{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-10-08","aktenzeichen":"IX ZB 227/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 227/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. Oktober 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, die Richter Raebel, Vill, die Richterin Lohmann und den Richter \n\nDr. Pape \n\nam 8. Oktober 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 3. Zivilsenats \n\ndes Oberlandesgerichts Bamberg vom 4. September 2008 wird \n\nauf Kosten des Klägers als unzulässig verworfen. \n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 193.975,32 € \n\nfestgesetzt. \n\nGründe:\n\nI. \n\n1 \n\nDer Kläger verlangt vom beklagten Rechtsanwalt Schadensersatz in Hö-\n\nhe von 193.975,32 € nebst Zinsen. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. \n\nDie Berufung des Klägers ist gemäß § 522 Abs. 2 ZPO durch einstimmigen Be-\n\nschluss zurückgewiesen worden. Mit seiner Rechtsbeschwerde will der Kläger \n\ndie antragsgemäße Verurteilung des Beklagten, hilfsweise die Zurückverwei-\n\nsung der Sache an das Berufungsgericht erreichen. \n\nII. \n\n2 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft. Gemäß § 574 Abs. 1 ZPO fin-\n\ndet die Rechtsbeschwerde nur dann statt, wenn dies im Gesetz ausdrücklich \n\nbestimmt ist oder das Beschwerdegericht, das Berufungsgericht oder das Ober-\n\nlandesgericht im ersten Rechtszug sie in dem Beschluss zugelassen hat. Bei-\n\ndes ist hier nicht der Fall. Es geht um einen Beschluss nach § 522 Abs. 2 ZPO, \n\nder kraft ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung nicht anfechtbar ist (§ 522 \n\nAbs. 3 ZPO). \n\n3 \n\n1. Der Kläger hält die Vorschrift des § 522 Abs. 2 ZPO, jedenfalls aber \n\ndiejenige des § 522 Abs. 3 ZPO für verfassungswidrig. Die Ungleichbehandlung \n\nvon Zurückweisungsbeschlüssen einerseits, die Berufung zurückweisenden \n\nUrteilen bei einer Beschwer von mehr als 20.000 € andererseits sei sachlich \n\nnicht gerechtfertigt. Dies gelte insbesondere wegen der tatsächlich zu beobach-\n\ntenden Rechtsanwendungsungleichheit. Der Kläger beruft sich dabei unter Dar-\n\nlegung von Einzelheiten auf die Aufsätze des Vorsitzenden Richters am Bun-\n\ndesgerichtshof Prof. Dr. Krüger (NJW 2008, 945) und des Rechtsanwalts beim \n\nBundesgerichtshof Dr. Nassall (NJW 2008, 3390). \n\n4 \n\nDer Bundesgerichtshof wendet die Vorschrift des § 522 Abs. 3 ZPO in \n\nständiger Rechtsprechung an (z.B. BGH, Beschl. v. 6. Juli 2006 - IX ZB 261/04, \n\nNJW-RR 2006, 1574, 1575; v. 7. November 2006 - VIII ZB 38/06, NJW-RR \n\n2007, 284; v. 23. November 2006 - IX ZR 141/04, WM 2007, 570; v. 8. März \n\n2007 - VII ZB 2/04, BauR 2007, 1090; v. 28. Oktober 2008 - V ZB 109/08, NJW-\n\nRR 2009, 209). Zu einer Vorlage nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG sieht der Se-\n\nnat auch im vorliegenden Fall keinen Anlass. Das Bundesverfassungsgericht \n\nbejaht in ständiger Rechtsprechung die Verfassungsmäßigkeit des § 522 Abs. 3 \n\nZPO (vgl. etwa BVerfG NJW 2008, 3419; NJW 2009, 137; NJW 2009, 572; \n\nBVerfG, Beschl. v. 10. Oktober 2008 - 1 BvR 1421/08, n.v.; v. 25. Februar 2009 \n\n- 1 BvR 3598/08, n.v.). \n\n5 \n\n2. Der Kläger hält den angefochtenen Beschluss außerdem deshalb für \n\nverfassungswidrig, weil das Berufungsgericht in mehrfacher Hinsicht gegen Art. \n\n103 Abs. 1 GG verstoßen habe. Der behauptete Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 \n\nGG allein begründet die Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde jedoch nicht. Ins-\n\nbesondere liegt nicht der Ausnahmefall der unzumutbaren und sachwidrigen \n\nErschwerung des Zugangs zur Rechtsmittelinstanz vor, was insbesondere dann \n\nin Betracht kommt, wenn das Berufungsgericht nach § 522 Abs. 2 ZPO vorgeht, \n\nobwohl die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat (vgl. BVerfG NJW 2009, \n\n572, 573 f; BVerfG, Beschl. v. 25. Februar 2009 - 1 BvR 3598/08, Rn. 10 ff). \n\nDer (behauptete, vom Senat nicht geprüfte) Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG \n\nbetrifft das Zustandekommen der angefochtenen Entscheidung, nicht die Wahl \n\nzwischen dem Beschlussverfahren nach § 522 Abs. 2 ZPO und dem \"normalen\" \n\nBerufungsverfahren. Eine Anhörungsrüge (§ 321a ZPO) hat der Kläger nicht \n\nerhoben. \n\nGanter \n\nRaebel \n\nVill \n\nLohmann \n\nPape \n\nVorinstanzen: \n\nLG Bamberg, Entscheidung vom 16.10.2007 - 1 O 1/07 - \n\nOLG Bamberg, Entscheidung vom 04.09.2008 - 3 U 279/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-08/ix-zb-227-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":9},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 100","ref_norm":"100","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 321a","ref_norm":"321a","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-08/ix-zb-227-08","retrieved":"2026-07-10 20:01:42.204729+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-10-08/ix-zb-227-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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