Rechtsprechung / BPatG / 27. Senat / 2014

BPatG Beschluss vom 08.04.2014 – 27 W (pat) 568/13

27. Senat

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

2 zitierte Normen Als PDF speichern

Tenor§

In der Beschwerdesache

betreffend die Marke 30 2012 002 752.0

hat der 27. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 8. April 2014 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Albrecht, den Richter Hermann und den Richter k.A. Schmid

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe§

I.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_1

Gegen die für die Waren

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_2

Klasse 25: Damenoberbekleidung

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_3

eingetragene Wort-/Bildmarke 30 2012 002 752

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_4

ist aus der Wortmarke EM 010 628 998

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_6

Widerspruch erhoben worden.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_7

Die Widerspruchsmarke ist eingetragen für die Waren und Dienstleistungen

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_9

Seifen; Parfümeriewaren, ätherische Öle, Mittel zur Körper- und Schönheitspflege, Haarwässer; Rasierwässer, Zahnputzmittel.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_11

Blendschutzbrillen; Brillen (Optik); Brillenetuis, Brillenfassungen, -gestelle; Brillengläser, Kneifer (Augengläser); Sonnenbrillen; Optikerwaren.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_13

Edelmetalle und deren Legierungen sowie daraus hergestellte oder damit plattierte Waren, soweit sie nicht in anderen Klassen enthalten sind; Juwelierwaren, Schmuckwaren, Edelsteine; Uhren und Zeitmessinstrumente.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_15

Bekleidungsstücke, Kopfbedeckungen, Jeanswear; Textilien, soweit nicht in anderen Klassen enthalten.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_17

Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroarbeiten; Dienstleistungen des Einzelhandels über das Internet in den Bereichen: Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung, Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Dienstleistungen des Großhandels über das Internet in den Bereichen: Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung, Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Einzelhandelsdienstleistungen in den Bereichen: Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung, Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Großhandelsdienstleistungen in den Bereichen: Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Online- oder Katalogversandhandelsdienstleistungen in den Bereichen: Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung, Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Vermittlung und Abschluss von Verträgen über den An- und Verkauf von Kosmetikwaren, Drogeriewaren, Uhren und Schmuckwaren, Schuhe, Bekleidung, Textilwaren, Optikerwaren, insbesondere Brillen; Organisation und Durchführung von Werbeveranstaltungen; Planung und Gestaltung von Werbemaßnahmen.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_18

Die Markenstelle für Klasse 25 des Deutschen Patent- und Markenamts hat den Widerspruch mit Beschluss vom 2. Oktober 2013 wegen fehlender Verwechslungsgefahr zurückgewiesen.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_19

Zwar seien die Waren „Damenoberbekleidung“ der jüngeren Marke zu den Waren der Widerspruchsmarke „Bekleidungsstücke“ als identisch anzusehen und die Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke als normal einzustufen, weshalb an den Abstand der Marken hinsichtlich der Waren „Bekleidungsstücke“ überdurchschnittliche Anforderungen zu stellen seien. Diese halte die jüngere Marke in jeder Hinsicht ein.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_20

Ausgangspunkt bei der markenrechtlichen Verwechslungsgefahr sei stets der Gesamteindruck der Kennzeichnungen.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_21
Der Begriff der Wortmarke „Liebeskind“ werde als Substantiv in der deutschen Sprache nicht verwendet, stelle einen Fantasiebegriff dar, der mit einem „lieben Kind“ oder einem „Kind der Liebe“ assoziiert werden könne. Demgegenüber bezeichne „Sternenkind“ ursprünglich Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt versterben. Ein gedankliches Inverbindungbringen von „Liebeskind“ mit dem Begriff „Sternenkind“ sei aufgrund der äußerst unterschiedlichen Bedeutung nicht anzunehmen.
22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_22
Die visuellen Unterschiede der Zeichen seien ausreichend. In der jüngeren Marke sei „Sternenkind“ in auffällig geschwungener Schrift dargestellt und mit einer schwarzen, rechteckige Umrahmung grafisch gestaltet. Bei der älteren Marke handele es sich um die Wortmarke „Liebeskind“, für die zwar alle üblichen Schreibweisen zu berücksichtigen sind. Die visuellen Unterschiede in den Wortanfängen seien sehr stark.
23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_23

