Rechtsprechung / BPatG / 23. Senat / 2018

BPatG Beschluss vom 06.12.2018 – 23 W (pat) 28/17

23. Senat · ECLI:DE:BPatG:2018:061218B23Wpat28.17.0

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Tenor§

In der Beschwerdesache

betreffend die Patentanmeldung 10 2011 123 042.8

hat der 23. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 6. Dezember 2018 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dr. Strößner und der Richter Dr. Friedrich, Dr. Zebisch und Dr. Himmelmann

beschlossen:

1. Der Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse H01L des Deutschen Patent- und Markenamts vom 19. Dezember 2016 wird aufgehoben.

2. Die Sache wird zur weiteren Prüfung an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückverwiesen.

3. Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr wird nicht angeordnet.

Gründe§

I.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_1

Die vorliegende Anmeldung mit dem Aktenzeichen 10 2011 123 042.8 und der Bezeichnung „Leuchtmodul zur Abstrahlung von Mischlicht“ ist eine durch Teilung aus der Stammanmeldung 10 2011 009 697.3 mit derselben Bezeichnung hervorgegangene Teilanmeldung.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_2

Die Stammanmeldung wurde am 28. Januar 2011 mit gleichzeitiger Rechercheantragstellung beim Deutschen Patent- und Markenamt eingereicht.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_3

Im zugehörigen Recherchebericht vom 8. Juni 2011 hat die Prüfungsstelle auf die Druckschriften

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D1 DE 10 2008 057 347 A1 und

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_5

D2 US 2007 / 0 171 159 A1

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_6

verwiesen und als Erläuterung unter Punkt E des Rechercheberichts angefügt, dass aufgrund der Ausführungen in der Beschreibung der in den Ansprüchen verwendete Begriff „grünlich-weißes Licht“ so breit auszulegen sei, dass darunter auch rein blaues Licht falle.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_7

Mit Eingabe vom 31. Mai 2016 hat die Anmelderin mit einem präzisierten Anspruchssatz Prüfungsantrag gestellt, woraufhin die Prüfungsstelle eine Anhörung anberaumt und im zugehörigen Ladungszusatz vom 10. Juni 2016 auf die Erläuterungen im Recherchebericht verwiesen hat.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_8

Ausweislich der Niederschrift hat die Prüfungsstelle in der am 26. Juli 2016 durchgeführten Anhörung zunächst hervorgehoben, dass anmeldungsgemäß auch eine blaue LED unter den Begriff „grünlich-weiße LED“ falle, denn im zweiten Absatz der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 werde ausgeführt, dass der zweite Konversionsanteil des von dem dritten Halbleiterbauelement emittierten Lichts gegen Null gehen kann, so dass das dritte Halbleiterbauelement blaues Licht emittiert. Dieser Absatz könne auch nicht gestrichen werden, da sich ansonsten die Lehre in unzulässiger Weise ändern würde. Basierend auf einem solchen Verständnis des Begriffs „grünlich-weiße LED“ seien die Leuchtmodule des in der Anhörung neu vorgelegten Anspruchssatzes dem Fachmann, einem Physiker oder Fachhochschul-Ingenieur mit Erfahrung in der Halbleitertechnik, durch die Druckschriften D1 bzw. D2 nahegelegt.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_9

Da die Anmelderin die Patenterteilung in der Anhörung mit einer durch Streichen des zweiten Absatzes auf Seite 2 geänderten Beschreibung beantragt hat, ist die Anmeldung von der Prüfungsstelle zum Ende der Anhörung mit der Begründung zurückgewiesen worden, dass der Inhalt der Anmeldung durch das Streichen dieses Absatzes unzulässig erweitert worden sei.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_10

Die schriftliche Begründung des Beschlusses ist der Anmelderin mit Anschreiben vom 4. August 2016 am 8. August 2016 zugestellt worden.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_11

