{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2011-02-23","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 4/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 4/10\n\nvom\n\n23. Februar 2011\n\nin der verwaltungsrechtlichen Anwaltssache\n\nwegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Präsidenten\ndes Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Tolksdorf, die Richterinnen Lohmann und\nDr. Fetzer, den Rechtsanwalt Dr. Wüllrich und die Rechtsanwältin Dr. Hauger\n\nam 23. Februar 2011 beschlossen:\n\nDer Kläger hat die Kosten des in der Hauptsache erledigten Verfahrens zu tragen und der Beklagten die im Zulassungsverfahren\nund im Verfahren vor dem Anwaltsgerichtshof entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.\n\nDer Geschäftswert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Mit Bescheid vom 5. November 2009 hat die Beklagte die Zulassung des\nAntragstellers zur Rechtsanwaltschaft wegen Vermögensverfalls widerrufen.\nDie dagegen gerichtete Klage hat der Anwaltsgerichtshof mit am 14. Juni 2010\ndem Prozessbevollmächtigten des Klägers zugestelltem Urteil abgewiesen. Der\nKläger hat beantragt, die Berufung gegen dieses Urteil zuzulassen. Im Antragsschriftsatz hat er eine fristgerechte Begründung des Zulassungsantrags in Aussicht gestellt. In der Folgezeit hat er lediglich mit einem am 10. August 2010\neingegangenen Schriftsatz als \"Ergänzung\" seiner \"Berufung\" ein unerläutert\ngebliebenes Konvolut von Zahlungsbelegen und Aufstellungen vorgelegt.\n\n2 Kurze Zeit später hat der Kläger in einem an die Beklagte gerichteten\nSchreiben auf die Zulassung als Rechtsanwalt mit Wirkung zum 30. November\n\n2010 verzichtet. Der hierauf am 19. November 2010 von der Beklagten verfügte\nWiderruf der Zulassung ist seit 1. Dezember 2010 bestandskräftig. Im Hinblick\ndarauf haben die Parteien den Rechtsstreit in der Hauptsache übereinstimmend\nfür erledigt erklärt. Die Beklagte hat beantragt, die Kosten des Verfahrens dem\nKläger aufzuerlegen.\n\nII.\n\n3 Aufgrund der Erledigung des Verfahrens ist nach § 112c Abs. 1 Satz 1\nBRAO, § 161 Abs. 2 Satz 1 VwGO lediglich noch über die Kostentragungspflicht zu entscheiden. Die Kostenentscheidung hat dabei - wie bei § 91a ZPO -\nnach billigem Ermessen unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und\nStreitstands zu erfolgen. Danach ist auszusprechen, dass der Kläger die angefallenen Verfahrenskosten trägt und der Beklagten deren notwendige außergerichtliche Auslagen zu erstatten hat. Denn sein Zulassungsantrag wäre bei streitigem Fortgang des Verfahrens gemäß § 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 5\nSatz 1 VwGO als unzulässig zu verwerfen gewesen, weil er die Antragsbegründungsfrist nach § 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO versäumt\nhat.\n\n4 Diese beträgt zwei Monate und wird mit der Zustellung des angefochtenen Urteils in Gang gesetzt. Der Kläger hat die hier am 14. August 2010 ablaufende Begründungsfrist ungenutzt verstreichen lassen. Der am 10. August 2010\nbeim Bundesgerichtshof eingegangene Schriftsatz, mit dem er lediglich ein\nnach Inhalt und Zielsetzung nicht erläutertes Anlagenkonvolut vorgelegt hat,\ngenügt den Anforderungen an eine Antragsbegründung nicht. Nach § 112e\nSatz 2 BRAO, § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO ist hierfür die Darlegung der Gründe\nerforderlich, aus denen die Berufung zuzulassen ist. Für das Darlegungsgebot\n\ngelten im Grundsatz dieselben Anforderungen, wie sie die Rechtsprechung zur\nBeschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision (§ 133 Abs. 3 Satz 3\nVwGO; § 544 Abs. 2 Satz 3 ZPO) entwickelt hat (vgl. Meyer-Ladewig/Rudisle in\nSchoch/Schmidt-Aßmann/Pietzer, VwGO, 20. EL, § 124a Rn. 89). Daher müssen auch hier die aus Sicht des Antragstellers in Betracht kommenden Zulassungsgründe im Sinne des § 124 Abs. 2 VwGO nicht nur benannt, sondern\nauch hinreichend erläutert werden (BVerwG, Beschlüsse vom 30. September\n2005 - 1 B 26/05, Buchholz 310 § 113 (nF) VwGO Nr. 82; vom 27. Mai 2008\n- 4 B 42/07, juris Rn. 2; BGH, Beschluss vom 1. Oktober 2002 - XI ZR 71/02,\nBGHZ 152, 182, 185). Zudem sind die Voraussetzungen des geltend gemachten Zulassungsgrundes substantiiert darzulegen (vgl. BGH, Beschlüsse vom\n1. Oktober 2002 - XI ZR 71/02, aaO; vom 24. Mai 2007 - V ZR 251/06, NJW-RR\n2007, 1435, 1436; vom 25. März 2010 - V ZB 159/09, NJW-RR 2010, 784\nRn. 5; VGH München, Beschluss vom 18. Januar 2011 - 8 ZB 10.2239, juris\nRn. 8; Schmidt-Räntsch in Gaier/Wolf/Göcken, Anwaltliches Berufsrecht,\n§ 112e BRAO Rn. 74 f.). Diesen Erfordernissen hat der Kläger nicht ansatzweise entsprochen. Eine Abänderung der angefochtenen Entscheidung des An-\n\nwaltsgerichtshofs wäre daher schon im Hinblick auf die Unzulässigkeit des Zulassungsantrags nicht in Betracht gekommen.\n\nTolksdorf Lohmann Fetzer\n\nWüllrich Hauger\n\nVorinstanz:\nAGH Stuttgart, Entscheidung vom 31.05.2010 - AGH 1/10 (II) -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-02-23/anwz-brfg-4-10","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112e","ref_norm":"112e","n":4},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124a","ref_norm":"124a","n":3},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 161","ref_norm":"161","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91a","ref_norm":"91a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-02-23/anwz-brfg-4-10","retrieved":"2026-10-24 07:50:40.461274+00:00"},"card":{"id":"bgh/2011-02-23/anwz-brfg-4-10","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat für Anwaltssachen","date":"2011-02-23","dockets":["AnwZ (Brfg) 4/10"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 23.02.2011 – AnwZ (Brfg) 4/10","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-02-23/anwz-brfg-4-10","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Kläger hat die Kosten des in der Hauptsache erledigten Verfahrens zu tragen und der Beklagten die im Zulassungsverfahren\nund im Verfahren vor dem Anwaltsgerichtshof entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.\n\nDer Geschäftswert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 €\nfestgesetzt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BRAO/112e","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112e","label":"§ 112e BRAO","mentions":4},{"id":"VwGO/124a","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"124a","label":"§ 124a VwGO","mentions":3},{"id":"BRAO/112c","law":"BRAO","abbreviation":"BRAO","ref":"112c","label":"§ 112c BRAO","mentions":1},{"id":"VwGO/124","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"124","label":"§ 124 VwGO","mentions":1},{"id":"VwGO/133","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"133","label":"§ 133 VwGO","mentions":1},{"id":"VwGO/161","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"161","label":"§ 161 VwGO","mentions":1},{"id":"ZPO/91a","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"91a","label":"§ 91a ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/544","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"544","label":"§ 544 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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