Rechtsprechung / BPatG / 12. Senat / 2020

BPatG Beschluss vom 08.10.2020 – 12 W (pat) 34/19

12. Senat · ECLI:DE:BPatG:2020:081020B12Wpat34.19.0

Gewerblicher RechtsschutzBundVolltext

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Tenor§

In der Beschwerdesache

betreffend das Patent 10 2012 215 645

hat der 12. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 8. Oktober 2020 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dipl.-Ing. Univ. Rothe, der Richterin Bayer sowie der Richter Dr.-Ing. Krüger und Dipl.-Ing. Univ. Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Ausfelder

beschlossen:

Auf die Beschwerde der Patentinhaberin wird der Beschluss der Patentabteilung 24 des DPMA vom 11. April 2018 aufgehoben und das Patent 10 2012 215 645 mit folgenden Unterlagen beschränkt aufrechterhalten:

Patentansprüche 1 bis 11 vom 11. September 2020 gemäß Hilfsantrag,

eingereicht mit Eingabe vom 17. September 2020,

Beschreibung und Zeichnungen gemäß Patentschrift.

Gründe§

I.

1Permalink zu Rn. 1recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_1

Die Beschwerdeführerin ist Inhaberin des Patents 10 2012 215 645, das am 4. September 2012 unter Inanspruchnahme der inneren Priorität der Anmeldung 10 2012 210 074.1 vom 15. Juni 2012 beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet wurde, und dessen Erteilung am 18. August 2016 veröffentlicht wurde.

2Permalink zu Rn. 2recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_2

Gegen das Patent hatte die Einsprechende am 13. Januar 2017 Einspruch eingelegt und als Widerrufsgründe mangelnde ausführbare Offenbarung, Hinausgehen über den Inhalt der ursprünglichen Anmeldung und mangelnde Patentfähigkeit geltend gemacht.

3Permalink zu Rn. 3recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_3

Die Patentinhaberin hatte das Patent in der erteilten Fassung als Hauptantrag und mit einem in der Anhörung am 11. April 2018 eingereichten Hilfsantrag mit einem geänderten Anspruch 1 verteidigt.

4Permalink zu Rn. 4recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_4

Mit in der Anhörung verkündetem Beschluss hat die Patentabteilung 24 des Deutschen Patent- und Markenamts das Patent widerrufen. Sie hat dabei zur Begründung angegeben, der Gegenstand des Anspruchs 1 nach Hauptantrag und auch nach Hilfsantrag sei nicht neu gegenüber der Entgegenhaltung E2.

5Permalink zu Rn. 5recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_5

Gegen diesen Beschluss richtet sich die Beschwerde der Patentinhaberin vom 28. September 2018.

6Permalink zu Rn. 6recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_6

Im Verfahren sind die folgenden Dokumente und Entgegenhaltungen:

7Permalink zu Rn. 7recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_7

VAG DE10 2009 038 119 A1

8Permalink zu Rn. 8recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_8

P1 DE 27 32 695 C2

9Permalink zu Rn. 9recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_9

P2 DE 202 11 445 U1

10Permalink zu Rn. 10recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_10

P3 DE 10 2007 014 407 A1

12Permalink zu Rn. 12recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_12

P5 DE 35 15 531 A1

13Permalink zu Rn. 13recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_13

P6 GB 2 251 666 A

14Permalink zu Rn. 14recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_14

E1 DE 198 31 269 C2

15Permalink zu Rn. 15recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_15

E2 DE 10 2010 040 024 A1

16Permalink zu Rn. 16recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_16

E3 CN 2269490 Y nebst

17Permalink zu Rn. 17recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_17

E3a englische Maschinenübersetzung der E3

18Permalink zu Rn. 18recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_18

E3b deutsche Übersetzung der E3

19Permalink zu Rn. 19recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_19

E4 US 5,570,983 A

22Permalink zu Rn. 22recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_22

E7 Spezifikation Evergrip SFS-intec

23Permalink zu Rn. 23recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_23

E7a Figuren aus E7

24Permalink zu Rn. 24recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_24

E8 DE 296 03 866 U1

25Permalink zu Rn. 25recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_25

E9 DE 10 2006 000 232 A1

26Permalink zu Rn. 26recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_26

E10 DE 43 10 938 A1

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E11 EP 0 121 108 A1

29Permalink zu Rn. 29recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_29

E13 US 2007/0217887 A1

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E14 DE 27 32 695 C2

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E15 EP 1 990 551 A2

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E16 DE 28 53 976 A1

33Permalink zu Rn. 33recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_33

E17 WO 02/04822 A1

34Permalink zu Rn. 34recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_34

E18 KLEIN, M.: Einführung in die DIN-Normen. 13. Auflage.

35Permalink zu Rn. 35recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_35

B. G. Teubner, 2001. ISBN - 978-3-322-92719-4, Seite 249;

36Permalink zu Rn. 36recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_36

EN ISO 1478 : 1999, Blechschraubengewinde, Seiten 1-4;

37Permalink zu Rn. 37recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_37

DIN 7998 Febr. 1975, Gewinde und Schraubenenden für Holzschrauben

38Permalink zu Rn. 38recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_38

B1 Datenblatt R…

39Permalink zu Rn. 39recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_39

B2 web.archive.org-Auszug zur Veröffentlichung von E7

40Permalink zu Rn. 40recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_40

B3.1 Anhang 38 zur europäischen technischen Zulassung ETA-10/0200,

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erteilt am 3. April 2012, „Bohrschraube“

42Permalink zu Rn. 42recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_42

B3.2 Anhang 43 zur europäischen technischen Zulassung ETA-10/0200,

43Permalink zu Rn. 43recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_43

erteilt am 3. April 2012, „Gewindefurchende Schraube“

44Permalink zu Rn. 44recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_44

B4 Anlage 4.22 zur allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Nr. Z-14.1-4

45Permalink zu Rn. 45recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_45

vom 29. April 2016.

