Rechtsprechung / AG Wuppertal / 2008

AG Wuppertal Beschluss vom 15.05.2008 – 44 M 6516/08

ECLI:DE:AGW:2008:0515.44M6516.08.00

ZivilrechtNordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Der Obergerichtsvollzieher Y aus X wird angewiesen, solange von

einer Pfändung, Abholung und Versteigerung des LCD-Farbfernsehers Marke

„Acer“ beim Schuldner abzusehen, solange dem Schuldner kein anderer

Fernseher als Informationsquelle zu Verfügung steht.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_1

Die Gläubigerseite betreibt die Zwangsvollstreckung gegen die Schuldnerseite aus einem Vollstreckungsbescheid des Amtsgerichts Hagen vom 22.02.2008, Aktenzeichen 08-1768166-0-9. Der Obergerichtsvollzieher Y hat daraufhin beim Schuldner einen LCD-Farbfernseher Marke "Acer" gepfändet und wollte diesen am 15.05.2008 abholen. Dem Schuldner steht kein anderweitiges Fernsehgerät zu Verfügung, auch kein Radio.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_2

Hiergegen wendet sich der Schuldner unter Hinweis darauf, dass der Fernseher seine einzige Informationsquelle sei und er sich tagsüber beschäftigen müsse. Auch sei der Wert des Fernsehers zu gering angesetzt. Wegen der Einzelheiten wird auf Bl. 1ff der Gerichtsakte verwiesen.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_3

Der Obergerichtsvollzieher Y hat nicht abgeholfen, hat aber telefonisch zugesichert, er werde bis zu einer gerichtlichen Entscheidung den Fernseher nicht abholen. Er könne dem Schuldner ein Radio zu Verfügung stellen, außerdem besitze der Schuldner einen internetfähigen Computer.

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II.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_4

Einer Einstweiligen Regelung bedarf es nicht, nachdem der Obergerichtsvollzieher Y telefonisch zugesichert hat, er werde bis zu einer gerichtlichen Entscheidung den Fernseher nicht abholen.

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Soweit die Erinnerung im Übrigen einer richterlichen Entscheidung bedarf, ist sie im Wesentlichen begründet.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_5

Entgegen der Rechtsansicht des Obergerichtsvollzieher Y unterfällt nämlich auch ein hochwertiger Farbfernseher dem Pfändungsschutz des § 811 Abs.1 Nr. 1 ZPO, weil auch ein Fernsehgerät heutzutage einer bescheidenen Lebens- und Haushaltsführung dient (Zöller, ZPO, 26. Aufl. § 811 Rn. 15 unter Verweis auf BVerwG 106,99), und zwar ein Schwarzweißgerät ebenso wie ein Farbfernsehgerät, ohne Rücksicht auf seinen Wert und auch, wenn daneben noch ein Rundfunkgerät vorhanden ist (Zöller, ZPO, 26. Aufl. § 811 Rn. 15 unter Verweis auf BFH 159,421). Diese Sichtweise entspricht auch den verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art 5 GG.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-wuppertal/2008-05-15/44-m-6516-08#rd_6

Das Gericht sieht aber davon ab, die Pfändung des Fernsehers insgesamt als unzulässig zu erklären. Denn der Obergerichtsvollzieher hat grundsätzlich die Möglichkeit, eine Austauschpfändung mittels eines anderen Fernsehers durchzuführen. Entgegen der Rechtsansicht des Obergerichtsvollziehers braucht sich der Schuldner aus den oben genannten Gründen allerdings weder auf einen "internetfähigen Computer" noch auf ein seitens des Obergerichtsvollziehers zu Verfügung gestelltes Radio verweisen zu lassen.

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Sonstige gerichtliche Bedenken gegen die beabsichtigte Art und Weise der Zwangsvollstreckung bestehen nicht, auch nicht wegen der Wertfestsetzung.