{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2013-03-07","aktenzeichen":"IX ZB 111/12","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 111/12\n\nvom\n\n7. März 2013\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser und die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Vill, Dr. Fischer und Grupp\n\nam 7. März 2013\nbeschlossen:\n\nDem Kläger wird Wiedereinsetzung in die versäumten Fristen zur\nEinlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde gegen den\nBeschluss des 19. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt\nam Main vom 27. August 2012 gewährt.\n\nAuf die Rechtsmittel des Klägers werden der Beschluss des\n19. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom\n27. August 2012 und der Beschluss der 10. Zivilkammer des\nLandgerichts Wiesbaden vom 15. Mai 2012 aufgehoben.\n\nDer Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten wird für zulässig\nerklärt.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf\n1.500 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Kläger ist Verwalter im Insolvenzverfahren über das Vermögen der\nA. Maler GmbH. Er macht gegen die Beklagte insolvenzrechtliche Anfechtungsansprüche im Hinblick auf von der Schuldnerin für ihre Arbeitnehmer erbrachte Beitragszahlungen geltend. Die Beklagte ist als Gemeinnützige Urlaubskasse eine Sozialeinrichtung im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b\nArbGG. Sie rügt die Unzulässigkeit des Rechtsweges zu den ordentlichen Gerichten.\n\n2 Das Landgericht hat den Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten für\nunzulässig erklärt und den Rechtsstreit an das Arbeitsgericht verwiesen. Die\nhiergegen erhobene sofortige Beschwerde des Klägers ist ohne Erfolg geblieben. Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde wendet\nsich der Kläger gegen die Entscheidungen der Vorinstanzen.\n\nII.\n\n3 Die kraft Zulassung durch das Beschwerdegericht gemäß § 17a Abs. 4\nSatz 4 und 6 GVG statthafte Rechtsbeschwerde ist auch im Übrigen zulässig. In\ndie versäumten Fristen zur Einlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde\nist dem Kläger gemäß §§ 233, 234, 236 ZPO Wiedereinsetzung zu gewähren,\nweil er vor der Bewilligung von Prozesskostenhilfe durch den Senat ohne Verschulden gehindert war, diese Fristen einzuhalten. Die Wiedereinsetzung ist\n\nrechtzeitig beantragt und die versäumten Prozesshandlungen sind nachgeholt\nworden.\n\n4 In der Sache erweist sich die Rechtsbeschwerde als begründet, weil es\nsich vorliegend um einen bürgerlichen Rechtsstreit (§ 13 GVG) handelt, der vor\ndie ordentlichen Gerichte gehört.\n\n5 Wie der Senat zwischenzeitlich entschieden hat, ist für die Anfechtung\nvon Beitragszahlungen eines Arbeitgebers an eine Sozialeinrichtung des privaten Rechts der Rechtsweg zu den ordentlichen Gerichten gegeben (BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2012 - IX ZB 84/12, ZIP 2012, 2524; vom 12. Dezember 2012 - IX ZB 58/12, nv).\n\n6 1. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gehört der\nAnfechtungsrechtsstreit als bürgerlich-rechtlicher Rechtsstreit gemäß § 13 GVG\nvor die ordentlichen Gerichte. Diese Rechtsauffassung wird von der neueren\nRechtsprechung des Bundesfinanzhofs geteilt (BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2012, aaO Rn. 6; BFH, Beschluss vom 5. September 2012 - VII B\n95/12, ZIP 2012, 2073 Rn. 11, 13).\n\n7 2. Die Gerichte für Arbeitssachen sind gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b\nArbGG ausschließlich zuständig für bürgerlich-rechtliche Rechtsstreitigkeiten,\ndie mit dem Arbeitsverhältnis in rechtlichem oder unmittelbar wirtschaftlichen\nZusammenhang stehen. Daran anknüpfend weist § 2 Abs. 1 Nr. 6 ArbGG bürgerliche Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Einrichtungen nach § 2\nAbs. 1 Nr. 4 Buchst. b ArbGG den Arbeitsgerichten zu.\n\n8 Die Beklagte ist eine Einrichtung im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b\nArbGG. Die vorliegende Streitigkeit fällt jedoch, weil es an einer Beteiligung des\nKlägers als Arbeitgeber fehlt, nicht gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 6 in Verbindung mit\nNr. 4 Buchst. b ArbGG in die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte. Der Senat hat\ndies in seinem Beschluss vom 6. Dezember 2012 im Einzelnen ausgeführt. Hierauf wird Bezug genommen (BGH, aaO Rn. 8 ff).\n\nKayser Gehrlein Vill\n\nFischer Grupp\n\nVorinstanzen:\nLG Wiesbaden, Entscheidung vom 15.05.2012 - 10 O 7/12 -\nOLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 27.08.2012 - 19 W 44/12 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-03-07/ix-zb-111-12","cited_norms":[{"jurabk":"ArbGG","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":5},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 13","ref_norm":"13","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 233","ref_norm":"233","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 234","ref_norm":"234","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 236","ref_norm":"236","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-03-07/ix-zb-111-12","retrieved":"2026-10-24 08:00:49.598401+00:00"},"card":{"id":"bgh/2013-03-07/ix-zb-111-12","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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