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Die Patentinhaberin und Beschwerdeführerin stellte den Antrag,

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den Beschluss der Patentabteilung 24 des Deutschen Patent- und Markenamts vom 11. April 2018 aufzuheben und das Patent 10 2012 215 645 mit folgenden Unterlagen beschränkt aufrechtzuerhalten:

48Permalink zu Rn. 48recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_48

Patentansprüche 1 bis 11 gemäß Hilfsantrag,

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eingereicht am 17. September 2020,

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Beschreibung und Zeichnungen gemäß Patentschrift.

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Die Beschwerdegegnerin stellte den Antrag,

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die Beschwerde der Patentinhaberin zurückzuweisen.

53Permalink zu Rn. 53recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_53

Der nunmehr geltend gemachte Anspruch 1 gemäß einzigem Antrag lautet (Änderungen gegenüber der erteilten Fassung gekennzeichnet):

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M1 Schraube, mit

55Permalink zu Rn. 55recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_55

M1.1 einem Schraubenkopf (2),

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M1.2 einem Schraubenschaft (1), der zweiteilig ausgebildet ist und einen sich an den Schraubenkopf anschließenden Teil (A) und eine Schraubenspitze (4) aufweisenden Teil (B) hat, wobei der Schraubenschaft (1) einen zylindrischen Bereich aufweist, der in die Schraubenspitze (4) übergeht,

57Permalink zu Rn. 57recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_57

M1.3 wobei der sich an den Schraubenkopf (2) anschließende Teil (A) zusammen mit dem Schraubenkopf (2) aus Edelstahl besteht und

58Permalink zu Rn. 58recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_58

M1.4 der die Schraubenspitze (4) aufweisende Teil (B) aus Kohlenstoffstahl besteht,

59Permalink zu Rn. 59recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_59

M1.5 sowie mit einem Schraubengewinde (6, 6a), das im zylindrischen Bereich des Schraubenschafts beginnt und bis zum vorderen Ende (5) der Schraubenspitze (4) reicht und

60Permalink zu Rn. 60recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_60

M1.5a über die Schraubenspitze (4) als zweigängiges Gewinde ausgebildet ist.[sic!]

61Permalink zu Rn. 61recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_61

M1.6 über die Schraubenspitze (4) als Blechgewinde

62Permalink zu Rn. 62recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_62

M1.7 und in dem zylindrischen Bereich des Schraubenschafts (1) als Holzgewinde ausgebildet ist,

63Permalink zu Rn. 63recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_63

M1.8 wobei die gehärtete Schraubenspitze (4) ausgebildet ist, beim Aufsetzen und Drehen auf einem Profilblech (10) spanfrei ein Loch in dem Profilblech (10) zu formen und gleichzeitig ein Gewinde in dem geformten Loch zu bilden.

64Permalink zu Rn. 64recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_64

Darin sind die im Originalwortlaut enthaltenen Gliederungszeichen 1 bis 1.9 des Anspruchs 1 nach Hilfsantrag ersetzt durch die bereits im Beschluss der Patentabteilung verwendete Gliederung von M1 bis M1.8 für den gleichlautenden Anspruch 1 des dortigen Hilfsantrags.

65Permalink zu Rn. 65recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_65

Weitere Ansprüche 2 bis 10 sind als Unteransprüche zumindest mittelbar auf den Anspruch 1 rückbezogen.

66Permalink zu Rn. 66recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_66

Der als Nebenanspruch geltend gemachte Anspruch 11 lautet mit hinzugefügten Gliederungszeichen:

67Permalink zu Rn. 67recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_67

M11.1 Verwendung einer Schraube nach einem der vorhergehenden Ansprüche

68Permalink zu Rn. 68recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_68

zum Befestigen von ungelochten Stahlblechprofilen

69Permalink zu Rn. 69recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_69

auf Holzunterkonstruktionen, gekennzeichnet durch

70Permalink zu Rn. 70recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_70

M11.2 Aufsetzen und Drehen der Schraube auf das ungelochte Profilblech (10),

71Permalink zu Rn. 71recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_71

so dass die Schraube beim Einschrauben

72Permalink zu Rn. 72recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_72

in das ungelochte Profilblech (10)

73Permalink zu Rn. 73recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_73

sich ihr Loch spanfrei bildet und dabei gleichzeitig

74Permalink zu Rn. 74recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_74

ein Gewinde in dem geformten Loch bildet,

75Permalink zu Rn. 75recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_75

M11.3 Weiterdrehen der Schraube, bis die Schraubenspitze (4)

76Permalink zu Rn. 76recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_76

einen Balken (11) der Holzunterkonstruktion erreicht,

77Permalink zu Rn. 77recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_77

M11.4 Einbohren der Schraube in den Balken (11) der Holzunterkonstruktion,

78Permalink zu Rn. 78recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_78

bis die gehärtete Schraubenspitze (4)

79Permalink zu Rn. 79recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_79

vollständig innerhalb des Balkens (11) untergebracht ist

80Permalink zu Rn. 80recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_80

und noch ein Teil des zylindrischen Schafts (1)

81Permalink zu Rn. 81recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_81

ebenfalls im Balken (11) angeordnet ist.

82Permalink zu Rn. 82recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_82

Wegen des Wortlauts der rückbezogenen Ansprüche und weiterer Einzelheiten wird auf die Akte verwiesen.

II.

83Permalink zu Rn. 83recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_83

Die zulässige Beschwerde der Patentinhaberin hat Erfolg, da sich die mit dem zulässigen Einspruch vorgebrachten Widerrufsgründe hinsichtlich des Patents in der zuletzt mit den Patentansprüchen 1 bis 11 gemäß Hilfsantrag geltend gemachten Fassung, eingereicht am 17. September 2020, als nicht zutreffend erweisen.

84Permalink zu Rn. 84recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_84

1) Gegenstand des Patents ist gemäß Absatz 0001 der Patentschrift (PS) eine Schraube sowie die Verwendung der Schraube zum Befestigen von Profilblechen in Wellen- bzw. Trapezform als Dachabdeckung auf Unterkonstruktionen aus Holz.

