{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2010-05-20","aktenzeichen":"IX ZB 292/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 292/08\n\nvom\n\n20. Mai 2010\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Prof.\nDr. Kayser, Raebel, Prof. Dr. Gehrlein, Dr. Pape und Grupp\n\nam 20. Mai 2010\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 4. Zivilsenats\ndes Oberlandesgerichts Celle vom 26. November 2008 wird auf\nKosten der Klägerin als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 7.067,37 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522\nAbs. 1 Satz 4, § 238 Abs. 2 Satz 1 ZPO), aber unzulässig. Weder hat die\nRechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung des\nRechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).\n\n2 1. Eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts ist zur Sicherung\neiner einheitlichen Rechtsprechung auch dann erforderlich, wenn das Beschwerdegericht bei der Versagung der begehrten Wiedereinsetzung in den\nvorigen Stand Verfahrensgrundrechte verletzt hat (BGHZ 151, 221, 227\nm.w.N.). Die Verfahrensgrundrechte auf Gewährung wirkungsvollen Rechtsschutzes (Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip) und auf\n\nrechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) gebieten es, den Zugang zu den Gerichten und den in den Verfahrensordnungen vorgesehenen Instanzen nicht in unzumutbarer, aus Sachgründen nicht mehr zu rechtfertigender Weise zu erschweren (BVerfG NJW-RR 2002, 1004; BGHZ 151, 221, 227; BGH, Beschl. v.\n9. November 2005 - XII ZB 270/04, FamRZ 2006, 192 Rn. 8; jeweils m.w.N.).\nDanach darf einer Partei die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht aufgrund von Anforderungen an die Sorgfaltspflichten ihres Prozessbevollmächtigten versagt werden, die nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht verlangt\nwerden und mit denen sie auch unter Berücksichtigung der Entscheidungspraxis des angerufenen Gerichts nicht rechnen musste (BVerfG aaO; NJW 2004,\n2583, 2584; BGH, Beschl. v. 23. Mai 2006 - VI ZB 77/05, NJW 2006, 2638\nRn. 3; jeweils m.w.N.).\n\n3 2. Das Berufungsgericht hat bei seiner Beurteilung, dass die Klägerin ein\nihr nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzurechnendes Verschulden ihres Prozessbevollmächtigten nicht ausgeräumt hat, die Anforderungen an die Sorgfaltspflichten\ndes Anwalts im Ergebnis nicht überspannt.\n\n4 a) Dabei kommt es nicht darauf an, ob die von der Rechtsbeschwerde\nbeanstandete Auffassung des Berufungsgerichts zutrifft, zu einer wirksamen\nAusgangskontrolle gehöre eine Anordnung des Prozessbevollmächtigten, die\ngewährleiste, dass die Erledigung fristgebundener Sachen am Abend eines jeden Arbeitstages anhand des Fristenkalenders von einer damit beauftragten\nBürokraft überprüft wird, und zwar auch dann, wenn die Mitarbeiterinnen im Übrigen angewiesen sind, Notfristen im Falle einer Übermittlung des Schriftsatzes\nper Telefax erst nach Kontrolle des Sendeberichts im Fristenkalender zu löschen.\n\n5 b) Ein Verschulden des Prozessbevollmächtigten liegt darin, dass er\n- ungeachtet einer allgemeinen Anweisung, fristgebundene Schriftsätze grundsätzlich per Telefax zu übermitteln - im konkreten Fall die zuständige Mitarbeiterin nicht daran erinnerte, die Berufungsschrift vorab per Telefax zu versenden.\nHierzu hätte Anlass bestanden, nachdem der von ihm diktierte Zusatz \"vorab\nper Telefax\" auf der Berufungsschrift nicht angebracht war, als sie ihm zur Unterzeichnung vorgelegt wurde. Die Würdigung des Berufungsgerichts, eine solche Erinnerung sei veranlasst gewesen, weil aus der Akte zu ersehen sei, dass\nin erster Instanz alle per Telefax übermittelten Schriftsätze diesen Zusatz enthielten, während er auf den nur per Post übersandten Schriftsätzen gefehlt habe, ist unter zulässigkeitsrelevanten Gesichtspunkten nicht zu beanstanden.\n\nKayser Raebel Gehrlein\n\nPape Grupp\n\nVorinstanzen:\nLG Lüneburg, Entscheidung vom 12.09.2008 - 1 O 91/08 -\nOLG Celle, Entscheidung vom 26.11.2008 - 4 U 160/08 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2010-05-20/ix-zb-292-08","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 85","ref_norm":"85","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2010-05-20/ix-zb-292-08","retrieved":"2026-10-24 08:00:26.975327+00:00"},"card":{"id":"bgh/2010-05-20/ix-zb-292-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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