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Bundesgesetzblatt, Teil I, Jahrgang 2021, S. 3544

BGBl. 2021 I S. 3544 · 9.474 Zeichen · Textauszug aus unserem Bestand.

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BGBl. 2021, Seite 3544 — Originalseite als Abbildung
Originalseite · Seite 3544
                                             Gesetz
                      zur Änderung des Strafgesetzbuches – Strafbarkeit
                   des Betreibens krimineller Handelsplattformen im Internet*
                                                          Vom 12. August

  Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlos-
sen:

                             Artikel 1
                        Änderung des
                      Strafgesetzbuches
   Das Strafgesetzbuch in der Fassung der Bekannt-
machung vom 13. November 1998 (BGBl. I S. 3322),
das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 12. August
2021 (BGBl. I S. 3542) geändert worden ist, wird wie

folgt geändert:
1. In der Inhaltsübersicht werden die Angaben zu den
   §§ 127 und 128 wie folgt gefasst:
   „ § 127 Betreiben krimineller Handelsplattformen im
           Internet
   § 128 Bildung bewaffneter Gruppen“.

2. § 5 Nummer 5a wird wie folgt geändert:
   a) In Buchstabe a wird das Wort „und“ am Ende
      gestrichen.

* Notifiziert gemäß der Richtlinie (EU) 2015/1535 des Europäischen
  Parlaments und des Rates vom 9. September 2015 über ein Informa-
  tionsverfahren auf dem Gebiet der technischen Vorschriften und der
  Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. L 241
  vom 17.9.2015, S. 1).
2021

   b) Nach Buchstabe a wird folgender Buchstabe b
      eingefügt:
      „b) in den Fällen des § 127, wenn der Zweck der
          Handelsplattform darauf ausgerichtet ist, die
          Begehung von rechtswidrigen Taten im In-
          land zu ermöglichen oder zu fördern und der
          Täter Deutscher ist oder seine Lebensgrund-
          lage im Inland hat, und“.
   c) Der bisherige Buchstabe b wird Buchstabe c.

 3. Vor § 127 wird folgender § 127 eingefügt:

                          „§ 127
                 Betreiben krimineller
             Handelsplattformen im Internet
      (1) Wer eine Handelsplattform im Internet be-
   treibt, deren Zweck darauf ausgerichtet ist, die Be-
   gehung von rechtswidrigen Taten zu ermöglichen
   oder zu fördern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf
   Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat
   nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe
   bedroht ist. Rechtswidrige Taten im Sinne des Sat-
   zes 1 sind

   1. Verbrechen,

   2. Vergehen nach
BGBl. 2021, Seite 3545 — Originalseite als Abbildung
Originalseite · Seite 3545
     a) den §§ 86, 86a, 91, 130, 147 und 148 Absatz 1
        Nummer 3, den §§ 149, 152a und 176a Ab-
        satz 2, § 176b Absatz 2, § 180 Absatz 2,
        § 184b Absatz 1 Satz 2, § 184c Absatz 1,
        § 184l Absatz 1 und 3, den §§ 202a, 202b,
        202c, 202d, 232 und 232a Absatz 1, 2, 5
        und 6, nach § 232b Absatz 1, 2 und 4 in Ver-
        bindung mit § 232a Absatz 5, nach den §§ 233,
        233a, 236, 259 und 260, nach § 261 Absatz 1
        und 2 unter den in § 261 Absatz 5 Satz 2 ge-
        nannten Voraussetzungen sowie nach den
        §§ 263, 263a, 267, 269, 275, 276, 303a
        und 303b,
     b) § 4 Absatz 1 bis 3 des Anti-Doping-Gesetzes,

     c) § 29 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1, auch in Ver-
        bindung mit Absatz 6, sowie Absatz 2 und 3
        des Betäubungsmittelgesetzes,

     d) § 19 Absatz 1 bis 3 des Grundstoffüber-
        wachungsgesetzes,

     e) § 4 Absatz 1 und 2 des Neue-psychoaktive-

        Stoffe-Gesetzes,

     f) § 95 Absatz 1 bis 3 des Arzneimittelgesetzes,
     g) § 52 Absatz 1 Nummer 1 und 2 Buchstabe b
        und c, Absatz 2 und 3 Nummer 1 und 7 sowie
        Absatz 5 und 6 des Waffengesetzes,
     h) § 40 Absatz 1 bis 3 des Sprengstoffgesetzes,

     i) § 13 des Ausgangsstoffgesetzes,

     j) § 83 Absatz 1 Nummer 4 und 5 sowie Absatz 4
        des Kulturgutschutzgesetzes,

     k) den §§ 143, 143a und 144 des Markengeset-
        zes sowie

     l) den §§ 51 und 65 des Designgesetzes.

    (2) Handelsplattform im Internet im Sinne dieser

  Vorschrift ist jede virtuelle Infrastruktur im frei zu-

  gänglichen wie im durch technische Vorkehrungen
  zugangsbeschränkten Bereich des Internets, die
  Gelegenheit bietet, Menschen, Waren, Dienstleis-
  tungen oder Inhalte (§ 11 Absatz 3) anzubieten oder
  auszutauschen.

    (3) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu
  zehn Jahren wird bestraft, wer im Fall des Absat-

  zes 1 gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande
  handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung sol-
  cher Taten verbunden hat.

