{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2011-05-19","aktenzeichen":"IX ZB 108/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 108/10\n\nvom\n\n19. Mai 2011\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Fischer, Grupp und die\nRichterin Möhring\n\nam 19. Mai 2011\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 23. Zivilkammer\ndes Landgerichts Bielefeld vom 19. April 2010 wird auf Kosten des\nSchuldners als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf\n14.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, §§ 6, 7, 289 Abs. 2 Satz 1\nInsO statthafte Rechtsbeschwerde ist im Übrigen unzulässig. Sie legt keinen\nZulässigkeitsgrund nach § 574 Abs. 2 ZPO dar.\n\n2 Zwar ist der angefochtene Beschluss insoweit fehlerhaft, als der Beteiligte zu 1 den Versagungsantrag verspätet gestellt hat (vgl. BGH, Beschluss vom\n23. Oktober 2009 - IX ZB 53/08, ZInsO 2008, 1272 Rn. 9 f.). Die Rechtsbeschwerdebegründung zeigt jedoch nicht auf, dass das Beschwerdegericht hierdurch einen ausdrücklichen oder stillschweigenden Obersatz aufgestellt hat,\nder von der Rechtsprechung des Senats abweicht. Vielmehr bezeichnet sie\n\nangesichts der in diesem Punkt nicht begründeten Entscheidung einen Subsumtionsfehler, der nicht zur Zulassung der Revision führen kann (vgl. BGH,\nBeschluss vom 23. März 2011 - IX ZR 212/08, juris Rn. 7).\n\n3 Die übrigen gerügten Fehler liegen nicht vor. Mit dem Vortrag der objektiv schwerwiegenden Obliegenheitsverletzung hat der Gläubiger auch ausreichend die subjektiven Voraussetzungen des Versagungsgrundes dargelegt und\nglaubhaft gemacht. Da der Versagungsantrag zulässig war, mussten die Instanzgerichte nach § 5 Abs. 1 Satz 1 InsO in die Amtsermittlung eintreten. Der\nSenat kann die Einschätzung des Beschwerdegerichts, der Schuldner habe\ngrob fahrlässig gehandelt, in einem Rechtsbeschwerdeverfahren nur daraufhin\nüberprüfen, ob das Beschwerdegericht den Begriff der groben Fahrlässigkeit\nverkannt oder bei der Beurteilung des Grades der Fahrlässigkeit wesentliche\nUmstände außer Acht gelassen hat. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte (BGH,\nBeschluss vom 7. Oktober 2010 - IX ZA 29/10 ZInsO 2010, 2148 Rn. 5).\n\n4 Ein Verstoß gegen Art. 103 GG liegt nicht vor. Dass das Beschwerdegericht Vortrag des Schuldners in der angefochtenen Entscheidung nicht ausdrücklich erwähnt, heißt nicht, dass es ihn nicht gesehen und bei der Entscheidung nicht in Betracht gezogen hat. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass\ndas Gericht das von ihm entgegengenommene Vorbringen eines Beteiligten\nauch zur Kenntnis genommen und in Erwägung gezogen hat, zumal es nach\nArt. 103 Abs. 1 GG nicht verpflichtet ist, sich mit jedem Vorbringen in der Begründung ausdrücklich zu befassen (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Juni 2007\n- IX ZB 51/06, NZI 2008, 121 Rn. 13 mwN). Das Prozessrecht gibt keinen Anspruch darauf, dass sich das Gericht mit Vorbringen einer Partei in der Weise\nauseinandersetzt, die diese selbst für richtig hält. Aus Art. 103 Abs. 1 GG folgt\nauch keine Verpflichtung des Gerichts, der von einer Partei vertretenen\n\nRechtsansicht zu folgen (BGH, Beschluss vom 21. Februar 2008 - IX ZR 62/07,\nDStRE 2009, 328 Rn. 5) und bestimmte Schlüsse aus Indizien zu ziehen.\n\n5 Von einer weiteren Begründung wird nach § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.\n\nKayser Gehrlein Fischer\n\nGrupp Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Bielefeld, Entscheidung vom 18.12.2009 - 43 IK 11/07 -\nLG Bielefeld, Entscheidung vom 19.04.2010 - 23 T 30/10 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-05-19/ix-zb-108-10","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 5","ref_norm":"5","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-05-19/ix-zb-108-10","retrieved":"2026-10-24 08:00:33.771810+00:00"},"card":{"id":"bgh/2011-05-19/ix-zb-108-10","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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