Rechtsprechung / AG Tiergarten / 2016

AG Tiergarten Beschluss vom 27.04.2016 – 290 OWi 389/16

ECLI:DE:AGBETG:2016:0427.290OWI389.16.0A

StrafrechtBerlinStrafrecht BerlinVolltext

2 zitierte Normen Als PDF speichern

Tenor§

1. Auf den Antrag des Betroffenen vom 5.4.16 auf gerichtliche Entscheidung wird der Kostenbescheid des Polizeipräsidenten in Berlin vom 21.3.16 aufgehoben.

2. Die Kasse des Landes Berlin hat die Verfahrenskosten und die notwendigen Auslagen des Betroffenen zu tragen.

Gründe§

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_1

Zur Begründung seines Antrags macht der Betroffene geltend, seine Anhörung sei nicht innerhalb einer Frist von zwei Wochen nach Begehung der ihm zur Last gelegten Zuwiderhandlung gegen die StVO erfolgt, sondern erst mit Schreiben vom 28.12.15. Die Ordnungswidrigkeit sollte am 15.10.15 begangen worden sein.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_2

Die Auffassung des Betroffenen, nach Ablauf der genannten Frist könne von einem Fahrzeughalter nicht mehr verlangt werden, der Verwaltungsbehörde den Fahrer seines Kraftfahrzeugs zum Tatzeitpunkt mitzuteilen, trifft nach Auffassung des beschließenden Gerichts zu. Der Verwaltungsbehörde ist die Rechtsansicht des Gerichts bereits aus seinem Beschluß vom 4.8.15 - 290 Owi 675/15 - bekannt, worauf der Betroffene über seinen Verteidiger zu Recht hinweist.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_3

Die Überbürdung der Kosten und Auslagen nach § 25 a Abs. 1 StVG auf den Fahrzeughalter setzt dessen rechtzeitige Befragung voraus. Diese hat grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen zu erfolgen (vgl. AG Minden, Beschluß vom 14.4.88 - 15 Owi 334/88 -, veröffentlicht bei Juris m.w.N.; AG Bergisch-Gladbach NZV 1989, 366; AG Warendorf DAR 1989, 392; König in Straßenverkehrsrecht, 42. Aufl., 2013, § 25 a, Rdnr. 7m.w.N.). Auf eine etwaige schriftliche Verwarnung am Fahrzeug kann nicht abgestellt werden. Voraussetzung für die Kostenfolge des § 25 a StVG ist vielmehr die rechtzeitige Zusendung des Anhörungsbogens, d.h. dessen Zugang innerhalb von zwei Wochen (vgl. AG Zossen, Beschluß vom 8.2.94 - 10 Owi 52/93 -, bei Juris m.w.N.).

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_4

Die Anhörung des Betroffenen erfolgte im vorliegenden Falle nicht etwa nur unwesentlich nach Ablauf der Zwei-Wochen-Frist, sondern erst über zwei Monate nach dem Vorfallstag.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_5

Der Verwaltungsbehörde ist die Rechtsansicht des Amtsgerichts Tiergarten auch aus einer Vielzahl von weiteren Verfahren bekannt. So hat der Polizeipräsident in Berlin nach entsprechender Intervention durch das Amtsgericht Tiergarten - 317 Owi 1528/14 - in dem Verfahren - 58.55.963594.2 - den dort erlassenen Kostenbescheid am 4.2.15 zurückgenommen. Wie das vorliegende Verfahren belegt, wird die Auffassung des Gerichts allerdings in anderen Verfahren, so auch im vorliegenden, ignoriert und an der eigenen Rechtsansicht festgehalten und diese auch der vorliegend angefochtenen Entscheidung vom 21.3.16 zugrundegelegt.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-tiergarten/2016-04-27/290-owi-389-16#rd_6

Die Verwaltungsbehörde wird ihre Entscheidungspraxis einer gründlichen Revision zu unterziehen haben, denn sie hat die Pflicht, die Ressourcen der Justiz sowie die Kasse des Landes Berlin nicht mutwillig zu belasten.

7

Die Kostenentscheidung folgt aus § 62 Abs. 2 Satz 2 OWiG i.V.m. 473 Abs. 1 StPO.

8

Diese Entscheidung ist nicht anfechtbar (§ 62 Abs. 2 Satz 3 OWiG).