Mit dem am 7. September 2016 beim Deutschen Patent- und Markenamt eingegangenen Schriftsatz hat die Anmelderin die Teilung erklärt und mit Eingabe vom 30. November 2016 die am selben Tag eingegangenen erforderlichen Anmeldungsunterlagen vorgelegt.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_12

Unter Verweis auf das Prüfungsverfahren der Stammanmeldung und Bezugnahme auf Entscheidungen des Bundespatentgerichts („Akustisches Oberflächenwellenfilter“ (BPatGE 43, 159) bzw. 23 W (pat) 47/08) hat die Prüfungsstelle die Teilanmeldung durch Beschluss vom 19. Dezember 2016 ohne Erstellen eines Prüfungsbescheids mit der Begründung zurückgewiesen, dass der Inhalt der Teilanmeldung gegenüber den ursprünglichen Unterlagen der Stammanmeldung unzulässig erweitert worden sei, denn die Beschreibung der Teilanmeldung enthalte nicht mehr den zweiten Absatz der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 der Stammanmeldung.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_13

Gegen diesen der Anmelderin mit Anschreiben vom 19. Dezember 2016 am 23. Dezember 2016 zugestellten Beschluss richtet sich die am 23. Januar 2017 beim Deutschen Patent- und Markenamt elektronisch eingegangene Beschwerde. Darin beantragt die Anmelderin,

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_14

1. den Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse H01L des Deutschen Patent- und Markenamts vom 19. Dezember 2016 aufzuheben,

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_15

2. und ein Patent zu erteilen

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_16

2a. auf Grundlage der ursprünglichen Unterlagen der Teilanmeldung vom 30. November 2016,

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_17

2b. hilfsweise auf Grundlage der ursprünglichen Unterlagen der Teilanmeldung vom 30. November 2016 unter Austausch der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 durch die Beschreibungsseiten 2 und 2a vom 23. Januar 2017,

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_18

3. weiter hilfsweise eine mündliche Verhandlung anzuberaumen, sofern dem Patenterteilungsantrag nicht stattgegeben wird.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_19

Zudem regt sie die Rückzahlung der Beschwerdegebühr an.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_20

Die geltenden selbständigen Ansprüche 1, 11 und 12 haben folgenden Wortlaut:

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_21

1. Leuchtmodul (1) zur Abstrahlung von Mischlicht umfassend:

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_22

- mindestens ein erstes Halbleiterbauelement (2), das unkonvertiertes rotes Licht abstrahlt,

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_23

- mindestens ein zweites Halbleiterbauelement (3), das ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweist und konvertiertes grünlich-weißes Licht mit einem ersten Konversionsanteil abstrahlt,

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_24

- mindestens ein drittes Halbleiterbauelement (4), das ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweist und konvertiertes grünlich-weißes Licht mit einem zweiten Konversionsanteil abstrahlt, der kleiner ist als der erste Konversionsanteil, wobei das Konversionselement des zweiten und dritten Halbleiterbauelements (3, 4) einen positiven Temperaturkoeffizienten aufweist, so dass das Konversionselement mit steigender Temperatur effizienter ist,

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_25

- mindestens ein Widerstandselement (5, 6) mit einem temperaturabhängigen elektrischen Widerstand, das einen negativen Temperaturkoeffizienten aufweist, wobei

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_26

- das mindestens eine dritte Halbleiterelement (4) mit dem mindestens einen Widerstandselement (5, 6) eine Serienschaltung bildet und die Serienschaltung mit einem zweiten Strang (30), der das mindestens eine zweite Halbleiterbauelement (3) umfasst, und einem ersten Strang (20), der das mindestens eine erste Halbleiterelement (2) umfasst, parallel geschaltet ist oder

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_27

- das mindestens eine dritte Halbleiterelement (4) mit dem mindestens einen Widerstandselement (5, 6) und dem mindestens einen ersten Halbleiterbauelement (2) eine Serienschaltung bildet und die Serienschaltung mit einem zweiten Strang (30), der das mindestens eine zweite Halbleiterbauelement (3) umfasst, parallel geschaltet ist.

