{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2013-03-28","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 54/12","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 54/12\n\nvom\n\n28. März 2013\n\nin der verwaltungsrechtlichen Anwaltssache\n\nwegen Festsetzung der Abwicklervergütung\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Präsidenten\ndes Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Tolksdorf, die Richterinnen Lohmann und\nDr. Fetzer sowie die Rechtsanwälte Dr. Frey und Dr. Martini\n\nam 28. März 2013\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Wiedereinsetzung in den vorigen\nStand vor Versäumung der Frist zur Begründung des Zulassungsantrags wird abgelehnt.\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nUrteil des 5. Senats des Bayerischen Anwaltsgerichtshofs vom\n15. Juni 2012 wird abgelehnt.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.\n\nDer Wert des Zulassungsverfahrens wird auf 6.765,75 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Beklagte setzte die Vergütung des Abwicklers der Kanzlei des Klägers mit Bescheid vom 24. Januar 2012 auf 6.765,75 € einschließlich Mehrwertsteuer fest. Die Klage des durch Rechtsanwalt L. G. aus L. -\nvertretenen Klägers gegen diesen Bescheid ist erfolglos geblieben.\nDas Urteil des Anwaltsgerichtshofs ist dem Kläger am 25. Juli 2012 zu Händen\ndes Assessors C. M. , des amtlich bestellten Vertreters des Rechtsanwalts G. , zugestellt worden.\n\n2 Der Kläger hat durch seinen jetzigen Prozessbevollmächtigten am\n23. August 2012 die Zulassung der Berufung beantragt. Mit Schriftsatz vom\n26. September 2012, der am selben Tag beim Bundesgerichtshof eingegangen\nist, hat er den Zulassungsantrag begründet. Auf den Hinweis, dass damit die\nFrist zur Begründung des Zulassungsantrags nicht eingehalten sei, hat er die\nAnsicht geäußert, dass er bei der Zustellung des Urteils des Anwaltsgerichtshofs durch den Assessor C. M. nicht wirksam vertreten worden sei.\nVertreter des Rechtsanwalts G. sei, wie im Termin zur mündlichen Verhandlung festgestellt worden sei, ein Rechtsanwalt H. gewesen, welcher den Termin ohne Rücksprache mit ihm, dem Kläger, nicht wahrgenommen\nhabe. Vorsorglich beantragt der Kläger Wiedereinsetzung in den vorigen Stand,\nweil er persönlich keine Kenntnis von der Zustellung am 25. Juli 2012 gehabt\nhabe. Die Beklagte beantragt, den Wiedereinsetzungsantrag und den Antrag\nauf Zulassung der Berufung abzulehnen.\n\nII.\n\n3 Der Antrag auf Zulassung der Berufung ist nach § 112e Satz 2 BRAO,\n§ 124a Abs. 4 VwGO statthaft. Er ist jedoch unzulässig, weil die Frist zur Begründung des Zulassungsantrags (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 4 Satz 4\nVwGO nicht eingehalten worden ist. Nach § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO sind\ninnerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollständigen Urteils die\nGründe darzulegen, aus denen die Berufung zuzulassen ist. Das Urteil des Anwaltsgerichtshofs ist dem Kläger zu Händen des amtlich bestellten Vertreters\nseines erstinstanzlichen Prozessbevollmächtigten am 25. Juli 2012 zugestellt\nworden. Die Begründung des Zulassungsantrags ist jedoch erst am Mittwoch,\ndem 26. September 2012 beim Bundesgerichtshof (vgl. § 112e Satz 2 BRAO,\n§ 124a Abs. 4 Satz 5 VwGO) eingegangen.\n\n4 Entgegen der Ansicht des Klägers war die Zustellung wirksam. Der Kläger hat, was er nicht in Abrede nimmt, Rechtsanwalt L. G. aus L. -\nmit seiner Vertretung vor dem Anwaltsgerichtshof bevollmächtigt. Diese Vollmacht war gemäß § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 173 VwGO, § 87\nAbs. 1 ZPO für den Anwaltsgerichtshof bis zur Anzeige der Bestellung eines\nanderen Anwalts maßgeblich. Ein anderer Anwalt hat sich für den Kläger nicht\ngemeldet. Für den erkrankten Rechtsanwalt G. handelte Assessor C.\nM. als dessen amtlich bestellter Vertreter. Dieser ist auf Vorschlag\ndes Rechtsanwalts G. für den Zeitraum vom 18. Juli 2012 bis zum\n31. Dezember 2012 zu dessen Vertreter bestellt worden (§ 53 Abs. 4 Satz 2\nBRAO). Ihm standen damit die anwaltlichen Befugnisse des Rechtsanwalts\nG. zu, den er vertrat (§ 53 Abs. 7 BRAO).\n\nIII.