{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2015-04-27","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 1/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 1/15\n\nvom\n\n27. April 2015\n\nin der verwaltungsrechtlichen Anwaltssache\n\nwegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch die Präsidentin des\nBundesgerichtshofs Limperg, die Richterin Roggenbuck, den Richter Seiters\nsowie den Rechtsanwalt Prof. Dr. Quaas und die Rechtsanwältin Schäfer\n\nam 27. April 2015\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nUrteil des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein-Westfalen vom 12. September 2014 wird abgelehnt.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.\n\nDer Wert des Zulassungsverfahrens wird auf 50.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Der Kläger wendet sich gegen den Widerruf seiner Rechtsanwaltszulassung wegen Vermögensverfalls (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO). Der Anwaltsgerichtshof hat die Klage abgewiesen. Der dagegen gerichtete Antrag auf Zulassung der Berufung hat keinen Erfolg.\n\n2 1. Der geltend gemachte Zulassungsgrund entscheidungserheblicher\nVerfahrensfehler (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 5 VwGO) liegt nicht\nvor.\n\n3 a) Der Anwaltsgerichtshof durfte den Kläger im Termin vom 29. August\n2014 ohne Einhaltung der Ladungsfrist des § 102 Abs. 1 Satz 1 VwGO zum\nTermin am 12. September 2014 laden (§ 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 173\nVwGO, § 218 ZPO). Der Kläger war am 23. Juli 2014, also fristgemäß, zu dem\nTermin am 29. August 2014 geladen worden. Dass die Frist von zwei Wochen\nzwischen der Verkündung des Termins am 29. August 2014 und dem Termin\nam 12. September 2014 nicht eingehalten war, begründet keinen Verfahrensverstoß, da aufgrund der Terminsbestimmung in einem verkündeten Beschluss\neine Ladung der Parteien zum Termin nicht erforderlich war (§ 218 ZPO). Hieran ändert auch die dem Kläger am 6. September 2014 zugestellte Ladung zu\ndem Termin am 12. September 2014 nichts. Der Umstand, dass der Anwaltsgerichtshof mehr getan hat, als nach der VwGO und der ZPO erforderlich, und\nnoch eine besondere Ladung des Klägers zum Termin am 12. September 2014\nangeordnet hat, wirkt sich nicht in der Weise zugunsten des Klägers aus,\ndass er sich auf die Nichteinhaltung der Ladungsfrist berufen darf (BGH, Urteil\nvom 8. Januar 1964 - VIII ZR 123/62, NJW 1964, 658; Baumbach/Lauterbach/\nAlbers/Hartmann, ZPO, 73. Aufl., § 218 Rn. 6; aA MünchKomm-ZPO/Gehrlein,\n4. Aufl., § 218 Rn. 3).\n\n4 b) Der Kläger beanstandet eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG), weil ihm aufgrund der \"auf weniger als die\nHälfte verkürzten Ladungsfrist\" die Möglichkeit genommen worden sei, sich\nausreichend auf den Termin am 12. September 2014 vorzubereiten und insbesondere noch umfänglich zu der Forderungsaufstellung der Beklagten vorzutra-\n\ngen und darzulegen, warum die Beklagte bei Erlass der Widerrufsverfügung\ninsoweit von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei. Die im Attest vom\n26. August 2014 attestierten gesundheitlichen Einschränkungen hätten schon\nlängere Zeit zuvor bestanden, so dass er nicht in der Lage gewesen sei, die\nAkten sachgerecht zu bearbeiten. Deshalb habe er auch nicht zu dem Ausschluss der Gefährdung der Interessen der Rechtsuchenden trotz des gegen\nihn eröffneten Insolvenzverfahrens vortragen können.