{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2013-04-25","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 7/13","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 7/13\n\nvom\n\n25. April 2013\n\nin der verwaltungsrechtlichen Anwaltssache\n\nwegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Präsidenten\ndes Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Tolksdorf, die Richterin Roggenbuck, den\nRichter Seiters sowie die Rechtsanwälte Prof. Dr. Quaas und Dr. Braeuer\n\nam 25. April 2013\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nihm am 8. Januar 2013 zugestellte Urteil des I. Senats des Anwaltsgerichtshofs in der Freien und Hansestadt Hamburg wird abgelehnt.\n\nDer Kläger hat die Kosten des Zulassungsverfahrens zu tragen.\n\nDer Streitwert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Kläger wendet sich gegen den Widerruf seiner Rechtsanwaltszulassung wegen Vermögensverfalls (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO). Der Anwaltsgerichtshof hat die Klage abgewiesen. Hiergegen richtet sich der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung.\n\nII.\n\n2 Der zulässige Antrag, mit dem der Kläger das Bestehen ernstlicher Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils geltend macht (§ 112e Satz 2\nBRAO, § 124 Abs. 2 Satz 1 VwGO), hat keinen Erfolg.\n\n3 Der Kläger ist der Meinung, durch seinen Vermögensverfall seien die Interessen der Rechtsuchenden nicht gefährdet. Es bestehe nämlich eine Anstellungsmöglichkeit bei einem Kollegen, bei der jeglicher Zugriff auf Fremdgelder\nausgeschlossen sei. Durch entsprechende vertragliche Gestaltungen in dem\nbeabsichtigten Anstellungsverhältnis könne vollständig vermieden werden, dass\ner auf Vermögenswerte der Rechtsuchenden zugreifen könne und insoweit eine\nGefährdung der Interessen der Rechtsuchenden erfolge.\n\n4 Dieser Vortrag ist ungeeignet, die Voraussetzungen für die Zulassung\nder Berufung nach § 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO darzulegen.\nNach der ständigen Senatsrechtsprechung (vgl. nur Beschlüsse vom 29. Juni\n2011 - AnwZ (Brfg) 11/10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; vom 24. Oktober 2012\n- AnwZ (Brfg) 47/12, juris Rn. 6 und vom 4. Februar 2013 - AnwZ (Brfg) 31/12,\njuris Rn. 7) ist für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit eines Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nach dem ab 1. September 2009 geltenden\nVerfahrensrecht auf den Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens\n(hier: Widerspruchsbescheid der Beklagten vom 9. August 2012) abzustellen.\nDie Beurteilung danach eingetretener Entwicklungen ist einem Wiederzulassungsverfahren vorbehalten. Deshalb ist der bloße Hinweis des Klägers auf\neine mögliche zukünftige Entwicklung schon aus Rechtsgründen ungeeignet,\ndas angefochtene Urteil in Frage zu stellen.\n\n5 Im Übrigen ist nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Ausdruck\nkommenden Wertung des Gesetzgebers mit einem Vermögensverfall eines\nRechtsanwalts grundsätzlich eine Gefährdung der Interessen der Rechtsuchenden verbunden; ihr Vorliegen wird nur in seltenen Ausnahmefällen verneint werden können (ständige Senatsrechtsprechung, vgl. nur Beschluss vom\n21. Februar 2013 - AnwZ (Brfg) 68/12, juris Rn. 10 m.w.N.). Zwar kann eine\nGefährdung unter Umständen ausgeschlossen sein, wenn der betroffene\n\nRechtsanwalt seine einzelanwaltliche Tätigkeit vollständig und nachhaltig aufgibt, diese nur noch für eine Rechtsanwaltssozietät ausübt und mit dieser rechtlich abgesicherte Maßnahmen verabredet hat, die eine Gefährdung der Mandanten effektiv verhindern; die Einhaltung etwa vertraglich vereinbarter Sicherungsmaßnahmen ist dabei nur in einer Sozietät, nicht in einer Einzelkanzlei\nsichergestellt (ständige Senatsrechtsprechung, vgl. nur Beschluss vom 24. Oktober 2012 - AnwZ (Brfg) 43/12, juris Rn. 9 m.w.N.). Auch vor diesem Hintergrund erweist sich die Ankündigung des Klägers, er könne bei einem Kollegen\nals angestellter Anwalt arbeiten, als nicht zulassungsrelevant.\n\nIII.\n\n6 Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m.\n§ 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 2 Satz 1 BRAO.\n\nTolksdorf Roggenbuck Seiters\n\nQuaas Braeuer\n\nVorinstanzen:\nAGH Hamburg, Entscheidung vom 08.01.2013 - I ZU 9/12 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-04-25/anwz-brfg-7-13","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112e","ref_norm":"112e","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":2},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":2},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 194","ref_norm":"194","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-04-25/anwz-brfg-7-13","retrieved":"2026-10-24 07:50:45.774881+00:00"},"card":{"id":"bgh/2013-04-25/anwz-brfg-7-13","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat für Anwaltssachen","date":"2013-04-25","dockets":["AnwZ (Brfg) 7/13"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 25.04.2013 – AnwZ (Brfg) 7/13","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-04-25/anwz-brfg-7-13","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nihm am 8. Januar 2013 zugestellte Urteil des I. Senats des Anwaltsgerichtshofs in der Freien und Hansestadt Hamburg wird abgelehnt.\n\nDer Kläger hat die Kosten des Zulassungsverfahrens zu tragen.\n\nDer Streitwert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 € festgesetzt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BRAO/112e","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112e","label":"§ 112e BRAO","mentions":2},{"id":"VwGO/124","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"124","label":"§ 124 VwGO","mentions":2},{"id":"BRAO/14","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"14","label":"§ 14 BRAO","mentions":2},{"id":"BRAO/112c","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112c","label":"§ 112c BRAO","mentions":1},{"id":"BRAO/194","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"194","label":"§ 194 BRAO","mentions":1},{"id":"VwGO/154","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"154","label":"§ 154 VwGO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-10-24T07:50:45.774881+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}