Rechtsprechung / BPatG / 20. Senat / 2018

BPatG Beschluss vom 22.01.2018 – 20 W (pat) 7/15

20. Senat

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Tenor§

In der Beschwerdesache

betreffend die Patentanmeldung 101 49 223.5

hat der 20. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 22. Januar 2018 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dipl.-Ing. Musiol, der Richterin Dorn sowie der Richter Dipl.-Ing. Albertshofer und Dipl.-Phys. Bieringer

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe§

I.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_1

Das Deutsche Patent- und Markenamt – Prüfungsstelle für IPC-Klasse G 07 F – hat die am 2. Oktober 2001 eingereichte Patentanmeldung mit der Bezeichnung „Verfahren zur Steuerung eines mittels Münzen, Token oder ähnlichen Zahlungsmitteln betätigbaren Spielautomaten“ mit Beschluss vom 16. Dezember 2014 zurückgewiesen. Der Zurückweisung lagen die Patentansprüche 1 bis 6 vom Anmeldetag zugrunde. Zur Begründung hat die Prüfungsstelle auf die Gründe des Bescheids vom 24. April 2014 verwiesen, in dem ausgeführt ist, dass der Gegenstand des Patentanspruchs 1 dem Fachmann aus der Druckschrift DE 43 34 613 A1 (D1) nahe gelegt sei; im Übrigen sei – wie bereits im vorhergehenden Prüfungsbescheid vom 2. Mai 2013 ausgeführt – die Druckschrift DE 196 44 691 A1 (D3) neuheitsschädlich.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_2

Gegen diesen Beschluss richtet sich die am 7. Januar 2015 eingelegte Beschwerde der Anmelderin.

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Der Bevollmächtigte der Anmelderin beantragt,

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den Beschluss der Prüfungsstelle für Klasse G 07 F des Deutschen Patent- und Markenamts vom 16. Dezember 2014 aufzuheben und das nachgesuchte Patent auf der Grundlage folgender Unterlagen zu erteilen:

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Patentansprüche:

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_6

Patentansprüche 1 bis 6 vom Anmeldetag (02.10.2001)

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Beschreibungsseiten 3 bis 7 vom Anmeldetag (02.10.2001)

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Patentansprüche 1 bis 4 vom 11. März 2015, beim BPatG eingegangen am 13. März 2015

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_11

Beschreibung wie Hauptantrag.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_12

Der geltende Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag lautet:

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13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_13

Der geltende Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag lautet:

Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen

Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_14

Wegen weiterer Einzelheiten und des Wortlauts der Unteransprüche wird auf die Akte verwiesen.

II.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_15

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg, da der Gegenstand des Patentanspruchs 1 in der Fassung des Hauptantrags nicht neu ist (§ 1 Abs. 1, § 3 PatG) und in der hilfsweise beantragten Fassung auf keiner erfinderischen Tätigkeit beruht (§ 1 Abs. 1, § 4 PatG).

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_16

1. Der Anmeldegegenstand betrifft gemäß der Beschreibung ein Verfahren zur Steuerung eines mittels Münzen, Token oder ähnlichen Zahlungsmitteln betätigbaren Spielautomaten. Aus dem Stand der Technik seien gattungsgemäße Spielautomaten bekannt. Um das Spielen an derartigen Spielautomaten für den Spieler interessanter und für den Aufsteller wirtschaftlicher zu gestalten, seien bereits eine Vielzahl von Maßnahmen vorgeschlagen worden (vgl. S. 1, 1. bis 3. Absatz).

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_17

Als Aufgabe nennt die Anmeldung, ausgehend vom Stand der Technik die Steuerung eines Spielautomaten dahingehend zu verändern, dass Spielpreis und Dauer der Einzelspiele veränderlich gestaltet werden können (vgl. S. 2, 2. Absatz).

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_18

Der geltende Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag lässt sich in folgende Merkmale gliedern:

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_19

1. Verfahren zur Steuerung eines mittels Münzen, Token oder ähnlichen Zahlungsmitteln betätigbaren Spielautomaten, welcher zumindest

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1.1 eine zentrale Steuereinheit,

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1.2 Mittel zur Annahme,

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_23

1.4 Speicherung und

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_24

1.5 Ausgabe von Zahlungsmitteln,

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_25

1.6 zufallsgesteuerte Anzeigemittel zur Spielergebnisanzeige,

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_26

1.7 Steuertasten zur Spielablaufbeeinflussung und

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_27

1.8 Speichermittel mit zugeordneten Anzeigen zur Darstellung von Guthaben, Gewinn, Sonder- und/oder Freispielen aufweist,

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_28

dadurch gekennzeichnet, dass

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_29

1.9 zufallsabhängig für jedes einzelne Spiel oder für eine Folge von mehreren Spielen der Spielpreis und / oder die Dauer der Einzelspiele über die zentrale Steuereinheit ermittelt wird.

