{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"V. Zivilsenat","decided":"2009-10-01","aktenzeichen":"V ZB 37/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"ZPO § 765a Ein rechtskräftiger Zuschlagsbeschluss kann nicht nach § 765a ZPO aufgehoben werden.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nV ZB 37/09 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n1. Oktober 2009 \n\nin dem Zwangsversteigerungsverfahren \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja\n\nZPO § 765a \n\nEin rechtskräftiger Zuschlagsbeschluss kann nicht nach § 765a ZPO aufgehoben \n\nwerden. \n\nBGH, Beschluss vom 1. Oktober 2009 - V ZB 37/09 - LG Potsdam \nAG Potsdam \n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 1. Oktober 2009 durch den \n\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger, den Richter Dr. Klein, die Richterin \n\nDr. Stresemann und die Richter Dr. Czub und Dr. Roth \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde der Schuldner gegen den Beschluss der \n\n2. Zivilkammer des Landgerichts Potsdam vom 18. Februar 2009 \n\nwird zurückgewiesen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt \n\n90.000 €. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\n2 \n\nDie miteinander verheirateten Schuldner sind als Eigentümer des im \n\nRubrum des Beschlusses bezeichneten Grundstücks im Grundbuch eingetra-\n\ngen. Das Grundstück ist mit einem Einfamilienhaus bebaut, in welchem die \n\nSchuldner wohnen. \n\nAuf Antrag der Gläubigerin ordnete das Amtsgericht die Zwangsverstei-\n\ngerung des Grundstücks an. Im Versteigerungstermin blieb der Beteiligte zu 4 \n\nmit einem Gebot von 90.000 € Meistbietender. Durch Beschluss vom 28. Juli \n\n2008 wurde ihm das Grundstück zugeschlagen. Die hiergegen gerichtete sofor-\n\ntige Beschwerde der Schuldner wurde mit am 21. November 2008 den Schuld-\n\nnern zugestelltem Beschluss des Landgerichts vom 17. November 2008 zu-\n\nrückgewiesen. \n\n3 \n\n4 \n\nMit Schriftsatz vom 24. November 2008 haben die Schuldner beantragt, \n\ndie Anordnung der Zwangsversteigerung des Grundstücks gemäß § 765a ZPO \n\naufzuheben, weil der Schuldner lebensbedrohlich erkrankt sei und das laufende \n\nVerfahren die Chancen seiner Heilung beeinträchtigen könne. \n\nDas Amtsgericht hat den Antrag als unzulässig verworfen. Die sofortige \n\nBeschwerde der Schuldner hiergegen ist ohne Erfolg geblieben. Mit der von \n\ndem Landgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgen sie ihren Antrag \n\nweiter. \n\nII. \n\n5 \n\nDas Beschwerdegericht meint, die ernsthafte Gefährdung des Lebens \n\ndes Schuldners könne im Zuschlagsverfahren zwar erstmals geltend gemacht \n\nwerden und zur Aufhebung und Versagung des Zuschlags führen. Nach Eintritt \n\nder Rechtskraft des Zuschlags komme die Aufhebung des Versteigerungsver-\n\nfahrens jedoch nicht mehr in Betracht. \n\n6 \n\n7 \n\n8 \n\nIII. \n\nDas hält rechtlicher Nachprüfung stand. \n\nDer Antrag der Schuldner ist auf eine Entscheidung gerichtet, die das \n\nVollstreckungsgericht nicht treffen darf. Er ist unzulässig. \n\nEine Maßnahme der Zwangsvollstreckung kann nach § 765a Abs. 1 ZPO \n\naufzuheben sein, wenn sie unter voller Würdigung der Schutzbedürfnisse des \n\nGläubigers wegen besonderer Umstände für den Schuldner eine Härte bedeu-\n\ntet, die mit den guten Sitten nicht vereinbar ist. Ob die Vorschrift es ermöglicht, \n\nein angeordnetes Zwangsversteigerungsverfahren insgesamt aufzuheben, kann \n\ndahingestellt bleiben. Die beantragte Entscheidung müsste die Aufhebung des \n\nrechtskräftigen Beschlusses vom 28. Juli 2008 umfassen. Dies wäre nur mög-\n\nlich, wenn das Verfahrensrecht die Aufhebung zuließe. Daran fehlt es. Die Ent-\n\nscheidung über den Zuschlag ist der Rechtskraft fähig (BGH, Urt. v. 10. Oktober \n\n1959, VII ZR 68/58, WM 1960, 25, 26; Urt. v. 15. Mai 1986, IX ZR 2/85, NJW-\n\nRR 1986, 1115, 1116; Stöber, ZVG, 19. Aufl. § 81 Rdn. 9.1). Die Verkündung \n\nder Entscheidung hindert gemäß § 318 ZPO das Vollstreckungsgericht an einer \n\nAufhebung. Ist die Entscheidung rechtskräftig geworden, scheidet ihre Aufhe-\n\nbung auch im Rechtsmittelverfahren aus. \n\n9 \n\nDer Zuschlagsbeschluss ist eine hoheitliche Maßnahme, die in der Per-\n\nson des Zuschlagsbegünstigten Eigentum schafft und das Recht, aus dem die \n\nZwangsversteigerung betrieben wird, und die diesem nachgehenden Rechte als \n\nRechte an dem Grundstück erlöschen lässt, §§ 52 Abs. 1, 91 Abs. 1 ZVG. Ei-\n\nnen Wegfall dieser Wirkungen nach Eintritt der Rechtskraft des Zuschlagsbe-\n\nschlusses sieht das Zwangsversteigerungsgesetz nicht vor. Sie würde eine \n\nEnteignung des Zuschlagbegünstigten bedeuten, für die es an einer Grundlage \n\nfehlt. \n\nIII. \n\n10 \n\nEine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst, da sich die Beteiligten in \n\neinem Verfahren, in dem es um die Aufhebung des Zuschlags eines Grund-\n\nstücks geht, in der Regel nicht als Parteien im Sinne von §§ 91 ff. ZPO gegen-\n\nüberstehen (Senat, BGHZ 170, 378, 381 Rdn. 7). Der Gegenstandswert des \n\nVerfahrens ist gemäß § 54 Abs. 2 Satz 1 GKG nach dem Meistgebot des Erste-\n\nhers zu bestimmen. \n\nKrüger \n\nKlein \n\nStresemann \n\nCzub \n\n Roth \n\nVorinstanzen: \n\nAG Potsdam, Entscheidung vom 09.12.2008 - 2 K 4/07 - \n\nLG Potsdam, Entscheidung vom 18.02.2009 - 5 T 58/09 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-01/v-zb-37-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 765a","ref_norm":"765a","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 318","ref_norm":"318","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 54","ref_norm":"54","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-10-01/v-zb-37-09","retrieved":"2026-07-10 20:00:28.904222+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-10-01/v-zb-37-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"V. 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