     (4) Mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn

  Jahren wird bestraft, wer bei der Begehung einer

  Tat nach Absatz 1 beabsichtigt oder weiß, dass

  die Handelsplattform im Internet den Zweck hat,

  Verbrechen zu ermöglichen oder zu fördern.“

4. Der bisherige § 127 wird § 128.

5. In § 129 Absatz 5 Satz 3 werden die Wörter „§ 100b
   Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe a, c, d, e und g
   bis m“ durch die Wörter „§ 100b Absatz 2 Nummer 1
   Buchstabe a, b, d bis f und h bis o“ und die Wörter
   „§ 100b Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe g“ durch die
   Wörter „§ 100b Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe h“
   ersetzt.

                       Artikel 2
                    Änderung der
                Strafprozessordnung

   Die Strafprozessordnung in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 7. April 1987 (BGBl. I S. 1074,
1319), die zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom
10. August 2021 (BGBl. I S. 3420) geändert worden ist,
wird wie folgt geändert:
1. In § 100a Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe d werden
   nach dem Wort „nach“ die Wörter „§ 127 Absatz 3
   und 4 sowie“ eingefügt.
2. § 100b Absatz 2 Nummer 1 wird wie folgt geändert:
   a) Nach Buchstabe a wird folgender Buchstabe b
      eingefügt:

      „b) Betreiben krimineller Handelsplattformen im
          Internet in den Fällen des § 127 Absatz 3
          und 4, sofern der Zweck der Handelsplatt-
          form im Internet darauf ausgerichtet ist, in
          den Buchstaben a und c bis o sowie in den
          Nummern 2 bis 10 genannte besonders

          schwere Straftaten zu ermöglichen oder zu

          fördern,“.
   b) Die bisherigen Buchstaben b bis n werden die
      Buchstaben c bis o.
3. § 100g Absatz 2 Satz 2 Nummer 1 wird wie folgt
   geändert:
   a) Buchstabe b wird durch die folgenden Buchsta-
      ben b und c ersetzt:

      „b) besonders schwerer Fall des Landfriedens-
          bruchs nach § 125a sowie Betreiben krimi-
          neller Handelsplattformen im Internet in den
          Fällen des § 127 Absatz 3 und 4,

      c) Bildung krimineller Vereinigungen nach § 129
         Absatz 1 in Verbindung mit Absatz 5 Satz 3
         sowie Bildung terroristischer Vereinigungen
         nach § 129a Absatz 1, 2, 4, 5 Satz 1 erste

         Alternative, jeweils auch in Verbindung mit

         § 129b Absatz 1,“.

   b) Die bisherigen Buchstaben c bis h werden die
      Buchstaben d bis i.
4. In § 100j Absatz 1 Satz 3 werden die Wörter „Buch-
   stabe a, b, d, e, f, g oder l“ durch die Wörter „Buch-
   stabe a, c, e, f, g, h oder m“ ersetzt.

                       Artikel 3

                    Änderung des
                 Telemediengesetzes
   In § 15b Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 des Telemedien-

gesetzes vom 26. Februar 2007 (BGBl. I S. 179, 251),

das zuletzt durch Artikel 95 des Gesetzes vom 10. Au-

gust 2021 (BGBl. I S. 3436) geändert worden ist, wer-

den die Wörter „Buchstabe a, b, d, e, f, g oder l“ durch

die Wörter „Buchstabe a, c, e, f, g, h oder m“ ersetzt.

                       Artikel 4

                  Änderung des
               Telekommunikation-
         Telemedien-Datenschutz-Gesetzes
  In § 23 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 des Telekommuni-
kation-Telemedien-Datenschutz-Gesetzes vom 23. Juni
2021 (BGBl. I S. 1982), das durch Artikel 25 des Geset-
BGBl. 2021, Seite 3546 — Originalseite als Abbildung
Originalseite · Seite 3546

zes vom 25. Juni 2021 (BGBl. I S. 2099) geändert wor-       schränkt. Durch Artikel 2 Nummer 2 wird die Unverletz-
den ist, werden die Wörter „Buchstabe a, b, d, e, f, g      lichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes)
oder l“ durch die Wörter „Buchstabe a, c, e, f, g, h oder   eingeschränkt.
m“ ersetzt.

                       Artikel 5                                                   Artikel 6
         Einschränkung von Grundrechten                                          Inkrafttreten
  Durch Artikel 2 Nummer 1 und 3 wird das Fernmel-
degeheimnis (Artikel 10 des Grundgesetzes) einge-              Dieses Gesetz tritt am 1. Oktober 2021 in Kraft.



                                 Die verfassungsmäßigen Rechte des Bundesrates
                              sind gewahrt.
                                Das vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt.
                              Es ist im Bundesgesetzblatt zu verkünden.


                                Berlin, den 12. August 2021

                                            Der Bundespräsident
                                                 Steinmeier

                                            Die Bundeskanzlerin
                                              Dr. A n g e l a M e r k e l

                                        Die Bundesministerin
                                der Justiz und für Verbraucherschutz
                                        Christine Lambrecht

                                           Der Bundesminister
                                     des Innern, für Bau und Heimat
                                             Horst Seehofer

                                       Die Bundesministerin
                             für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
                                        Christine Lambrecht

Herkunft dieses Textes

Quelle: Bundesgesetzblatt, BGBl. 2021 I S. 3544. Gesetze, Verordnungen und amtliche Bekanntmachungen sind amtliche Werke (§ 5 Abs. 1 UrhG) und genießen keinen Urheberrechtsschutz. Der Text ist unverändert wiedergegeben (§ 62 UrhG); Herkunft und Prüfwerte stehen hier (§ 63 UrhG).

Ableitung: issue-pdf-decol · Prüfwert des Textes f04201250754b7b0….