85Permalink zu Rn. 85recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_85

Gemäß den Absätzen 0002 und 0003 PS war es bereits bekannt, Schrauben durch Löcher in den Wellenbergen des Profilblechs hindurch einzuschrauben und zusätzlich zur Schraube eine Abstandshülse zum Abstützen des Blechs von unten zu verwenden. Voraussetzung für diese Art der Befestigung ist laut Absatz 0004 PS, dass das Profilblech an der Stelle ein Loch aufweisen muss, wo die Abstandshülse angeordnet und die Schraube eingeschraubt werden soll.

86Permalink zu Rn. 86recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_86

In Absatz 0010 PS ist als Aufgabe der Erfindung angegeben, eine Möglichkeit zur Befestigung zu schaffen, die sich einfacher durchführen lässt, und bei der dennoch sichergestellt ist, dass der Abstand zwischen dem Wellental und der Unterkonstruktion beibehalten bleibt.

87Permalink zu Rn. 87recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_87

Zur Lösung dieser Aufgabe schlägt die Erfindung in Abs. 0011 PS eine Schraube gemäß dem Anspruch 1 (PS) sowie die Verwendung einer solchen Schraube zur Befestigung von Profilblechen an Unterkonstruktionen gemäß dem Anspruch 11 (PS) vor.

88Permalink zu Rn. 88recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_88

2) Der zuständige Fachmann hat einen Fachhochschulabschluss als Diplom-Ingenieur oder Bachelor des Maschinenbaus und verfügt über mehrjährige Berufserfahrung in der Entwicklung von Schrauben.

89Permalink zu Rn. 89recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_89

3) Einige Merkmale des geltend gemachten Anspruchs 1 bedürfen hinsichtlich ihres Verständnisses durch den Fachmann der Erläuterung.

90Permalink zu Rn. 90recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_90

Gemäß dem Merkmal M1.5 reicht das Schraubengewinde (6, 6a) bis zum vorderen Ende (5) der Schraubenspitze (4). Hieraus ergibt sich eine Unterscheidung zwischen dem in der Beschreibung (Abs. 0033) auch „echte Spitze“ genannten „vorderen Ende der Schraubenspitze“ und der „Schraubenspitze“. Als „Schraubenspitze (4) “ wird dabei der zwischen dem zylindrischen Bereich des Schraubenschafts und dem vorderen Ende der Schraubenspitze (5) liegende Abschnitt bezeichnet, in dem sich der Schaftdurchmesser kontinuierlich verringert.

91Permalink zu Rn. 91recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_91

In den Merkmalen M1.5a, M1.6 und M1.7 ist angegeben, dass das Schraubengewinde über die Schraubenspitze (4) als zweigängiges Blechgewinde und in dem zylindrischen Bereich des Schraubenschafts (1) als Holzgewinde ausgebildet ist. Dazu ist in der Beschreibung angegeben, dass die Schraubenspitze mit dem zweigängigen Blechgewinde dazu dient, ein Loch und ein Gewinde in dem zu befestigenden Profilblech zu formen, siehe Absätze 0012, 0022 und 0023 PS. Der zylindrische Bereich mit dem Holzgewinde dient zur Befestigung in der hölzernen Unterkonstruktion, siehe den letzten Satz von Absatz 0012 sowie auch den ersten Satz von Absatz 0013. Diese Beschreibung der von den verschiedenen Gewindeabschnitten zu erfüllenden unterschiedlichen Aufgaben gibt dem Fachmann bereits Hinweise auf eine zweckmäßige Gestaltung des jeweiligen Gewindeabschnitts.

92Permalink zu Rn. 92recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_92

Darüber hinaus macht die Beschreibung auch konkrete Vorschläge zur Ausführung des Blechgewindes und des Holzgewindes. So ist im Absatz 0041 PS angegeben, dass beide die gleiche Steigung haben können, jedoch das Gewinde in dem zylindrischen Bereich des Schraubenschafts von einem Blechgewinde mit einem Durchmesser von beispielsweise 5,2 mm in ein Holzgewinde mit einem Durchmesser von 6 mm übergehen kann. Mit „Durchmesser“ ist der Außendurchmesser des Gewindes bezeichnet. Da in dem hier betrachteten Bereich der Schaft zylindrisch ist und somit der Schaftdurchmesser konstant, ergibt sich daraus eine größere Höhe der Gewindegänge des Holzgewindes im Vergleich zur Höhe der Gewindegänge des Blechgewindes. Da diese Angabe des Abs. 0041 Bestandteil der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels ist, schränkt sie allerdings den Gegenstand des Anspruchs 1 nicht auf einen entsprechenden Durchmesserunterschied des Blechgewindes und des Holzgewindes ein. Vielmehr nennt sie den Durchmesserunterschied als einen möglichen Beitrag zur Gestaltung des Blechgewindes und des Holzgewindes entsprechend ihren patentgemäß unterschiedlichen Aufgaben.

93Permalink zu Rn. 93recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_93

Eine Auslegung der Begriffe „Blechgewinde“ und „Holzgewinde“ dahingehend, dass es sich um ein und dasselbe Gewinde handeln kann, ist dagegen nicht möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich technische Normen auffinden lassen, vergl. E18, denen zufolge einzelne Parameter von Blechgewinden und Holzgewinden, wie z.B. die Flankenform, übereinstimmen können, oder Zulassungen, vergl. B3.1 und B3.2, die für eine – nicht anspruchsgemäße – Schraube eine Verwendung in Holz und Metall erlauben. Sind zur Auslegung des Patentanspruchs in der Beschreibung und den Zeichnungen des Patents ausreichende Angaben vorhanden, sind diese heranzuziehen, nicht dagegen fremde Quellen.

94Permalink zu Rn. 94recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_94

Gemäß dem Merkmal M1.8 ist die Schraubenspitze (4) dazu ausgebildet, beim Aufsetzen und Drehen auf einem Profilblech (10) spanfrei ein Loch in dem Profilblech (10) zu formen und gleichzeitig ein Gewinde in dem geformten Loch zu bilden. Dem hier angesprochenen Fachmann sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Typen von Schrauben geläufig, die ohne Vorbohren eines Lochs in bzw. durch Blech geschraubt werden können.