\n\n5 Damit ist der Zulassungsgrund des § 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2\nNr. 5 VwGO nicht schlüssig dargelegt. Der Kläger legt nicht dar, was er vorgetragen hätte, wenn er ausreichende Zeit zur Vorbereitung auf den Termin gehabt hätte (vgl. BGH, Beschlüsse vom 16. September 2011 - AnwZ (Brfg) 28/11\nRn. 8; vom 19. November 2012 - AnwZ (Brfg) 56/12 Rn. 7). Der vom Kläger\nangekündigte Vortrag zu den Forderungen nach Nr. 33 der Forderungsliste der\nBeklagten vermag im Übrigen die Vermutungswirkung des § 14 Abs. 2 Nr. 7\nBRAO aufgrund des unstreitig über sein Vermögen eröffneten Insolvenzverfahrens nicht auszuräumen. Soweit der Kläger beim Zulassungsgrund der ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils insoweit Ausführungen gemacht hat, lassen diese die Gefährdung der Interessen der Rechtsuchenden nicht entfallen (siehe unten).\n\n6 2. Es bestehen keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit der Klagabweisung (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO); der Widerruf der\nZulassung des Klägers zur Rechtsanwaltschaft ist zu Recht erfolgt.\n\n7 a) Nach § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO ist die Zulassung zu widerrufen, wenn\nder Rechtsanwalt in Vermögensverfall geraten ist, es sei denn, dass dadurch\ndie Interessen der Rechtsuchenden nicht gefährdet sind; ein Vermögensverfall\n\nwird dabei vermutet, wenn - wie hier - im maßgeblichen Zeitpunkt des Abschlusses des behördlichen Widerrufsverfahrens das Insolvenzverfahren über\ndas Vermögen des Rechtsanwalts eröffnet ist (vgl. BGH, Beschluss vom\n28. September 2011 - AnwZ (Brfg) 29/11 Rn. 4).\n\n8 b) Nach der gesetzlichen Wertung des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO indiziert\nder Vermögensverfall die Gefährdung der Interessen der Rechtsuchenden.\nVorkehrungen, welche ausschließen könnten, dass weder Fremdgeld in seinen\nGewahrsam gelangt noch dass seine Gläubiger hierauf Zugriff nehmen, hat der\nKläger nicht getroffen; diese würden nach ständiger Senatsrechtsprechung bei\neinem als Einzelanwalt tätigen Rechtsanwalt die Gefährdung ohnehin nicht entfallen lassen (vgl. BGH, Urteil vom 9. Februar 2015 - AnwZ (Brfg) 51/13 Rn. 15;\nBeschluss vom 23. April 2014 - AnwZ (Brfg) 8/14 Rn. 6 jeweils m.w.N.). Auf die\nFrage, ob er seinen Beruf bisher ohne jede Beanstandung geführt hat (vgl. nur\nSenatsbeschlüsse vom 18. Oktober 2014 - AnwZ (B) 43/03, NJW 2005, 511 f.;\nvom 25. Juni 2007 - AnwZ (B) 101/05, NJW 2007, 2924 Rn. 8 ff.) und ob der\nAnwaltsgerichtshof fehlerhaft eine Verurteilung aus einem gemäß § 153a StPO\neingestellten Strafverfahren beim Amtsgericht E. wegen Untreue in\nzwei Fällen zugrunde gelegt hat, kommt es demgemäß nicht mehr an.\n\n9 3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m.\n§ 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 2 Satz 1 BRAO.\n\nLimperg Roggenbuck Seiters\n\nQuaas Schäfer\n\nVorinstanzen:\nAGH Hamm, Entscheidung vom 12.09.2014 - 1 AGH 20/14 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-04-27/anwz-brfg-1-15","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":4},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112e","ref_norm":"112e","n":3},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":3},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 218","ref_norm":"218","n":2},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 194","ref_norm":"194","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 102","ref_norm":"102","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 153a","ref_norm":"153a","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-04-27/anwz-brfg-1-15","retrieved":"2026-10-24 07:51:10.280702+00:00"},"card":{"id":"bgh/2015-04-27/anwz-brfg-1-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat für Anwaltssachen","date":"2015-04-27","dockets":["AnwZ (Brfg) 1/15"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 27.04.2015 – AnwZ (Brfg) 1/15","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-04-27/anwz-brfg-1-15","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nUrteil des 1. 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