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_28

11. Verfahren zum Betreiben eines Leuchtmoduls (1) nach einem der Ansprüche 1, 4, 5, 7 bis 10,

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_29

bei dem das Leuchtmodul (1) im Betrieb über zwei elektrische Anschlüsse (8, 9) mit Strom versorgt wird und

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_30

das erste Halbleiterbauelement (2) unkonvertiertes rotes Licht,

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_31

das zumindest eine zweite Halbleiterbauelement (3) grünlich-weißes Licht mit einem ersten Konversionsanteil und das dritte Halbleiterbauelement (4) mit einem zweiten Konversionsanteil, der kleiner ist als der erste Konversionsanteil,

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_33

wobei die Konversionselemente mit steigender Temperatur effizienter werden und ein Farbort des zweiten und dritten Halbleiterbauelements (3, 4) sich in Richtung grüner Farbkoordinaten verschiebt.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_34

12. Verfahren zum Betreiben eines Leuchtmoduls (1) nach einem der Ansprüche 2, 3, oder 6,

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_35

bei dem das Leuchtmodul (1) im Betrieb über zwei elektrische Anschlüsse (8, 9) mit Strom versorgt wird und

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_36

das erste Halbleiterbauelement (2) unkonvertiertes rotes Licht,

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_37

das zumindest eine zweite Halbleiterbauelement (3) grünlich-weißes Licht mit einem ersten Konversionsanteil und das dritte Halbleiterbauelement (4) mit einem zweiten Konversionsanteil, der kleiner ist als der erste Konversionsanteil,

39Permalink zu Rn. 39recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_39

wobei die Konversionselemente mit steigender Temperatur weniger effizienter werden und ein Farbort des zweiten und dritten Halbleiterbauelements (3, 4) sich in Richtung blauer Farbkoordinaten verschiebt.

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_40

Bezüglich der selbständigen Ansprüche 2, 3 und 4, die sich von Anspruch 1 lediglich hinsichtlich der Temperaturabhängigkeit der Effizienzen der Konversionselemente und des Widerstandselements und als Folge hinsichtlich der Verschaltung der Halbleiterelemente und des Widerstandselements unterscheiden, sowie bezüglich der abhängigen Ansprüche 5 bis 10 und der weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

II.

41Permalink zu Rn. 41recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_41

Die form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist zulässig und insoweit begründet, als der Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse H01L vom 19. Dezember 2016 aufzuheben ist, denn die ursprüngliche Beschreibung der vorliegenden Teilanmeldung ist gegenüber der ursprünglichen Beschreibung der Stammanmeldung nicht unzulässig erweitert.

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_42

Da jedoch die Teilanmeldung auf ein zur Abstrahlung von Mischlicht geeignetes Leuchtmodul mit mindestens einem zweiten und dritten Halbleiterbauelement gerichtet ist, die jeweils ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweisen und konvertiertes grünlich-weißes Licht mit einem ersten bzw. zweiten Konversionsanteil abstrahlen, bisher aber lediglich eine Recherche zu Halbleitermodulen erfolgt ist, bei der auch unkonvertiertes blaues Licht unter den Begriff „konvertiertes grünlich-weißes Licht“ des dritten Halbleiterbauelements subsumiert wurde, wird die Anmeldung zur weiteren Bearbeitung an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückverwiesen (§ 79 Abs. 3 Satz 1 Nrn. 1 und 2 PatG).

43Permalink zu Rn. 43recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_43

1. Die Anmeldung betrifft ein Leuchtmodul, das mehrere Halbleiterbauelemente aufweist, die Licht verschiedener Wellenlänge emittieren, und das zur Abstrahlung von Mischlicht, insbesondere weißem Licht, geeignet ist.

