{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2011-01-13","aktenzeichen":"IX ZB 113/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIX ZB 113/10\n\nvom\n\n13. Januar 2011\n\nin dem Verbraucherinsolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, den Richter Raebel, die Richterin Lohmann, den Richter\nDr. Pape und die Richterin Möhring\n\nam 13. Januar 2011\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der weiteren Beteiligten zu 1 wird der\nBeschluss der 2. Zivilkammer des Landgerichts Bremen vom\n12. April 2010 aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung - auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens - an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 € festgesetzt.\n\nDer Antrag des Schuldners auf Prozesskostenhilfe für das\nRechtsbeschwerdeverfahren wird abgelehnt.\n\nGründe:\n\n1 Die weitere Beteiligte zu 1 (Gläubigerin) hat die Versagung der Restschuldbefreiung beantragt. Das Insolvenzgericht hat den Antrag zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde der Gläubigerin ist erfolglos geblieben. Mit ihrer\nRechtsbeschwerde will die Gläubigerin weiterhin die Versagung der Rest-\n\nschuldbefreiung erreichen. Hilfsweise beantragt sie, die Sache an das Beschwerdegericht zurückzuverweisen.\n\n2 Die Rechtsbeschwerde ist nach § 296 Abs. 3 Satz 1, §§ 6, 7 InsO, § 574\nAbs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthaft. Sie führt bereits deshalb zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht, weil der angefochtene Beschluss\nnicht mit Gründen versehen ist. Beschlüsse, die der Rechtsbeschwerde unterliegen, müssen den maßgeblichen Sachverhalt, über den entschieden wird,\nwiedergeben und den Streitgegenstand sowie die in den Vorinstanzen gestellten Anträge erkennen lassen (st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 20. Juni 2002\n- IX ZB 56/01, WM 2003, 101; vom 14. Juni 2010 - II ZB 20/09, NJW-RR 2010,\n1582 Rn. 5). Fehlen die erforderlichen tatsächlichen Feststellungen, ist das\nRechtsbeschwerdegericht, das grundsätzlich von dem vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt auszugehen hat (§ 577 Abs. 2 Satz 4, § 559 ZPO), zu einer\nrechtlichen Überprüfung der angefochtenen Entscheidung nicht in der Lage.\n\n3 So liegt der Fall hier. Weder dem Beschluss des Insolvenzgerichts, auf\nden das Beschwerdegericht sich bezieht, noch demjenigen des Beschwerdegerichts lässt sich entnehmen, welche Obliegenheitsverletzung die Gläubigerin\ndem Schuldner vorgeworfen und glaubhaft gemacht hat und in welchem Verfahrensstadium sich das Insolvenzverfahren im Zeitpunkt des behaupteten Pflichtverstoßes sowie im Zeitpunkt der Antragstellung befand.\n\n4 Vorsorglich weist der Senat darauf hin, dass die Obliegenheiten des\n§ 295 InsO, deren Verletzung das Beschwerdegericht geprüft zu haben scheint,\nerst von der Aufhebung des Insolvenzverfahrens an gelten (BGH, Beschluss\nvom 18. Dezember 2008 - IX ZB 249/07, ZVI 2009, 170 Rn. 8 ff). Eine Versagung der Restschuldbefreiung nach Maßgabe des § 290 InsO, der das Verhal-\n\nten des Schuldners vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und während\ndessen Dauer betrifft, muss im Schlusstermin - also vor der Aufhebung des Insolvenzverfahrens - beantragt werden (§ 290 Abs. 1 InsO; vgl. BGH, Beschluss\nvom 18. Mai 2006 - IX ZB 103/05, NZI 2006, 538 Rn. 6; vom 25. Oktober 2007\n- IX ZB 187/03, ZVI 2007, 574 Rn. 3).\n\n5 Der Antrag des Schuldners auf Prozesskostenhilfe wird abgelehnt, weil\ndie Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens für den Schuldner vier der nach\n§ 115 ZPO zu zahlenden Monatsraten nicht übersteigen (§ 115 Abs. 3 ZPO).\n\nKayser Raebel Lohmann\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Bremen, Entscheidung vom 06.01.2010 - 40 IK 947/05 M -\nLG Bremen, Entscheidung vom 12.04.2010 - 2 T 95/10 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-01-13/ix-zb-113-10","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 559","ref_norm":"559","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 295","ref_norm":"295","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-01-13/ix-zb-113-10","retrieved":"2026-10-24 08:00:31.085121+00:00"},"card":{"id":"bgh/2011-01-13/ix-zb-113-10","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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