{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"4. Zivilsenat","decided":"2012-09-26","aktenzeichen":"IV ZR 109/12","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIV ZR 109/12\nvom\n\n26. September 2012\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Vorsitzende Richterin Mayen, die Richter Wendt, Felsch, Lehmann und die Richterin Dr. Brockmöller\n\nam 26. September 2012\n\nbeschlossen:\n\nDie Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts\nFrankfurt am Main - 3. Zivilsenat - vom 1. März 2012 wird\nauf Kosten des Klägers verworfen.\n\nStreitwert: 911,80 €\n\nGründe:\n\n1 I. Der Kläger, ein gemeinnütziger Verbraucherschutzverein, nimmt\ndie Beklagte nach dem Unterlassungsklagengesetz darauf in Anspruch,\nes zu unterlassen, beim Abschluss von Rechtsschutzversicherungsve rträgen die von ihr verwandte sogenannte Kostenminderungsklausel gemäß § 17 (5) c) cc) ihrer ARB in neue Versicherungsverträge einzub eziehen oder sich bei der Abwicklung bestehender Verträge auf sie zu b erufen.\n\n2 Die Klausel lautet auszugsweise:\n\n\"Der Versicherungsnehmer hat … alles zu vermeiden, was\neine unnötige Erhöhung der Kosten oder eine Erschwerung\n\nihrer Erstattung durch die Gegenseite verursachen könnte\n… .\"\n\n3 Daneben begehrt der Kläger Erstattung der ihm im Rahmen der\nvorgerichtlichen Abmahnung entstandenen Anwaltskosten nach ei nem\nStreitwert von 25.000 € in Höhe von 911,80 € zuzüglich Zinsen.\n\n4 Das Landgericht hat dem Unterlassungsantrag stattgegeben und\ndas Zahlungsbegehren abgewiesen. Die Berufung der Beklagten und die\nAnschlussberufung des Klägers hatten keinen Erfolg. Das Berufungsgericht hat die Revision mit der Begründung zugelassen, dass die streitgegenständliche Frage eine Vielzahl von Versicherungsverträgen betrifft\nund deshalb von grundsätzlicher Bedeutung ist.\n\n5 Mit seiner Revision verfolgt der Kläger sein Kostenerstattungsbegehren in der abgewiesenen Höhe von 911,80 € weiter.\n\n6 II. Die Revision des Klägers ist nicht statthaft, § 543 Abs. 1 Nr. 1\nZPO. Das Berufungsgericht hat die Revision nur zugunsten der Bekla gten, nicht jedoch zugunsten des Klägers zugelassen. Das ergibt sich\nzwar nicht aus der die Zulassung nicht einschränkenden Entscheidungsformel, aber durch Auslegung der Urteilsgründe.\n\n7 1. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann\nsich eine Beschränkung der Revision auch aus den Entscheidungsgrü nden ergeben (BGH, Beschlüsse vom 8. Mai 2012 - XI ZR 261/10, WM\n2012, 1211 Rn. 6 und vom 17. April 2012 - VI ZR 140/11, MDR 2012,\n728 Rn. 4; Urteil vom 27. September 2011 - II ZR 221/09, WM 2011,\n2223 Rn. 18; jeweils m.w.N.). Unter Auslegung des Tenors im Lichte der\n\nUrteilsgründe kann eine Beschränkung der Revisionszulassung auf einzelne Prozessparteien in Betracht kommen, sofern die Zulassung zur\nKlärung einer als grundsätzlich angesehenen Rechtsfrage erfolgt ist, die\ndas Berufungsgericht zum Nachteil nur einer Prozesspartei entschieden\nhat und von der die andere nicht betroffen ist (BGH, Urteil vom 15. November 2001 - I ZR 264/99, MDR 2002, 964; Zöller/Heßler, ZPO 29. Aufl.