Gesetze / Landesrecht Bayern / Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes und Weiterbildung in der Pflege und Hebammenkunde

AVPfleWoqG

Anlage 4 Module der Weiterbildung zur Praxisanleitung

Stand: 25.08.2026

Bayern

Modul 1: In der Praxisanleitung auf ethischer sowie pflege- und bezugswissenschaftlicher Basis handeln (66 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– formulieren und reflektieren die eigene ethische Orientierung

– treffen begründete und reflektierte Entscheidungen in der Pflege- und Anleitungspraxis unter Abwägung ethischer Prinzipien und Leitlinien

– übernehmen Verantwortung für die Rahmenbedingungen des ethisch-moralischen Handelns

– beachten im Lehr-Lernprozess die ethisch-moralischen Prinzipien des Pflegehandelns

– analysieren Pflege im Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie

– gestalten Pflege in der Praxis personenzentriert, evidenzbasiert und kritisch konstruktiv

– recherchieren, verstehen, beurteilen wissenschaftliche Literatur und transformieren die Erkenntnisse in die Anleitungspraxis

– gestalten Pflegeprozesse und insbesondere der Pflege vorbehaltene Tätigkeiten konstruktiv und für Auszubildende nachvollziehbar

– beachten Systemzusammenhänge und engagieren sich eigen- oder mitverantwortlich auf Basis ihrer Werte für die Belange der Pflege- und Anleitungspraxis

– handeln und anleiten unter ökonomischen und wissenschaftlichen Aspekten in der Pflege

Inhalte:

• Ethik

– Fragestellungen im Praxisfeld

– ethische Entscheidungsfindungsmodelle

• Pflegewissenschaft sowie Bezugswissenschaften

– evidenzbasierte Praxis

– Expertenstandards/Leitlinien

– hermeneutisches Fallverstehen

• vorbehaltene Tätigkeiten in der Pflege

66

Modul 2: Lernen

(40 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– erkennen den eigenen Lernbedarf und halten ihr Wissen zu relevanten Themen auf dem aktuellen Stand

– entwickeln bei sich selbst, sowie bei Auszubildenden die Lern- und Leistungsmotivation sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion

– organisieren und steuern ihr eigenes Lernen für formale und nicht-formale Bildungswege

– stellen ihren Wissenszuwachs über geeignete Methoden dar

– beteiligen sich an pädagogischen Diskussionen

– setzen bei der methodisch/didaktischen Vorgehensweise lerntheoretische Erkenntnisse handlungsleitend ein

– fördern bei Auszubildenden eigenverantwortliches und kooperatives Lernen

– unterstützen die Persönlichkeitsentwicklung der Auszubildenden

– beraten Auszubildende zu pädagogischen und psychosozialen Fragestellungen

Inhalte:

• selbstorganisiertes Lernen/selbstgesteuertes Lernen

– Lerntypen

– Lernstrategien (Vorschlag: Auswahl geeigneter Lernstrategien oder Lerntaktiken)

– Lernbiografie

• erfahrungsbasiertes Lernen (zur Reflexion anleiten)

• Lerntheorien (Behaviorismus (Klassische/operante Konditionierung), Kognitivismus, Konstruktivismus)

• Lernberatung/Lerncoaching

• Ausbildung von beruflicher Handlungskompetenz

• Selbst- und Zeitmanagement

• Bedeutung Lebenslanges Lernen

40

Modul 3: Professionelle Identität entwickeln

(42 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– setzen sich mit der Bedeutung der pädagogischen Führungsrolle auseinander und integrieren sie in den Alltag

– nehmen die besondere pädagogische Freiheit und Verantwortung in ihrer Rolle an

– reflektieren eigene Deutungs- und Handlungsmuster und lassen die Erkenntnisse in ihre Rolle und Beziehungsgestaltung einfließen

– bauen in der beruflichen Praxis Beziehungen durch wechselseitige Interaktion unabhängig von kulturellem oder sozialem Hintergrund auf, halten sie aufrecht und beenden sie

– gehen mit divergierenden Sichtweisen oder Zielen, oder schwer nachvollziehbarem Verhalten wertschätzend, respektvoll und empathisch um

– beachten Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit und des eigenen Kompetenzbereiches

– setzen Strategien zum Erhalt der eigenen Ressourcen und zur Reduktion von Belastungen ein

– nehmen ihre spezifische Aufgabenstellung im Gesamtgefüge der Aus- und Weiterbildung wahr

– unterscheiden die pädagogischen Settings Praxisbegleitung und Praxisanleitung

Inhalte:

• Profession und Professionalisierung

– berufliche Sozialisation

– pädagogisches Selbstverständnis

– pflegepädagogische Haltung

• Rollen

– Rollentheorie

– soziale Rolle

– Rollen im pflegerischen Kontext

– Lehrerrolle – Wissensvermittler/Lernbegleiter

– Kompetenzbereich

• ausbildungsrelevante Gesetze

– Jugendschutz

– Arbeitszeitgesetz

– Delegation/Substitution

– Haftungsrecht

• Kommunikation und Interaktion in Anleitungsprozessen der Pflege

– Beziehungsgestaltung

– Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation

– Integration von Auszubildenden in das Team

– Nähe und Distanz in Lehr-Lernprozessen

– Umgang mit Störungen

• Diversität

– Intergenerations-Situationen

– interkulturelle Kompetenz

• Reflexion (Selbstreflexion)

