Rechtsprechung / LG Bonn / 2005

LG Bonn Beschluss vom 16.03.2005 – 37 Qs 8/05

ECLI:DE:LGBN:2005:0316.37QS8.05.00

StrafrechtNordrhein-WestfalenStrafrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens einschließlich ihrer Auslagen trägt die Beschwerdeführerin.

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G r ü n d e :

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I.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_1

Das Bundeskartellamt ermittelt gegen zahlreiche Entsorgungsunternehmen wegen des Verdachts von Absprachen bzw. abgestimmten Verhaltensweisen bei der Abgabe von Angeboten im Bereich der Ausschreibung der Leistungsverträge durch das E (E). Zu diesen verdächtigen Unternehmen zählt auch die Beschwerdeführerin. Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft L gegen Verantwortliche der Beschwerdeführerin wegen des Verdachts wettbewerbsbeschränkender Absprachen.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_2

Mit Beschluss vom 18.08.2003 erließ das Amtsgericht Bonn auf Antrag des Bundeskartellamtes einen Durchsuchungsbeschluss bezüglich der Geschäftsräume der Beschwerdeführerin und ordnete die Beschlagnahme der dabei aufgefundenen Beweismittel an. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen diesen Beschluss wies die Kammer mit Beschluss vom 05.11.2003 zurück, hob darin aber gleichzeitig die Beschlagnahmeanordnung auf, weil diese nicht hinreichend bestimmt war.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_3

Die Beschwerdeführerin und das Bundeskartellamt stellten hinsichtlich der bei der Durchsuchung sichergestellten Gegenstände Antrag auf gerichtliche Entscheidung gemäß § 98 Abs. 2 StPO.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_4

Die bei der Durchsuchung sichergestellten Sicherungsbänder des Computerdatenbestandes der Beschwerdeführerin wurden mit Beschluss des Amtsgerichts L vom 15.10.2003 – Az.: ### Gs ####/03 – auf Antrag der Staatsanwaltschaft L beschlagnahmt. Die dagegen gerichtete Beschwerde der Beschwerdeführerin wies das Landgericht L mit Beschluss vom 05.03.2004 – Az.: ### Qs ###/03 – als unbegründet zurück.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_5

Mit Beschluss 27.01.2004 bestätigte das Amtsgericht Bonn die Beschlagnahme der sichergestellten Unterlagen, hinsichtlich der ebenfalls sichergestellten Sicherungsbänder der Daten der Beschwerdeführerin führte es hingegen aus, dass eine Entscheidung über die Beschlagnahme noch nicht erfolgen könne, weil die Sichtung dieser Daten noch nicht erfolgt sei.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_6

Dagegen wandte sich die Beschwerdeführerin mit einer erneuten Beschwerde. Die Kammer entschied mit Beschluss vom 30.09.2004, dass die weitere Sichtung der Sicherungsbänder noch bis zum 31.12.2004 zulässig sei.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_7

Das Bundeskartellamt wertete in der Folgezeit die Sicherungsbänder aus, wobei es der Beschwerdeführerin Gelegenheit gab, an der Sichtung teilzunehmen. Die Sichtung war am 30.12.2004 abgeschlossen, worauf das Bundeskartellamt unter dem 05.01.2005 die Beschlagnahme von 6 CDs mit Daten beantragte.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_8

Gegen den stattgebenden Beschluss des Amtsgerichts Bonn, der ihr zusammen mit Kopien der 6 CDs zur Gewährung von Akteneinsicht zugestellt wurde, wendet sich die Beschwerdeführerin mit der vorliegenden Beschwerde.

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II.

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Die Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg.