\n§ 543 Rn. 20). Die Zulassung wirkt dann nicht zugunsten der gegnerischen Partei, die das Urteil aus einem völlig anderen Grunde angreift\n(BGH, Beschlüsse vom 8. Mai 2012 aaO und vom 11. Juli 1952 - III ZA\n51/52, BGHZ 7, 62, 63 f.; Urteile vom 5. November 2003 - VIII ZR\n320/02, NJW-RR 2004, 426 und vom 24. Mai 1995 - XII ZR 172/95,\nBGHZ 130, 50, 59; jeweils m.w.N.). Eine solche Beschränkung bei unbeschränkter Zulassung im Urteilsausspruch ist aber nur anzuerkennen,\nwenn sie sich klar und eindeutig den Entscheidungsgründen entnehmen\nlässt (BGH, Urteile vom 10. Mai 2012 - IX ZR 125/10, WM 2012, 1351\nRn. 11; vom 29. Januar 2003 - XII ZR 92/01, BGHZ 153, 358, 361 f. und\nvom 3. Dezember 1987 - VII ZR 374/86, BGHZ 102, 293, 295).\n\n8 2. Das ist hier der Fall.\n\n9 Das Berufungsgericht hat die Revision ausdrücklich mit Blick auf\ndie von der streitgegenständlichen Frage betroffene Vielzahl von Versicherungsverträgen zugelassen. Dieser Bezug besteht aber nur zu der\nvom Unterlassungsbegehren des Klägers erfassten Kostenminderung sklausel, wie sie in den gängigen Allgemeinen Versicherungsbedingungen\nvon Rechtsschutzversicherungen enthalten ist (vgl. nur ARB 94 § 17 (5)\nc) cc) und ARB 75 § 15 (1) d) cc) - abgedruckt in Prölss/Martin/Armbrüster, VVG 27. Aufl.; ARB 2000 § 17 (5) c) cc) - abgedruckt in Harbauer/Bauer, ARB 8. Aufl. und ARB 2008/II § 17 (5) c) cc) - abgedruckt in\n\nPrölss/Martin/Armbrüster, VVG 28. Aufl.). Die Frage einer Erstattungsfähigkeit von vorgerichtlichen Rechtsverfolgungskosten weist einen so lchen Bezug entgegen der Auffassung der Revision des Klägers nicht auf.\nSie wird nicht in Versicherungsverträgen behandelt, sondern ric htet sich\ngemäß §§ 5 UKlaG, 12 Abs. 1 Satz 2 UWG danach, ob die Aufwendungen erforderlich sind. Damit ist die Erstattungsfrage kein Spezifikum von\nVersicherungsverträgen, sie stellt sich vielmehr generell im Rahmen von\nAbmahnungen bei Unterlassungsbegehren jedweder Art. Zulassungsfähige Fragen zu Versicherungsverträgen einschließlich der einbezogenen\nVersicherungsbedingungen im Allgemeinen und der streitgegenständlichen Kostenminderungsklausel im Besonderen werden davon nicht a ngesprochen.\n\n10 Das Berufungsgericht hat damit deutlich zum Ausdruck gebracht,\ndass es nur der Beklagten Gelegenheit hat geben wollen, seine Entscheidung zur Wirksamkeit der Klausel überprüfen zu lassen. Die vom\nKläger angegriffenen Feststellungen zur fehlenden Notwendigkeit, bei\nder Abmahnung einen Rechtsanwalt einzuschalten, hat das Berufungsgericht dagegen nicht zur Überprüfung gestellt. Die Entscheidungsgründe belegen, dass es insoweit nicht von umstrittenen und klärungsbedür ftigen Rechtsgrundsätzen ausgegangen ist. Ein Wille, die Revision über\n\nden zugesprochenen Teil der Klage hinaus auch für die Klägerseite zuzulassen, ist ihnen nicht zu entnehmen. Dafür gibt es auch sonst keinen\nerkennbaren Anhalt.\n\nMayen Wendt Felsch\n\nLehmann Dr. Brockmöller\n\nVorinstanzen:\nLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 21.04.2011 - 2/24 O 164/10 -\nOLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 01.03.2012 - 3 U 127/11 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-09-26/iv-zr-109-12","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"UKlaG","ref":"§ 5","ref_norm":"5","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-09-26/iv-zr-109-12","retrieved":"2026-10-24 07:58:33.864710+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-09-26/iv-zr-109-12","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"4. 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