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BGH Entscheidung vom 11.02.1957 – 5 StR 199/57

5. Strafsenat

StrafrechtBundVolltext

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Gesetz:

kechtssatzt

Aktenzeiche

Urteil des

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StGB § 42 db

Bin Zurechnungsunfähiger, der einen anderen körperlich verletzt, begeht eine "mit Strafe bedrohte Handlung" auch dann, wenn er die tatsächlichen Voraussetzungen der Notwehr auf Grund eines Irrtums als gegeben ansieht, der auf derselben geistigen Erkrankung beruht wie seine Zurechnungsunfähigkeit (im Anschluß an RGSt 73,314).

5 StR 199/57 BGH vom 9.dJuli 1957 LG Hamburg

In Vanen des Volkes

In dem Sicherungsverfahren

i gsegsen

den Seemann Heinz DEE , ohne festen Wohnsitz,

geboren an mn SEEIREEEEE,

zur Zeit in Unterbringungshaft,

wegen Unterbringung

hat der 5,Strafsenat des Bundesgerichtshofs in der Sitzung von 3.Juli 1957, an der teilgenommen haben:

Senatspräsident Sarstedt als Vorsitzender, Burdesrichterin Dr.Koffka Bundesrichter Schmidt Bundesrichter Schmitt Bundesrichter Dr. Börker ale beisitzende Richter, Lanägerichtsrat Dr. guumuum als Vertreter der Bundesanwaltschaft, Justizobersekretär als Urkundsbeanter der Geschäftsstelle,

für Recht erkannt;

Die Revision des Beschuldigten gegen das Urteil Ges Landgerichts in Hamburg vom 11.Februar 1957 wird verworfen.

Der Beschwerdeführer trägst die Kosten des Rechts-

mittels,

- Von Rechts wegen -

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rden, daß stets außer dern äußeren auch säntliche inneren Voraussetzungen mit Ausnahme der Zurechnungsfähigkeit vorliegen müßten. Es gibt Geisteskranke, die an Verfolgungswahn oder Wahnvorstellungen anderer Art leiden und die nur für solche Hardlungen zurechnungsunfähig sind, die mit ihren bnvorstellungen

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zusammenhängen, weil nur di i Taten nzusehen

Fähigkeit nennen, das Unerlaubte ihrer (partielle Zurechnungsunfähigkeit). Bei Geista

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kranken dieser Art zu sagen, daß ihre krankleitsbedingte Zurechnungsunfähigkeit, d.h. hier ihre wahnbedingte Unfähigkeit, das Unerlaubte der Tat einzusehen, der Annahme einer "mit Strafe bedrohten Handlune" im Sinne des § 42b StÜB zwar nicht entgegenstehe, ihr gleichfalls wahnbedingter Irrtum über die tatsächlichen Voraussetzungen eines Rechtfertigungsgrundes diese Annshme aber ausschließe, erscheint nicht angängig. Eine solche Trennung ist allerdings begrifflich möglich, Sie wird jedoch der Wirklichkeit nicht gerecht, weil beide Vorstellungsausfälle tatsächlich untrennbar

miteinander verbunden sind.

Der Begriff der "mit Strafe bedrohten Handlung" kann nur aus den Zusammenhang verstanden werden, in den das Gesetz ihn jeweils verwendet. Er bedeutet in § 42b StGB - anders als z.B. in § 330a StGB -, daß die Handlung ein Beweisgrund für das Vorhandensein einer geistigen Erkrankung des Täters sein muß, die ihn gemeingefährlich macht und daher seine Unterbringung in einer Heil- oder Pflegeanstalt erfordert (vgl RGSt 73,314/3157). Die Handlung muß Ausfluß einer bestimten Krankheit sein, die ihrer Art nach die \jahrscheinlichkeit begründet, der Täter werde in Zukunft Taten begehen, äle ihn für die Allgemeinheit gefährlich er-

scheinen lassen (vgl Büust 5,140/1437)

Hierfür bedarf es in aller Regel auch einer

Prüfung der inneren Vorstellungen und Regungen des

Täters, durch welche die Handlung bestimnt wurde (vgl

RG in 37 1955,53271,2368"° una HRR 1937 Nr 603; acst e

se Früfung ist in manchen Fällen schon deshalb erforderlich, weil ohne sie nicht festgestellt werden kann, ob die Handlung ein Verbrecken oder Vergehen ocer nur eine Übertretung darstellt,

§ 42b StED aber ein Verbrechen oder Vergehen voraussetzt. ine solche Prüfung ist außerdem nicht selten such deshalb notwendig, weil nur so festgestellt werden Du ob die Handlung ein Beweisgrund im oben dargelegsten Sinne ist. Eine Handlung, durch die der Täter den Suseren Tatbestand einer Straftat verwirklicht, ist z.B. kein solcher Beweisgrund, wenn

ger Täter irrigerweise die tatsächlichen Voraussetzungen eines Rechtfertigungsgrundes als gegeben ansieht und der Irrtum mit seiner geistigen Erkrankung Überhaupt nichts zu tun hai. Eine solche Handlung ist nicht durch üle geistige Erkrankung des Täters bedingt, sondern die Folge von Umständen. die ınabhänsig von ihr bestehen. Die Handlungs ist aber ein Beweisgrund, wenn, wie im vorliegenden Tall, der Irrtum gerade Ausfluß der geistigen Erkrankung ist, die den

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Täter zurechnungsunfähig macht, Ein solcher krankheits-

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bedingter Irrtum schließt die Anwendung des § 42b StGB

nicht aus,

Die gegenteillige Auffassung würde bedeuten, daß a

i grundsützlich gerade die Geisteskranken, die erfahrungsgemäß besonders gefährlich sind, nämlich die Kranken,

die an Ver£folgungswahn leiden. von einer Unterbringung oO [es :

- 71 .-

nach § 42b StGB ausgenommen wären. Das kann nicht der Sinn des Gesetzes sein.

Die Entscheidung entspricht dem Äntrage des Oberbundesanwalts.

Sarstedt Dr.Koffka Schmidt

Schritt Börker