Rechtsprechung / OVG NRW / 2009

OVG NRW Beschluss vom 11.03.2009 – 15 B 329/09

ECLI:DE:OVGNRW:2009:0311.15B329.09.00

VerwaltungsrechtNordrhein-WestfalenVerwaltungsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens tragen die Antragsteller.

Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 5.000,-- Euro festgesetzt.

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G r ü n d e :

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Die zulässige Beschwerde hat keinen Erfolg, weil das Verwaltungsgericht den im Beschwerderechtszug weiterverfolgten Antrag,

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_1

dem Antragsgegner im Wege der einstweiligen Anordnung vorläufig aufzugeben, die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens "Landschaftsfreiraum an der erhalten!" festzustellen, und

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_2

2. dem Antragsgegner im Wege der einstweiligen Anordnung zu untersagen, die Verwaltung zu beauftragen, auf der Grundlage eines Vertragsentwurfs die Veräußerung von Grundstücksflächen im Bereich des zukünftigen Gewerbegebiets an den

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vorzunehmen,

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_3

zu Recht abgelehnt hat. Dem Antrag ist nicht aus den im Beschwerderechtszug vorgebrachten, allein zu prüfenden Gründen (§ 146 Abs. 4 Satz 6 der Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO -) stattzugeben. Die Antragsteller haben keinen Anordnungsanspruch (§ 123 Abs. 3 VwGO i.V.m. § 920 Abs. 2 der Zivilprozessordnung) glaubhaft gemacht. Ihnen steht kein im Hauptsacheverfahren zu verfolgender Anspruch nach § 26 Abs. 6 Satz 1 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (GO NRW) zu, dass der Antragsgegner das Bürgerbegehren für zulässig erklärt. Das Bürgerbegehren ist nämlich gemäß § 26 Abs. 5 Nr. 6 GO NRW unzulässig.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_4

Nach dieser Vorschrift ist ein Bürgerbegehren unzulässig über die Aufstellung, Änderung, Ergänzung und Aufhebung von Bauleitplänen. Zwar ist das Bürgerbegehren nicht unmittelbar darauf gerichtet. Die zur Entscheidung gestellte Frage lautet: "Soll die Gemeinde S. das in ihrem Eigentum stehende Grundstück Gemarkung H. S. , Flur 2, Flurstück 50 (9,9 ha), das überwiegend im Bereich des geplanten Gewerbeparks an der liegt, weiterhin als unbebaute Fläche erhalten und damit für keine anderen Zwecke als solche der Land- und Forstwirtschaft oder des Naturschutzes zur Verfügung stellen?" Gegenstand des Bürgerbegehrens ist damit nicht eine Entscheidung über einen Bauleitplan.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_5

Allerdings steht § 26 Abs. 5 Nr. 6 GO NRW dann einem Bürgerbegehren entgegen, wenn dieses der Sache nach offensichtlich auf eine Bauleitplanung gerichtet ist und sich nur in das formelle Gewand einer anderen Frage kleidet.

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Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 6. Dezember 2007 - 15 B 1744/07 -, NWVBl. 2008, 106 (107).

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_6

Das ist hier der Fall. Es soll entschieden werden, dass ein bestimmtes Grundstück von der Bebauung freizuhalten ist und zu land- und forstwirtschaftlichen Zwecken oder zu Naturschutzzwecken genutzt werden soll. Das ist eine typische bauleitplanerische Entscheidung, die in einem Bebauungsplan festzusetzen wäre (vgl. etwa § 9 Abs. 1 Nr. 10 des Baugesetzbuches). Diese Bauleitplanentscheidung soll hier der Sache nach getroffen werden und lediglich formell nicht durch Bauleitplanung nach dem Baugesetzbuch erfolgen. Der Zweck des Ausschlusstatbestands greift auch hier. Eine Bauleitplanentscheidung, wie sie hier der Sache nach angestrebt wird, bedarf der planerischen Abwägung. Sie eignet sich nicht für ein notwendigerweise auf eine Ja- oder Nein-Entscheidung angelegtes Bürgerbegehren, in dem systembedingt eine sorgfältige Abwägung unter Einbeziehung aller relevanten Gesichtspunkte nicht stattfinden kann.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_7

Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 27. Februar 2009 - 15 A 3224/08 -, S. 5 des amtlichen Umdrucks zum insoweit gleichgelagerten Ausschlussgrund des § 26 Abs. 5 Nr. 5 GO NRW.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-03-11/15-b-329-09#rd_8

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Die Entscheidung über den Streitwert ergibt sich aus §§ 47 Abs. 1, 52 Abs. 1, 53 Abs. 3 Nr. 1 des Gerichtskostengesetzes.

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Dieser Beschluss ist unanfechtbar.