{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2011-03-10","aktenzeichen":"IX ZB 219/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 219/09\n\nvom\n\n10. März 2011\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Fischer, Grupp und die\nRichterin Möhring\n\nam 10. März 2011\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsmittel des weiteren Beteiligten werden der Beschluss der 11. Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe vom\n14. September 2009 und der Beschluss des Amtsgerichts Karlsruhe vom 5. August 2008 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\nder Rechtsmittelverfahren, an das Amtsgericht Karlsruhe zurückverwiesen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 159.262,80 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der weitere Beteiligte wurde am 3. August 2004 zum vorläufigen Insolvenzverwalter und am 1. Oktober 2004 mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Schuldnerin zum Insolvenzverwalter bestellt. Am\n\n11. Juni 2008 beantragte er, die Vergütung für seine Tätigkeit als vorläufiger\nVerwalter auf 137.295,52 € zuzüglich 16 v.H. Umsatzsteuer festzusetzen. Das\nAmtsgericht hat den Antrag mit der Begründung zurückgewiesen, der Anspruch\nsei verjährt. Auf die sofortige Beschwerde des weiteren Beteiligten hat das\nLandgericht den Beschluss des Amtsgerichts aufgehoben und die Sache zur\nerneuten Entscheidung unter Beachtung der Rechtsauffassung der Kammer\nzurückverwiesen. Hiergegen wendet sich der weitere Beteiligte mit der Rechtsbeschwerde.\n\nII.\n\n2 Die zulässige Rechtsbeschwerde hat auch in der Sache Erfolg. Sie führt\nzur Aufhebung der angefochtenen Entscheidungen und zur Zurückverweisung\nder Sache an das Insolvenzgericht.\n\n3 1. Das Landgericht hat ausgeführt, der Vergütungsanspruch sei gemäß\n§§ 195, 199 Abs. 1 BGB seit Ablauf des 31. Dezember 2007 verjährt. Die Verjährung sei weder durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch durch eine\nvereinbarte Stundung gehemmt worden. Entgegen der Ansicht des Amtsgerichts dürfe die Verjährung aber nicht von Amts wegen, sondern nur auf die Einrede eines hierzu Berechtigten berücksichtigt werden. Hierzu müsse den übrigen Beteiligten nach Zurückverweisung der Sache Gelegenheit gegeben werden.\n\n4 2. Diese Ausführungen halten der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.\nDer Vergütungsanspruch des weiteren Beteiligten ist nicht verjährt. Wie der Senat zwischenzeitlich entschieden hat, verjährt der Vergütungsanspruch des vor-\n\nläufigen Insolvenzverwalters innerhalb der dreijährigen Regelverjährung des\n§ 195 BGB. Die Frist beginnt gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB mit dem Schluss\ndes Jahres, in welchem das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, der Vergütungsanspruch mithin entstanden ist. Bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens ist die Verjährung jedoch in Anlehnung an den Rechtsgedanken des § 8\nAbs. 2 Satz 1 RVG gehemmt (BGH, Beschluss vom 22. September 2010\n- IX ZB 195/09, ZIP 2010, 2160, Rn. 27, 28, 30 ff; vom 13. Januar 2011 - IX ZB\n97/09, juris Rn. 2; vom 20. Januar 2011 - IX ZB 190/09, juris Rn. 2).\n\n5 3. Die angefochtene Entscheidung kann daher keinen Bestand haben.\nDa dem Senat eine eigene Sachentscheidung nicht möglich ist, ist die Sache\nzurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO). Im Hinblick darauf, dass der\nVergütungsantrag selbst noch nicht geprüft ist, hält der Senat es für sachgerecht, das Verfahren gemäß § 577 Abs. 4, § 572 Abs. 3 ZPO unter Aufhebung\n\nauch der erstinstanzlichen Entscheidung an das Insolvenzgericht zurückzuverweisen (vgl. BGH, Beschluss vom 22. Juli 2004 - IX ZB 161/03, BGHZ 160,\n176, 185 f).\n\nKayser Gehrlein Fischer\n\nGrupp Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Karlsruhe, Entscheidung vom 05.08.2008 - 2 IN 704/04 -\nLG Karlsruhe, Entscheidung vom 14.09.2009 - 11 T 458/08 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-03-10/ix-zb-219-09","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 195","ref_norm":"195","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 199","ref_norm":"199","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 572","ref_norm":"572","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-03-10/ix-zb-219-09","retrieved":"2026-10-24 08:00:32.258460+00:00"},"card":{"id":"bgh/2011-03-10/ix-zb-219-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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