Rechtsprechung / VG Minden / 2015

VG Minden Beschluss vom 02.10.2015 – 10 L 923/15.A

ECLI:DE:VGMI:2015:1002.10L923.15A.00

VerwaltungsrechtNordrhein-WestfalenVerwaltungsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

1. Dem Antragsteller wird für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlungspflicht bewilligt und Rechtsanwältin Dr. U.        , C.         , beigeordnet.

2. Die aufschiebende Wirkung der Klage im Verfahren 10 K 2299/15.A gegen die im Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 22. August 2015 enthaltene Abschiebungsanordnung wird angeordnet.

3. Die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, trägt die Antragsgegnerin.

1

G r ü n d e :

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_3

A. Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung der Prozessbevollmächtigten des Antragstellers für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes ist begründet. Der Antragsteller kann nach den von ihm dargelegten persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht aufbringen (§§ 166 VwGO, 114 Satz 1, 115 ZPO). Die beabsichtigte Rechtsverfolgung erscheint auch nicht mutwillig und bietet - wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen unter B. ergibt -  hinreichende Aussicht auf Erfolg (§§ 166 VwGO, 114 Satz 1 ZPO). Eine anwaltliche Vertretung ist schon angesichts der Bedeutung des Rechtsstreits für den Antragsteller erforderlich (§§ 166 VwGO, 121 Abs. 2 Alt. 1 ZPO).

3

B. Der zulässige, insbesondere innerhalb der einwöchigen Frist des § 34a Abs. 2 Satz 1 AsylVfG gestellte Antrag,

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_4

die aufschiebende Wirkung der Klage im Verfahren 10 K 2299/15.A gegen die im Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 22. August 2015 enthaltene Abschiebungsanordnung anzuordnen,

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_5

ist begründet. Die im Verfahren nach § 34a Abs. 2 AsylVfG i.V.m. § 80 Abs. 5 VwGO vorzunehmende Interessenabwägung geht zugunsten des Antragstellers aus.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_6

I. Für die vorzunehmende Interessenabwägung gelten die im Rahmen des § 80 Abs. 5 VwGO anwendbaren allgemeinen Grundsätze. Dementsprechend ist das Interesse des Antragstellers an einer Anordnung der aufschiebenden Wirkung seiner Klage gegen die streitgegenständliche Abschiebungsanordnung gegen das öffentliche Interesse an deren alsbaldiger Vollziehung abzuwägen. Im Rahmen dieser Abwägung sind die Erfolgsaussichten der Klage maßgeblich zu berücksichtigen.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_7

Dagegen setzt die Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage anders als in Fällen der Unbeachtlichkeit oder der offensichtlichen Unbegründetheit des Asylantrags (§ 36 Abs. 1 und 4 Satz 1 AsylVfG) nicht voraus, dass ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Bescheids bestehen. Im Gegensatz zu § 36 Abs. 4 Satz 1 AsylVfG enthält § 34a Abs. 2 AsylVfG keine entsprechende Einschränkung. Ein Antrag, § 34a Abs. 2 AsylVfG entsprechend zu fassen, fand im Gesetzgebungsverfahren keine Mehrheit.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_8

Vgl. VG Trier, Beschluss vom 18. September 2013 - 5 L 1234/13.TR -, juris Rn. 5 ff. mit ausführlicher Darstellung des Ablaufs des Gesetzgebungsverfahrens; VG Darmstadt, Beschluss vom 9. Mai 2014 - 4 L 491/14.DA.A -, juris Rn. 2.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_9

II. Ob die streitgegenständliche Abschiebungsanordnung rechtswidrig ist und den Antragsteller in seinen Rechten verletzt (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO), ist derzeit offen. Es liegen nunmehr aufgrund aktueller Erkenntnisse ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür vor, dass die in Art. 3 Abs. 2 Unterabs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 (ABl. L 180, S. 31; sog Dublin III-VO) aufgeführten Voraussetzungen zum Zeitpunkt des Erlasses der vorliegenden Entscheidung (§ 77 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 AsylVfG) gegeben sind, dass also das Asylverfahren oder die Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in Ungarn derzeit systemische Mängel aufweisen, aufgrund derer der Antragsteller konkrete Gefahr läuft, im Falle seiner Überstellung nach Ungarn einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung i.S.d. Art. 4 GR-Charta bzw. des Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden. Dementsprechend ist die bisherige Rechtsprechung der Kammer (zuletzt Beschluss vom 13. Juli 2015 - 10 L 253/15.A -), nach der das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in Ungarn bisher keine systemischen Mängel aufwiesen, nicht fortzuführen.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_10