95Permalink zu Rn. 95recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_95

Er kennt einerseits Schrauben mit einem zylindrischen Schaft und an der vorderen Stirnseite angeordneten Bohrschneiden, die ein Loch durch Wegschneiden von Material erzeugen und bei denen die Ausformung eines Gewindes – gleich ob schneidend oder furchend – in dem Blech zwangsläufig erst beginnen kann, nachdem das Loch bereits erzeugt ist. Eine solche Schraube mit Bohrschneiden ist auch in Absatz 0009 der Beschreibungseinleitung als Stand der Technik genannt.

96Permalink zu Rn. 96recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_96

Er kennt andererseits Schrauben mit einem zum vorderen Ende hin spitz zulaufenden Schaft und einem sich auch in den spitz zulaufenden Teil hinein erstreckenden Gewinde, die ein Loch durch Verdrängen und Umformen von Material erzeugen und bei denen die Ausformung des Gewindes in dem Blech nicht nach der Erzeugung des Lochs stattfindet, sondern währenddessen.

97Permalink zu Rn. 97recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_97

Mit dem Merkmal M1.8 sind Schrauben mit Schneiden zur spanenden Erzeugung von Loch und/oder Gewinde ausgeschlossen.

98Permalink zu Rn. 98recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_98

4) Die geltend gemachten Ansprüche sind zulässig. Ihre Gegenstände gehen nicht über den Inhalt der ursprünglichen Anmeldung hinaus und sind gegenüber der erteilten Fassung des Patents beschränkt.

99Permalink zu Rn. 99recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_99

Die Merkmale M1 bis M1.7 des Anspruchs 1 ergeben sich aus den ursprünglichen Ansprüchen 1 und 5 bis 8, das Merkmal M1.8 aus dem Absatz 0038 der Offenlegungsschrift (OS). Der Gegenstand des Anspruchs 1 ist gegenüber dem des erteilten Anspruchs 1 durch die Aufnahme des Merkmals 1.5a, dass das Schraubengewinde über die Schraubenspitze (4) als zweigängiges Gewinde ausgebildet ist, beschränkt.

100Permalink zu Rn. 100recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_100

Die Ansprüche 2 bis 10 ergeben sich aus den Merkmalen der ursprünglichen Ansprüche 2 bis 7 und 9 bis 11. Der Anspruch 11 ergibt sich aus dem ursprünglichen Anspruch 12 und dem Absatz 0034 OS.

101Permalink zu Rn. 101recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_101

Die Einsprechende hat ausgeführt, der Gegenstand des geltend gemachten Anspruchs 1 gehe durch das Merkmal M1.6, wonach das Schraubengewinde über die Schraubenspitze als Blechgewinde ausgeführt sein solle, über den Inhalt der ursprünglichen Anmeldung hinaus. Denn ursprünglich offenbart sei lediglich, siehe Abs. 0014 und Anspruch 7 OS, dass das Schraubengewinde in dem Bereich, in dem es zweigängig sei, als Blechgewinde ausgeführt sein könne.

102Permalink zu Rn. 102recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_102

Beide Angaben bedeuteten nicht dasselbe, denn zwar sei im Merkmal M1.5 des Anspruchs 1 angegeben, dass das Schraubengewinde über die Schraubenspitze als zweigängiges Gewinde ausgebildet sein solle, aus dem geltend gemachten Anspruch 5 ergebe sich jedoch, dass das zweigängige Gewinde auch über die Schraubenspitze hinaus bis in den zylindrischen Bereich des Schraubenschafts reichen könne.

103Permalink zu Rn. 103recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_103

Da aufgrund des Merkmals M1.6 das Schraubengewinde nicht mehr in dem gesamten Bereich, in dem es zweigängig sei, sondern – nur noch – über die Schraubenspitze als Blechgewinde ausgeführt sein müsse, sei vom geltend gemachten Anspruch 1 auch ein Schraubengewinde umfasst, das in dem über die Schraubenspitze hinaus bis in den zylindrischen Bereich des Schraubenschafts reichenden Abschnitt zweigängig sei, in dem zylindrischen Bereich aber trotz seiner Zweigängigkeit nicht als Blechgewinde, sondern als Holzgewinde ausgeführt sei. Eine solche Ausführung sei jedoch von der ursprünglichen Offenbarung gemäß Abs. 0014 und Anspruch 7 OS nicht umfasst.

104Permalink zu Rn. 104recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_104

Ein Hinausgehen über den Inhalt der Anmeldung besteht jedoch nicht. Denn zwar umfasst der Gegenstand des geltend gemachten Anspruchs 1, wie von der Einsprechenden insoweit zutreffend ausgeführt, auch ein Schraubengewinde, das in dem über die Schraubenspitze hinaus bis in den zylindrischen Bereich des Schraubenschafts reichenden Abschnitt zweigängig, dort aber nicht als Blechgewinde, sondern als Holzgewinde ausgeführt ist. Jedoch ist, anders als von der Einsprechenden behauptet, auch eine solche Ausführung von der ursprünglichen Offenbarung umfasst.

105Permalink zu Rn. 105recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_105

Aus dem ursprünglich eingereichten Anspruch 5 ergab sich bereits, dass der zweite Gewindegang des zweigängigen Gewindes bis in den zylindrischen Bereich des Schraubenschafts reichen kann, dass es also einen Gewindeabschnitt geben kann, der sowohl zylindrisch als auch zweigängig ist.

106Permalink zu Rn. 106recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_106

Aus dem ursprünglich eingereichten Anspruch 7, wonach das Schraubengewinde in dem Bereich, in dem es zweigängig ausgebildet ist, als Blechgewinde ausgebildet ist, ergab sich für diesen sowohl zylindrischen als auch zweigängigen Gewindeabschnitt, dass er als Blechgewinde ausgeführt sein kann, weil er zweigängig ist.

