Rechtsprechung / LG Duisburg / 2003

LG Duisburg Urteil vom 14.02.2003 – 7 S 207/02

ECLI:DE:LGDU:2003:0214.7S207.02.00

ZivilrechtNordrhein-WestfalenVolltext

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Tenor§

Die Berufung der Kläger gegen das Urteil des Amtsgerichts Mülheim / Ruhr vom 23.08.2002 (Az.: 12 C 1112/ 02) wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.

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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

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I.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_1

Die Kläger kauften bei der Beklagten mit Vertrag vom 22.6.01 einen neuen Opel Astra Caravan zum Preis vom 14.837,69 EUR. Im Vertragstext wird der Kaufgegenstand wie folgt beschrieben: "fabrikneu, in serienmäßiger Ausführung".

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_2

Bevor das Fahrzeug ausgeliefert wurde, stellte die Beklagte fest, daß die Motorhaube beschädigt war, sie hatte eine Beule . Die Beklagte tauschte sie gegen die Motorhaube eines anderen bau- und farbgleichen Neuwagens aus. Da die Motorhaube angeschraubt war, konnte der Austausch vollzogen werden, ohne andere Fahrzeugteile zu beschädigen. Den Klägern sagte die Beklagte davon nichts.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_3

Die Kläger verlangen von der Beklagten "kleinen Schadensersatz" gem. § 463 BGB a.F. Sie meinen, das Fahrzeug sei nach dem Austausch der Motorhaube nicht mehr "fabrikneu", wie vertraglich zugesichert. Im übrigen habe die Beklagte ihnen den Austausch arglistig verschwiegen.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_4

Sie behaupten, daß aufgrund der ausgetauschten Motorhaube eine Wertminderung von mindestens 10% eingetreten sei. Diese verlangen sie von der Beklagten ersetzt.

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_5

Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen mit der Begründung, dem Fahrzeug habe die zugesicherte Eigenschaft der Fabrikneuheit nicht gefehlt. Denn der Schaden an der Motorhaube sei durch den Austausch des beschädigten Teils gegen ein Neuteil folgenlos beseitigt worden. Die Beklagte sei deswegen auch nicht verpflichtet gewesen, auf den früher vorhanden gewesenen Schaden hinzuweisen.

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_6

Hiergegen richtet sich die Berufung der Kläger. Sie sind der Ansicht, daß es für die Frage der Fabrikneuheit nicht darauf ankomme, ob ein Schaden ordnungsgemäß bzw. folgenlos beseitigt worden sei oder nicht. Sobald das Fahrzeug nach Verlassen des Werks mehr als nur unerhebliche Schäden aufweise, sei es nicht mehr "fabrikneu". Daß der Schaden hier aber nicht nur unerheblich gewesen sei, zeige schon, daß die Motorhaube komplett ausgetauscht und nicht etwa nur nachlackiert worden sei.

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III.

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Die Berufung ist zulässig, sie hat aber in der Sache keinen Erfolg.

11Permalink zu Rn. 11recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_7

Den Klägern steht gegen die Beklagte kein Schadensersatzanspruch aus § 463 BGB a.F. zu. Die Voraussetzungen dieses Anspruchs liegen nicht vor. Weder fehlt dem verkauften Auto eine zugesicherte Eigenschaft, noch hat die Beklagte einen Mangel arglistig verschwiegen bzw. eine Eigenschaft arglistig vorgespiegelt.

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_8

Zutreffend gehen die Kläger davon aus, daß die Beklagte ihnen die Fabrikneuheit des Fahrzeugs vertraglich zugesichert hat. Die Wendung "fabrikneu, mit serienmäßiger Ausstattung" im Vertragstext kann nicht anders verstanden werden, zumal es für einen KFZ-Käufer von entscheidender Bedeutung ist, ob er ein Neufahrzeug erwirbt oder nicht.

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_9

Der Opel-Astra, der den Kläger von der Beklagten übergeben wurde, war jedoch "fabrikneu" im Sinne der vertraglichen Zusicherung. Nach der grundlegenden Entscheidung des Bundesgerichtshofes in NJW 1980, 2127, 2128 ist ein Fahrzeug dann nicht mehr fabrikneu, wenn es nach dem Verlassen des Werks Beschädigungen erlitten hat, die nicht ganz unerheblich sind. Als unerheblich werden dabei beispielsweise geringfügige Lackschäden infolge von Vogelkot angesehen (OLG Hamm NJW-RR 1998, 1212).

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_10

Welches Ausmaß die Beule in der Motorhaube des verkauften Fahrzeugs hatte, ist nicht bekannt. Letztlich kann jedoch dahinstehen, ob die Geringfügigkeitsgrenze überschritten war. Selbst wenn der Schaden "nicht ganz unerheblich" im Sinne der zitierten Rechtsprechung war, so ist er jedoch zum Zeitpunkt der Besitzübergabe bzw. des Gefahrübergangs folgenlos beseitigt gewesen, so daß das Fahrzeug wieder "fabrikneu" im Sinne der Zusicherung war.

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_11

Ob die Fabrikneuheit eines Fahrzeugs vom Verkäufer dadurch wiederhergestellt werden kann, daß er die Mängel vor Auslieferung an den Kunden ordnungsgemäß beseitigt, ist bislang nicht ober- oder höchstrichterlich entschieden worden. Die zitierten Entscheidungen sowie OLG Oldenburg DAR 1992, 380 und OLG Köln MDR 1997, 547 lassen diese Frage jeweils offen. Dort waren die Fahrzeuge entweder nicht vollständig oder erst nach Gefahrübergang repariert worden.

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_12

Nach Auffassung der Kammer kann die Fabrikneuheit eines im Zeitraum zwischen Verlassen des Werks und Auslieferung an den Kunden beschädigten Fahrzeugs jedenfalls dann durch Reparatur wiederhergestellt werden, wenn hiernach kein merkantiler Minderwert verbleibt. Reparaturspuren lassen bei einem potenziellen Käufer, der das Fahrzeug untersucht, den Verdacht aufkommen, daß er einen Unfallwagen vor sich hat und daß er mit weiteren versteckten Mängeln rechnen muß. Dies hat Einfluß auf den Verkaufswert des Autos.

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_13

Im vorliegenden Fall ist aber nicht ersichtlich, daß nach der Reparatur ein merkantiler Minderwert verblieben ist. Zum einen handelte es sich um einen reinen Blechschaden an nichttragenden Teilen, bei dem ausgeschlossen werden kann, daß über den behobenen Schaden hinaus noch weitere Schäden entstanden sind. In solch einem Fall hält eine verbreitete Ansicht in der Rechtsprechung den Ersatz des merkantilen Minderwertes für ausgeschlossen (vgl. LG Köln, VersR 1981, 45).

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_14

Gelingt es darüber hinaus, wie hier, daß das Fahrzeug nicht nur ordnungsgemäß sondern auch spurenlos repariert wird, indem eine aus einem farbgleichen Neufahrzeug ausgebaute Motorhaube eingesetzt wird, so ist nicht ersichtlich, wodurch sich eine Wertminderung noch rechtfertigen sollte.

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duisburg/2003-02-14/7-s-207-02#rd_15

Da sich das Fahrzeug bei der Auslieferung in einem vertragsgemäßen Zustand befand und auch die zugesicherte Eigenschaft der Fabrikneuheit aufwies, war die Beklagte nicht verpflichtet, die Kläger auf die vor Auslieferung erfolgte Reparatur hinzuweisen. Sie hat daher auch keine Mängel arglistig verschwiegen.

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Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 ZPO.