1. Die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 2 Unterabs. Dublin III-VO liegen vor, wenn ein Asylbewerber wegen systemischer Mängel des Asylverfahrens oder der Aufnahmebedingungen, also strukturell bedingter, größerer Funktionsstörungen, im konkret zu entscheidenden Fall in dem eigentlich zuständigen Mitgliedstaat mit beachtlicher, d.h. überwiegender Wahrscheinlichkeit einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt sein wird.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_11

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 19. März 2014 - 10 B 6.14 -, NVwZ 2014, 1039 (juris Rn. 9) zur Rechtslage nach der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 (ABl. L 50. S. 1; sog. Dublin II-VO).

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_12

Unerheblich ist dagegen, ob es unterhalb der Schwelle systemischer Mängel in Einzelfällen zu Grundrechtsverletzungen kommen kann und ob der betreffende Asylbewerber einer solchen tatsächlich schon einmal ausgesetzt gewesen ist. Derartige Erfahrungen sind vielmehr in die Gesamtwürdigung einzubeziehen, ob systemische Mängel im Zielland der Abschiebung des Asylbewerbers vorliegen; sie führen auch nicht zu einer Beweislastumkehr für die Frage des Vorliegens systemischer Mängel.

13

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 6. Juni 2014 - 10 B 35.14 -, Asylmagazin 2014, 258 (juris Rn. 6) zur Rechtslage nach der Verordnung (EG) Nr. 343/2003.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_13

Unter "Asylverfahren und Aufnahmebedingungen" ist das gesamte Asylsystem eines Mitgliedstaats zu verstehen. Dieses umfasst den Zugang zum Asylverfahren, das Asylverfahren selbst, die Behandlung während des Verfahrens, die Handhabung der Anerkennungsvoraussetzungen, das Rechtsschutzsystem und auch die Behandlung nach einer ggf. erfolgten Anerkennung.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_14

Vgl. VG Regensburg, Urteil vom 29. April 2014 - RO 4 K 14.50022 -, juris Rn. 34; VG Kassel, Beschluss vom 24. Juli 2015 - 6 L 1147/15.KS.A -, Abdruck S. 7; Lübbe, ZAR 2014, 105, 108.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_15

Systemische Schwachstellen sind solche, die entweder bereits im Asyl- und Aufnahmeregime selbst angelegt sind und von denen alle Asylbewerber oder bestimmte Gruppen von Asylbewerbern deshalb nicht zufällig und im Einzelfall, sondern vorhersehbar und regelhaft betroffen sind, oder aber tatsächliche Umstände, die dazu führen, dass ein theoretisch sachgerecht konzipiertes und nicht zu beanstandendes Asyl- und Aufnahmesystem - aus welchen Gründen auch immer - faktisch ganz oder in weiten Teilen seine ihm zugedachte Funktion nicht mehr erfüllen kann und weitgehend unwirksam wird. Dabei ist der Begriff der systemischen Schwachstelle nicht in einer engen Weise derart zu verstehen, dass er geeignet sein muss, sich auf eine unüberschaubare Vielzahl von Asylbewerbern auszuwirken. Vielmehr kann ein systemischer Mangel auch dann vorliegen, wenn er von vornherein lediglich eine geringe Zahl von Asylbewerbern betreffen kann, sofern er sich nur vorhersehbar und regelhaft realisieren wird und nicht gewissermaßen dem Zufall oder einer Verkettung unglücklicher Umstände bzw. Fehlleistungen von in das Verfahren involvierten Akteuren geschuldet ist.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_16

Vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 19. März 2014 - 10 B 6.14 -, NVwZ 2014, 1039 (juris Rn. 9), sowie vom 6. Juni 2014 - 10 B 35.14 -, Asylmagazin 2014, 258 (juris Rn. 5); VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 10. November 2014 - A 11 S 1778/14 -, InfAuslR 2015, 77 (juris Rn. 33).

