{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2012-02-23","aktenzeichen":"IX ZB 267/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 267/10\n\nvom\n\n23. Februar 2012\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Fischer, Grupp und die\nRichterin Möhring\n\nam 23. Februar 2012\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 3. Zivilkammer\ndes Landgerichts Landshut vom 23. November 2010 wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, § 289 Abs. 2 Satz 1, §§ 4, 6,\n7 InsO in der vor dem 27. Oktober 2011 geltenden Fassung in Verbindung mit\nArt. 103f Satz 1 EGInsO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Die\nRechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung, weder die Fortbildung des\nRechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine\nEntscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).\n\n2 1. In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist geklärt, dass eine\nBezugnahme auf einen Bericht des Insolvenzverwalters sowohl zur Darstellung\ndes Versagungsgrundes wie auch zu seiner Glaubhaftmachung genügt (BGH,\nBeschluss vom 8. Januar 2009 - IX ZB 73/08, ZInsO 2009, 395 Rn. 6; vom\n\n19. Mai 2011 - IX ZB 94/09, ZInsO 2011, 1412 Rn. 2). Auch die mittelbare Bezugnahme auf einen Strafbefehlsantrag der Staatsanwaltschaft genügt den Anforderungen (BGH, Beschluss vom 19. Mai 2011, aaO). Gleiches gilt für eine im\nanhängigen Insolvenzverfahren ergangene Entscheidung, mit der dem Schuldner die Kostenstundung wegen eines Verstoßes gegen die Mitwirkungspflichten\ndes § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO versagt wird. Durch diese zulässige Bezugnahme\nhat der Gläubiger den Versagungsgrund hinreichend dargelegt und glaubhaft\ngemacht.\n\n3 2. Das Beschwerdegericht ist - ohne dass Zulässigkeitsgründe berührt\nwerden - davon ausgegangen, dass der Schuldner gegen seine sich aus §§ 20,\n97 InsO ergebenden Auskunfts- und Mitwirkungspflichten verstoßen hat. Nach\nder höchstrichterlichen Rechtsprechung kann eine Mitwirkungspflichtverletzung\nvorliegen, wenn der Schuldner Gegenstände, die sich in seinem unmittelbaren\nBesitz befinden, an den Insolvenzverwalter nicht unverzüglich herausgibt (BGH,\nBeschluss vom 3. November 2011 - IX ZB 149/10, Rn. 2 n.v.). Für den werthaltigen Pkw des Schuldners ist dies offensichtlich. Der Senat hat ferner entschieden, dass Einkünfte, die ein selbständig tätiger Schuldner nach der Eröffnung\ndes Insolvenzverfahrens erzielt, in vollem Umfang, ohne einen Abzug für beruflich bedingte Ausgaben, zur Insolvenzmasse gehören (BGH, Beschluss vom\n19. Mai 2011, aaO Rn. 4). Die hieraus folgenden Auskunftspflichten sind unverzüglich und nicht erst nach Ablauf des Kalenderjahres zu erfüllen.\n\n4 3. Ebenso wenig greifen Zulässigkeitsgründe gegen die Feststellung des\nBeschwerdegerichts ein, der Schuldner habe grob fahrlässig gehandelt. Die\nAnforderungen an die Annahme grober Fahrlässigkeit im Sinne von § 290\nAbs. 1 Nr. 5 InsO sind geklärt (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Dezember 2006\n- IX ZB 11/06, ZInsO 2007, 96 Rn. 9; vom 9. Februar 2006 - IX ZB 218/04, ZVI\n\n2006, 258 Rn. 10). Der Senat könnte die Einschätzung des Beschwerdegerichts, der Schuldner habe grob fahrlässig gehandelt, nur darauf überprüfen, ob\ndas Beschwerdegericht den Begriff der groben Fahrlässigkeit verkannt und bei\nder Beurteilung der Fahrlässigkeit wesentliche Umstände außer Acht gelassen\nhat. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.\n\n5 4. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO\nabgesehen.\n\nKayser Gehrlein Fischer\n\nGrupp Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Landshut, Entscheidung vom 17.09.2010 - 1 IN 61/03 -\nLG Landshut, Entscheidung vom 23.11.2010 - 32 T 2982/10 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-02-23/ix-zb-267-10","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103f","ref_norm":"103f","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 20","ref_norm":"20","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-02-23/ix-zb-267-10","retrieved":"2026-10-24 08:00:41.234960+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-02-23/ix-zb-267-10","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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