{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2012-09-27","aktenzeichen":"IX ZB 12/12","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 12/12\n\nvom\n\n27. September 2012\n\nin dem Restschuldbefreiungsverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Vill, Dr. Fischer und Grupp\n\nam 27. September 2012\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 3. Zivilkammer\ndes Landgerichts Marburg vom 13. Dezember 2011, abgeändert\ndurch Beschluss vom 14. Februar 2012, wird auf Kosten des\nSchuldners als unzulässig verworfen.\n\nDer Antrag des Schuldners auf Gewährung von Prozesskostenhilfe zur Durchführung der Rechtsbeschwerde gegen den vorgenannten Beschluss wird abgelehnt.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf\n3.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Am 3. Mai 2006 wurde über das Vermögen des Schuldners das Insolvenzverfahren auf dessen Eigenantrag eröffnet. Im Schlusstermin vom 19. März\n2008 behielt sich das Insolvenzgericht die Anordnung einer Nachtragsverteilung\nfür Ansprüche des Schuldners gegen das Land Hessen vor, die dieser mit am\n28. Dezember 2005 erhobener Klage geltend machte. Am 28. Juni 2008 wurde\n\ndas Insolvenzverfahren aufgehoben. Mit Urteil vom 4. August 2011 wurde dem\nSchuldner eine Entschädigung in Höhe von 3.000 € zuerkannt. Hierauf ordnete\nauf Antrag des Treuhänders das Insolvenzgericht mit Beschluss vom\n12. August 2011 die Nachtragsverteilung hinsichtlich der Ersatzansprüche des\nSchuldners an.\n\n2 Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde des Schuldners hat das\nLandgericht mit Beschluss vom 13. Dezember 2011 zurückgewiesen und ausgeführt, die Rechtsbeschwerde sei nicht zuzulassen, weil dem Schuldner die\nRechtsbeschwerde bereits gemäß § 7 InsO zustehe. Mit weiterem Beschluss\nvom 14. Februar 2012 hat das Landgericht durch den Einzelrichter auf die Gegenvorstellung des Schuldners den Beschluss vom 13. Dezember 2011 teilweise abgeändert und die Rechtsbeschwerde wegen grundsätzlicher Bedeutung\nzugelassen.\n\nII.\n\n3 Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft und daher als unzulässig zu\nverwerfen (§ 4 InsO, § 577 Abs. 1 Satz 2 ZPO).\n\n4 1. Auf die sich gegen den Beschluss des Landgerichts vom\n13. Dezember 2011 richtende Rechtsbeschwerde des Schuldners findet das\nneue Verfahrensrecht Anwendung. Nach Art. 103 f Satz 1 EGInsO bezieht sich\ndas Zulassungserfordernis auf Rechtsbeschwerden gegen solche insolvenzrechtliche Beschwerdeentscheidungen, die seit der Aufhebung des § 7 InsO am\n27. Oktober 2011 erlassen worden sind (BGH, Beschluss vom 20. Dezember\n2011 - IX ZB 294/11, WM 2012, 276 Rn. 5; vom 18. Januar 2012 - IX ZB 1/12,\n\nRn. 2; vom 10. Mai 2012 - IX ZB 295/11, ZIP 2012, 1146 Rn. 9). Das trifft auf\ndie vorliegend angegriffene Beschwerdeentscheidung zu.\n\n5 2. Bedarf die Rechtsbeschwerde gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO\nder Zulassung durch das Beschwerdegericht, so findet dieses Rechtsmittel nur\nstatt, wenn es in der Beschwerdeentscheidung ausdrücklich zugelassen worden\nist (BGH, Beschluss vom 24. November 2003 - II ZB 37/02, WM 2004, 1698,\n1699; vom 19. Mai 2004 - IXa ZB 182/03, NJW 2004, 2529; vom 12. März 2009\n- IX ZB 193/08, WM 2009, 1058 Rn. 5; vom 10. Mai 2012, aaO Rn. 15). Enthält\neine Beschwerdeentscheidung keine Ausführung über die Zulassung der\nRechtsbeschwerde, ist der Rechtsweg erschöpft. Der Bundesgerichtshof kann\nmit der Sache nicht mehr in statthafter Weise befasst werden. Das