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Zu Recht hat das Amtsgericht die beantragte Beschlagnahme angeordnet.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_9

Bei den Daten, die auf den vom Bundeskartellamt bereitgestellten CDs gespeichert wurden, handelt es sich nach dem Ergebnis der Sichtung des sehr umfangreichen sichergestellten Datenbestandes um die Unterlagen, die als Beweismittel im kartellrechtlichen Ordnungswidrigkeitenverfahren in Betracht kommen.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_10

Soweit die Beschwerdeführerin dagegen meint, es fehle an einer tragfähigen Begründung dafür, dass die beschlagnahmten Dateien als Beweismittel benötigt würden, und es fehle an einer hinreichend bestimmten Fassung der Beschlagnahmeanordnung, geht diese Argumentation fehl.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_11

Aus dem Beschluss geht hervor, dass der sichergestellte Datenbestand anhand von Stichworten gefiltert wurde. Diese Stichworte sind beispielhaft aufgeführt und es ist vermerkt, dass eine Liste dieser Stichworte sich in der Akte befindet. Die Liste befindet sich auf Blatt 230 der Akte.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_12

Auf den CDs mit den kopierten Dateien, die der Beschwerdeführerin zudem überlassen wurden, befinden sich darüber hinaus ebenfalls Stichwörter, anhand derer sich erkennen lässt, welche Dateien für verfahrensrelevant gehalten wurden. Weiter ist auf jeder einzelnen CD eine Zusammenfassung gespeichert, aus der sich ergibt, wie die gespeicherten Dateien im einzelnen benannt sind und von welchem Speicherort sie stammen. Diese Berichte sind in dem Beschluss ebenfalls ausdrücklich erwähnt.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_13

Es besteht damit bei der Beschwerdeführerin keinerlei Ungewissheit, welche Daten beschlagnahmt wurden, ebenso ist aufgrund der Stichwortauswahl gewährleistet, dass die beschlagnahmten Dateien potentiell für die gegen die Beschwerdeführerin erhobenen Vorwürfe beweisrelevant sind. Gegen die Beschwerdeführerin besteht der Verdacht einer wettbewerbswidrigen Absprache bei Ausschreibungen des E. Genau diese Stichworte ( E, Ausschreibung) befinden sich in der Stichwortliste, aber auch die Namen anderer im Verdacht stehender Unternehmen ( S, T, B, D etc.). Dass letztlich nicht jede einzelne Datei für eine Beweisführung geeignet sein mag und letztlich im weiteren Ordnungswidrigkeitenverfahren u.U. nicht verwendet werden wird, steht einer Beschlagnahme nicht entgegen. Gemäß § 94 StPO dürfen die Daten beschlagnahmt werden, die "als Beweismittel für die Untersuchung von Bedeutung sein können". Dies erfordert eine Prognoseentscheidung der Ermittlungsbehörde, der allerdings nicht abverlangt werden kann, dass jedes beschlagnahmte Dokument auch tatsächlich zur Beweisführung verwendet wird.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-bonn/2005-03-16/37-qs-8-05#rd_14

Das Bundeskartellamt hat sich mit seinem Vorgehen damit innerhalb der von der Kammer in ständiger Rechtsprechung vorgegebenen Grundsätze gehalten; Danach gilt: Beschlagnahmt werden können nur solche Unterlagen, denen eine potentielle Beweisbedeutung zukommt. Dies ist konkret festzustellen, eine Grobdurchsicht, nach der damit zu rechnen ist, dass sich unter den Unterlagen auch beschlagnahmefähige Unterlagen befinden, reicht nicht dazu aus, die Unterlagen in ihrer Gesamtheit zu beschlagnahmen. Bei EDV-Asservaten sind die potentiell beweisbedeutsamen Datensätze herauszufiltern und so konkret zu bezeichnen, dass eine Unsicherheit über den Umfang der beantragten Beschlagnahme nicht auftreten kann (Kammer, Beschl. vom 17.06.2003, wistra 2005, 76; Beschl. v. 16.09.2004, Az.: 37 Qs 38/04).

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Die Kostenentscheidung folgt aus § 473 Abs. 1 StPO.