44Permalink zu Rn. 44recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_44

Beleuchtungseinrichtungen, die weißes Licht abstrahlen, können beispielsweise durch die Kombination einer oder mehrerer rotes Licht emittierender LEDs mit einer oder mehreren so genannten Konversions-LEDs erreicht werden, die blaues Licht erzeugen, das in einer Konversionsschicht in Licht mit einer anderen Wellenlänge, beispielsweise grünlich-weißes Licht, umgewandelt wird. Dazu wird der jeweilige Betriebsstrom der verwendeten LEDs derart angepasst, dass die Überlagerung des von allen LEDs emittierten Lichts weißes Licht auf der Weißkurve eines Planck'schen Schwarzkörperstrahlers ergibt.

45Permalink zu Rn. 45recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_45

Problematisch ist im Betrieb der Beleuchtungseinrichtung das unterschiedliche Temperatur- und Alterungsverhalten der rot und grünlich-weiß emittierenden LEDs, was zur Folge hat, dass der Farbort der Beleuchtungseinrichtung aufgrund der Temperaturabhängigkeit schwer zu stabilisieren ist, vgl. Beschreibungsseite 1 bis Seite 3, erster bis dritter Absatz.

46Permalink zu Rn. 46recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_46

Vor diesem Hintergrund liegt der Anmeldung als technisches Problem die Aufgabe zugrunde, ein Leuchtmodul mit einem vergleichsweise temperaturstabilen Farbort anzugeben, vgl. Beschreibungsseite 1, letzter Absatz.

47Permalink zu Rn. 47recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_47

Diese Aufgabe wird durch die Leuchtmodule der selbständigen Ansprüche 1 bis 4 und die auf das Betreiben derartiger Leuchtmodule gerichteten Verfahren nach den selbständigen Ansprüche 11 und 12 gelöst.

48Permalink zu Rn. 48recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_48

Die beanspruchten Leuchtmodule zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie zur Abstrahlung von Mischlicht geeignet sind und neben einem ersten unkonvertiertes rotes Licht abstrahlenden Halbleiterbauelement auch ein zweites und drittes Halbleiterbauelement umfassen, die jeweils ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweisen und konvertiertes grünlich-weißes Licht mit einem ersten bzw. zweiten Konversionsanteil abstrahlen.

49Permalink zu Rn. 49recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_49

Dabei ist es gemäß Anspruch 1 wesentlich, dass der zweite Konversionsanteil kleiner ist als der erste Konversionsanteil und die Konversionselemente des zweiten und dritten Halbleiterbauelements einen „positiven Temperaturkoeffizienten“ aufweisen, so dass die Konversionselemente mit steigender Temperatur effizienter sind. Zudem ist ein Widerstandselement mit einem temperaturabhängigen elektrischen Widerstand und einem negativen Temperaturkoeffizienten vorhanden, wobei die Halbleiterbauelemente seriell oder parallel miteinander verschaltet sind.

50Permalink zu Rn. 50recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_50

Damit soll einer Farbortverschiebung des Mischlichts mit zunehmender Temperatur entgegengewirkt werden.

51Permalink zu Rn. 51recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_51

Als Beispiel sind in der Anmeldung InGaAlP-basierte Halbleiterchips als rotes Licht im Wellenlängenbereich von 600 bis 680 nm emittierende erste Halbleiterbauelemente genannt, wobei darunter in allgemeiner Form AlnGamIn1-n-mP-basierte Halbleiterchips mit 0 ≤ n ≤ 1, 0 ≤ m ≤ 1 und n+m≤1 fallen sollen. Die zweiten und dritten Halbleiterbauelemente sollen bspw. InGaN-basierte Halbleiterchips enthalten, deren blaues Licht mittels eines YAG-basierten Konversionsstoffs und Streuung teilweise in grünlich-weißes Licht konvertiert wird, wobei darunter in allgemeiner Form GamIn1-mN-basierte Halbleiterchips mit 0 ≤ m ≤ 1 fallen sollen, d. h. auch GaN-basierte Halbleiterchips.