107Permalink zu Rn. 107recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_107

Aus dem direkt darauffolgenden, von der Einsprechenden in ihrer Argumentation nicht berücksichtigten, ursprünglich eingereichten Anspruch 8, wonach das Schraubengewinde in dem zylindrischen Bereich als Holzgewinde ausgebildet ist, ergab sich jedoch für diesen sowohl zylindrischen als auch zweigängigen Gewindeabschnitt, dass er als Holzgewinde ausgeführt sein kann, weil er zylindrisch ist.

108Permalink zu Rn. 108recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_108

Auch entstand für den Fachmann kein unauflösbarer Widerspruch daraus, dass der ursprünglich eingereichte Anspruch 8 mit der Formulierung „Schraube nach einem der vorhergehenden Ansprüche“ auf einen beliebigen der vorhergehenden Ansprüche, also auch auf den Anspruch 7, zurückbezogen sein konnte. Denn aus den entsprechenden Absätzen der Beschreibung, die der Fachmann bei der Auslegung der Ansprüche berücksichtigt, siehe die inhaltlich den ursprünglichen Ansprüchen 5, 7 und 8 entsprechenden Absätze 0012, 0014, 0015 OS, ergab sich, dass es sich dabei jeweils um Weiterbildungen handelt, bei denen nicht nur Merkmale hinzukommen, sondern auch an die Stelle dessen treten können, was sonst, nämlich ohne die jeweilige Weiterbildung, an derselben Stelle der Schraube gewesen wäre.

109Permalink zu Rn. 109recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_109

Im Ergebnis war für den Fachmann ursprünglich offenbart, dass der gemäß dem ursprünglichen Anspruch 5 sowohl zylindrische als auch zweigängige Gewindeabschnitt entweder gemäß dem ursprünglichen Anspruch 7 als Blechgewinde oder alternativ dazu gemäß dem ursprünglichen Anspruch 8 als Holzgewinde ausgeführt werden kann.

110Permalink zu Rn. 110recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_110

5) Die Gegenstände der geltend gemachten Ansprüche sind ausführbar offenbart.

111Permalink zu Rn. 111recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_111

5.1) Die Einsprechende hat ausgeführt, der Gegenstand des Anspruchs 8, wonach die Steigung des Schraubengewindes über die gesamte Länge des Schraubenschafts konstant sein kann, sei nicht ausführbar, weil das Gewinde gemäß dem Anspruch 1 teils als Holzgewinde und teils als Blechgewinde ausgeführt sein müsse, andererseits aber technische Normen existierten, worin für Holzgewinde und Blechgewinde unterschiedliche Steigungen vorgesehen seien. Daraus ergebe sich ein unauflöslicher Widerspruch.

112Permalink zu Rn. 112recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_112

Diese Argumentation kann nicht greifen, da die technische Lehre des Anspruchs 8 klar und eindeutig ist und sich in völliger Übereinstimmung mit der Beschreibung und den Figuren des Patents befindet, die ebenfalls als Weiterbildung der Erfindung eine über die gesamte Länge des Schraubenschafts konstante Gewindesteigung vorsehen, siehe dazu die Absätze 0020, 0041 PS und die Figuren 1 bis 4. Es spielt daher keine Rolle, ob sich technische Normen auffinden lassen, die eine andere Gestaltung vorsehen. Sind zur Auslegung des Patentanspruchs in der Beschreibung und den Zeichnungen des Patents ausreichende Angaben vorhanden, sind diese heranzuziehen, nicht dagegen fremde Quellen.

113Permalink zu Rn. 113recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_113

5.2) Die Einsprechende hat weiter ausgeführt, die Gegenstände der Ansprüche 9 und 10, wonach zwischen dem Holzgewinde und dem Blechgewinde ein Fräsabschnitt bzw. ein als Steilgewinde ausgeführter Fräsabschnitt angeordnet sein kann, seien nicht ausführbar, weil dieser Fräsabschnitt im zylindrischen Abschnitt des Schafts angeordnet sein müsse, und somit an einer Stelle, an der gemäß dem Merkmal 1.6 des Anspruchs 1 ein Holzgewinde angeordnet sein müsse. Somit bestünde ein unauflösbarer Widerspruch zwischen den Angaben des Anspruchs 1 einerseits und den Ansprüchen 9 und 10 andererseits.

114Permalink zu Rn. 114recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_114

Ein solcher Widerspruch besteht für den Fachmann nicht, da er dem Absatz 0021 PS der Beschreibung entnimmt, dass es sich bei dem Fräsabschnitt um eine Weiterbildung der Erfindung handelt, bei der also der Fräsabschnitt an die Stelle dessen tritt, was sonst, nämlich ohne die Weiterbildung, an derselben Stelle der Schraube gewesen wäre. Dies ergibt sich auch aus den Ausführungsbeispielen gemäß Figuren 1 und 5, von denen die Figur 1 gemäß Abs. 0033 eine erfindungsgemäße Schraube entsprechend dem Anspruch 1 zeigt, und Figur 5 gemäß Absatz 0042 eine entsprechend Absatz 0021 und Ansprüchen 9, 10 weitergebildete Schraube mit einem als Steilgewinde ausgeführtem Fräsabschnitt zeigt.

115Permalink zu Rn. 115recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_115

5.3) Entgegen den Ausführungen der Einsprechenden ist für den Fachmann auch ausführbar offenbart, wie die Schraube dazu ausgebildet werden kann, gemäß dem Merkmal M1.8 spanfrei ein Loch zu formen und gleichzeitig ein Gewinde in dem geformten Loch zu bilden. Denn zu einer spanfreien Lochformung und Gewindebildung im Sinne des Patents reicht es aus, entsprechend den Merkmalen des Anspruchs 1 die Schraube – anstelle von stirnseitigen Bohrschneiden – mit einer Spitze und einem bis zum vorderen Ende der Spitze reichenden Gewinde auszuführen, so dass keine Bohrspäne entstehen, vergleiche auch den Absatz 0009 PS zum Stand der Technik mit Bohrspitze und den Absatz 0044 PS, „dass keine Späne entstehen“.