Klanglich seien die Unterschiede der Zeichen ebenfalls überwiegend, da grundsätzlich Wortanfänge stärker beachtet würden als Endungen. Deshalb habe der deutliche klangliche Unterschied der ersten beiden Silben der Vergleichswörter „Liebes“ und „Sternen“ hohes Gewicht, die Übereinstimmung in der letzten Silbe der beiden Marken „kind“ habe keine selbstständig kennzeichnende, den Gesamteindruck prägende Stellung.

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_24

Es handele sich um zwei Gesamtbegriffe, die genauso gesprochen und gesehen und nicht auf einen Teil reduziert würden.

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_25

Eine begriffliche Verwechslungsgefahr sei angesichts der sehr unterschiedlichen Bedeutungen nicht zu besorgen.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_26

Dagegen wendet sich die Widersprechende mit ihrer Beschwerde vom 6. November 2013, die sie nicht schriftsätzlich begründet hat. Die Widersprechende beantragt sinngemäß,

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_27

den Beschluss der Markenstelle vom 2. Oktober 2013 aufzuheben und die Marke Nr. 30 2012 002 752.0 zu löschen.

28Permalink zu Rn. 28recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_28

Die Markeninhaberin beantragt sinngemäß,

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_29

die Beschwerde zurückzuweisen.

II.

30Permalink zu Rn. 30recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_30

Über die Beschwerde kann ohne mündliche Verhandlung entschieden werden, weil

31Permalink zu Rn. 31recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_31

die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg. Die Markenstelle hat zu Recht und mit zutreffender Begründung, der sich der Senat anschließt, den Widerspruch mangels einer Gefahr von Verwechslungen der Vergleichsmarken nach § 42 Abs. 2 Nr. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG zurückgewiesen.

32Permalink zu Rn. 32recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_32

Bei der Beurteilung der Verwechslungsgefahr ist auf den durch die Zeichen hervorgerufenen Gesamteindruck abzustellen, weil der Durchschnittsverbraucher eine Marke regelmäßig als Ganzes wahrnimmt (vgl. EuGH GRUR 2007, 700 - Limoncello; BGHZ 169, 295 - Goldhase).

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_33

Mit der Markenstelle sind die wechselseitig eingetragenen Waren als identisch und die Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke durchschnittlich anzusehen.

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_34

Den danach im Bereich der Warenidentität erforderlichen deutlichen Abstand halten die Marken in schriftlicher, klanglicher und begrifflicher Hinsicht ein.

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_35

Schriftbildlich unterscheiden sich die Marken durch die deutlich unterschiedlichen Wortanfänge. Auf die besondere graphische Ausgestaltung der als Wort-/Bildmarke eingetragenen jüngeren Marke kommt es damit nicht an.

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_36

Dies gilt aufgrund der verschiedenen Wortanfänge auch in klanglicher Hinsicht. Das Publikum wird die klanglichen Unterschiede in den ersten Silben Sternen- im Vergleich zu Liebes- nicht überhören.

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_37

Begrifflich besteht zwischen den Marken keine Ähnlichkeit, da es sich bei der Widerspruchsmarke um einen Phantasiebegriff handelt. Die jüngere Marke weist demgegenüber den von der Markenstelle umschriebenen Sinngehalt auf, den der Phantasiebegriff „Liebeskind“ nicht aufgreift.

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2014-04-08/27-w-pat-568-13#rd_38

Zu einer Kostenauferlegung aus Billigkeit besteht kein Anlass (§ 71 Abs. 1 MarkenG), da immerhin identische Waren vorliegen.