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2. Als Fachmann sieht der Senat einen Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, der über mehrjährige Berufserfahrung auf dem Gebiet der Entwicklung von Spielautomaten verfügt. Er arbeitet mit einem Entwickler für Spielideen, dem Spieldesigner, welcher die Gestaltung der Spielregeln unter Berücksichtigung der gesetzlichen und betriebswirtschaftlichen Parameter ausführt, zusammen oder folgt zumindest seinen Vorgaben zur Gestaltung der Spiele.

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_31

3. Das beanspruchte Verfahren betrifft einen Spielablauf, der für einen gattungsgemäßen Spielautomaten mit den Vorrichtungsmerkmalen 1.1 bis 1.8 angewendet wird. Gemäß Merkmal 1.9 soll zufallsabhängig für jedes einzelne Spiel oder für eine Folge von mehreren Spielen der Spielpreis und/oder die Dauer der Einzelspiele über die zentrale Steuereinheit ermittelt werden. Die Begrifflichkeiten der beiden Oder-Varianten versteht der Fachmann unter Berücksichtigung der Beschreibung wie folgt:

32Permalink zu Rn. 32recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_32

Unter „Spielpreis“ versteht die Anmeldung den „abzubuchenden Einsatz je Einzelspiel“ (vgl. S. 6, Z. 23), der zwischen einem maximalen Wert und einem Freispiel variieren kann (vgl. S. 4, Z. 24 ff.; S. 7, Z. 1 -3). Insofern versteht der Fachmann, dass auch die Gewährung eines Freispiels einer Festsetzung des Spielpreises entspricht.

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_33

Unter „Dauer“ eines Einzelspieles versteht die Anmeldung den Zeitbereich zwischen dem Start eines Spieles und dem frühestmöglichen Start des nachfolgenden Spieles (vgl. S. 7, Z. 7 bis 9).

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_34

4. Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hauptantrag ist gegenüber dem Stand der Technik nach der Druckschrift DE 196 44 691 A1 (D3) nicht neu (§ 3 PatG).

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_35

Die Druckschrift D3 betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Unterhaltungsgeräts, bei dem die Gewährung eines Freispiels innerhalb einer Serie von Spielen eingestellt werden kann. Damit soll der Spielanreiz an Tagen mit wenig Spielbetrieb erhöht werden (vgl. D3, Sp. 2, Z. 23 ff.). In einer Ausführungsform kann die Anzahl von Spielen mit der Gewährung eines Freispiels zufallsgesteuert festgelegt werden (vgl. S. 3, Z. 18 - 22), was nach Überzeugung des Senats der zufallsgesteuerten Veränderung des Spielpreises nach Merkmal 1.9 entspricht (d. h. ein Spiel mehr für denselben Preis bzw. Preis pro Spiel variiert zufallsgesteuert).

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_36

Im Einzelnen ist mit dem Wortlaut des Patentanspruchs 1 aus der D3 bekannt:

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_37

1. Verfahren zur Steuerung eines mittels Münzen, Token oder ähnlichen Zahlungsmitteln betätigbaren Spielautomaten, welcher zumindest

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_38

D3, Sp. 1, Z. 3 ff.: „Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Betreiben eines münzbetätigten Unterhaltungsgerätes …“; vgl. auch D3, Anspruch 1;

39Permalink zu Rn. 39recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_39

1.1 eine zentrale Steuereinheit,

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D3, Sp. 5, Z. 50 (Anspruch 1);

41Permalink zu Rn. 41recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_41

1.2 Mittel zur Annahme,

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_42

Fig. 1 und D3, Sp. 4, Z. 45 ff.: „Im oberen Bereich des Unterhaltungsgerätes befinden sich ein Münzeinwurfschlitz 10, ein Tokeneinwurfschlitz 11, ein Geldschein-Eingabeschlitz 12 und ein Benutzerkarten-Eingabeschlitz 13 einer nicht näher dargestellten Geldverarbeitungseinrichtung.“;

44Permalink zu Rn. 44recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_44

Der Fachmann liest mit, dass eine Prüfung der Zahlungsmittel bei dem Unterhaltungsspielgerät der D3 selbstverständlich als Teil der „Geldverarbeitungseinrichtung“ (vgl. Merkmal 1.2) vorgesehen sein muss. Zumindest ist diese erforderlich, um den Wert der eingeworfenen Münzen zu erfassen;

