Rechtsprechung / OVG NRW / 2007

OVG NRW Beschluss vom 23.10.2007 – 13 A 3296/06

ECLI:DE:OVGNRW:2007:1023.13A3296.06.00

VerwaltungsrechtNordrhein-WestfalenVerwaltungsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 5. Juli 2006 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.

Der Streitwert wird für das Antragsverfahren auf 5.000 EUR festgesetzt.

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G r ü n d e:

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_2

Der Antrag auf Zulassung der Berufung ist unbegründet. Die geltend gemachten Zulassungsgründe, die gemäß § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO nur im rechtlichen Rahmen der fristgerechten Darlegungen des Klägers zu prüfen sind, liegen nicht vor.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_3

Die Berufung ist nicht wegen des Vorliegens eines Verfahrensfehlers im Sinne des § 124 Abs. 2 Nr. 5 VwGO zuzulassen. Der Kläger rügt zu Unrecht die Verletzung der §§ 86 Abs. 3 und 88 VwGO, weil das Verwaltungsgericht das Klagebegehren unzureichend gewürdigt bzw. nicht auf eine sachdienliche Antragstellung hingewirkt habe.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_4

Nach § 88 VwGO darf das Gericht über das Klagebegehren nicht hinausgehen, ist aber an die Fassung der Anträge nicht gebunden. Es hat vielmehr das im Klageantrag und im gesamten Parteivorbringen zum Ausdruck kommende Rechtsschutzziel zu ermitteln. Dem hieraus folgenden Auftrag, den wirklichen Sinn des Klagebegehrens zu erforschen, ist das Verwaltungsgericht gerecht geworden. Es ist zutreffend davon ausgegangen, dass streitgegenständlich (allein) eine vom Kläger begehrte Änderung der Bienenseuchen-Verordnung war.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_5

Die im erstinstanzlichen Verfahren vorgelegten Schriftsätze lassen keinen anderen Schluss zu. So hat der Kläger ausweislich der Klageschrift vom 31. August 2003 allein die Änderung dieser Vorschriften begehrt. Dies hat er sowohl mit dem "Betr.: ... Klage gegen das Land Nordrhein-Westfalen auf Änderung der Bienenseuchenverordnung vom 24.11.1995 geändert vom 18.04.2000" als auch mit der Formulierung "Gegen das Land Nordrhein-Westfalen erhebe ich Klage auf Änderung der Bienenseuchenverordnung ..." ausdrücklich und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Auch in dem an das Verwaltungsgericht Minden adressierten Schreiben vom 25. Juli 2004 spricht der Kläger von seiner Klage auf "Änderung der Bienenseuchenverordnung". Dass sein Begehren allein auf eine Änderung der Bienenseuchen-Verordnung gerichtet war, zeigen überdies die Darlegungen über die - nach Ansicht des Klägers - verbessungswürdige Regelung des § 6 der Bienenseuchen-Verordnung in der Klageschrift vom 31. August 2003 und die Ausführungen in seinem an das Verwaltungsgericht Düsseldorf gerichteten Schreiben vom 15. September 2004 über den "Murks (Widersprüche)" in dieser Verordnung.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_6

Der Kläger hat letztlich auch in der mündlichen Verhandlung, trotz des erfolgten gerichtlichen Hinweises, dass es sich bei der Bienenseuchen-Verordnung um Bundesrecht handele und die Klage daher gegen den falschen Beklagten gerichtet sei, auf sein in der Klageschrift vom 31. August 2003 formuliertes Begehren Bezug genommen.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_7

Ebenfalls zu Unrecht rügt der Kläger eine Verletzung der dem Gericht nach § 86 Abs. 3 VwGO obliegenden Pflicht, auf die Stellung sachdienlicher Anträge und Ergänzung ungenügender tatsächlicher Angaben hinzuwirken. Durch § 86 Abs. 3 VwGO soll verhindert werden, dass die Durchsetzung von Rechten an der Unerfahrenheit, Unbeholfenheit oder mangelnden Rechtskenntnis eines Beteiligten scheitert. Hinweise sind vor allem dann geboten, wenn ein anwaltlich nicht vertretener Beteiligter erkennbar von falschen Tatsachen ausgeht und es deshalb unterlässt, das vorzutragen, was für seine Rechtsverfolgung notwendig wäre.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_8

Vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 6. Juli 2001 - 4 B 50.01 -, juris, und vom 5. Juni 1998 - 4 BN 20.98 -, NVwZ-RR 1998, 783; OVG NRW, Beschluss vom 21. Februar 2005 - 8 A 993/03 -.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_9

§ 86 Abs. 3 VwGO begründet hingegen - anders als der Kläger offensichtlich meint - keine allgemeine Rechtsberatungsverpflichtung des Gerichts. So hat ein Beteiligter insbesondere keinen Anspruch darauf, ohne Rücksicht auf den Streitgegenstand vom Gericht in allen möglichen oder denkbaren materiellen Richtungen beraten zu werden.

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Vgl. BVerwG, Beschluss vom 6. Juli 2001 - 4 B 50.01 -, a.a.O.; Kopp/Schenke, VwGO, 15. Auflage, § 86 Rdnr. 4.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_10

Ausgehend hiervon war das Gericht angesichts des eindeutig auf eine Änderung der Bienenseuchen-Verordnung beschränkten Klagebegehrens nicht verpflichtet, durch den Hinweis auf landesrechtliche Verwaltungsvorschriften neuen Streitstoff in das Verfahren einzuführen oder dem Kläger einen hierauf bezogenen Klageantrag anzudienen. Abgesehen davon wäre ein auf die Verwaltungsvorschriften bezogener Klageantrag nicht sachdienlich gewesen. Es ist nicht ersichtlich und wurde vom Kläger auch nicht dargelegt, dass bzw. wie eine Änderung verwaltungsintern wirkender Hinweise (vgl. Nr. 1.1 der Verwaltungsvorschriften zur Bienenseuchen- Verordnung, Runderlass des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft - II C 2 - 2290-296 vom 28. März 2000) zur Realisierung des verfolgten Ziels, der Faulbruterkrankung erfolgreicher und effizienter zu begegnen, hätte beitragen können. Durch die Änderung von Verwaltungsvorschriften hätten die vom Kläger für erforderlich gehaltenen für den Imker verbindlichen Vorsorgeuntersuchungen und Sanktionsvorschriften jedenfalls nicht eingeführt werden können.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_11

Der Rechtssache kommt ferner nicht die vom Kläger angenommene grundsätzliche Bedeutung im Sinne des § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO zu. Das Verwaltungsgericht hat zutreffend dargelegt, dass es sich bei der (allein) streitgegenständlichen Bienenseuchen-Verordnung um Bundesrecht handelt und dem beklagten Land diesbezüglich keine Regelungskompetenz zusteht. Ausgehend hiervon kam es auf die vom Kläger für erheblich gehaltenen Fragen über die Geeignetheit und Effektivität der vorhandenen Regelungen ebenso wenig an, wie auf die Frage, ob die behauptete fehlende Sanktionierungsmöglichkeit bei einer Nichtmeldung von Verdachts- und Ausbruchsfällen gegen den Tierschutz oder den Eigentumsschutz verstößt.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_12

Die Rechtssache weist überdies nicht die behaupteten besonderen tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten auf (§ 124 Abs. 2 Nr. 2 VwGO). Die Klärung der rechtlich erheblichen Fragen verursacht keine überdurchschnittlichen, das normale Maß erheblich überschreitenden Schwierigkeiten. Auf die von der Klägerseite angeführte Notwendigkeit einer weiteren Sachverhaltsaufklärung durch Einschaltung eines Sachverständigen zwecks Klärung der Frage, ob die Verwaltungsvorschriften objektiv sachwidrig sind und den gesetzlichen Regelungsauftrag des Tierschutzes und der Tierseuchenbekämpfung verfehlen, kam es - wie dargelegt - nicht an. Vor diesem Hintergrund geht auch der unter Bezugnahme auf den Runderlass des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft vom 28. März 2000 erfolgte Hinweis des Klägers auf die ernstlichen Zweifel im Sinne des § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO fehl.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2007-10-23/13-a-3296-06#rd_13

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Die Streitwertfestsetzung für das Berufungszulassungsverfahren beruht auf §§ 52 Abs. 2, 47 Abs. 1 Satz 1und 3 GKG.

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Der Beschluss ist unanfechtbar.