Rechtsprechung / BGH / 1. Strafsenat / 1989
BGH Beschluss vom 09.05.1989 – 1 StR 156/89
1. Strafsenat
StrafrechtBundVolltext
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BUNDESGERICHTSHOF
1 StR 156/89 BESCHLUSS
in der Strafsache
gegen
den Bäcker Reinhold S Ey aus SCHE, sort geboren am REIN 1360,
wegen gewerbsmäßiger Hehlerei u.a.
Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 9. Mai 1989 gemäß S 349 Abs. 2 und 4 StPO
einstimmig beschlossen:
l. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Passau vom 14. Oktober 1988, soweit es ihn betrifft,
a) im Schuldspruch dahin geändert und berichtigt, daß der Angeklagte der gewerbsmäßigen Hehlerei in sieben Fällen, davon in vier Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung und in einem Fall in Tateinheit mit versuchter Urkundenfälschung, der Urkundenfälschung in zwei Fällen sowie des Diebstahls in Tateinheit mit Urkunden-
fälschung schuldig ist;
b) im Strafausspruch mit den Feststellungen
aufgehoben.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des
Landgerichts zurückverwiesen.
2. Die weitergehende Revision wird verworfen.
Gründe§
Die Revision des Angeklagten hat mit der Sachrüge teil-
weise Erfolg.
l. Die Verurteilung des Angeklagten wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in den Fällen 3 und 6 der Urteilsgründe
kann nicht bestehen bleiben.
In beiden Fällen erlangte der Angeklagte die Fahrzeuge im einverständlichen Zusammenwirken mit den Fahrzeugeigentümern, Hermann 2 BEE (UA S. 8 bis 10) und Georg D un (UA S. 15 bis 17). Damit handelte es sich bei dem jeweiligen Fahrzeug nicht um eine Sache, "die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat" (5 259 Abs. 1 StGB). Insoweit muß der Schuldspruch wegen (tateinheitlich begangener) gewerbs-
mäßiger Hehlerei entfallen.
2. Die - nicht näher begründete - Annahme der Strafkamner, im Fall 9 der Urteilsgründe bestehe Tatmehrheit zwischen Diebstahl und Urkundenfälschung (UA S. 22 bis 24), begegnet
ebenfalis durchgreifenden Bedenken.
Dem angefochtenen Urteil ist zu entnehmen, daß das "Umfrisieren" des Fahrzeugs schon bei dessen Entwendung beabsichtigt war. Nach den Feststellungen des Landgerichts liegt auch die Annahme nahe, daß die beiden Tathandlungen zeitlich ineinander übergingen. Unter diesen Umständen läßt sich zugunsten des Angeklagten nicht ausschließen, daß sich diese Tat als ein einheitliches, zusammengehörendes Tun darstellt und damit - unter dem Gesichtspunkt der natürlichen Handlungseinheit - als eine Tat im Rechtssinne aufzufassen ist (vgl. BGH, Beschl. vom 19. Februar 1981 - 1 StR 638/80 - bei Holtz MDR 1981, 452). Der Senat hat den Schuldspruch entsprechend geändert. § 265 Abs. 1 StPO steht dem nicht entgegen, da sich der Angeklagte gegen die Annahme von Tateinheit nicht
anders als geschehen hätte verteidigen können.
3. Ferner war eine Berichtigung der Urteilsformel ge-
boten.
Aus den Urteilsgründen (UA S. 20 bis 22, 26) ergibt sich eindeutig, daß der Angeklagte im Fall 8 lediglich einer (tateinheitlich begangenen) versuchten Urkundenfälschung schuldig ist. Dies hat die Strafkammer bei der Abfassung der Urteilsformel infolge eines offensichtlichen
Versehens nicht zum Ausdruck gebracht.
4. Im übrigen hat die Nachprüfung des Urteils zum Schuldspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten
ergeben.
Die Entscheidung über die Entziehung der Fahrerlaubnis weist ebenfalls keinen Rechtsfehler auf und hat daher Bestand.
5. Jedoch muß der gesamte Strafausspruch aufgehoben werden, weil nicht mit der erforderlichen Sicherheit auszuschließen ist, daß bei den vom Senat vorgenommenen Änderungen des Schuldspruchs die Einzelstrafen in allen Fällen geringer
ausgefallen wären.
Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die Unklarheit einzugehen, welche Einzelstrafen die Strafkammer im Fall 9 festgesetzt hat (vgl. UA S. 24 sowie S. 32).
Schauenburg Ulsamer Foth
Granderath Brüning