Rechtsprechung / VG Gelsenkirchen / 2013

VG Gelsenkirchen Beschluss vom 11.03.2013 – 13 L 142/13

ECLI:DE:VGGE:2013:0311.13L142.13.00

VerwaltungsrechtNordrhein-WestfalenVerwaltungsrecht Nordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

1 Der Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes wird abgelehnt.Die Kosten des Verfahrens trägt der Antragsteller.

2 Der Streitwert wird auf 1.075,27 € festgesetzt.

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G r ü n d e :

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Der mit Schriftsatz vom 5. Februar 2013 gestellte Antrag,

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die aufschiebende Wirkung der Klage 13 K 5805/12 gegen den Bescheid der Antragsgegnerin vom 9. November 2012 anzuordnen,

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hat keinen Erfolg.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_1

Der bei Gericht gestellte Antrag ist bereits wegen Fehlens eines vorherigen Antrags auf Aussetzung der Vollziehung bei der Antragsgegnerin unzulässig.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_2

Da Niederschlagswassergebühren öffentliche Abgaben im Sinne von § 80 Abs. 2 Nr. 1 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) sind, entfaltet die insoweit erhobene Klage gegen den Bescheid zwar keine aufschiebende Wirkung.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_3

Gemäß § 80 Abs. 6 Satz 1 VwGO ist aber ein Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung in den Fällen des § 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO - also bei der Anforderung von öffentlichen Abgaben - nur zulässig, wenn die Behörde einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ganz oder zum Teil abgelehnt hat. Die Durchführung eines vorherigen behördlichen Verfahrens ist Zugangsvoraussetzung für die Zulässigkeit eines gerichtlichen Antrags. Dabei handelt es sich um eine nicht nachholbare Zulässigkeitsvoraussetzung, die im Zeitpunkt des Antragseingangs bei Gericht gegeben sein muss.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_4

Vgl.              Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschlüsse vom 3. März 1995 - 9 B 564/95 - sowie vom 18. April 1996 - 15 B 3499/95 -, in: Nordrhein-Westfälische Verwaltungsblätter (NWVBl.) 1997, S. 23; vgl. auch Kopp/Schen-ke, Verwaltungsgerichtsordnung, 17. Auflage 2011, § 80 Rdnr. 185.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_5

Der Aussetzungsantrag bei der Behörde kann nicht im Verlaufe des weiteren Verfahrens nachgeholt werden. Mit dieser Vorschrift wird nämlich das Ziel verfolgt, den Vorrang der verwaltungsinternen Kontrolle zu stärken und die Verwaltungsgerichte zu entlasten.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_6

OVG NRW, Beschluss vom 8. Mai 2009 - 15 B 522/09 -; VGH München, Beschluss vom 26. November 1991 ‑ 6 Cs 91.3277 -, in: Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht (NVwZ) 1992, S. 990; OVG Saarlouis, Beschluss vom 22. Juni 1992 - 1 W 29/92 -, NVwZ 1993, 490 (491).

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_7

Dem Schreiben des Prozessbevollmächtigten des Antragstellers vom 25. Januar 2013 an die Finanz- und Steuerabteilung der Antragsgegnerin ist ein Aussetzungsantrag in dem vorerwähnten Sinne nicht zu entnehmen.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_8

Der Antragsteller war auch nicht von einer vorherigen behördlichen Entscheidung über einen Aussetzungsantrag gemäß § 80 Abs. 6 Satz 2 Nr. 2 VwGO befreit, weil der Ausnahmetatbestand der drohenden Vollstreckung zum Zeitpunkt der Antragstellung bei Gericht gegeben gewesen wäre. Für die Erfüllung dieses Tatbestandes ist nicht ausreichend, dass die im Gebührenbescheid enthaltene Forderung bereits fällig ist. Vielmehr muss die Vollstreckung aus dem Bescheid schon begonnen haben, der Beginn der Vollstreckung für einen unmittelbar bevorstehenden Termin angekündigt worden sein oder es müssen konkrete Vorbereitungen der Behörde für eine alsbaldige Vollstreckung vorliegen, die über eine bloße Mahnung hinausgehen.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_9

Vgl.              OVG NRW, Beschluss vom 2. Juli 2010 - 15 B 800/10 - und OVG Saarlouis, Beschluss vom 22. Juni 1992 - 1 W 29/92 -, a.a.O.; vgl. auch: Kopp/Schenke, a.a.O., § 80 Rdnr. 186.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_10

Der Antragsteller hat weder dargelegt noch bestehen Anhaltspunkte dafür, dass gegenüber ihm zu diesem Zeitpunkt bereits die Vollstreckung drohte. Die erfolgte Mahnung genügt, wie dargelegt, jedenfalls nicht.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_11

Rein vorsorglich weist die Kammer darauf hin, dass aufgrund der von der Antragsgegnerin im Klageverfahren mit Schriftsatz vom 11. Dezember 2012 zutreffend wiedergegebenen Rechtslage und der Aktenlage keine Erfolgsaussichten für die Klage bestehen.

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Die Kostenentscheidung folgt aus den §§ 154 Abs. 1 VwGO.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-gelsenkirchen/2013-03-11/13-l-142-13#rd_12

Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 52 Abs. 1 i.V.m. § 53 Abs. 2 Nr. 2 des Gerichtskostengesetzes. Das wirtschaftliche Interesse an der Anordnung der aufschiebenden Wirkung ist nach der Rechtsprechung (s. Streitwertkatalog für die Verwaltungsgerichtsbarkeit, Nr. 1.5 – abgedruckt bei Kopp/Schenke, a.a.O., § 164 Rdnr. 14 -) mit einem Viertel der strittigen Niederschlagswassergebühren angemessen festgesetzt.