{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VII. Zivilsenat","decided":"2009-10-28","aktenzeichen":"VII ZB 82/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVII ZB 82/09 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n28. Oktober 2009 \n\nin dem Zwangsvollstreckungsverfahren \n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. Oktober 2009 durch den \n\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Kniffka, den Richter Dr. Schmidt-Räntsch, die \n\nRichterin Safari Chabestari und die Richter Halfmeier und Leupertz \n\nbeschlossen: \n\n1. Der Antrag des Schuldners, die Zwangsvollstreckung aus dem \n\nPfändungs- und Überweisungsbeschluss des Amtsgerichts \n\nKirchheim unter Teck vom 17. März 2000 einstweilen einzustel-\n\nlen, wird zurückgewiesen. \n\n2. Dem Schuldner wird für das Verfahren über die Rechtsbe-\n\nschwerde gegen den Beschluss der 2. Zivilkammer des Landge-\n\nrichts Stuttgart vom 6. August 2009 Prozesskostenhilfe ohne \n\nRatenzahlung gewährt und Rechtsanwalt Dr. Baukelmann bei-\n\ngeordnet. \n\nGründe: \n\n1 \n\n1. Über die beantragte einstweilige Anordnung ist gemäß § 575 Abs. 5 \n\nZPO i.V.m. § 570 Abs. 3 ZPO nach pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden. \n\nDabei sind die Erfolgsaussichten der Rechtsbeschwerde zu berücksichtigen \n\nund die Nachteile, die dem Schuldner durch die weitergehende Vollstreckung \n\ndrohen, gegen diejenigen abzuwägen, die die Gläubigerin bei einer Aussetzung \n\nder Vollziehung der Vollstreckung zu befürchten hat (vgl. BGH, Beschluss vom \n\n21. März 2002 - IX ZB 48/02, NJW 2002, 1658). Eine einstweilige Einstellung \n\nder Zwangsvollstreckung kommt nur in Betracht, wenn die Rechtslage zumin-\n\n \n \n\n2 \n\n3 \n\ndest zweifelhaft ist, die zulässige Rechtsbeschwerde jedenfalls nicht aussichts-\n\nlos erscheint (Zöller/Gummer, ZPO, 27. Aufl., § 575 Rdn. 11). \n\n2. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze war die weitere Vollstre-\n\nckung aus dem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss des Amtsgerichts vom \n\n17. März 2000 nicht einstweilen einzustellen. \n\na) Der Schuldner will mit seinem Antrag verhindern, dass die Auszahlung \n\naus der gepfändeten Direktkapitallebensversicherung bei Fälligkeit am 1. No-\n\nvember 2009 an die Gläubigerin erfolgt. Daran hat er kein schützenswertes In-\n\nteresse, denn die Gläubigerin kann aufgrund des Pfändungs- und Überwei-\n\nsungsbeschlusses am 1. November 2009 die Auszahlung an sich fordern. Mit \n\ndem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss vom 17. März 2000 wurde der \n\nkünftige Anspruch des Schuldners gegen die Drittschuldnerin auf Auszahlung \n\nder Versicherungssumme gepfändet. Der Senat muss nicht entscheiden, ob \n\n- wie das Beschwerdegericht meint - aus § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG i.V.m. \n\n§ 851 ZPO ein Pfändungsverbot nicht nur für das Anwartschaftsrecht, sondern \n\nauch für diesen künftigen Anspruch abgeleitet werden kann. Denn ein Verstoß \n\ngegen ein solches Pfändungsverbot führt nicht zur Nichtigkeit des Pfändungs- \n\nund Überweisungsbeschlusses, sondern nur zur Anfechtbarkeit; er ist bis zur \n\nAufhebung auf ein Rechtsmittel vom Schuldner und vom Drittschuldner zu be-\n\nachten (vgl. BGH, Beschluss vom 23. Oktober 2008 - VII ZB 16/08, WM 2008, \n\n2265 = MDR 2009, 105 = NJW-RR 2009, 211). \n\n4 \n\nEin etwaiger Verstoß gegen ein Pfändungsverbot wird am 1. November \n\n2009 dadurch geheilt, dass der Versicherungsfall eintritt und der Anspruch des \n\nSchuldners auf Auszahlung der Versicherungssumme fällig wird. § 2 Abs. 2 \n\nSatz 4 BetrAVG ist nicht anwendbar, wenn die Versorgungsanwartschaft zum \n\nVollrecht erstarkt ist. Eine Aufhebung des Pfändungs- und Überweisungsbe-\n\nschlusses kommt dann nicht mehr \n\nin Betracht (BGH, Beschluss vom \n\n23. Oktober 2008 - VII ZB 16/08, aaO). \n\n5 \n\nb) Eine Entscheidung des Senats über die Rechtsbeschwerde kann nicht \n\nvor dem 1. November 2009 ergehen. Die Rechtsbeschwerde ist noch nicht be-\n\ngründet und es ist angesichts der der Rechtsbeschwerdeführerin eingeräumten \n\nFrist zur Begründung der Rechtsbeschwerde bis zum 16. November 2009 auch \n\nnicht zu erwarten, dass die Begründung so rechtzeitig vor dem 1. November \n\n2009 eingeht, dass eine Beratung und Entscheidung noch möglich wird. \n\n6 \n\n3. Die Entscheidung über die Gewährung von Prozesskostenhilfe für den \n\nSchuldner beruht auf §§ 114, 115, 119 Abs. 1 Satz 2 und 121 Abs. 1 ZPO. \n\nKniffka \n\nSchmidt-Räntsch \n\nSafari Chabestari \n\nHalfmeier \n\nLeupertz \n\nVorinstanzen: \nAG Kirchheim unter Teck, Entscheidung vom 17.03.2000 - 2 M 450/00 - \nLG Stuttgart, Entscheidung vom 06.08.2009 - 2 T 133/09 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-28/vii-zb-82-09","cited_norms":[{"jurabk":"BetrAVG","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 121","ref_norm":"121","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 570","ref_norm":"570","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 851","ref_norm":"851","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-28/vii-zb-82-09","retrieved":"2026-07-10 19:57:59.096691+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-10-28/vii-zb-82-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VII. 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