Rechtsprechung / BVerfG / 2. Senat 3. Kammer / 2010

BVerfG Nichtannahmebeschluss vom 09.08.2010 – 2 BvR 619/10

2. Senat 3. Kammer · ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100809.2bvr061910

VerfassungsrechtBundVolltext

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Gründe§

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_1

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen. Ihr kommt keine grundsätzliche Bedeutung zu (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG). Ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten des Beschwerdeführers angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG), denn sie ist unzulässig. Der Beschwerdeführer hat die Frist für die Einlegung der Verfassungsbeschwerde (§ 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG) versäumt. Diese begann mit dem Zugang der die Rechtsbeschwerde verwerfenden Entscheidung des Oberlandesgerichts am 26. Januar 2010 zu laufen. Die gegen diese Entscheidung erhobene Anhörungsrüge konnte die Verfassungsbeschwerdefrist nur offen halten, wenn sie nicht offensichtlich aussichtslos war (vgl. BVerfGK 7, 115 <116>).

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_2

Die vom Beschwerdeführer eingelegte Anhörungsrüge war offensichtlich aussichtslos. Soweit die Einwände, die der Beschwerdeführer mit seiner Anhörungsrüge geltend machte, der Sache nach überhaupt einen Bezug zum Anspruch auf rechtliches Gehör aufwiesen, betrafen sie allein die Annahme des Oberlandesgerichts, die Rechtsbeschwerde sei wegen unzureichender Mitwirkung des Rechtspflegers formwidrig. Die insoweit behaupteten Verstöße waren jedoch - unabhängig von der Frage, ob die Einordnung als Gehörsverstöße zutreffend ist - jedenfalls nicht entscheidungserheblich. Denn die Verwerfung der Rechtsbeschwerde war außer auf die Annahme der Formwidrigkeit der Rechtsbeschwerde noch auf einen weiteren Grund - die fehlende einzelfallübergreifende Bedeutung der landgerichtlichen Entscheidung - gestützt. Hierauf bezogen hatte der Beschwerdeführer einen Gehörsverstoß weder geltend gemacht noch war das Vorliegen eines solchen Verstoßes offensichtlich.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_3

Auf die Frage, ob das Oberlandesgericht mit den angeführten Gründen für die Verwerfung der Rechtsbeschwerde die Zulässigkeitsvoraussetzungen für dieses Rechtsmittel überspannt hat (vgl. zur Verwerfung einer Rechtsbeschwerde mangels fallübergreifender Bedeutung BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Juni2009 - 2 BvR 2279/07 - StraFo2009, S. 379 f. <381>), kommt es in diesem Zusammenhang nicht an, denn die Anhörungsrüge ist nicht zur Korrektur beliebiger Rechtsfehler eröffnet, sondern nur unter der Voraussetzung statthaft, dass - nicht nur in Worten, sondern der Sache nach - eine entscheidungserhebliche Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gerügt wird.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_4

Angesichts der Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde kann nicht geprüft werden, ob Grundrechte des Beschwerdeführers dadurch verletzt sind, dass das Oberlandesgericht seine Anhörungsrüge nicht nach § 33a StPO, sondern nach § 356a StPO beurteilt und wegen Versäumung der dort vorgesehenen Rügefrist von nur einer Woche verworfen hat.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_5

Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2010-08-09/2-bvr-619-10#rd_6

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.