Rechtsprechung / BPatG / 30. Senat / 2010

BPatG Beschluss vom 17.06.2010 – 30 W (pat) 9/09

30. Senat

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Tenor§

In der Beschwerdesache

…

betreffend die Marke 305 00 957

hat der 30. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der mündlichen Verhandlung vom 17. Juni 2010 durch die Richterin Winter als Vorsitzende sowie die Richterin Hartlieb und den Richter Paetzold

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Widersprechenden wird der Beschluss der Markenstelle vom 11. November 2008 insoweit aufgehoben, als der Widerspruch aus der Marke 303 01 470 hinsichtlich der angegriffenen Waren „Fruchtgetränke, Fruchtsäfte“ zurückgewiesen wurde. Für diese Waren wird wegen dieses Widerspruchs die Löschung der Marke 305 00 957 angeordnet.

Gründe§

I.

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Gegen die für die Waren der Klassen 3, 5 und 32

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_2

„Mittel zur Körper- und Schönheitspflege; diätetische Erzeugnisse für medizinische Zwecke, Babykost; kohlensäurehaltige Wässer, Fruchtgetränke, Fruchtsäfte, Biere“

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am 19. August 2005 eingetragenen und am 23. September 2005 veröffentlichten Wortmarke 305 00 957

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ist unter anderem von der Inhaberin der folgenden Marken Widerspruch - beschränkt auf die Waren der Klassen 5 und 32 - erhoben worden

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1. aus der am 22. April 1988 eingetragenen Wortmarke 1 121 067

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geschützt für die Waren der Klasse 29 „Käse“,

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2. aus der am 28. April 2003 eingetragenen Wortmarke 303 01 470

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geschützt für zahlreiche Waren der Klasse 29 und 30, unter anderem für „Joghurt“.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_12

Die Markenstelle hat mit Beschluss vom 11. November 2008 die teilweise Löschung der angegriffenen Marke wegen dieser Widersprüche hinsichtlich der angegriffenen Waren „diätetische Erzeugnisse für medizinische Zwecke, Babykost“ wegen Verwechslungsgefahr angeordnet und die Widersprüche im Übrigen wegen erheblichen Warenabstands zurückgewiesen.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_13

Gegen diesen Beschluss hat die Widersprechende Beschwerde eingelegt mit der Begründung, mit Rücksicht auf verschiedene Entscheidungen des Bundespatentgerichts könne die Beurteilung der Warenähnlichkeit durch die Markenstelle keinen Bestand haben. In der mündlichen Verhandlung hat die Widersprechende ihren Widerspruch hinsichtlich der Waren „kohlensäurehaltige Wässer, Biere“ zurückgenommen und stellt (sinngemäß) den Antrag,

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_14

den Beschluss des DPMA vom 11. November 2008 insoweit aufzuheben, als der Widerspruch aus der Marke 303 01 470 für die Waren „Fruchtgetränke, Fruchtsäfte“ zurückgewiesen wurde, und die Eintragung der angegriffenen Marke 305 00 957 für diese Waren ebenfalls zu löschen.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_15

Der Markeninhaber hat mit Schriftsatz vom 10. Juni 2010 beantragt,

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die Beschwerde zurückzuweisen.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_17

Er hält die beiderseitigen Waren für unähnlich, zumal sie in verschiedenen Klassen eingeordnet seien. Auch sei seine in Kleinbuchstaben beanspruchte Marke nicht völlig identisch mit den mit großem Anfangsbuchstaben bzw. in Versalien registrierten Widerspruchsmarken.

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_18

Den Termin zur mündlichen Verhandlung hat er nicht wahrgenommen.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_19

Wegen weiterer Einzelheiten wird auf die Akten Bezug genommen.

II.

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Die Beschwerde ist im für die Entscheidung maßgeblichen Umfang zulässig und begründet.

21Permalink zu Rn. 21recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_21

Zwischen der angegriffenen Marke und der Widerspruchsmarke 303 01 470 besteht auch hinsichtlich der noch angegriffenen Waren „Fruchtgetränke, Fruchtsäfte“ Verwechslungsgefahr im Sinne von § 9 Abs. 1 Nr. 2 MarkenG.

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_22

Die Frage der Verwechslungsgefahr ist unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere der zueinander in Wechselbeziehung stehenden Faktoren der Ähnlichkeit der Marken, der Ähnlichkeit der damit gekennzeichneten Waren sowie der Kennzeichnungskraft der prioritätsälteren Marke zu beurteilen, wobei insbesondere ein geringerer Grad der Ähnlichkeit der Marken durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Waren ausgeglichen werden kann und umgekehrt (BGH in st. Rspr. vgl. GRUR 2004, 865, 866 - Mustang; GRUR 2004, 598, 599 - Kleiner Feigling; GRUR 2004, 783, 784 - NEURO-VIBOLEX/NEURO-FIBRAFLEX); GRUR 2008, 906 - Pantohexal; GRUR 2010, 235 - AIDU/AIDA).

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_23

Entgegen der Meinung des Markeninhabers sind die Vergleichsmarken identisch, da beide als Wortmarken eingetragen und damit sowohl in Klein- wie in Großschreibung geschützt sind (vgl. Ströbele/Hacker, MarkenG, 9. Aufl. 2009, § 9 Rdn. 155 m. w. N.).

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_24

Mit Rücksicht darauf kann die Verwechslungsgefahr nur bei unähnlichen Waren ausgeschlossen werden, zumal wenn der Widerspruchsmarke durchschnittliche Kennzeichnungskraft zugebilligt wird, wie dies die Markenstelle zu Recht angenommen hat; denn ein beschreibender Sinngehalt in Bezug auf „Joghurt“ kommt der Widerspruchsmarke nicht zu. Zwischen den noch angegriffenen Waren „Fruchtsäfte“ und „Fruchtgetränke“ besteht gegenüber „Joghurt“ zumindest durchschnittliche Ähnlichkeit. Joghurt kann als Fruchtjoghurt Fruchtsaft oder Fruchtgetränke enthalten, etwa wenn er als Trinkjoghurt angeboten wird. Damit liegen Übereinstimmungen in der Beschaffenheit und im Verwendungszweck, möglicherweise auch hinsichtlich der Herstellungsstätten vor (vgl. auch BPatG Entsch. Az. 26 W (pat) 151/02 - Fitella, veröffentlicht auf der Homepage des Gerichts).

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_25

Die Beschwerde musste nach alledem hinsichtlich der noch angegriffenen Waren Erfolg haben.

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_26

Angesichts dessen ist die Beschwerde hinsichtlich der weiteren Widerspruchsmarke 1 121 067 gegenstandslos.

27Permalink zu Rn. 27recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2010-06-17/30-w-pat-9-09#rd_27

Zu einer einseitigen Kostenauferlegung zu Lasten einer der Verfahrensbeteiligten bestand kein Anlass, so dass die Grundregel des § 71 Abs. 1 S. 2 MarkenG bleibt.