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_17

Einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung sind Asylbewerber, die vollständig auf staatliche Hilfe angewiesen sind, insbesondere dann ausgesetzt, wenn sie sich in einer mit der menschlichen Würde unvereinbaren Situation ernsthafter Entbehrungen und Not behördlicher Gleichgültigkeit gegenüber sehen.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_18

Vgl. EGMR, Urteil vom 4. November 2014 - 29217/12 (Tarak-hel/Schweiz) -, HUDOC Rn. 98; s.a. BVerwG, Urteil vom 31. Januar 2013 - 10 C 15.12 -, BVerwGE 146, 12 (juris Rn. 24); United Kingdom Supreme Court, Urteil vom 19. Februar 2014- EM (Eritrea) and others v the Secretary of the State for the Home Department, [2014] UKSC 12 -, Rn. 62.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_19

Dabei ist zu berücksichtigen, ob staatliche Stellen es durch ihr vorsätzliches Handeln oder Unterlassen Asylbewerbern praktisch verwehren, von ihren gesetzlich verankerten Rechten auf eine Unterkunft und annehmbare materielle Bedingungen Gebrauch zu machen.

21

Vgl. EGMR, Urteil vom 4. November 2014 - 29217/12 (Tarak-hel/Schweiz) -, HUDOC Rn. 96.

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_20

Sind Kinder betroffen, ist entscheidend auf ihre besondere Verletzlichkeit abzustellen, der der Vorrang gegenüber dem Gesichtspunkt ihres Status als illegaler Einwanderer einzuräumen ist.

23

Vgl. EGMR, Urteil vom 4. November 2014 - 29217/12 (Tarak-hel/Schweiz) -, HUDOC Rn. 99.

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_21

Im Rahmen der Prognose, ob ein Antragsteller in dem eigentlich zuständigen Mitgliedstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt sein wird, ist nicht allein auf die Rechtslage im betreffenden Mitgliedstaat abzustellen; maßgeblich ist vielmehr deren Umsetzung in die Praxis.

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_22

Vgl. EGMR, Urteil vom 21. Januar 2011 - 30696/09 (M.S.S./ Belgien und Griechenland) -, NVwZ 2011, 413 und HUDOC Rn. 359; Hailbronner, Ausländerrecht, Band 3, Stand: Juni 2014, § 34a AsylVfG Rn. 21.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_23

2. Bei Anlegung dieses Maßstabs ergeben sich aus den dem Gericht vorliegenden aktuellen Erkenntnissen ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in Ungarn derzeit systemische Mängel aufweisen, aufgrund derer der Antragsteller konkrete Gefahr läuft, im Falle seiner Überstellung nach Ungarn einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung i.S.d. Art. 4 GR-Charta bzw. des Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden.

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_24

Vgl. VG Münster, Beschluss vom 7. Juli 2015 - 2 L 858/15.A -, juris Rn. 7 ff.; VG München, Beschluss vom 17. Juli 2015 - M 24 S 15.50508 -, Abdruck S. 10 ff.; VG Potsdam, Beschluss vom 20. Juli 2015 - VG 6 L 356/15.A -, Abdruck S. 6 ff.; VG Kassel, Beschluss vom 24. Juli 2015 - 6 L 1147/15.KS.A -, Abdruck S. 7 ff.; VG Saarlouis, Beschluss vom 5. August 2015 - 3 L 633/15 -, juris Rn. 14 ff.; VG Düsseldorf, Beschluss vom 7. August 2015- 22 L 616/15.A -, nrwe Rn. 16 ff.; VG Frankfurt/Oder, Beschluss vom 7. August 2015 - VG 3 L 169/15.A -, Abdruck S. 7 ff.; VG Kassel, Beschluss vom 7. August 2015 - 3 L 1303/15.KS.A -, juris Rn. 23 ff.; VG Düsseldorf, Beschluss vom 20. August 2015 - 15 L 2556/15.A -, nrwe Rn. 25 ff.; VG Köln, Urteil vom 8. September 2015 – 18 K 4584/15.A -, nrwe Rn. 38 ff.; a.A. VG Düsseldorf, Beschluss vom 17. Juli 2015 - 8 L 1895/15.A -, nrwe Rn. 50 ff.; VG Augsburg, Urteil vom 3. August 2015 - Au 5 K 15.50347 -, juris Rn. 39 ff.