116Permalink zu Rn. 116recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_116

Es entsteht auch kein unauflösbarer Widerspruch zwischen dem Merkmal M1.8 und dem gemäß den Ansprüchen 9 und 10 vorgesehenen Fräsabschnitt. Denn selbst wenn dieser so ausgebildet ist, dass bei seinem Eintreten in ein Profilblech Späne entstehen, so kann er doch aufgrund seiner im Anspruch 9 vorgegebenen Anordnung zwischen dem Blechgewinde und dem Holzgewinde erst dann in das Material eindringen, wenn die im Merkmal M1.8 von der Schraubenspitze geforderte spanfreie Lochformung und Gewindebildung im Profilblech bereits abgeschlossen ist. Darüber hinaus bleibt auch mit Fräsabschnitt der im Absatz 0012 PS genannte Vorteil der erfindungsgemäßen Schraube, „dass es nicht mehr erforderlich ist, vorher ein Loch zu bohren“, unverändert bestehen.

117Permalink zu Rn. 117recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_117

6) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ist neu und ergibt sich für den Fachmann nicht in naheliegender Weise aus dem im Verfahren befindlichen Stand der Technik.

118Permalink zu Rn. 118recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_118

6.1) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ist neu gegenüber der Entgegenhaltung E2.

119Permalink zu Rn. 119recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_119

Die E2 offenbart gemäß Absatz 0001 und 0002 der dortigen Beschreibung eine Schraube zum Befestigen von Fassadenelementen, beispielsweise aus Stahl- oder Aluminiumblech, an einer üblicherweise ebenfalls aus Metall bestehenden Unterkonstruktion. Die Schraube weist einen Kopf entsprechend dem Merkmal M1.1 auf und einen zweiteilig ausgebildeten Schaft, der den Merkmalen M1.2 bis M1.4 entspricht, siehe Absatz 0007 und auch Absatz 0020 der E2.

120Permalink zu Rn. 120recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_120

Sie weist ein Gewinde auf, das entsprechend dem Merkmal M1.5 im zylindrischen Teil des Schafts beginnt und gemäß Absatz 0010 der E2 bis zum vorderen Ende der Schraubenspitze reicht, wobei in E2 die Schraubenspitze als „vorderer Bereich“, „Schaftbereich“, „Bereich“, „Spitzenbereich“ 6 und das vordere Ende der Schraubenspitze als „Spitze“, „Bohrspitze“ bzw. „tatsächliche Spitze“ 4 bezeichnet wird, siehe die Figur 1, dort Bezugszeichen 6 und 4.

121Permalink zu Rn. 121recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_121

Die Schraube der E2 ist ausdrücklich von Schrauben mit Bohrschneiden abgegrenzt, die gemäß den Absätzen 0003 und 0004 als nachteilig bezeichnet werden. Die in den Absätzen 0013 und 0024 beschriebene Ausbildung von Loch und Gewinde durch Aufbrechen und Verformen des Blechs entspricht dem Merkmal M1.8.

122Permalink zu Rn. 122recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_122

Es kann dahinstehen, ob die in Absatz 0012 als Alternative zum eingängigen Gewinde des Absatzes 0011 vorgeschlagene insgesamt zweigängige Ausbildung des Gewindes dem Merkmal M1.5a entspricht. Denn die Schraube gemäß der E2 weist in beiden Fällen, siehe die Zusammenfassung, ein sich über den gesamten Schraubenschaft erstreckendes durchgehendes Gewinde auf. Das entspricht nicht den Merkmalen M1.6 und M1.7, die zwei unterschiedliche Gewinde fordern, nämlich ein Holzgewinde und ein Blechgewinde.

123Permalink zu Rn. 123recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_123

Dem steht nicht entgegen, dass bei der Schraube der E2 in dem Bereich, in der der Kerndurchmesser des Gewindeschafts sich zur Spitze hin kontinuierlich verringert, auch die Höhe der Gewindegänge sich in daran angepasster Weise ebenfalls kontinuierlich verringert. Denn diese bei Schrauben mit nach vorn spitz zulaufendem Schaft übliche Gestaltung macht aus dem einen durchgehenden Gewinde weder zwei noch unendlich viele verschiedene Gewinde.

124Permalink zu Rn. 124recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_124

6.2) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ist auch neu gegenüber der Entgegenhaltung E7.

125Permalink zu Rn. 125recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_125

Die E7 offenbart, siehe den Abschnitt unter der Überschrift „Application“, eine Schraube zum Befestigen von Metallblechen an einer Unterkonstruktion aus Holz. Diese Schraube weist jedoch ebenfalls – wie E2 –, siehe die Figuren, ein sich über den gesamten Schraubenschaft erstreckendes durchgehendes Gewinde auf, das nicht den Merkmalen M1.6 und M1.7 entspricht.

126Permalink zu Rn. 126recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_126

6.3) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ergibt sich zudem nicht in naheliegender Weise aus einer Zusammenschau der Entgegenhaltungen E2 und E9.

127Permalink zu Rn. 127recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_127

Die E9 offenbart gemäß dem Absatz 0001 eine Schraube zum Verschrauben von Metallblechen, mit einem zylindrischen Schaftabschnitt 25, einer spitzkonisch zulaufenden Spitze 21 und zwei zwischen diesen Abschnitten 21 und 25 angeordneten ballig geformten Abschnitten 22 und 24, siehe dazu den Anspruch 1. Die Schraube weist ein einziges Gewinde 15 auf, das vom zylindrischen Abschnitt bis zum spitzkonischen Abschnitt verläuft, wobei lediglich die Gewindehöhe (H) in dem Bereich abnimmt, in dem sich auch der Schaftdurchmesser verringert, siehe den Anspruch 8 sowie die Absätze 0016, 0023 und die Figur. Das entspricht nicht den Merkmalen M1.6 und M1.7, die zwei unterschiedliche Gewinde fordern, nämlich ein Holzgewinde und ein Blechgewinde. Auch eine Zusammenschau der E2 und der E9 kann daher nicht zu den Merkmalen M1.6 und M1.7 führen.

128Permalink zu Rn. 128recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_128

6.4) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ergibt sich nicht in naheliegender Weise aus einer Zusammenschau der Entgegenhaltungen E3 und E2.