\n\n5 Wiedereinsetzung in den Stand vor Versäumung der Frist zur Begründung des Zulassungsantrags konnte dem Kläger nicht gewährt werden. Wiedereinsetzung wird bewilligt, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war,\neine gesetzliche Frist einzuhalten (§ 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 60 Abs. 1\nVwGO). Der Kläger hat die Begründungsfrist (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124a\nAbs. 4 Satz 4 VwGO) nicht unverschuldet versäumt. Die Kenntnis seines (erstinstanzlichen) Prozessbevollmächtigten vom Datum der Zustellung wird dem\nKläger nach dem Rechtsgedanken des § 166 Abs. 1 BGB zugerechnet (vgl.\nPrütting/Gehrlein/Burgermeister, ZPO, 4. Aufl., § 85 Rn. 7; Hk-ZPO/Bendtsen,\n5. Aufl., § 85 Rn. 2; MünchKomm.ZPO/Toussaint, 4. Aufl., § 85 Rn. 8; Musielak/\nWeth, ZPO, 9. Aufl., § 85 Rn. 3; vgl. auch BGH, Urteil vom 31. Oktober 1989\n- VI ZR 84/89, NJW-RR 1990, 222, 223; vom 26. Oktober 2006 - IX ZR 147/04,\nBGHZ 169, 308 Rn. 17). Ein etwaiges Verschulden seiner Prozessbevollmächtigten erster oder zweiter Instanz würde dem Kläger nach § 112c Abs. 1 Satz 1\nBRAO, § 173 VwGO i.V.m. § 85 Abs. 2 ZPO zugerechnet werden.\n\nIV.\n\n6 Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 154\nAbs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 1 BRAO, § 52 GKG.\n\nTolksdorf Lohmann Fetzer\n\nFrey Martini\n\nVorinstanz:\nAGH München, Entscheidung vom 15.06.2012 - BayAGH I - 5/12 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-03-28/anwz-brfg-54-12","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124a","ref_norm":"124a","n":5},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":4},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112e","ref_norm":"112e","n":4},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 53","ref_norm":"53","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 194","ref_norm":"194","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 85","ref_norm":"85","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 87","ref_norm":"87","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-03-28/anwz-brfg-54-12","retrieved":"2026-10-24 07:50:45.682683+00:00"},"card":{"id":"bgh/2013-03-28/anwz-brfg-54-12","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat für Anwaltssachen","date":"2013-03-28","dockets":["AnwZ (Brfg) 54/12"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 28.03.2013 – AnwZ (Brfg) 54/12","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-03-28/anwz-brfg-54-12","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag des Klägers auf Wiedereinsetzung in den vorigen\nStand vor Versäumung der Frist zur Begründung des Zulassungsantrags wird abgelehnt.\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nUrteil des 5. Senats des Bayerischen Anwaltsgerichtshofs vom\n15. Juni 2012 wird abgelehnt.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.\n\nDer Wert des Zulassungsverfahrens wird auf 6.765,75 € festgesetzt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"VwGO/124a","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"124a","label":"§ 124a VwGO","mentions":5},{"id":"BRAO/112c","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112c","label":"§ 112c BRAO","mentions":4},{"id":"BRAO/112e","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112e","label":"§ 112e BRAO","mentions":4},{"id":"BRAO/53","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"53","label":"§ 53 BRAO","mentions":2},{"id":"VwGO/173","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"173","label":"§ 173 VwGO","mentions":2},{"id":"BGB/166","law":"BGB","abbreviation":"BGB","ref":"166","label":"§ 166 BGB","mentions":1},{"id":"BRAO/194","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"194","label":"§ 194 BRAO","mentions":1},{"id":"VwGO/60","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"60","label":"§ 60 VwGO","mentions":1},{"id":"ZPO/85","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"85","label":"§ 85 ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/87","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"87","label":"§ 87 ZPO","mentions":1},{"id":"GKG 2004/52","law":"GKG 2004","abbreviation":"GKG 2004","ref":"52","label":"§ 52 GKG 2004","mentions":1},{"id":"VwGO/154","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"154","label":"§ 154 VwGO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-10-24T07:50:45.682683+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}