45Permalink zu Rn. 45recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_45

1.4 Speicherung und

46Permalink zu Rn. 46recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_46

Eine Speicherung der Zahlungsmittel ist nicht explizit angesprochen, jedoch selbstverständlich ein Teil der „Geldverarbeitungseinrichtung“ (vgl. Merkmal 1.2) und auch notwendig. Ansonsten würden die in den Einwurfschlitz eingeworfenen Zahlungsmittel unmittelbar wieder ausgegeben, was nicht im Interesse des Betreibers liegen dürfte;

47Permalink zu Rn. 47recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_47

1.5 Ausgabe von Zahlungsmitteln,

48Permalink zu Rn. 48recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_48

Fig. 1, Bz. 8; Sp. 4, Z. 44: „… Münzauswurf in eine Ausgabeschale 8 …“;

49Permalink zu Rn. 49recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_49

1.6 zufallsgesteuerte Anzeigemittel zur Spielergebnisanzeige,

50Permalink zu Rn. 50recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_50

Fig. 1 i. V. m. Sp. 4, Z. 25 – 37: Die Umlaufkörper 5 sind zufallsgesteuert und zeigen in einer Mehrzahl möglicher Rastpositionen im Stillstand das Spielergebnis an, das der Spieler anhand der Symbole 6 durch die Anzeigefenster 4 ablesen kann;

51Permalink zu Rn. 51recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_51

1.7 Steuertasten zur Spielablaufbeeinflussung und

52Permalink zu Rn. 52recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_52

Sp. 1, Z. 27 ff. beschreibt für das gattungsgemäße Unterhaltungsgerät, dass es üblich sei, „an diesen Unterhaltungsgeräten für den Spieler Betätigungsorgane anzubringen, die in der Regel auf den Lauf der einzelnen Umlaufkörper einwirken.“;

53Permalink zu Rn. 53recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_53

Sp. 4, Z. 38 ff. beschreibt Tasten 7 mit denen die Umlaufkörper 5 gehalten bzw. nachgestartet werden können;

54Permalink zu Rn. 54recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_54

1.8 Speichermittel mit zugeordneten Anzeigen zur Darstellung von Guthaben, Gewinn, Sonder- und/oder Freispielen aufweist,

55Permalink zu Rn. 55recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_55

Fig. 1, Bz. 9 zeigt eine Guthabenanzeige, Fig. 1, Bz. 20 zeigt eine Sonderspielanzeige, Fig. 1, Bz. 20, 21, 9 zeigen Gewinnanzeigen (vgl. auch Sp. 5, Z. 4 - 7: „…Sonderspiel-Gewinne werden in der Sonderspiele-Anzeige 20, Punkte-Gewinne in der Punkte-Anzeige 21 und Geldgewinne in der Guthaben-Anzeige 9 aufaddiert.“). Dass den Anzeigen Speichermittel zugeordnet sein müssen, liest der Fachmann unmittelbar mit, da zumindest die angezeigten Werte in einem Speicher gehalten werden müssen;

56Permalink zu Rn. 56recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_56

dadurch gekennzeichnet, dass

57Permalink zu Rn. 57recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_57

1.9 zufallsabhängig für jedes einzelne Spiel oder für eine Folge von mehreren Spielen der Spielpreis und / oder die Dauer der Einzelspiele über die zentrale Steuereinheit ermittelt wird.

58Permalink zu Rn. 58recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_58

Sp. 3, Z. 18-22 lehrt, dass die Einstellung der bestimmten Anzahl von Spielen mit der Gewährung eines Freispiels durch die zentrale Steuereinrichtung zufallsgesteuert festgelegt werden kann. Damit kann der Spielpreis gemäß D3 einem vorgegebenen Wert oder einem Freispiel entsprechen. Dies entspricht auch dem anmeldungsgemäßen Verständnis des Begriffs „Spielpreis“, siehe oben unter Ziff. 3. Da die Quote der Freispiele gemäß D3 zufallsgesteuert ist, ist auch der Spielpreis zufallsabhängig.

59Permalink zu Rn. 59recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_59

Somit sind sämtliche Merkmale des Verfahrens nach Patentanspruch 1 aus der Druckschrift D3 bekannt. Das beanspruchte Verfahren ist daher nicht mehr neu.

60Permalink zu Rn. 60recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_60

Bei dieser Sachlage kann dahin gestellt bleiben, dass es sich bei Merkmal 1.9 in beiden Alternativen (Spielpreis oder Spieldauer) nach Überzeugung des Senats um eine reine Spielidee handeln dürfte, die eine erfinderische Tätigkeit nicht begründen könnte.

