Rechtsprechung / LG Duisburg / 2004

LG Duisburg Urteil vom 13.01.2004 – 8 O 261/04

ECLI:DE:LGDU:2004:0113.8O261.04.00

ZivilrechtNordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des zu vollstreckenden Betrages.

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T a t b e s t a n d :

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Die Klägerin macht gegen die Beklagte Ansprüche unter dem Gesichtspunkt der Tierhalterhaftung geltend.

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Die Beklagte, Halterin eines Pferdes, hat der Klägerin, deren Hobby das Reiten war, gestattet, ihr Pferd auszureiten.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_1

Als das Pferd, welches sonst in der Umgebung des Hofes, in dem es eingestellt war, geritten wurde, für einen Ausritt der Klägerin in der weiteren Umgebung in einen Anhänger verladen werden sollte, "bockte" es und wollte nicht in den Anhänger gehen. Daraufhin kamen die Klägerin und die Beklagte überein, dass die Klägerin mit dem Pferd das Verladen in einen Anhänger üben sollte. Am 23.02.2004 führte die Klägerin eine solche Verladeübung mit dem Pferd durch. Bei einem ersten Versuch konnte nach intensivem Zureden und längerer Geduld erreicht werden, dass das Pferd verladen werden konnte. Bei einem zweiten Versuch schlug das Pferd mit den Hinterläufen aus und traf die rechts ca. 1 m neben/hinter dem Pferd stehende Klägerin im oberen Bauch-/Brustbereich. Die Klägerin wurde schwer verletzt und es mußte ihr die Milz entfernt werden. Nach einem 11-tägigen stationären Krankenhausaufenthalt war sie bis einschließlich 16.04.2004 arbeitsunfähig. Durch die Entfernung der Milz sind Narben zurückgeblieben und es besteht eine erhöhte Infektionsanfälligkeit wegen einer Schwächung des Immunsystems.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_2

Die Klägerin behauptet, den Verladeversuch am 23.02.2004 im Einverständnis mit der Beklagten ausführt zu haben. Das Ausschlagen des Pferdes sei völlig überraschend erfolgt, nachdem es zuvor keinerlei Nervosität gezeigt habe. Sie hält ein Schmerzensgeld von mindestens 7.500,-- EUR für angemessen, für Medikamente sind unstreitig 11,45 EUR aufgewendet worden, die zukünftige Entwicklung sei nicht abzusehen.

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Die Klägerin beantragt,

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_3

die Beklagte zu verurteilen, an sie, die Klägerin, ein in das Ermessen des Gerichts gestelltes Schmerzensgeld, jedoch nicht unter 7.500,-- EUR, nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen,

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_4

die Beklagte zu verurteilen, an sie, die Klägerin 11,45 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen,

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festzustellen,

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_5

dass die Beklagte verpflichtet ist, ihr, der Klägerin, sämtliche materiellen und immateriellen Schäden aus dem Unfall vom 23.02.2004 auf dem Hof der Familie in

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zu ersetzen, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige Dritte übergehen.

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Die Beklagte beantragt,

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die Klage abzuweisen.

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_6

Sie behauptet, es sei vereinbart gewesen, die Verladeübungen nur nach vorheriger Rücksprache mit ihr durchzuführen, am 23.02.2004 habe die Klägerin eigenmächtig gehandelt. Da das Pferd nicht habe in den Hänger steigen wollen, sei ein Besen eingesetzt worden, um das Pferd in den Anhänger zu treiben.

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Wegen der Einzelheiten des Parteivorbringens wird auf den vorgetragenen Inhalt der wechselseitigen Schriftsätze Bezug genommen.

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ofes, in dem es eingestellt war, geritten wurde,

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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

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Die Klage ist nicht begründet.

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Die Klägerin hat keine Ansprüche gegen die Beklagte unter dem Gesichtspunkt der Tierhalterhaftung.

20Permalink zu Rn. 20recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_7

Etwaige Ansprüche der Klägerin sind wegen eines gänzlich überwiegenden Eigenverschuldens der Klägerin, hinter dem eine Mithaftung der Beklagten zurücktritt, ausgeschlossen.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2004-01-13/8-o-261-04#rd_8

Nach eigenem Vortrag der Klägerin wurde die Verladeübung am 23.02.2004 durchgeführt, nachdem das Pferd zuvor bei anderer Gelegenheit beim Verladen "gebockt" hatte und nicht in den Anhänger gehen wollte. Auch am fraglichen Tag war beim ersten Versuch ein Verladen "nur nach intensivem Zureden und langer Geduld" möglich. Wenn danach ein weiterer Verladeversuch durchgeführt wird, muß damit gerechnet werden, dass es wieder zu Schwierigkeiten kommt, wohinzu die allgemeine Erfahrung kommt, dass bei Pferden die Gefahr eines Ausschlagens mit den Hinterläufen besteht. Wer sich angesichts dieser Gefahrenmomente 1 m seitlich/hinter dem Pferd, also in dem Bereich, der durch ausschlagende Hinterläufe des Pferdes abgedeckt wird, aufstellt, muß die Folgen, wenn sich diese Gefahr verwirklicht, selber tragen.

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Die Klage war danach abzuweisen.

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Die Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91, 709 ZPO.