52Permalink zu Rn. 52recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_52

Durch additive Farbmischung des roten, blauen und grünlich-weißen Lichts strahlt das Leuchtmodul weißes Licht ab, dessen Farbort aufgrund der speziellen Verschaltung mit dem speziellen Widerstandselement im Temperaturbereich von -40°C bis 150°C weitgehend temperaturstabil ist, vgl. die ursprüngliche Beschreibungsseite 7, vorletzter Absatz bis Seite 10, zweiter Absatz (in Übereinstimmung mit der ursprünglichen Beschreibung der Stammanmeldung, Seite 7, vorletzter Absatz bis Seite 10, erster Absatz).

53Permalink zu Rn. 53recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_53

2. Als Fachmann ist hier ein berufserfahrener Physiker oder Fachhochschul-Ingenieur zu definieren, der über mehrjährige Erfahrung in der Entwicklung von Halbleiterleuchtdioden verfügt und speziell mit der Entwicklung weißer Leuchtdioden betraut ist.

54Permalink zu Rn. 54recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_54

3. Bezüglich des Merkmals „konvertiertes grünlich-weißes Licht“ wird in der Beschreibung ausgeführt, dass in einer bevorzugten Ausführungsform das von dem dritten Halbleiterbauelement abgestrahlte Licht vorzugsweise einen Farbort mit den Farbkoordinaten cx zwischen 0,1 und 0,31 und cy zwischen 0,1 und 0,32 aufweist, vgl. ursprüngliche Beschreibungsseite 10, zweiter Absatz sowie Seite 15, dritter Absatz (in Übereinstimmung mit der ursprünglichen Beschreibungsseite 10 der Stammanmeldung, erster Absatz bzw. Seite 15, zweiter Absatz).

55Permalink zu Rn. 55recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_55

Die den Farbkoordinaten zugrunde zu legende CIE-Normfarbtafel hat die Anmelderin als Anlage 1 mit ihrem Beschwerdeschriftsatz vorgelegt:

56Permalink zu Rn. 56recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_56

Wie aus der CIE-Normfarbtafel ersichtlich, umfasst der ursprünglich offenbarte Farbortbereich des vom dritten Halbleiterbauelement abgestrahlten Lichts nicht nur einen grünlich-weißen, sondern auch einen blau-rötlich-weißen Bereich im linken unteren Bereich der Normfarbtafel. Insbesondere ist von dem Farbortbereich mit den Farbkoordinaten cx zwischen 0,1 und 0,31 und cy zwischen 0,1 und 0,32 auch der Wert cx=0,102776 und cy=0,102864 umfasst, der auf der Spektralfarblinie liegt und die Farbe der ungemischten blauen Emissionslinie mit der Wellenlänge 477nm darstellt (vgl.: http://cvrl.ioo.ucl.ac.uk/ccs.htm).

57Permalink zu Rn. 57recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_57

Somit offenbart diese Fundstelle der ursprünglichen Unterlagen von Stamm- und Teilanmeldung innerhalb dieses Farbortbereichs verschiedene Leuchtmodulvarianten, bspw. eine Variante, bei der das dritte Halbleiterbauelement konvertiertes, rein blaues Licht mit der Wellenlänge im Bereich von 477nm abstrahlt, oder auch eine Leuchtmodulvariante, bei der das dritte Halbleiterbauelement konvertiertes Licht abstrahlt, bspw. grünlich-weißes Licht oder auch andere Farbkombinationen wie rötlich-blaues Licht.

58Permalink zu Rn. 58recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_58

In diesem Zusammenhang ist der nachfolgend wiedergegebene zweite Absatz der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 der Stammanmeldung

59Permalink zu Rn. 59recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_59

„Der zweite Konversionsanteil des von dem dritten Halbleiterbauelement emittierten Lichts kann gegen Null gehen, sodass das dritte Halbleiterbauelement blaues Licht emittiert.“,

60Permalink zu Rn. 60recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_60

relevant, der in der ursprünglichen Beschreibung der Teilanmeldung gestrichen wurde.

