{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"7. Zivilsenat","decided":"2015-01-21","aktenzeichen":"VII ZB 65/14","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVII ZB 65/14\nvom\n\n21. Januar 2015\n\nin der Rechtsbeschwerdesache\n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 21. Januar 2015 durch die\nRichter Dr. Eick, Dr. Kartzke, Prof. Dr. Jurgeleit, die Richterin Graßnack und\nden Richter Dr. Feilcke\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag der Beklagten, ihr Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Braunschweig vom 16. Oktober 2014\nzu bewilligen und ihr Rechtsanwalt Dr. T. beizuordnen,\nwird abgelehnt.\n\nGründe:\n\n1 1. Nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO kann einer juristischen Person Prozesskostenhilfe nur bewilligt werden, wenn die Kosten weder von ihr noch von den\nam Gegenstand des Rechtsstreits wirtschaftlich Beteiligten aufgebracht werden\nkönnen und wenn die Unterlassung der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung allgemeinen Interessen zuwiderlaufen würde.\n\n2 a) Die Unterlassung der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung läuft\nallgemeinen Interessen regelmäßig nur dann zuwider, wenn es sich um eine\nEntscheidung handelt, die größere Kreise der Bevölkerung oder des Wirtschaftslebens anspricht und soziale Wirkungen nach sich ziehen kann (vgl.\nBGH, Beschluss vom 9. August 2012 - VII ZR 30/12, GuT 2013, 222 Rn. 2; Beschluss vom 24. Juni 2010 - III ZR 48/10, GuT 2010, 367 Rn. 3, m.w.N.). Dies\nist etwa dann der Fall, wenn eine Partei anderenfalls gehindert wäre, der Allgemeinheit dienende Aufgaben zu erfüllen oder wenn von der Durchführung\n\ndes Prozesses die Existenz eines Unternehmens abhängt, an dessen Erhaltung\nwegen der großen Zahl der von ihm beschäftigten Arbeitnehmer ein allgemeines Interesse besteht (vgl. BGH, Beschluss vom 9. August 2012 - VII ZR 30/12,\nGuT 2013, 222 Rn. 2; Beschluss vom 20. September 1957 - VII ZR 62/57,\nBGHZ 25, 183, 184 f.; BT-Drucks. 8/3068, S. 26 f.). Demgegenüber reicht das\nallgemeine Interesse an einer richtigen Entscheidung des Prozesses grundsätzlich ebenso wenig aus wie der Umstand, dass im Rahmen eines Rechtsbeschwerdeverfahrens gegebenenfalls Rechtsfragen von allgemeinem Interesse\nzu beantworten wären (vgl. BGH, Beschluss vom 24. Juni 2010 - III ZR 48/10,\nGuT 2010, 367 Rn. 3 m.w.N.).\n\n3 b) Unter Berücksichtigung dieser Maßstäbe hat die Beklagte die Voraussetzungen für das Erfordernis, dass die Unterlassung der Rechtsverteidigung\nallgemeinen Interessen zuwider laufen würde, nicht hinreichend dargetan; auch\nder Akteninhalt gibt dafür keine hinreichenden Anhaltspunkte.\n\n4 2. Im Übrigen bietet die mit der Rechtsbeschwerde beabsichtigte\nRechtsverteidigung nach dem Sach- und Streitstand auch keine hinreichende\nAussicht auf Erfolg (§ 119 Abs. 1 Satz 1, § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Die Beklagte vermag nicht aufzuzeigen, dass eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich wäre\n(§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO). Eine Divergenz zur Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist nicht ersichtlich und die Entscheidung des Berufungsgerichts verletzt auch nicht den Anspruch der Beklagten auf Gewährung wirkungsvollen Rechtsschutzes (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. dem Rechtsstaatsprinzip).\n\n5 a) Die Berufungsbegründung ist erst am 11. September 2014 und damit\nnach Ablauf der am 8. September 2014 endenden Frist zur Begründung der\nBerufung bei dem Berufungsgericht eingegangen.\n\n6 b) Die Voraussetzungen für eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand\ngegen die Versäumung der Frist zur Begründung der Berufung liegen nicht vor,\nda die Beklagte ein ihr nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzurechnendes Organisationsverschulden ihrer Prozessbevollmächtigten nicht ausgeräumt hat. Aus dem\nVorbringen der Beklagten in Verbindung mit der eidesstattlichen Versicherung\nvon Sch. vom 23. September 2014 ergibt sich nicht, dass die Prozessbevollmächtigten der Beklagten dem Erfordernis, durch ausreichende organisatorische Anweisungen Fehler bei der Ermittlung der für die Übermittlung einschlägigen Telefaxnummer auszuschließen (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom\n24. Oktober 2013 - V ZB 154/12, NJW 2014, 1390 Rn. 8; Beschluss vom\n27. August 2014 - XII ZB 255/14, FamRZ 2014, 1915 Rn. 7 ff.), genügt haben.\n\nEick Kartzke Jurgeleit\n\nGraßnack Feilcke\n\nVorinstanzen:\nLG Göttingen, Entscheidung vom 02.07.2014 - 7 O 62/12 -\nOLG Braunschweig, Entscheidung vom 16.10.2014 - 2 U 108/14 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-01-21/vii-zb-65-14","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 85","ref_norm":"85","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 116","ref_norm":"116","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-01-21/vii-zb-65-14","retrieved":"2026-10-24 07:59:56.062686+00:00"},"card":{"id":"bgh/2015-01-21/vii-zb-65-14","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"7. Zivilsenat","date":"2015-01-21","dockets":["VII ZB 65/14"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 21.01.2015 – VII ZB 65/14","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-01-21/vii-zb-65-14","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag der Beklagten, ihr Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Braunschweig vom 16. Oktober 2014\nzu bewilligen und ihr Rechtsanwalt Dr. T. beizuordnen,\nwird abgelehnt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/2","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"2","label":"Art 2 GG","mentions":1},{"id":"ZPO/85","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"85","label":"§ 85 ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/114","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"114","label":"§ 114 ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/116","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"116","label":"§ 116 ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/574","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"574","label":"§ 574 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-10-24T07:59:56.062686+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}