gilt unabhängig davon, welche Erwägungen der Entscheidung des Beschwerdegerichts\nzugrunde lagen, die Rechtsbeschwerde nicht zuzulassen. An einer Zulassung\nfehlt es auch, wenn das Beschwerdegericht sich über sie keine Gedanken gemacht hat, weil es die grundsätzliche Bedeutung der Sache oder die Abweichung von einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs nicht erkannt hat (BGH,\nBeschluss vom 24. November 2003, aaO; vom 10. Mai 2012, aaO) oder rechtsirrig davon ausgegangen ist, die Rechtsbeschwerde sei kraft Gesetzes statthaft\n(BGH, Beschluss vom 24. Juli 2003 - IX ZB 539/02, WM 2003, 1871, 1872 insoweit nicht in BGHZ 156, 92 abgedruckt; vom 12. März 2009, aaO Rn. 9 f; vom\n20. Dezember 2011, aaO Rn. 6; vom 10. Mai 2012, aaO).\n\n6 Ein solcher Fall ist hier gegeben. Die gebotene Zulassung durch das Beschwerdegericht fehlt im Beschluss vom 13. Dezember 2011. Entgegen der\nAnsicht der Rechtsbeschwerde kommt der auf Gegenvorstellung des Schuldners ergangenen nachträglichen Zulassung durch Beschluss des Landgerichts\nvom 14. Februar 2012 - ungeachtet der fehlenden Zulassungsbefugnis des Einzelrichters (vgl. BGH, Beschluss vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02, BGHZ 154,\n\n200, 202; vom 17. Januar 2008 - IX ZB 175/06, WuM 2008, 158 Rn. 4; vom\n24. November 2011 - VII ZB 33/11, WM 2012, 140 Rn. 9 f) - keine Bindungswirkung zu. In der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist anerkannt, dass eine\nnachträgliche Zulassung der Rechtsbeschwerde durch das Beschwerdegericht\nfür das Rechtsbeschwerdegericht nicht bindend ist, wenn das Beschwerdegericht bei seiner ursprünglichen Entscheidung von einer Zulassung abgesehen\nhat (BGH, Beschluss vom 24. November 2003, aaO; vom 12. März 2009, aaO\nRn. 7 ff; vgl. ferner zur gleichgelagerten Problematik einer nachträglichen Revisionszulassung: BGH, Urteil vom 1. Dezember 2011 - IX ZR 70/10, WM 2012,\n325 Rn. 7 ff). Dies gilt insbesondere dann, wenn das Beschwerdegericht bei\nseiner ursprünglichen Entscheidung irrtümlich davon ausgegangen ist, die\nRechtsbeschwerde sei schon nach dem Gesetz statthaft (BGH, Beschluss vom\n12. März 2009, aaO Rn. 9).\n\n7 Aus dem Beschluss vom 13. Dezember 2011 ergibt sich, wie auch im\nAbänderungsbeschluss vom 14. Februar 2012 ausgeführt wird, dass das Landgericht die zwischenzeitliche Aufhebung des § 7 InsO übersehen hat. Der darin\nliegende Verfahrensfehler eröffnet keine Sachentscheidung durch das Rechtsbeschwerdegericht (vgl. BVerfGE 101, 331, 359 f; BGH, Urteil vom\n11. Dezember 2011, aaO Rn. 12).\n\n8 3. Der Antrag auf Prozesskostenhilfe ist abzulehnen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung aus den vorstehend dargelegten Gründen keine Aussicht auf Erfolg bietet (§ 4 InsO, § 114 Satz 1 ZPO).\n\nKayser Gehrlein Vill\n\nFischer Grupp\n\nVorinstanzen:\nAG Marburg/Lahn Entscheidung vom 12.08.2011 - 22 IK 62/06 -\nLG Marburg, Entscheidung vom 13.12.2011 - 3 T 330/11 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-09-27/ix-zb-12-12","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":3},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":2},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103f","ref_norm":"103f","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-09-27/ix-zb-12-12","retrieved":"2026-10-24 08:00:46.984669+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-09-27/ix-zb-12-12","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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