129Permalink zu Rn. 129recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_129

Die E3 offenbart zwei Schrauben zum Befestigen von Metallblechen an einer Unterkonstruktion aus Holz, mit einem Schraubenkopf entsprechend den Merkmalen M1 und M1.1. Ein zweiteilig ausgebildeter Schaft, der den Merkmalen M1.2 bis M1.4 entspricht, ist nicht offenbart.

130Permalink zu Rn. 130recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_130

Selbst wenn jedoch ein von E3 ausgehender Fachmann die E2 berücksichtigt und aufgrund ihrer Anregung die dort offenbarte zweiteilige Ausbildung des Schafts entsprechend den Merkmalen M1.2 bis M1.4 übernimmt, gelangt er nicht in naheliegender Weise zu einer Schraube mit sämtlichen Merkmalen des Anspruchs 1.

131Permalink zu Rn. 131recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_131

So ist ein Gewinde, das entsprechend dem Merkmal M1.5 bis zum vorderen Ende der Schraubenspitze reicht, in E3 nicht offenbart (s.o.). Vielmehr weisen beide Schrauben gemäß der E3 ein in sämtlichen Figuren dargestelltes vorderes Ende 14 bzw. 54 ohne Gewinde auf. Dazu siehe auch den zweiten Satz im zweiten Absatz auf Seite 5 und den Satz im Übergang von Seite 5 auf Seite 6 der deutschen Übersetzung E3b, wonach das Gewinde 16 bzw. 56 der jeweiligen Schraube erst beginnt, eine Gewinderille 30 bzw. 70 zu formen, nachdem die „Einbohrungsende“ 14 bzw. 54 genannte Schraubenspitze das Metallblech durchbohrt hat und in das Holz eingetreten ist. Es kann dahinstehen, ob dieser Ablauf, bei dem das Formen der Gewinderille erst beginnt, nachdem die Schraubenspritze das Metallblech bereits durchbohrt hat, dem Erfordernis des Merkmals M1.8 entspricht, wonach das Formen des Lochs und das Bilden des Gewindes gleichzeitig erfolgen sollen, da jedenfalls ein bis zum vorderen Ende der Schraubenspitze reichendes Gewinde entsprechend dem Merkmal M1.5 nicht offenbart ist.

132Permalink zu Rn. 132recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_132

Die erste der beiden in E3 gelehrten Schrauben gemäß den Figuren 1 bis 3 weist ein erstes Gewinde 16 im Bereich der Spitze auf, das zum Durchdringen des Blechs mit einer kleinen Steigung X ausgebildet ist, und ein zweites Gewinde 18 im zylindrischen Bereich des Schraubenschafts, das zum schnellen Einschrauben in das Holz mit einer doppelt so großen Steigung 2X ausgebildet ist, siehe den zweiten Absatz auf Seite 5 der E3b. Entgegen dem Merkmal 1.5a ist jedoch keines der beiden Gewinde zweigängig ausgebildet.

133Permalink zu Rn. 133recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_133

Selbst wenn nun ein von der Schraube gemäß E3 Figur 1 bis 3 ausgehender Fachmann die E2 berücksichtigte und über die dort offenbarte zweiteilige Ausbildung des Schafts aus Edelstahl und gehärtetem Kohlenstoffstahl entsprechend M1.2 bis M1.4 hinaus auch noch die gemäß E2 bis zum vorderen Ende der Schraubenspitze reichende Gewindeausbildung übernähme und so zu den Merkmalen M1.5 und M1.8 gelangte, ergibt sich jedoch weiter:

134Permalink zu Rn. 134recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_134

Es besteht bereits kein Anlass, anstelle der in E3 für die Schraube gemäß Figur 1 bis 3 offenbarten zwei eingängigen Gewinden mit unterschiedlichen Steigungen, die speziell an das gemäß E3 vorgesehene Befestigen von Blech auf Holz angepasst sind, stattdessen das durchgehende zweigängige Gewinde der E2 zu übernehmen, das an das in E2 vorgesehene Befestigen von Blech auf Metall angepasst ist.

135Permalink zu Rn. 135recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_135

Darüber hinaus führt selbst dies nicht zu einer Schraube entsprechend dem Anspruch 1, da in diesem Fall aufgrund des durchgehenden Gewindes der E2 wiederum zwei unterschiedliche Gewinde entsprechend den Merkmalen M1.6 und M1.7 fehlen.

136Permalink zu Rn. 136recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_136

Die zweite der beiden in E3 gelehrten Schrauben gemäß den Figuren 4 bis 6 weist ein zweigängiges Gewinde mit zwei Gewindegängen 56 und 58 mit gleicher Steigung L bzw. M auf, siehe den letzten Absatz auf Seite 5 der E3b und die Figur 4. Der Gewindegang 56, der näher an das vordere Ende der Schraubenspitze 54 führt, und der nach dem Durchbohren des Blechs daher zuerst in Eingriff mit dem Blech gerät, ist auf den ersten Umdrehungen im Bereich der Schraubenspitze mit einer geringeren Ganghöhe ausgeführt als der Gewindegang 58, siehe Absatz (1) auf Seite 6 der E3b und die Figuren 4 bis 6. Diese Ausbildung mit zwei unterschiedlichen Ganghöhen der Gewinde 56 und 58 im Bereich der Schraubenspitze entspricht aber nicht dem im Merkmal M1.6 des Anspruchs 1 geforderten Blechgewinde.

137Permalink zu Rn. 137recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_137

Selbst wenn daher ein von der Schraube gemäß E3 Figur 4 bis 6 ausgehender Fachmann aufgrund der E2 zu den Merkmalen M1.2 bis M1.4, M1.5 und M1.8 gelangte, ergibt sich jedoch weiter:

138Permalink zu Rn. 138recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_138

Es besteht bereits kein Anlass, anstelle der in E3 für die Schraube gemäß Figur 4 bis 6 offenbarten, speziell an das gemäß E3 vorgesehene Befestigen von Blech auf Holz angepassten, im Bereich der Schraubenspitze unterschiedlich hohen Gewindegänge 56, 58 stattdessen das Blechgewinde der E2 zum Befestigen von insbesondere Blech auf Blech zu übernehmen. Darüber hinaus führt selbst dies nicht zu einer Schraube entsprechend dem Anspruch 1, da in diesem Fall aufgrund des durchgehenden Gewindes der E2 wiederum zwei unterschiedliche Gewinde entsprechend den Merkmalen M1.6 und M1.7 fehlen.