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_25

a) Derartige Anhaltspunkte ergeben sich zunächst aufgrund der am 1. August 2015 in Kraft getretenen Änderungen des ungarischen Asylrechts. Insbesondere hat die ungarische Regierung eine Verordnung erlassen, mit der u.a. Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien zu sicheren Drittstaaten erklärt werden. Asylanträge von Personen, die über eines dieser Länder nach Ungarn eingereist sind, sind als unzulässig abzuweisen. Dies betrifft nach Einschätzung des Hungarian Helsinki Committee 99 % aller nach Ungarn eingereisten Asylbewerber, da diese vorliegenden Erkenntnissen zufolge derzeit nahezu ausschließlich über Serbien nach Ungarn einreisen.

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_26

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Building a legal fence - Changes to Hungarian asylum law jeopardise access to protection in Hungary, 7. August 2015, S. 1 f.; Asylum Information Database (aida), Hungary adopts list of safe countries of origin and safe third countries, 23. Juli 2015.

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_27

Aufgrund dieser Neuregelung droht der Antragsteller, der seinen eigenen Angaben zufolge über Griechenland und Serbien nach Ungarn eingereist ist, von einem effektiven Zugang zu einem ordnungsgemäßen Asylverfahren, insbesondere einer Entscheidung über seinen Asylantrag in der Sache, ausgeschlossen zu werden. Denn es besteht die Gefahr, dass er bei einer Überstellung nach Ungarn durch die dortigen Behörden ohne inhaltliche Prüfung seiner Fluchtgründe nach europäischen Mindeststandards nach Serbien abgeschoben wird. Nach Einschätzung von UNHCR weist Serbiens Asylsystem gravierende Mängel auf. Dementsprechend hat UNCHR im August 2012 die Empfehlung ausgesprochen, Serbien nicht als sicheren Drittstaat anzuerkennen.

31

Vgl. UNHCR, Serbia as a country of asylum, August 2012, Rn. 79 ff.

32

Die tatsächlichen Grundlagen für diese Einschätzung haben sich aktuellen Erkenntnissen zufolge nicht wesentlich geändert.

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_28

Vgl. Amnesty international, Europe's Borderlands, Violations against refugees and migrants in Macedonia, Serbia and Hungary, Juli 2015, S. 35 ff. und 42 ff.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_29

Aufgrund dessen ist fraglich und wird im Hauptsacheverfahren weiter zu prüfen sein, ob Serbien die in Art. 38 und 39 der Richtlinie 2013/32/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 (ABl. EU L 180; S. 60; sog. Verfahrensrichtlinie) geregelten Voraussetzungen für die Bestimmung sicherer Drittstaaten durch die Mitgliedstaaten erfüllt. Nach deutschem Recht ist Serbien ebenso wenig wie die übrigen eingangs aufgeführten Staaten als sicherer Drittstaat eingestuft (Anlage I zu § 26a AsylVfG). Nach Angaben des Hungarian Helsinki Committee gilt dies jedenfalls in Bezug auf Serbien auch für alle anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union außer Ungarn.

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_30

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Building a legal fence - Changes to Hungarian asylum law jeopardise access to protection in Hungary, 7. August 2015, S. 1.

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_31

Aufgrund des mangelhaften Asylsystems in Serbien besteht die Gefahr, dass der Antragsteller letztlich ohne inhaltliche Prüfung seines Asylgesuchs nach Mazedonien oder Griechenland abgeschoben wird.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_32

Vgl. Amnesty International, Europe´s Borderlands, Violations against refugees and migrants in Macedonia, Serbia and Hungary, Juli 2015, S. 35, 41, 55.

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_33

Mazedonien hat ebenfalls kein effektives Asylsystem. Vielmehr besteht dort die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen und eines refoulement durch Abschiebungen nach Griechenland.