61Permalink zu Rn. 61recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_61

5. Zum Hilfsantrag

62Permalink zu Rn. 62recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_62

5.1 Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag unterscheidet sich vom Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag dadurch, dass nach dem Merkmal 1.9 das folgende Merkmal 1.10H1 hinzugefügt ist:

63Permalink zu Rn. 63recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_63

1.10H1 wobei zwischen Spielpreis und Dauer der Einzelspiele eine proportionale oder umgekehrt proportionale Abhängigkeit besteht.

64Permalink zu Rn. 64recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_64

5.2 Gegen die Zulässigkeit des Hilfsantrags bestehen aus Sicht des Senats keine Bedenken. Das Merkmal 1.10H1 ist zwar in dieser Formulierung nicht in den ursprünglichen Anmeldeunterlagen enthalten, es ergibt sich jedoch aus den ursprünglichen Unteransprüchen 4 und 5 sowie aus der Beschreibung, S. 5, Z. 4 bis 14, und S. 6, Z. 21 bis 29.

65Permalink zu Rn. 65recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_65

5.3 Das Merkmal 1.10H1 kann jedenfalls eine erfinderische Tätigkeit nicht begründen.

66Permalink zu Rn. 66recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_66

Aus Sinn und Zweck des Patentgesetzes folgt, dass eine erfinderische Tätigkeit im Sinne von § 1 Abs. 1, § 4 PatG nur auf einem technischen Beitrag zum Stand der Technik beruhen kann. Die erfinderische Leistung muss also auf technischem Gebiet liegen (vgl. BPatG Beschluss vom 10.05.2004 – 20 W (pat) 314/02 –, GRUR 2004, 931 = Mitt. 2004, 363 – Preisgünstigste Telefonverbindung). Dies ist vorliegend jedoch nicht der Fall.

67Permalink zu Rn. 67recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_67

Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist die Ermittlung des einem Patent zugrunde liegenden technischen Problems Teil der Auslegung des Patentanspruchs. Das technische Problem ist aus dem zu entwickeln, was die Erfindung tatsächlich leistet (BGH, Urteil vom 04.02.2010 – Xa ZR 36/08 – Gelenkanordnung).

68Permalink zu Rn. 68recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_68

Gemäß der entsprechend vorzunehmenden Auslegung betrifft das Merkmal 1.10H1 eine reine Spielidee: Das durch das Merkmal 1.10H1 ausgestaltete Verfahren soll für den zufällig ausgewählten Spielpreis oder die zufällig ausgewählte Spieldauer (Merkmal 1.9) die jeweils korrespondierende Größe Spieldauer/Spielpreis proportional oder indirekt proportional anpassen. Die Dauer eines Spiels wird durch die Spielregeln festgelegt und ist daher der Spielidee zuzuordnen. Als Rahmenbedingung ist die Spieldauer zudem in Einklang mit der Spieleverordnung zu bringen, was hier insbesondere die Einhaltung einer Mindestspieldauer betrifft.

69Permalink zu Rn. 69recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_69

Die beanspruchte Spielidee, die lediglich eine Aufgabe ohne Nennung oder Hinweis auf eine technische Umsetzung beschreibt, kann vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen eine erfinderische Tätigkeit im Sinne des Patentgesetzes nicht stützen, da sie keinen technischen Beitrag zum Stand der Technik leistet, sondern der technischen Problemlösung nur vorgelagert ist bzw. von nichttechnischen Überlegungen zur Gestaltung des Spielablaufs getragen wird (vgl. BGH Beschluss vom 24.05.2004, GRUR 2004, 667 = Mitt. 2004, 356 – elektronischer Zahlungsverkehr; BPatG Beschluss vom 22.11.2004 – 20 W (pat) 10/03 –, BPatGE 2006, 276 – Jackpotzuwachs).

70Permalink zu Rn. 70recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_70

6. Nachdem sich der jeweils geltende Patentanspruch 1 gemäß Haupt- und Hilfsantrag als nicht patentfähig erweist, kann die beantragte Patenterteilung nicht erfolgen. Mit dem jeweiligen Patentanspruch 1 fallen auch alle anderen Ansprüche. Aus der Fassung der Anträge und dem zu ihrer Begründung Vorgebrachten ergeben sich keine Zweifel an dem prozessualen Begehren der Anmelderin, ein Patent ausschließlich in einer der beantragten Fassungen zu erhalten (vgl. auch BGH, Beschluss vom 27.02.2008 – X ZB 10/07, GRUR-RR 2008, 456 Rn. 22 m. w. N. – Installiereinrichtung).

71Permalink zu Rn. 71recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2018-01-22/20-w-pat-7-15#rd_71

Musiol Dorn Albertshofer Bieringer