139Permalink zu Rn. 139recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_139

Auch eine umgekehrte Betrachtung ausgehend von E2 führt nicht zu einer Schraube mit allen Merkmalen des Anspruchs 1, da es ausgehend von E2, die eine Schraube zum Befestigen von Blech auf einer Unterkonstruktion aus Metall lehrt, bereits keinen Anlass gibt, die speziell an das Befestigen von Blech auf Holz angepassten Gewindemerkmale der Schrauben gemäß E3 zu übernehmen.

140Permalink zu Rn. 140recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_140

6.5) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ergibt sich auch nicht in naheliegender Weise aus einer Zusammenschau der Entgegenhaltungen E5 und E2.

141Permalink zu Rn. 141recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_141

Die Entgegenhaltung E5 offenbart gemäß Spalte 1 Zeilen 5 bis 30 eine Schraube mit einem Schraubenkopf entsprechend den Merkmalen M1 und M1.1 zum Befestigen von Faserplatten (particle board) und insbesondere Gipskartonplatten für den Trockenbau (dry wall Gypsum board) an Unterkonstruktionen aus Holz oder Metall.

142Permalink zu Rn. 142recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_142

Die Schraube der E5 weist, siehe die Figur 1 mit Beschreibung ab Spalte 2 Zeile 42, eine konisch zulaufende Spitze (tapered point 16) auf. Das Gewinde kann in der Ausführung gemäß Figur 1 über die Schraubenspitze (lower thread portion 20b) als zweigängiges Gewinde ausgebildet sein und ist über die Schraubenspitze mit einem kleineren Außendurchmesser b, im zylindrischen Bereich des Schraubenschafts dagegen, der sich im eingeschraubten Zustand im Bereich der Faserplatte/Gipskartonplatte befindet, mit einem größeren Außendurchmesser c ausgeführt. Das entspricht den Merkmalen M1.5a, M1.6 und M1.7.

143Permalink zu Rn. 143recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_143

Merkmal M1.8 ist bereits deshalb nicht offenbart, weil E5 keine Angaben zu einer gehärteten Schraubenspitze enthält. Es kann dahinstehen, ob mit dem Gewinde gemäß E5 im Falle des Verschraubens von Profilblech trotz des lediglich bis zur Schraubenspitze 16, nicht dagegen bis zum vorderen Ende der Schraubenspitze 16 reichenden Gewindes, siehe Figur 1 und Spalte 4 Zeilen 24 bis 29, die im Merkmal M1.8 weiter geforderte Gleichzeitigkeit der Lochformung und Gewindebildung erfüllt wäre, da das nicht bis zum vorderen Ende 16 der Schraubenspitze reichende Gewinde jedenfalls nicht dem Merkmal M1.5 entspricht.

144Permalink zu Rn. 144recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_144

Weiterhin ist in E5 auch keine zweiteilige Ausführung des Schraubenschafts aus Edelstahl und Kohlenstoffstahl entsprechend den Merkmalen M1.2 bis M1.4 offenbart.

145Permalink zu Rn. 145recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_145

Die E2 offenbart zwar wie ausgeführt sowohl die Merkmale M1.2 bis M1.4 als auch Merkmal M1.5. Jedoch besteht für den von E5 ausgehenden Fachmann, der mit einer Schraube zur Befestigung von Gipskartonplatten und anderen Faserplatten für den Innenausbau befasst ist, kein Anlass, eine Druckschrift hinzuzuziehen, die wie die E2 eine Schraube für die Befestigung von Fassadenelementen im Außenbereich lehrt. Selbst in Kenntnis der E2 besteht für ihn kein Anlass, die gemäß E2 Abs. 0007 und 0014 speziell für den Korrosionsschutz im Außenbereich vorgesehene, sehr kostenaufwändige, zweiteilige Ausführung des Schrauben-schafts aus Edelstahl und Kohlenstoffstahl für die Innenausbauschraube der E5 zu übernehmen.

146Permalink zu Rn. 146recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_146

Umgekehrt besteht für einen von E2 ausgehenden Fachmann, der mit einer Schraube zur Befestigung von Fassadenelementen insbesondere aus Blech befasst ist, deren Gewinde deshalb entgegen dem Merkmal M1.7 im zylindrischen Bereich des Schafts nicht als Holzgewinde ausgebildet ist, kein Anlass, für die Gestaltung des Gewindes eine Druckschrift hinzuzuziehen, die wie die E5 eine Schraube mit einem speziell zur Befestigung von Gipskartonplatten und Faserplatten ausgebildeten Gewinde lehrt.

147Permalink zu Rn. 147recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_147

6.6) Die Schraube nach dem Anspruch 1 ergibt sich auch nicht in naheliegender Weise aus einer Zusammenschau der Entgegenhaltungen E5 und E7.

148Permalink zu Rn. 148recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_148

Da die E7, insoweit wie die E2, eine Schraube zum Befestigen von Metallblechen lehrt, und zwar im Außenbereich, wo ein entsprechender Korrosionsschutz gefordert ist, siehe links oben „corrosion protection“, führt eine Zusammenschau von E5 und E7 zu nichts anderem als eine Zusammenschau von E5 und E2.

149Permalink zu Rn. 149recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_149

6.7) Die weiteren Entgegenhaltungen liegen weiter ab und haben auch in der mündlichen Verhandlung keine Rolle mehr gespielt.

150Permalink zu Rn. 150recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bpatg/2020-10-08/12-w-pat-34-19#rd_150

7) Die auf den Anspruch 1 rückbezogenen Unteransprüche 2 bis 10 und der Anspruch 11, der auf die Verwendung einer Schraube nach einem der vorhergehenden Ansprüche gerichtet ist, werden vom Anspruch 1 getragen.