39

Vgl. Amnesty International, Europe´s Borderlands, Violations against refugees and migrants in Macedonia, Serbia and Hungary, Juli 2015, S. 40 f.

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_34

Griechenland weist seinerseits systemische Mängel im Sinne der Rechtsprechung des EuGH auf. Die Gefahr von Kettenabschiebungen verstößt gegen das Prinzip des non-refoulement und damit gegen Art. 18 GR-Charta in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 GFK.

41Permalink zu Rn. 41recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_35

Vgl. VG Köln, Urteil vom 8. September 2015 - 18 K 4584/15.A - nrwe Rn. 120; VG Düsseldorf, Beschluss vom 7. August 2015- 22 L 616/15.A -, juris Rn. 34.

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_36

Ob und gegebenenfalls mit welcher Wahrscheinlichkeit eine solche Gefahr für den Antragsteller in seiner persönlichen Situation als Dublin-Rückkehrer tatsächlich besteht, bedarf weiterer Aufklärung im Hauptsacheverfahren.

43Permalink zu Rn. 43recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_37

b) Außerdem liegen ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür vor, dass bestimmten Gruppen von Asylbewerbern im Falle einer Ablehnung ihres Asylantrags in Ungarn kein effektiver Rechtsschutz gewährt wird. Einem Bericht des Hungarian Helsinki Committee zufolge sind Klagen gegen Bescheide, mit denen ein Asylantrag als unzulässig abgelehnt wurde, und Klagen gegen Bescheide, mit denen ein Asylantrag in dem ab dem 1. August 2015 neu eingeführten beschleunigten Verwaltungsverfahren abgelehnt wurde, innerhalb von drei Kalendertagen zu erheben.

44Permalink zu Rn. 44recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_38

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Building a legal fence- Changes to Hungarian asylum law jeopardise access to protection in Hungary, 7. August 2015, S. 4.

45

Dasselbe gilt für die Klage gegen einen Dublin-Bescheid, mit dem die Abschiebung in einen anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union verfügt wird.

46

Vgl. Asylum Information Database (aida), Country Report Hungary, 17. Februar 2015, S. 21.

47Permalink zu Rn. 47recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_39

Allerdings reicht die Kürze der Klagefrist allein nicht aus, um die Gewährung effektiven Rechtsschutzes zu verneinen. Vielmehr sind sämtliche Voraussetzungen der Klageerhebung zu würdigen. Insoweit ist insbesondere von Belang, bei welcher Behörde bzw. welchem Gericht eine Klage zu erheben ist, welche Kosten damit verbunden sind, in welcher Sprache die Klageschrift zu verfassen ist und ob ggf. die Hilfe eines Übersetzers in Anspruch genommen werden kann, ob die Klagebegründung ebenfalls innerhalb der Frist einzureichen ist sowie ob und zu welchen Kosten ein Rechtsbeistand in Anspruch genommen werden kann.

48

Vgl. EGMR, Urteil vom 2. Februar 2012 - 9152/09 (I.M./Frank-reich) -, HUDOC, S. 3 f. der deutschen Zusammenfassung des Urteils.

49

Die Klärung dieser Umstände muss dem Hauptsacheverfahren vorbehalten bleiben.

50Permalink zu Rn. 50recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_40

c) Ferner liegen ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Möglichkeiten, Asylbewerber zu inhaftieren, aufgrund der am 1. August 2015 in Kraft getretenen Änderungen des ungarischen Asylrechts wesentlich ausgeweitet wurden. Unklar ist nach den dem Gericht vorliegenden Unterlagen allerdings, wie weit diese Änderungen im Einzelnen gehen. Nach Darstellung des Hungarian Helsinki Committee wurde die Dauer der Asylhaft ("asylum detention") auf die Dauer des gerichtlichen Verfahrens erstreckt und ein neuer Haftgrund eingeführt, wonach eine Inhaftierung nunmehr auch im Falle einer ernstlichen Gefahr des Untertauchens ("serious danger of absconding") eines Asylbewerbers möglich sein soll.

