Rechtsprechung / OLG Stuttgart / 2010

OLG Stuttgart Beschluss vom 25.01.2010 – 18 WF 5/10

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Tenor§

Auf die sofortige Beschwerde der Antragstellerin wird der Beschluss des Amtsgerichts - Familiengerichts -Balingen vom 10.12.2009

abgeändert.

Der Antragstellerin wird Verfahrenskostenhilfe ohne Ratenzahlung unter Beiordnung von Rechtsanwalt K. bewilligt.

Gründe§

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2010-01-25/18-wf-5-10#rd_1

Das gemäß § 76 Abs. 2 FamFG in Verbindung mit den § 127 2, 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO statthafte und auch im übrigen zulässige Rechtsmittel ist auch in der Sache begründet.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2010-01-25/18-wf-5-10#rd_2

Ob einem Antragsteller für ein Hauptverfahren mit dem Ziel einer Gewaltschutzanordnung Verfahrenskostenhilfe zu gewähren ist, wenn bereits in der selben Sache eine einstweilige Anordnung vorliegt (hier vom 16.11.2009) ist streitig. Das Familiengericht hat unter Hinweis auf das fehlende Rechtsschutzbedürfnis Verfahrenskostenhilfe versagt und den Antrag für mutwillig gehalten. Dieselbe Ansicht vertritt das OLG Zweibrücken in einer Entscheidung vom 18.11.2009 (Aktenzeichen 2 WF 215/09, zitiert nach Juris). Demgegenüber verneint das OLG Hamm in einer Entscheidung vom 09.12.2009 (18 WF 274/09) eine Mutwilligkeit in einem derartigen Fall.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2010-01-25/18-wf-5-10#rd_3

Damit haben zwei Oberlandesgerichte unterschiedliche Auffassung vertreten mit der Folge, dass es sich um eine ungeklärte Rechtsfrage handelt, so dass die gemäß § 114 ZPO erforderliche hinreichenden Erfolgsaussicht des Rechtsmittels nicht verneint werden kann, so dass Verfahrenskostenhilfe zu bewilligen ist, ohne dass auf die Argumentation in beiden Entscheidungen im einzelnen eingegangen werden müsste.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2010-01-25/18-wf-5-10#rd_4

Ergänzend weist der Senat auf die Vorschrift des § 56 Abs. 2 FamFG hin, wonach einstweilige Anordnungen dann außer Kraft treten, wenn der Antrag in der Hauptsache rechtskräftig abgewiesen ist. Danach erscheint ein Streit darüber, ob dies auch gilt, wenn ein Antrag auf Verfahrenskostenhilfe für die Hauptsache abgewiesen wird, nicht ausgeschlossen, so dass auch aus diesem Grund Verfahrenskostenhilfe zu bewilligen war.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2010-01-25/18-wf-5-10#rd_5

Nachdem das Rechtsmittel sich als begründet erwiesen hat, fällt eine Gerichtsgebühr in der Beschwerdeinstanz nicht an. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet (§ 127 Abs. 4 ZPO).