{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2012-04-19","aktenzeichen":"IX ZB 192/11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 192/11\n\nvom\n\n19. April 2012\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Vill, Dr. Fischer und Grupp\n\nam 19. April 2012\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer\ndes Landgerichts Memmingen vom 25. Mai 2011 wird auf Kosten\ndes Schuldners als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, § 289 Abs. 2 Satz 1, §§ 4, 6,\n7 InsO, Art. 103f Satz 1 EGInsO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig.\nDie Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung und weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).\n\n2 1. Die geltend gemachte Gehörsverletzung liegt nicht vor. Der Schuldner musste mit einer Entscheidung über die sofortige Beschwerde rechnen,\nnachdem die von seinem Verfahrensbevollmächtigten erbetene Begründungsfrist verstrichen war, ohne dass dieser eine Beschwerdebegründung zu\nden Akten gereicht hatte.\n\n3 2. Das Beschwerdegericht ist - ohne dass Zulässigkeitsgründe berührt\nwerden - davon ausgegangen, dass der Schuldner gegen seine sich aus\n§ 97 InsO ergebenden Auskunfts- und Mitwirkungspflichten verstoßen hat.\nNach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann eine Mitwirkungspflichtverletzung vorliegen, wenn der Schuldner den Insolvenzverwalter über erzielte Einkünfte nicht unmittelbar unterrichtet. Die hierauf bezogenen Auskunftspflichten sind unverzüglich und nicht erst nach Ablauf des Kalenderjahres zu\nerfüllen (BGH, Beschluss vom 23. Februar 2012 - IX ZB 267/10, Rn. 3).\n\n4 3. Ebenso wenig greifen Zulässigkeitsgründe gegen die Feststellung\ndes Beschwerdegerichts ein, der Schuldner habe grob fahrlässig gehandelt.\nDie Anforderungen an die Annahme grober Fahrlässigkeit im Sinne von\n§ 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO sind geklärt (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Dezember\n2006 - IX ZB 11/06, ZInsO 2007, 96 Rn. 9; vom 9. Februar 2006 - IX ZB\n218/04, ZVI 2006, 258 Rn. 10). Der Senat könnte die Einschätzung des Beschwerdegerichts, der Schuldner habe grob fahrlässig gehandelt, nur darauf\nüberprüfen, ob das Beschwerdegericht den Begriff der groben Fahrlässigkeit\nverkannt und bei der Beurteilung der Fahrlässigkeit wesentliche Umstände\naußer Acht gelassen hat. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.\n\n5 Entgegen der Ansicht der Rechtsbeschwerde ist auch kein Raum für\ndie Annahme einer Heilung der Auskunftspflichtverletzung. Auf die angeführten Rechtsprechungsgrundsätze (BGH, Beschluss vom 16. Dezember 2010\n- IX ZB 63/09, ZIP 2011, 133; vom 17. September 2009 - IX ZB 284/08,\nZInsO 2009, 1954) vermag sich der Schuldner nicht zu berufen. Voraussetzung ist danach, dass der Schuldner von sich aus eine gebotene, aber zunächst von ihm unterlassene Auskunftserteilung selbständig nachholt (BGH,\n\nBeschluss vom 16. Dezember 2010, aaO Rn. 6). Die Verletzungshandlung\nmuss vom Schuldner selbst aufgedeckt werden (BGH, Beschluss vom\n3. Februar 2011 - IX ZB 99/09, WM 2011, 416 Rn. 2). Der Schuldner räumt in\nder Rechtsbeschwerde ein, dass er die Lohnsteuerbescheinigung erst auf\nentsprechende Aufforderung des Insolvenzverwalters vorgelegt hat. Damit\nhandelt es sich nicht um eine eigenständige Selbstoffenbarung (vgl. BGH,\nBeschluss vom 10. März 2011 - IX ZB 198/09, Rn. 3), sondern um ein vom\nInsolvenzverwalter veranlasstes Handeln des Schuldners.\n\n6 4. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3\nZPO abgesehen.\n\nKayser Gehrlein Vill\n\nFischer Grupp\n\nVorinstanzen:\nAG Neu-Ulm, Entscheidung vom 08.03.2011 - IN 466/06 -\nLG Memmingen, Entscheidung vom 25.05.2011 - 42 T 773/11 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-04-19/ix-zb-192-11","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103f","ref_norm":"103f","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-04-19/ix-zb-192-11","retrieved":"2026-10-24 08:00:42.337314+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-04-19/ix-zb-192-11","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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