51Permalink zu Rn. 51recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_41

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Building a legal fence- Changes to Hungarian asylum law jeopardise access to protection in Hungary, 7. August 2015, S. 5.

52Permalink zu Rn. 52recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_42

Dagegen berichtet UNHCR über die Zulässigkeit einer anhaltenden Inhaftierung von Asylsuchenden ("prolonged detention of asylum-seekers"), ohne näher auf die Voraussetzungen für eine Inhaftierung einzugehen.

53

Vgl. UNHCR, UNHCR urges Hungary not to amend asylum system in haste, 3. Juli 2015.

54Permalink zu Rn. 54recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_43

Andere Beobachter sprechen davon, dass Asylbewerber künftig wieder - wie bereits bis 2012 üblich - für die Dauer der Antragsbearbeitung inhaftiert werden können.

55

Vgl. Die Welt vom 6. Juli 2015, Ungarn zieht Grenzzaun gegen Flüchtlinge hoch.

56Permalink zu Rn. 56recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_44

Für Letzteres sprechen auch Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei Fidesz, Antal Rogan, der sich für eine Rückkehr zur bis 2012 geltenden Rechtslage aussprach.

57Permalink zu Rn. 57recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_45

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Hungarian government reveals plans to breach EU asylum law and to subject asylum-seekers to massive detention and immediate deportation, 4. März 2015, S. 4 (Übersetzung durch das Gericht): "… Wir mussten das (Anmerkung des Gerichts: die bis 2012 geltende Rechtslage) wegen der EU ändern und es ist offensichtlich, dass die EU, wenn wir zu den Regeln, die vor 2012 galten zurückkehren - was wir wirklich wollen -, ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren anstrengen wird. …"

58Permalink zu Rn. 58recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_46

Die Klärung der Fragen, ob mit den jüngsten Änderungen tatsächlich eine Rückkehr zur bis 2012 geltenden Rechtslage erfolgt ist und inwieweit von den gesetzlich eingeräumten Möglichkeiten tatsächlich Gebrauch gemacht wird, bleibt dem Hauptsacheverfahren vorbehalten.

59Permalink zu Rn. 59recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_47

d) Vor dem Hintergrund stark gestiegener Zugangszahlen liegen zudem ernst zu nehmende Anhaltspunkte dafür vor, dass die ungarischen Behörden derzeit nicht mehr in der Lage sind, Asylbewerber angemessen mit Unterkunft, Nahrung, Kleidung und sonstigem täglichen Bedarf (vgl Art. 2 lit. g) und 17 Abs. 2 der Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013, ABl. L 180, S. 96; sog. Aufnahmerichtlinie) zu versorgen und ihnen zumindest eine medizinische Notversorgung (vgl. Art. 19 RL 2013/33/EU) zukommen zu lassen.

60Permalink zu Rn. 60recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_48

Vgl. VG Münster, Beschluss vom 7. Juli 2015 - 2 L 858/15.A -, juris Rn. 7 ff; VG München, Beschluss vom 17. Juli 2015 - M 24 S 15.50508 -, Abdruck S. 10 ff.; VG Kassel, Beschlüsse vom 24. Juli 2015 - 6 L 1147/15.KS.A -, Abdruck S. 7 ff., sowie vom 7. August 2015 - 3 L 1303/15.KS.A -, juris Rn. 23 ff.; a.A. VG Potsdam, Beschluss vom 20. Juli 2015 - VG 6 L 356/15.A -, Abdruck S. 6 ff.; VG Düsseldorf, Beschluss vom 7. August 2015 - 22 L 616/15.A -, nrwe Rn. 29.

61

Die Zahl der in Ungarn gestellten Asylanträge hat sich zwischen 2012 (2.157) und 2014 (knapp 43.000) fast verzwanzigfacht.

62Permalink zu Rn. 62recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_49

Vgl. Hungarian Helsinki Committee, Hungarian Government reveals plans to breach EU asylum law and to subject asylum-seekers to massive detention and immediate deportation, 4. März 2015, S. 1.

63

Im ersten Halbjahr 2015 sind bereits knapp 67.000 Asylanträge in Ungarn gestellt worden.

