{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"5. Zivilsenat","decided":"2012-04-04","aktenzeichen":"V ZA 8/12","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nV ZA 8/12\nvom\n\n4. April 2012\n\nin der Zwangsversteigerungssache\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. April 2012 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger, den Richter Prof. Dr. Schmidt-Räntsch, die\nRichterin Dr. Stresemann, den Richter Dr. Czub und die Richterin Weinland\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Beteiligte zu 1, die Landessparkasse zu Oldenburg, beantragte die Anordnung der Zwangsversteigerung eines Grundstücks des Beteiligten zu 4 unter\nHinweis auf § 16 Abs. 2 Satz 2 des Gesetzes für den Landesteil Oldenburg betreffend die Landessparkasse zu Oldenburg (vom 3. Juli 1933 in der Fassung des\n§ 43 Abs. 1 Nr. 5 NSpG vom 6. Juli 1962 [Nieders GVBl. S. 77]). Nach dieser Vorschrift ersetzt ein Vollstreckungsantrag der Landessparkasse den vollstreckbaren\nSchuldtitel. Mit Beschluss vom 15. März 2011 ordnete das Vollstreckungsgericht\ndie Zwangsversteigerung an. Ferner ließ es den Beitritt der Beteiligten zu 2 sowie\nmit Beschluss vom 11. Oktober 2011 den Beitritt der Beteiligten zu 3 zu dem Verfahren zu.\n\n2 Die Erinnerung des Beteiligten zu 4 gegen die Beschlüsse vom 15. März\nund 11. Oktober 2011 ist ohne Erfolg geblieben. Das Landgericht hat die sofortige\nBeschwerde zurückgewiesen. Der Beteiligte zu 4 beantragt, ihm für die Durchführung der zugelassenen Rechtsbeschwerde Prozesskostenhilfe zu bewilligen.\n\nII.\n\n3 Dem Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist nicht zu entsprechen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf\nErfolg bietet (§ 114 Satz 1 ZPO). Dass das Beschwerdegericht die Rechtsbeschwerde zugelassen hat, begründet die notwendige Erfolgsaussicht nicht (vgl.\nSenat, Beschluss vom 13. Dezember 2007 - V ZB 100/07 u.a., Rn. 5 juris). Erforderlich ist vielmehr, dass die anzufechtende Entscheidung ungeklärte Rechtsfragen aufwirft oder in der Sache unzutreffend ist. Daran fehlt es hier.\n\n4 Die Entscheidung des Beschwerdegerichts erweist sich unabhängig von der\nFrage, derentwegen die Rechtsbeschwerde zugelassen worden ist, als richtig. Ob\ndas nach dem Landesrecht zugunsten der Beteiligten zu 1 bestehende Selbsttitulierungsrecht gegen höherrangiges Recht verstößt, ist auf die Erinnerung des\nSchuldners hin nicht zu prüfen.\n\n5 Dabei bedarf es keiner Entscheidung, in welchem Umfang die formelle Unwirksamkeit eines Vollstreckungstitels mit der Vollstreckungserinnerung (§ 766\nZPO) gerügt werden kann (vgl. Senat, Beschluss vom 14. April 2005 - V ZB 4/05,\nDNotZ 2005, 845). Eine aus materiell-rechtlichen Erwägungen folgende Unwirksamkeit des Titels kann der Schuldner mit der Erinnerung jedenfalls nicht geltend\nmachen (Senat, Beschluss vom 7. Mai 2009 - V ZB 180/08, JurBüro 2009, 442,\n443; BGH, Beschluss vom 16. April 2009 - VII ZB 62/08, WM 2009, 846, 847).\nWegen der formalisierten Ausgestaltung des Vollstreckungsverfahrens ist ein den\nförmlichen Anforderungen genügender Titel von den Vollstreckungsorganen unbeschadet seiner möglichen materiell-rechtlichen Fehlerhaftigkeit zu vollstrecken\n(vgl. BGH, Urteil vom 14. Mai 1992 - VII ZR 204/90, BGHZ 118, 229, 234 und Beschluss vom 12. Januar 2012 - VII ZB 71/09, WM 2012, 454, 455 f. Rn. 15 für eine\nVollstreckungsklausel).\n\n6 Sollte das Gesetz, durch das der Beteiligten zu 1 ein Selbsttitulierungsrecht\neingeräumt worden ist, mit dem Grundgesetz unvereinbar sein (so für eine vergleichbare Vorschrift: OLG Oldenburg, Beschluss vom 17. März 2011 - 8 U\n139/10, juris), wäre die materielle Wirksamkeit des Vollstreckungstitels bzw.\n-antrags betroffen. Denn in Frage steht nicht eine an den Antrag zu stellende förmliche Anforderung, sondern die Rechtmäßigkeit des Gesetzes, welches diesen\neinem Vollstreckungstitel gleichstellt. Eine solche, die normative Grundlage des\nTitels betreffende Einwendung kann grundsätzlich nur mit der Titelgegenklage\n(§ 767 ZPO analog; vgl. BGH, Urteil vom 14. Mai 1992 - VII ZR 204/90, BGHZ\n118, 229, 236; Senat, Urteil vom 27. Januar 2012 - V ZR 92/11, Rn. 8, juris;\nMünchKomm-ZPO/K. Schmidt, ZPO, 3. Aufl., § 767 Rn. 6) geltend gemacht werden. Ob ausnahmsweise etwas anderes gilt, wenn die Unwirksamkeit des Titels\nevident ist, kann offen bleiben. Denn die Feststellung, dass § 16 Abs. 2 Satz 2 des\nGesetzes für den Landesteil Oldenburg betreffend die Landessparkasse zu\nOldenburg gegen höherrangiges Recht verstößt, liegt - wie nicht zuletzt die Begründung des Beschwerdegerichts deutlich macht - nicht auf der Hand.\n\n7 Weitergehende Einwendungen hat der Antragsteller auch hinsichtlich des\nBeschlusses, durch den der Beitritt der Beteiligten zu 3 zugelassen worden ist,\nnicht erhoben.\n\nKrüger Schmidt-Räntsch Stresemann\n\nCzub Weinland\n\nVorinstanzen:\nAG Oldenburg, Entscheidung vom 07.11.2011 - 34 K 22/11 -\nLG Oldenburg, Entscheidung vom 02.01.2012 - 6 T 917/11 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-04-04/v-za-8-12","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 766","ref_norm":"766","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 767","ref_norm":"767","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-04-04/v-za-8-12","retrieved":"2026-10-24 07:59:03.071873+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-04-04/v-za-8-12","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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