20.2.2013 – 10 C 23.12 –, BVerwGE 146, 67 = juris, Rn. 29 ff., 31.

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Hinsichtlich der weiter aufgeworfenen Frage,

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_7

ob und inwieweit die Gerichte aufgrund ihrer Amtsermittlung der Frage der religiösen Identität oder öffentlich wahrnehmbaren Religionsausübung nachgehen müssen und welche Anforderungen an die Aufklärungspflicht des Gerichts zu stellen sind,

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_8

fehlt die Klärungsbedürftigkeit. Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits klargestellt, welche Ermittlungen die Tatsachengerichte zur Feststellung der religiösen Identität eines Asylbewerbers vorzunehmen haben.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_9

Vgl. BVerwG, Urteil vom 20.2.2013 – 10 C 23.12 –, BVerwGE 146, 67 = juris, Rn. 31 ff.; OVG NRW, Beschluss vom 18.7.2019 – 4 A 4243/18.A –, juris, Rn. 13 ff.

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Dass sich über diese Klarstellung hinaus weitere grundsätzlich bedeutsame Fragen in diesem Zusammenhang stellen, hat der Kläger nicht dargelegt.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_10

Es ist höchstrichterlich auch bereits grundsätzlich geklärt, wie weit die Aufklärungspflicht reicht. In welchem Umfang das Tatsachengericht Sachaufklärung zu betreiben hat, richtet sich nach dem maßgeblichen materiellen Recht in der Auslegung durch das Tatsachengericht.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_11

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.4.2014 ‒ 2 B 80.13 ‒, NVwZ 2014, 892 = juris, Rn. 7; OVG NRW, Beschluss vom 16.10.2018 – 4 A 12/18.A –, juris, Rn. 9 ff., m. w. N.

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Diesbezüglich ist ebenfalls ein weitergehender allgemeiner Klärungsbedarf nicht ersichtlich.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_12

2. Auch die sinngemäß geltend gemachte Divergenz (§ 78 Abs. 3 Nr. 2 AsylG) ist nicht den Anforderungen des § 78 Abs. 4 Satz 4 AsylG entsprechend dargelegt. Der Kläger behauptet lediglich, das Verwaltungsgericht weiche von obergerichtlicher und eigener Rechtsprechung ab. Er bezeichnet jedoch weder einen in den zitierten Entscheidungen aufgestellten Rechts- oder Tatsachensatz, noch einen inhaltlich bestimmten, die angegriffene Entscheidung tragenden abstrakten Rechts- oder verallgemeinerungsfähigen Tatsachensatz, mit dem die Vorinstanz einem in der übergeordneten Rechtsprechung in Anwendung derselben Rechtsvorschrift aufgestellten ebensolchen Rechts- oder Tatsachensatz widersprochen hat. Die Gegenüberstellung der voneinander abweichenden Rechtssätze ist zur ordnungsgemäßen Erhebung der Divergenzrüge unverzichtbar.

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Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 27.6.2018 – 4 A 1217/17.A –, juris, Rn. 8 G. ., m. w. N.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_13

Auch eine Abweichung von einem in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aufgestellten Rechtssatz hat der Kläger nicht in diesem Sinne geltend gemacht. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, ob das Verwaltungsgericht höchstrichterlich aufgestellte Rechtssätze zutreffend angewandt hat. Denn das bloße Aufzeigen einer vermeintlich fehlerhaften oder unterbliebenen Anwendung von Rechtssätzen, die ein übergeordnetes Gericht in seiner Rechtsprechung aufgestellt hat, begründet keine Divergenz.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_14

St. Rspr., vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 14.8.2018 ‒ 9 B 18.17 ‒, juris, Rn. 12, m. w. N.; OVG NRW, Beschluss vom 18.7.2019 – 4 A 4243/18.A –, juris, Rn. 20 G. .

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_15

3. Der Einwand des Klägers, das Verwaltungsgericht habe seine Pflicht zur Sachaufklärung verletzt, weil es den Kläger nicht weiter befragt und keine Auskunft über die behauptete Spendenzahlung eingeholt habe, führt nicht zur Zulassung der Berufung wegen eines Verfahrensmangels nach §§ 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG, 138 VwGO. Selbst wenn ein Aufklärungsmangel vorläge, begründete er grundsätzlich ‒ so auch hier ‒ weder einen Gehörsverstoß noch gehört er zu den sonstigen Verfahrensmängeln im Sinne der §§ 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG, 138 VwGO.

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Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 22.11.2019 ‒ 4 A 1995/19.A ‒, juris, Rn. 9 G. ., m. w. N.

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2020-08-05/4-a-3099-19-a#rd_16

Die Einwände des Klägers, mit denen er sinngemäß das Ergebnis der vom Verwaltungsgericht vorgenommenen Sachverhalts- und Beweiswürdigung beanstandet, sind dem sachlichen Recht zuzuordnen und rechtfertigen von vornherein nicht die Zulassung der Berufung wegen eines Verfahrensmangels gemäß § 78 Abs. 3 AsylG.

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Vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 1.2.2010 – 10 B 21.09 u. a. –, juris, Rn. 13, und vom 2.11.1995 – 9 B 710.94 –, NVwZ-RR 1996, 359 = juris, Rn. 5.

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Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO und § 83b AsylG.

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Dieser Beschluss ist gemäß § 80 AsylG unanfechtbar.