64

Vgl. http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/table.do?tab=table&init=1 & language=de&pcode=tps00189&plugin=1 (aufgerufen am 21. August 2015)

65Permalink zu Rn. 65recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_50

Dem stehen insgesamt knapp 2.000 Aufnahmeplätze in offenen und knapp 500 Aufnahmeplätze in geschlossenen Einrichtungen gegenüber. Allerdings ist bei dieser Gegenüberstellung zu berücksichtigen, dass etwa 80 bis 90 % der Asylbewerber Ungarn nicht als Ziel ihrer Flucht, sondern nur als Transitland betrachten und Ungarn bereits nach kurzer Zeit, oftmals bereits nach mehreren Tagen, wieder verlassen.

66

Vgl. European Asylum Support Office (EASO), Description of the Hungarian asylum system, 4. Juni 2015, S. 7, 10 und 11.

67Permalink zu Rn. 67recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_51

Folglich kann aus dem auf den ersten Blick bestehenden Missverhältnis zwischen der Anzahl der Asylbewerber und der Anzahl der Unterbringungsplätze nicht ohne Weiteres auf einen gravierenden Kapazitätsengpass geschlossen werden.

68Permalink zu Rn. 68recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_52

Vgl. VG Potsdam, Beschluss vom 20. Juli 2015 - VG 6 L 356/15.A -, Abdruck S. 5.; a.A. z.B. VG Kassel, Beschluss vom 7. August 2015 - 3 L 1303/15.KS.A -, juris Rn. 27

69Permalink zu Rn. 69recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_53

Dementsprechend berichtet das European Asylum Support Office, dass die Unterbringungsplätze noch im März 2015 lediglich zu 60 bis 70 % ausgelastet waren.

70

Vgl. EASO, Description of the Hungarian Asylum System, 4. Juni 2015, S. 10.

71Permalink zu Rn. 71recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_54

Jedoch hat sich die ungarische Regierung im Juni 2015 selbst darauf berufen, dass Ungarn keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen könne, weil die dortigen Aufnahmekapazitäten erschöpft seien.

72Permalink zu Rn. 72recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_55

Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 23. Juni 2015, Ungarn schottet sich ab, und vom 24. Juni 2015, Ungarn relativiert Aufnahmestopp für Asylsuchende; Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Juni 2015, Ungarn nimmt keine Flüchtlinge mehr auf; Die Welt vom 24. Juni 2015, Warum Ungarn Angst vor zu vielen Asylbewerbern hat.

73

Aktuelle Berichte über die Zustände in ungarischen Flüchtlingslagern scheinen die Einschätzung der ungarischen Regierung zu bestätigen.

74Permalink zu Rn. 74recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_56

Budapest Beacon vom 19. August 2015, Migration aid needs food, blankets and foam mattresses, sowie vom 25. Juli 2015, Hungary's Vamosszabadi refugee camp dangerously overcrow-ded.

75Permalink zu Rn. 75recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_57

Anhaltspunkte dafür, dass die ungarischen Behörden ihre Aufnahmekapazitäten zwischenzeitlich aufgestockt haben oder entsprechende Planungen erfolgen, lassen sich den dem Gericht vorliegenden Unterlagen nicht entnehmen.

76

Die weitere Klärung aller damit zusammenhängenden Fragen bleibt ebenfalls dem Hauptsacheverfahren vorbehalten.

77Permalink zu Rn. 77recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-minden/2015-10-02/10-l-923-15-a#rd_58

3. Ist nach den vorstehenden Ausführungen derzeit offen, ob der angefochtene Bescheid rechtswidrig ist und den Antragsteller in seinen Rechten verletzt, überwiegt angesichts der durch die Abschiebungsanordnung betroffenen Rechte des Antragstellers sein Interesse an einem vorläufigen Verbleib im Bundesgebiet und damit an einer Anordnung der aufschiebenden Wirkung seiner Klage gegen die streitgegenständliche Abschiebungsanordnung das öffentliche Interesse an deren alsbaldiger Vollziehung durch Überstellung des Antragstellers nach Ungarn.

78

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 154 Abs. 1 VwGO, 83b AsylVfG.