42

Modul 4: Lehr-Lernprozesse in der Praxisanleitung gestalten

(64 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– gestalten und begleiten Lehr-Lernprozesse im jeweiligen Praxisfeld

– planen Anleitungen unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen sowie der Lernbiographie

– vereinbaren Lernziele mit dem Auszubildenden

– planen Anleitungen unter Auswahl geeigneter Methoden

– setzen gezielte Anleitungen unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen theoriegeleitet um

– evaluieren eigene Anleitungen und nutzen Erkenntnisse zur weiteren Optimierung

– richten ihr Handeln auf den rechtlichen Grundlagen der Pflege- und Anleitungspraxis aus

– weisen Praxisanleitungen in geeigneter Form schriftlich nach

– reflektieren eigene Kompetenzen und die Gestaltung ihrer Anleitungen kontinuierlich

– beraten kollegial; optimieren und entwickeln sich hinsichtlich ihrer pädagogischen Kompetenzen weiter

– fördern den Theorie-Praxis-Dialog

– engagieren sich in einrichtungsinternen wie auch in lernortübergreifenden Entwicklungen und Kooperationen

Inhalte:

• allgemein- und fachdidaktische Modelle

– Lernzielformulierung/Lernzieltaxonomie/Kompetenzformulierung

• Praxisanleitung

– Anleitung und Methoden

• Methoden selbstreflexiven Lernens

• Medienkompetenz

• Beratung und Kooperation

– Dritter Lernort in Kooperation mit der Schule – Skills lab

– Simulation und Demonstration

– Lernortkooperation

• Aus- und Weiterbildungsrelevante Gesetze

– hier: Aufgaben, Umfang und Gestaltung der Praxisanleitung

48

Hospitation bei ausgebildeter Praxisanleitung

16

Modul 5: Formative und summative Bewertungen sowie praktische Prüfungen gestalten

(40 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– konzipieren Lern- und Prüfungsaufgaben in der praktischen Ausbildung kompetenzorientiert und adressatengerecht

– beurteilen Lernleistungen auf Basis angemessenerer Instrumente/Bezugsnormen transparent

– kommunizieren Lernergebnisse mit Auszubildenden konstruktiv, fördernd und wertschätzend

– dokumentieren Lernergebnisse und Prüfungsleistungen nachvollziehbar und rechtssicher

Inhalte:

• kompetenzorientierte Lernaufgaben und Prüfungen

• Prüfungsrecht

– Aus- und Weiterbildungsrelevante Gesetze

– Ablauf von Prüfungen in der Praxis

• objektivierte Leistungserfassung

– Verhalten als Prüfer (verbal, nonverbal)

– Operationalisierung von Lehr- und Lernzielen und deren Bewertung

– Bewertungskriterien und deren Protokollierung

– Notengebung und Notenkommunikation

– Subjektivität/Objektivität der Benotung

• Selbst- und Fremdreflexion

• Bildungsqualität

40

Modul 6: Ausbildungsprojekte in der Praxis planen und durchführen

(48 Unterrichtsstunden)

Themenbereiche

Stunden

Kompetenzen:

Praxisanleitungen

– identifizieren und greifen Veränderungsbedarfe in der praktischen Ausbildung mit Blick auf die Ausbildungsqualität auf

– initiieren, steuern und evaluieren Praxisprojekte in ihrer Organisation mit dem Ziel, damit Veränderungsprozesse zu gestalten

– planen auf Basis ausgewählter Methoden und Instrumente ein relevantes Praxisprojekt und führen es durch

– evaluieren das Projekt mittels Selbst- und Fremdeinschätzung

– stellen die Ergebnisse ihres Projektes öffentlich vor und führen eine Verbreitung ihrer Ideen und Erkenntnisse durch

– dokumentieren das von ihnen verantwortete Projekt

– tragen zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess in der Praxisanleitung bei

Davon entfallen 16 Unterrichtsstunden auf die Einführung in das Projektmanagement und 32 Unterrichtsstunden auf die Durchführung des Projekts und den Projektbericht.

Inhalte:

• Ausbildungsprojekte

• Projektmanagement

– klären von Projektauftrag und der erforderlichen Ressourcen

– Planung, Durchführung und Evaluation des Projekts

– Dokumentation des Projekts in einem Projektbericht

– Qualitätssicherung im Projekt

48

[Amtl. Anm.:] Bei Durchführung der Weiterbildung für Hebammen erfolgt die Vermittlung der Kompetenzen auf hebammenwissenschaftlicher und bezugswissenschaftlicher Basis und in Bezug zur Anleitungssituation und pädagogischen Haltung im Hebammenwesen.

§ 91