{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2012-01-12","aktenzeichen":"IX ZB 12/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 12/09\n\nvom\n\n12. Januar 2012\n\nin dem Verfahren auf Vollstreckbarerklärung\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, den Richter Raebel, die Richterin Lohmann, den Richter\nDr. Pape und die Richterin Möhring\n\nam 12. Januar 2012\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 5. Zivilsenats\ndes Oberlandesgerichts Stuttgart vom 15. Dezember 2008 (5 W\n71/08) wird auf Kosten des Rechtsbeschwerdeführers als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert wird auf 5.444,30 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1\nDas gemäß Art. 37 Satz 2 EuGVÜ in Verbindung mit § 15 Abs. 1 AVAG,\n§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthafte Rechtsmittel ist unzulässig; denn die\nRechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung und weder die Fortbildung\ndes Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordern\neine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).\n\n2 1. Der von der Rechtsbeschwerde geltend gemachte Zulässigkeitsgrund\nder Grundsatzbedeutung liegt nicht vor. Die aufgeworfene Rechtsfrage, wann\nvon einer Einlassung im Adhäsionsverfahren im Sinne von Art. 27 Nr. 2 EuGVÜ\noder ihrer Ablehnung auszugehen ist, hat der Europäische Gerichtshof bereits\n\ngeklärt (Urteil vom 21. April 1993 - Rs C-172/91 - Sonntag/Waidmann, NJW\n1993, 2091 Rn. 41, 44). Danach hätte es der Rechtsbeschwerdeführer ausdrücklich ablehnen müssen, sich neben dem Strafvorwurf auch zur gleichzeitig\nvor dem Strafgericht verhandelten Zivilklage einzulassen; andernfalls wird seine\nEinlassung insgesamt angenommen (vgl. BGH, Beschluss vom 16. September\n1993 - IX ZB 82/90, WM 1993, 2252, 2254, insoweit in BGHZ 123, 268 nicht\nabgedruckt; vom 3. August 2011 - XII ZB 187/10, NJW 2011, 3103 Rn. 19;\nKropholler/v. Hein, Europäisches Zivilprozessrecht, 9. Aufl., Art. 34 EuGVO\nRn. 28; Geimer in Geimer/Schütze, Europäisches Zivilverfahrensrecht, 3. Aufl.,\nA. 1 Art. 34 Rn. 115; Leible in Rauscher, EuZPR/EuIPR, 2011, Art. 34 Brüssel\nI-VO Rn. 38; Musielak/Stadler, ZPO, 8. Aufl., Art. 34 EuGVVO Rn. 6). Dass der\nRechtsbeschwerdeführer im französischen Verfahren zum Ausdruck gebracht\nhat, sich nicht zur Zivilklage einlassen zu wollen, ist nicht ersichtlich.\n\n3 2. Ebenso wenig trägt der Zulässigkeitsgrund des Einheitssicherungsbedarfs, weil das Beschwerdegericht den Begriff der Ausfertigung im Sinne des im\nStreitfall maßgeblichen Art. 46 Nr. 1 EuGVÜ falsch verstanden haben könnte.\nZwar befinden sich zwischenzeitlich nur noch Fotokopien des für vollstreckbar\nzu erklärenden französischen Urteils in den Akten. Dies ist aber nur dem Umstand geschuldet, dass die ursprünglich eingereichte Ausfertigung des mit der\nVollstreckungsklausel versehenen Titels an die Beschwerdegegner zurückgesandt worden ist, vgl. § 10 Abs. 3 Satz 1 AVAG.\n\n4 3. Die Rechtsbeschwerde legt nicht hinreichend dar, dass wegen der\nVerletzung von Verfahrensgrundrechten ihre Zulässigkeit in Frage kommt. Der\nRechtsbeschwerdeführer hat selbst eingeräumt, die französische Umgangssprache zu beherrschen, so dass die unterlassene Beiziehung eines Dolmetschers im französischen Verfahren nicht zwingend das Recht auf ein faires Ver-\n\nfahren im Sinne von Art. 6 Abs. 3 e) EMRK verletzt haben muss, zumal der\nRechtsbeschwerdeführer anwaltlich vertreten war. Es wird auch nicht ausgeführt, dass der Rechtsbeschwerdeführer im französischen Verfahren überhaupt\nauf die Beiziehung eines Dolmetschers hingewirkt hat.\n\n5 4. Von einer weitergehenden Begründung wird gemäß § 17 Abs. 2\nAVAG, § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.\n\nKayser Raebel Lohmann\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nLG Stuttgart, Entscheidung vom 22.10.2008 - 17 O 600/08 -\nOLG Stuttgart, Entscheidung vom 15.12.2008 - 5 W 71/08 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-01-12/ix-zb-12-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 10","ref_norm":"10","n":1},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 15","ref_norm":"15","n":1},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 17","ref_norm":"17","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2012-01-12/ix-zb-12-09","retrieved":"2026-10-24 08:00:39.515179+00:00"},"card":{"id":"bgh/2012-01-12/ix-zb-12-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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