61Permalink zu Rn. 61recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_61

Denn mit diesem Satz kommt zum Ausdruck, dass das dritte Halbleiterbauelement prinzipiell auch so ausgebildet sein kann, dass es kein konvertiertes, sondern nur unkonvertiertes blaues Licht abstrahlt.

62Permalink zu Rn. 62recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_62

Demgegenüber verlangt jedoch der Wortlaut des Anspruchs 1, dass das dritte Halbleiterbauelement

63Permalink zu Rn. 63recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_63

a) ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweist und

64Permalink zu Rn. 64recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_64

b) konvertiertes grünlich-weißes Licht mit einem zweiten Konversionsanteil abstrahlt, der kleiner ist als der erste Konversionsanteil.

65Permalink zu Rn. 65recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_65

Somit ist zum einen obiges Merkmal b) von Anspruch 1 hinsichtlich der Angabe „konvertiertes grünlich-weißes Licht“ irreführend, da nach der Beschreibung die Farbkoordinaten cx bzw. cy des konvertierten Lichts zwischen 0,1 und 0,31 bzw. zwischen 0,1 und 0,32 liegen sollen und folglich nicht nur grünlich-weißes, sondern auch rötlich-blaues Licht umfassen.

66Permalink zu Rn. 66recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_66

Zum anderen muss nach obigen Merkmalen a) und b) des Anspruchs 1 das dritte Halbleiterbauelement zwingend ein Konversionselement mit mindestens einem Konversionsstoff aufweisen und zwingend konvertiertes Licht mit einem zweiten Konversionsanteil abstrahlen.

67Permalink zu Rn. 67recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_67

Der zweite Konversionsanteil x muss daher nach Anspruch 1 in dem Intervall

70Permalink zu Rn. 70recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_70

Darüber hinaus kann aber gemäß dem zweiten Absatz der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 der Stammanmeldung der zweite Konversionsanteil x auch gegen Null gehen (x = 0), d. h. mit diesem Absatz offenbart die Anmeldung, dass der zweite Konversionsanteil x in dem Intervall

73Permalink zu Rn. 73recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_73

Indem die Anmelderin nunmehr diesen Absatz in der Beschreibung der Teilanmeldung gestrichen hat, hat sie das Intervall, in dem der Konversionsanteil liegen muss, gegenüber der Ursprungsoffenbarung wieder auf das Intervall

76Permalink zu Rn. 76recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_76

Da dieses Intervall durch Herausnahme der unteren Grenze Null kleiner als das ursprünglich offenbarte Intervall für den Konversionsanteil x ist, stellt das Streichen des zweiten Absatzes der ursprünglichen Beschreibungsseite 2 der Stammanmeldung – entsprechend der ursprünglichen Beschreibung der Teilanmeldung – keine unzulässige Erweiterung des Anmeldungsgegenstands dar, sondern eine zulässige Beschränkung.

77Permalink zu Rn. 77recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_77

Dementsprechend hat die Anmelderin im Prüfungsverfahren der Stammanmeldung auf den Hinweis der Prüfungsstelle, dass aufgrund des – nunmehr gestrichenen – Absatzes auf Beschreibungsseite 2 anmeldungsgemäß auch unkonvertiertes blaues Licht als konvertiertes grünlich-weißes Licht anzusehen sei, diesen Absatz gestrichen, um den Begriff „konvertiertes grünlich-weißes Licht“ dahingehend einzuschränken, dass von ihm zumindest kein unkonvertiertes blaues Licht umfasst wird, was, wie bereits ausgeführt wurde, den Anmeldungsgegenstand in zulässiger Weise beschränkt.

