Rechtsprechung / BGH / 1. Zivilsenat / 2023

BGH Beschluss vom 15.06.2023 – I ZR 173/21

1. Zivilsenat · ECLI:DE:BGH:2023:150623BIZR173.21.0

ZivilrechtBundVolltext

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Tenor§

Die Gegenvorstellung der Prozessbevollmächtigten der Klägerin I. und II. Instanz gegen den Beschluss des Senats vom 15. Dezember 2022 wird als unzulässig verworfen.

Gründe§

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_1

I. Die gegen die Festsetzung des Streitwerts für das Revisionsverfahren gerichtete Gegenvorstellung der Prozessbevollmächtigten der Klägerin I. und II. Instanz ist unzulässig.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_2

1. Zwar ist die Gegenvorstellung statthaft, weil eine Streitwertbeschwerde an einen obersten Gerichtshof des Bundes ausgeschlossen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 23. Juli 2019 - I ZB 1/16, juris Rn. 4). Auch ist die Frist des § 63 Abs. 3 Satz 2 GKG gewahrt.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_3

2. Es fehlt jedoch an einer Beschwer der Prozessbevollmächtigten der Klägerin I. und II. Instanz.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_4

Der Senat hat mit dem angegriffenen Beschluss allein den Streitwert für die Revisionsinstanz festgesetzt, in der kein - durch eine etwaig zu niedrige Streitwertbemessung betroffener - Gebührenanspruch der Prozessbevollmächtigten der Klägerin I. und II. Instanz entstanden ist. Auch mit Blick auf das erst- und zweitinstanzliche Verfahren fehlt es an einer Beschwer, weil das Berufungsgericht nach eigenem Ermessen über den Streitwert des Berufungsverfahrens sowie - auf die Streitwertbeschwerde - des erstinstanzlichen Verfahrens entscheidet (§ 3 ZPO).

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_5

II. Es besteht auch keine Veranlassung für eine Änderung des Streitwerts von Amts wegen. Vom Gesamtstreitwert in Höhe von 85.000 € entfallen auf den Unterlassungsantrag 60.000 €, auf den Schadensersatzfeststellungsantrag 15.000 € und auf den Vernichtungsantrag 10.000 €.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_6

1. Der Unterlassungsantrag ist mit 60.000 € angemessen bewertet.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_7

a) Der Wert eines Unterlassungsanspruchs bestimmt sich nach dem Interesse des Anspruchstellers an der Unterbindung weiterer gleichartiger Verstöße. Dieses Interesse ist pauschalierend unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls zu bewerten und wird maßgeblich durch die Art des Verstoßes, insbesondere seine Gefährlichkeit und Schädlichkeit für den Inhaber des verletzten Schutzrechts bestimmt (st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 12. Mai 2016 - I ZR 1/15, GRUR 2016, 1275 [juris Rn. 33 mwN] = WRP 2016, 1525).

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_8

b) Die Klägerin hat ihr mit dem Unterlassungsantrag verfolgtes wirtschaftliches Interesse ausweislich der Streitwertangabe in der Klageschrift mit 20.000 € angegeben. Angesichts dreier angegriffener Gestaltungen ergibt sich hieraus ein Streitwert von 60.000 €. Diese Festsetzung erweist sich auch mit Blick auf das Vorbringen in der Gegenvorstellung als angemessen.

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_9

Soweit die Gegenvorstellung unter Hinweis auf die in der Berufungsinstanz erteilte Auskunft der Beklagten über Herstellung und Vertrieb des Leuchtenmodells "E. " geltend macht, es ergebe sich auf der Grundlage der Auskunft ein entgangener Gewinn der Klägerin in Höhe von mindestens 750.000 €, ist diese lediglich mit der hergestellten Stückzahl und dem Gesamtumsatz belegte Behauptung unsubstantiiert. Die von der Gegenvorstellung weiter angeführte Höhe der der Beklagten im Falle des Obsiegens der Klägerin entstehenden Kosten eines Rückrufs sind für die Bemessung des wirtschaftlichen Interesses der Klägerin unerheblich.

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_10

c) Auch im Übrigen rechtfertigt die in der Berufungsinstanz erteilte Auskunft keine Erhöhung des Streitwerts. Die Klägerin hatte sich an einem Wettbewerb für Leuchten beteiligt, mit denen die M. -Boutiquen ausgestattet werden sollten. Somit hat sie zu Beginn des Rechtsstreits ihr wirtschaftliches Interesse in Kenntnis des Umstands, dass Leuchten in erheblicher Zahl hergestellt und zum Einbau in Ladengeschäften vertrieben werden sollten, auf den genannten Betrag beziffert. Aus der Auskunft der Beklagten ergibt sich allenfalls, dass es zum erwartbaren umfangreichen Vertrieb von Leuchten an Ladengeschäfte gekommen ist.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2023-06-15/i-zr-173-21#rd_11

2. Danach unterliegen auch die Bewertungen der übrigen Anträge keinen Bedenken.

Koch Feddersen Pohl
Schmaltz Odörfer