78Permalink zu Rn. 78recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_78

4. Da ausweislich des Rechercheberichts und der Niederschrift über die Anhörung in der Stammanmeldung bisher nur eine Recherche zu Halbleitermodulen erfolgt ist, bei der auch unkonvertiertes blaues Licht unter den Begriff „konvertiertes grünlich-weißes Licht“ des dritten Halbleiterbauelements subsumiert wurde, wird die Anmeldung zur weiteren Recherche und Bearbeitung an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückverwiesen (§ 79 Abs. 3 Satz 1 Nrn. 1 und 2 PatG). Dabei sind im durchzuführenden Prüfungsverfahren auch die cx- und cy-Bereichsangaben in der Beschreibung, von denen bspw. auch rötlich-blaues Licht umfasst werden, und der in den Ansprüchen verwendete Begriff „grünlich-weißes Licht“ einander anzupassen.

79Permalink zu Rn. 79recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_79

5. Die Anmelderin hat die Rückzahlung der Beschwerdegebühr nach § 80 Abs. 3 PatG angeregt und als Begründung eine Verletzung des rechtlichen Gehörs angegeben, da die Zurückweisungsentscheidung in der Teilanmeldung erfolgt sei, ohne der Anmelderin zuvor Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegeben zu haben.

80Permalink zu Rn. 80recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_80

Eine solche von der Anmelderin geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt jedoch nicht vor.

81Permalink zu Rn. 81recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_81

Vor der am 7. September 2016 beim Deutschen Patent- und Markenamt eingegangenen Teilungserklärung hat die Prüfungsstelle im Prüfungsverfahren zur Stammanmeldung die Anmelderin in der Anhörung am 26. Juli 2016 darauf hingewiesen, dass nach ihrer Auffassung das Streichen des zweiten Absatzes der Beschreibungsseite 2 den Anmeldungsgegenstand in unzulässiger Weise erweitere und dies der Anmelderin in dem ihr am 8. August 2016 zugestellten Zurückweisungsbeschluss auch ausführlich erläutert. Da auch die Beschreibung der nachfolgend eingereichten Teilanmeldungsunterlagen diesen bereits zuvor in der Stammanmeldung als unzulässig gerügten Mangel aufwies und Verwaltungsakte des Patent- und Markenamts, die in der Stammakte vor der Teilung ergangen sind, auch in der Teilanmeldung gelten (vgl. Schulte/Moufang, Patentgesetz, 10. Auflage, § 39 Rdn. 45), stellt die von der Prüfungsstelle in der Teilanmeldung ohne weiteren Bescheid vorgenommene und auf der gleichen Begründung beruhende Zurückweisung keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.

82Permalink zu Rn. 82recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_82

Vielmehr hat die Prüfungsstelle die Teilanmeldung aufgrund einer falschen Beurteilung des Offenbarungsgehalts der Anmeldung wegen unzulässiger Erweiterung zurückgewiesen. Dies ist jedoch kein ausreichender Grund für die Rückzahlung der Beschwerdegebühr, denn zwar hat die Prüfungsstelle den Offenbarungsgehalt der Anmeldung hinsichtlich des Merkmals des konvertierten grünlich-weißen Licht des dritten Halbleiterbauelements falsch beurteilt, doch hat sie dabei das richtige Recht angewandt und eine nachvollziehbare Begründung für die Zurückweisung gegeben, auch wenn diese hinsichtlich der Offenbarung dieses Merkmals sachlich falsch war. Eine falsche Beurteilung allein führt aber regelmäßig zu keiner Zurückzahlung der Beschwerdegebühr (vgl. Schulte/Püschel, Patentgesetz, 10. Auflage, § 80 Rdn. 113 bis 115 i. V. m. § 73 Rdn. 140).

83Permalink zu Rn. 83recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_83

Hierzu müssten noch besondere Umstände treten, die aber weder von der Anmelderin geltend gemacht werden noch vorliegen.

84Permalink zu Rn. 84recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-12-06/23-w-pat-28-17#rd_84

6. Bei dieser Sachlage war der Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse H01L vom 19. Dezember 2016 aufzuheben und die Anmeldung zur weiteren Prüfung und Recherche an das Deutsche Patent- und Markenamt zurückzuverweisen.